Herr der Taler
#1
Eine dunkle Gestalt nähert sich Malthus von hinten heran. Fast unbemerkt streckt dieser Schatten seine Klauen nach Malthus aus.

Malthus fährt herum, packt ihn am Hals und hebt ihn mühelos empor.

In der anderen Hand hält Malthus einen geschwungenen Dolch, den er nun ganz nahe an dessen Gesicht hält.

Da erkennt er die Gestalt.

"HERONMIR!" entfährt es Malthus.

"Schleich Dich doch nicht so an mich heran, Du hättest tot sein können!! Sprich, was willst Du?"

Er sieht das Glitzern in den Augen von Heronmir.

Malthus nickt.

"Oh, es ist wieder soweit!!"

Knirschend nimmt Malthus seinen Beutel vom Gürtel und gibt die fällige Summe an die dunkