Pebelas aus dem Düsterwald
#1
Pebelas schaute sich in der Runde um, welche sich um das Lagerfeuer versammelt hatte - er sah viele bekannte Gesichter doch auch etliche, welche er noch nie zuvor gesehen hatte. Nachdenklich blickte er in die Flammen und begann schließlich mit seiner Geschichte:

"Sicherlich ist euch allen zu Ohren gekommen, dass König Thranduil seinen Sohn Legolas mit einer äußerst wichtigen Aufgabe nach Imladris geschickt hat, mehr weiß auch ich euch leider nicht darüber zu berichten. Kurz nachdem Legolas den Düsterwald verlassen hatte erreichten den König beunruhigende Neuigkeiten. Ein Kundschafter Thranduils, welcher Neuigkeiten von den Grenzen des Düsterwalds zum König brachte, traf - von vielen Orkpfeilen tödlich verwundet - bei ihm ein. Aus den wirren Worten des Elben konnte Thranduil nur zwei Worte entnehmen: 'Faer Eryn' "

Pebelas machte eine kleine Pause und wartete, bis das plötzlich eintretende Gemurmel schwächer wurde, dann fuhr er fort:

"Einige von euch mag es überraschen, dass dem König diese Worte geläufig waren, doch dazu später mehr. Kurz darauf rief Thranduil mich zu sich und übergab mir einen Brief mit einigen Instruktionen - ich sollte weit in den Westen reisen und nach einem gewissen Himelen suchen, ihm den Brief überreichen und um eine Aufnahme in euren Bund ersuchen.
Ich machte mich zugleich auf den Weg - doch bereits auf dem Hohen Paß wurde ich von zahllosen Orks überfallen, welche mein treues Pferd töteten..."

Erneut machte Pebelas eine Pause und versuchte den aufkommenden Schmerz zu ignorieren.

"Nur durch die Hilfe einiger Bruchtal-Späher konnte ich dem gleichen Schicksal entrinnen. Bevor ich den Düsterwald verlies, mahnte mich Thranduil zu größter Eile - dieser Überfall weckte auch in mir seine Besorgnis und ohne lange in Imladris zu verweilen, setzte ich meinen Weg fort. Nach langer und beschwerlicher Reise erreichte ich schließlich die Siedlung Falthlorn. Da ich niemanden antraf, blieb mir nur, den Brief einzuwerfen und abzuwarten.
Schon nach kurzer Zeir erreichte mich ein Rabe mit einer Botschaft von Himelen - ich solle nach Mitgliedern der Faer Eryn suchen. Erst nachdem ich einige von euch von meiner Geschichte überzeugt hätte, würde er mir eine persönliche Audienz gewähren.
So machte ich mich auf die Suche - nur mit einer Liste von Namen. Viele Monde streifte ich durch Eriador auf der Suche nach jenen Personen.
In der Nähe von Esteldín schließlich fand ich endlich die Spur von einem von euch - sein Name war Firndilion der Unbezwingbare. Da ich aber kein Pferd mehr hatte, gelang es mir nur seine Spur zu verfolgen. Sie führte mich über Schragen und Bree bis nach Thorins Tor. Dort endlich konnte ich ihn einholen - und er war der erste, dem ich meine Geschichte erzählen konnte. Er überzeugte mich, noch weitere Mitglieder der Faer Eryn zu suchen bevor ich Himelen treffen konnte...
Ich hatte Glück, denn kurz darauf traf ich ebenfalls in Thorins Tor einen Elben namens Lhunkemen - er lud mich in das Haus eines Zwergen namens Garomur ein - dort berichtete ich auch ihm von meiner Reise."

Erneut machte Pebelas eine Pause und dachte für einen Moment an das traurige Schicksal des Elben - dann fuhr er wieder fort:

"Später traf ich auch noch auf Gandrik, den ich ebenfalls von der Dringlichkeit eines persönlichen Gesprächs mit Himelen überzeugen konnte. Und dann geschah etwas, was meiner Suche ein Ende bereiten sollte: ich war zurück in Bree und ging in das dortige Gasthaus um nach einem Elbenhändler Ausschau zu halten, welcher mir Lembas verkaufen konnte. Ich beabsichtigte weiter im Osten mit der Suche fortzufahren. Da entdeckte ich in einer Ecke des Gasthauses eine Gruppe von Elben - ich glaube es war auch ein Zwerg zugegen. Ich setzte mich in die Nähe der Gruppe und belauschte sie ein wenig - ich wollte meiner Vermutung ganz sicher sein. Wie sich herausstellte, war ich am Ende meiner Suche angelangt - ich hatte Himelen und viele weitere Mitglieder der Faer Eryn gefunden. Auch ihnen erzählte ich meine Geschichte - mit dem Ergebnis, dass ich als Anwärter in den Bund aufgenommen wurde"

Pebelas nahm sich die Zeit sich eine Pfeife anzuzünden - eine Angewohnheit, welche er von einem Zwerg - Brimli - übernommen hatte.

"Nun wisst ihr wie ich zu euch kam - nicht aber wer ich bin oder woher Thranduil von euch wusste. Die meisten von euch wissen, wessen Sohn Legolas ist, doch die wenigsten kennen seine Mutter. Der König fürchtet um ihre Sicherheit, sollte ihre Identität bekannt werden, ich musste ihm schwören, den Namen nie zu nennen. Ihr müsst wissen, dass sie eine alte Elbin ist, eine sehr alte sogar. Wenn ihr nun erfahrt, dass sie bei der großen Schlacht am Ende des Zweiten Zeitalters dabei war, verwundert es euch nun nicht mehr, dass sie auch bei der Gründung des Bundes zugegen war - und dies ist der Grund, weshalb auch Thranduil um euch weiß."

Erneut wartete Pebelas bis das Gemurmel abnahm, dann holte er tief Luft und endete seine Geschichte:

"Nun bleibt mir nur noch mich vorzustellen. Mein Vater starb bei der Schlacht und über meine Mutter habe ich soeben gesprochen - ich bin Legolas' Halbbruder und Thranduils Stiefsohn."

Damit beendete Pebelas seine Geschichte und dachte über die vielen Anweisungen Thranduils nach, welche er ihm gegeben hatte. Thranduils Visionen von brennenden Wäldern (und seine Befürchtung, dass damit die Geister des Waldes gemeint waren) hatte er Himelen gegenüber bereits erwähnt, ebenso Thranduils Sorge vor Gefahren, dass der Schatten im Osten von der Existenz des Bundes wisse. Doch viele weitere Informationen sollte er erst später, wenn die Zeit gekommen war, an die Faer Eryn übermitteln - Thranduil vertraute Pebelas, dass er den rcihtigen Zeitpunkt erkannte und Pebelas dachte sich, dass er für den Moment genug gesagt hatte...

"Nun kennt ihr mich und meine Geschichte und mir bleibt nur übrig eure Fragen zu beantworten, so gut ich kann."

Eine Stille trat ein und Pebelas blickte sich um und musterte die vielen Gesichter um ihn herum...
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#2
Als es eine Weile still geblieben war und Pebelas merkte, dass niemand das Wort ergreifen würde, obwohl er einige mißtrauische Blicke auf sich zog, begann er mit leiser Stimme zu singen:

Im Osten Ist Schatten
Im Westen Ist Licht
Bericht Zu Erstatten
Dies Ist Eure Pflicht

So Suchet Die Geister
Bewachend Den Wald
Und Sprecht Mit Dem Meister
In Andrer Gestalt

Die Wälder Sie Brennen
Doch Hoffnung Besteht
Sie Müssen Ihn Kennen
Es Ist Nicht Zu Spät


Peblas machte eine kleine Pause, dann sprach er mit lauterer Stimme:

Dies war eins der Lieder, welches Thranduil während seiner Visionen hörte. Er brachte es mir bei, um euch von meiner Geschichte zu überzeugen.

Damit endete Pebelas erneut und starrte in die Flammen...
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#3
Viele, viele Jahre später

Pebelas richtete sich auf als er ein Geräusch hörte und zuckte zusammen als die Schmerzen erneut durch seine aufgescheuerten Handgelenke schossen.

Esteluilas? Bist du das?

Obwohl seine Augen an die Dunkelheit gewöhnt waren konnte er in der seit Tagen andauernden Finsternis seiner Zelle nichts erkennen.

Mit leiserer Stimme fragte er erneut Esteluilas?

So hockte er noch eine Weile aufmerksam horchend da, dann lies er sich wieder zu Boden sinken - so weit es die Ketten an seinen Armen zuließen...
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#4
Spricht er immer noch von ihr?

Pebelas öffnete die Augen - zumindest glaubte er das. Wo kam die gedämpfte Stimme her?

Ja hir. Von ihr und niemand anderem.

Eine zweite Stimme. Ebenfalls gedämpft. Was bei den ...

Schmerz.

Meine Augen - was ist mit meinen Augen?

Pebelas krümmte sich zusammen und presste sich die Hände vors Gesicht als ein winziger Lichstrahl durch die soeben geöffnete Tür ihn unvermittelt blendete. Eine kratzendes Geräusch, dann war Ruhe.

Als Pebelas die Augen wieder öffnen konnte war die Tür bereits geschlossen. Er tastete den Boden ab, bis er seine Hand in eine kalte Flüssigkeit tauchte. Wasser. Gierig griff er nach dem Krug aber seine Ketten waren zu kurz, weshalb er durch den Ruck den Krug umstieß. Pebelas rollte sich an der Stelle zusammen, zu der er gekrochen war und versuchte nicht zu zittern.

Esteluilas... Wo ... Wo bist du?
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#5
Ich bin hier Pebelas...

Er versuchte den Kopf in die Richtung der Stimme zu drehen.

Warum sprichst du so leise...? Ich... Ich kann dich kaum verstehen...

Ich spreche wie immer muindor... Du hörst nur nicht richtig zu...

Doch... doch... ich ... fühle mich nur ... so schwach... der ... Stein ... wo ... wo ist ... der Himmel?

Ein Geräusch wie ein leises Schluchzen

Warum...? Warum tust du mir ... das an... Bleib bei mir...

Was? Ich ... ich ... bin doch hier...

Stille.

Esteluilas?

Stille.

Muinthel?

Stille.

Pebelas rollte sich wieder zusammen und stöhnte leise.
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#6
Noch immer verwirrt von den Worten die er gesprochen hatte, wanderte Silanwen aus Imlad Gelair. Kaum sah sie die Wachen dort an, strich nur an ihnen vorbei wie ein Lufthauch.

Was hatte das nur alles zu bedeuten?

Eiligen Schrittes schlug sie den Weg zu ihrem Elternhaus ein um dort ihre Sachen für die Rückreise zusammenzupacken. Ungewohnt schweigsam war sie, was auch ihren Eltern rasch auffiel.

"Du musst schon wieder fort, Celebhen?" sprach ihre Mutter sie mit dem Namen, den sie ihr gegeben hatte, an.

Sie wusste nichts zu antworten, seufzte lediglich und nickte, woraufhin ihr Vater sie an der Hand nahm und anlächelte, wie er es so oft getan hatte, als sie noch in Imladris lebte.

"Dann reite schnell, die Angelegenheit scheint wichtig zu sein. Und komm bald wieder." meinte Silanwens Vater in gewohnt ruhigem Ton, was ihm einen etwas verärgerten Blick seiner Gemahlin bescherte, der jedoch schnell wieder verflog.

Den Weg zu Meister Elronds Ställen legte sie mit langen Schritten zurück und flink zog sie sich in Mithlims Sattel. Der Grauschimmel wirkte wieder völlig erholt von der eiligen Reise nach Imladris und bäumte sich auf, was dem Stallmeister einen panischen Blick entlockte. Er und der Grauschimmel hatten immer wieder ihre Differenzen, die Mithlim stets für sich entschied.

Ein leises Flüstern der Jägerin im Sattel folgte und der Grauschimmel preschte wie entfesselt davon, nahm die schmale Brücke über den Bruinen mit schlafwandlerischer Sicherheit und legte den gewundenen Weg der in die Trollhöhen führte in Windeseile zurück.

Eine Weile sahen ihre Eltern den Pfad hinauf, selbst als Ross und Reiterin schon lange verschwunden waren, blieben sie noch eine Weile stehen. "Ich wünschte, sie würde wieder hier leben." flüsterte Calriel, Silanwens Mutter leise und Amathdir, ihr Vater, brummte eine ebenso leise Zustimmung. "Sie hat eine Aufgabe und nichts wird sie aufhalten, ehe diese erfüllt ist. Du weisst, wie sie ist. Denn diesen Wesenszug hat sie von Dir, meine Liebe." Die Beiden lachten, als Calriel sich betont unschuldig gab und kehrten in ihr Haus am Ufer des Bruinen zurück.

Im Hochmoor hingegen herrschte höchste Aufregung. Vögel kreischten aufgeregt, Dachse versuchten sich vor den donnernden Hufen in Sicherheit zu bringen. Die Wenigen, die sich nicht rechtzeitig verbergen konnten, umkurvte der gewaltige Grauschimmel mühelos, über einen besonders trägen Keiler flog er regelrecht mit einem langen Satz.

"Echad Candelleth oder Thorenhad?" schoss es Silanwen durch den Kopf, als sie die Strecke im Geiste zurücklegte. Beide Elbenlager lagen ein gutes Stück entfernt von der Hauptstrasse und würden die Reise, wenn auch nur kurz, verzögern. Kurz duckte sie sich unter einem tiefhängenden Ast hindurch, klapste Mithlim dann tadelnd auf den Hals. "Ich weiss, ich weiss, ich bin ja bei Dir, Du sturer Esel." flüsterte die Elbin im Sattel dem Pferd zu und lenkte ihre Aufmerksamkeit auf den Weg, der vor ihr lag.

Die Bruinenfurt war kein Hindernis und nichtsahnende Beobachter hätten auf den Gedanken kommen können, eine neuerliche Flut sei entfesselt worden, so weit spritzte das Wasser davon, die elbische Reiterin und ihr Pferd unter Abermillionen von glitzernden Wassertropfen verbergend. "Du brauchtest wohl die Abkühlung." flüsterte Silanwen ihrem Grauschimmel neckend ins Ohr, wohl wissend was sie damit erreichte.Wie um das Gegenteil zu beweisen, steigerte Mithlim die Geschwindigkeit noch einmal und warf den Kopf unbändig auf und ab, ehe ihn die Jägerin im Sattel wieder etwas zügelte. Er war in diesen Belangen etwas empfindlich.

Erst in Barachens kleinem Lager, für das sich Silanwen schliesslich entschieden hatte, nahm die wilde Jagd ein einstweiliges Ende. Mehr um die Zeit zu haben, die Nachricht zu lesen, als aufgrund der Erschöpfung. Und der Inhalt veranlasste die Jägerin bald schon wieder aufzubrechen. Bald schon sah man sie die Letzte Brücke überqueren und die trockenen Pfade der Einsamen Lande ächzten unter dem schnellen Ritt der Elbin. Heimlichkeit war nicht massgeblich. Schnelligkeit war es, die zählte.

Eine Patrouille der Feste Guruth kam aufgeregt in die Gemäuer zurück und die Männer erzählten ungläubig von einem rasenden Schatten, der sie fast zu Tode erschreckt und den Anführer beinahe niedergetrampelt hatte. Alle waren sie noch vom aufgewirbelten Staub der Strasse bedeckt, manch einer hustete und seine Augen spiegelten Furcht wieder, ob der nächtlichen Begegnung. Die Reiterin, schon ein gutes Stück entfernt, flüsterte tadelnde Worte in Mithlims Ohr, doch der Hengst wieherte nur trotzig und setzte seinen Weg fort.

Ein Betrunkener, der seine Lager in der Einsamen Herberge hatte, erzählte ähnliches. Doch man glaubte ihm nicht so recht, denn er hatte am Vorabend dem Met reichlich zugesprochen. Das hatte ihn nach draussen getrieben und seine nasse Hose, die das Zusammentreffen bezeugt hätte, war im spärlichen Kerzenschein und dem morgendlichen Zwielicht nicht zu sehen. Also legte er sich wieder schlafen und schreckte nur noch einmal hoch, als ihm die trommelnden Hufe in den Ohren klangen. Ein Traum. Mehr nicht.
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#7
Erst am Morgen im Breeland wurden Ross und Reiterin etwas langsamer. Dichter Nebel lag über den Mooren und Silanwen war froh nicht den Weg über den Mückenwasserpass genommen zu haben sondern die Strasse. Sie war den Weg zwar schon einige Male gegangen, doch war er tückisch, änderte sich beinahe täglich und war für ein rasches Vorankommen eine schlechte Wahl.

Sie entschied zumindest ein paar Stunden bei Jaana in der Breelandsiedlung zu rasten, was ihr selbst und auch Mithlim guttun würde. Noch vor der Dämmerung würde sie wieder aufbrechen, um das Auenland Nachts zu erreichen, wollte sie doch dort so wenig wie möglich gesehen werden.

Wenige Worte verlor sie gegenüber ihrer Freundin über ihren Auftrag und lenkte immer wieder vom Thema ab, bis die Schneiderin schliesslich das Fragen aufgab und man von etwas anderem sprach. Mithlim erhielt die benötigte Pflege und erholte sich für den weiteren Weg, frass sich am fetten Gras, das überall wuchs, satt.

Ehe der Abend hereinbrach machten sich Silanwen und ihr Grauschimmel wieder auf den Weg, nicht ehe sie auch Jaana versprach bald wiederzukommen. Gestärkt und wieder in Eile, überlegte sie kurz den Weg durch die Hügelgräberhöhen zu nehmen, doch sie wusste um Mithlims abneigung gegen diesen Weg, also umrundete sie Bree und bog an der Grünwegkreuzung nach Westen ab, benutzte die kleine Brücke etwas nördlich der Hauptbrücke.

Leicht bewölkt war es und Silanwen lächelte und hoffte, dass die Wolken die Nacht noch dunkler machen würden. Schon sah sie im Wald die ersten Feuer brennen, doch kümmerte sich nicht darum. Sie waren zu weit von der Strasse entfernt um eine Gefahr für sie darzustellen.

Bei Arthurs Lager zügelte die Jägerin Mithlim ein wenig, wusste sie doch, dass dort einige Menschen lagerten, die dort jagten und arbeiteten. Als sie gemessenen Schrittes passierte, hörte sie die Lieder und Geschichten an den Feuern. Zu gerne hätte sie sich einfach unerkannt hinzugesellt, doch Eile war geboten und so beschleunigte sich die Reise wieder.

Als sich die Pfeiler der Baranduinbrücke aus der Dunkelheit schälten, verlangsamte sie Mithlims Schritt deutlich. Die Brücke war aus Stein und wenn man sie zu schnell überquerte, würde der Hufschlag das ganze Auenland wecken, was sie trotz der Hast unbedingt vermeiden wollte. Die Hobbits sollten unberührt bleiben von den Wehen der Geschehnisse und in der Illusion weiterleben, dass alles sicher war und auch blieb.

Sie war abgesessen als sie Stock erreichte, nahm den Weg nach Süden um die Strasse über Waldhof zu nehmen, war diese doch deutlich weniger belebt und sobald die Siedlung ausser Sichtweite war, zog sich sich erneut in den Sattel. Vielleicht hatte sie ja Glück und traf im Elbenlager, dass über Waldhof thronte, auf Angehörige ihres Volkes.

Enttäuscht über die völlige Stille die dort herrschte lenkte sie ihren Grauschimmel dennoch in das verlassene Lager. Die Asche war kalt und es war wohl einige Tage her, als hier zuletzt jemand lagerte. Dennoch entschied sich Silanwen, zumindest eine kurze Rast einzulegen. Wieder nahm sie die Nachricht zur Hand und las die Zeilen, schüttelte ungläubig den Kopf.

Es war wieder Zeit aufzubrechen und diesmal würde sie die Strassen verlassen müssen, um den Ortschaften nicht zu nahe zu kommen und so flog sie auf Mithlims Rücken in gestrecktem Gelopp über Felder und Mauern. Nur in einem der Smials brannte noch Licht und sie schlug einen grossen Bogen darum, ehe sie Wegscheid in Richtung Norden verliess.

Erfreut über den Zustand des Weges in den Binsenmooren kamen Ross und Reiterin gut voran. Selbst die morsche Brücke über einen Ausläufer des Moores war repariert worden und knarzte munter unter der Last, dennoch war sie langsam und verfiel selten in Galopp. Zäher Nebel lag auch hier über dem Moor und die Sonne hielt sich noch hinter dem Horizont.

Die Lichter von Nadelhhol begrüssten sie freudig funkelnd und Silanwen zog die Kapuze tief ins Gesicht um ihre Herkunft zu verbergen als der erste Grenzer in Sicht kam. Ein reichlich träger und zudem noch müder Bursche stand am Tor des Dorfes und beäugte sie kritisch, die Grenzerkeule in der Hand.

"Ich will Euch kein Leid zufügen. Nach Westen führt mich mein Weg und ich bin in grosser Eile." sprach Silanwen den Hobbit an, der am Klang ihrer Stimme ihre Herkunft sofort erkannte und erschrocken zusammenfuhr. Unfähig etwas zu erwiedern winkte er sie lediglich durch, die Keule weiterhin in der Hand. Er schluckte, als er das glitzern der Schwertscheide an ihrer Seite bemerkte und war froh, als sie Mithlim langsam durch den noch immer schlafenden Ort lenkte.

Die Zwergenbrücken überquerte sie rasch und der neue Tag brach an als sie das Tor zu den Turmbergen passierte. Wenige lebten hier und nachdem sie Mithlim getränkt hatte, setzen die beiden ihren Weg über die Strasse nach Westen fort. Rasten könnten sie, wenn sie in Falathlorn angelangt waren zu Genüge und hier gab es nichts, wovor sie sich besser verbergen sollte.

Sanft lag der Schein der untergehenden Sonne auf ihrem Gesicht, als das Tor nach Falathlorn in Sichtweite kam. Mehr als einmal hatte sie die Blicke von den hohen Wachtürmen der Elben gespürt, doch sie war niemandem begegnet noch aufgehalten worden. Die meisten Wächter erkannten sie schon aus der Ferne und es bestand kein Grund ihre Reise zu behindern.

Erst am Tor der Siedlung verfiel Mithlim in leichten Trab und stoppte dann schlussendlich, woraufhin Silanwen sich etwas erschöpft aus dem Sattel rutschen liess. Die Nachricht sicher in ihrem Bündel tragend, sprach sie die Torwache an, nannte ihr Anliegen doch nicht den Grund dafür.

"Ich bin Silanwen, die Jägerin und als Botin unterwegs. Weit geritten bin ich und wenig habe ich gerastet. Gebt Herrn Malthus bescheid ich würde hier am Tor stehen und um Einlass ersuchen. Doch eilt Euch, denn die Reise hat mich ungeduldig gemacht und ich bin müde und hungrig."

Und so schloss sie und kein Wort drang mehr über ihre Lippen. Sie war am Ziel ihrer Reise und der dritte Tag neigte sich dem Ende entgegen. Die Last in ihrem Bündel wog schwer, doch sie würde aufrecht stehend die Botschaft überbringen.
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#8
Nendis stand gerade nahe des Tors als sie Silanwen hörte,
die Stimme kam ihr bekannt vor.

Silanwen, sprach sie: Mae Govannen, ihr seht ja aus als wärt ihr vom Wolf gehetzt. Ist etwas passiert? Geht es Euch gut? Kann ich Euch helfen?

Nendis sah sich Silanwen genauestens an ob sie Verletzungen sehen konnte oder ob
sonst etwas nicht in Ordnung war.

Sie konnte aber nichts entdecken, außer das Silanwen müde aussah und augenscheinlich
einen anstrengenden Ritt hinter sich.
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#9
Nicht der Wolf war es, der mich zur Eile trieb. Doch etwas ähnliches war es wohl... zweifellos. antwortete sie nachdenklich Und nein, ich fürchte, Ihr könnte nichts für mich tun. Ich weiss Eure Fürsorge zu schätzen, doch die Nachricht, die ich überbringen will, ist für Herrn Malthus allein bestimmt. Ihm obliegt es, sie Euch anschliessend zu zeigen oder nicht. sprach die Jägerin Nendis überraschend schroff an.

Deutlich merkte man, dass ihr selbst nicht wohl dabei war und sie versuchte ein Lächeln um Nendis zu beruhigen.
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#10
Nun dann will ich ihn raschen suchen gehen und herbringen, denn es scheint wichtig zu sein, erwidert Nendis und schaut Silanwen etwas zweifelnd an.

Irgendwie war ihr plötzlich nicht ganz wohl, aber sie rief nach Alagos und galoppierte schnell hinunter zum Sippenhaus.
Malthus! , schrie sie schon fast, noch im abspringen von ihrem Pferd, der fast auf dem Rasen wegrutschte, als er abrupt anhalten sollte.

Und weiter sehr laut: Malthus, es ist dringend! Silanwen ist da und hat eine wichtige Nachricht!
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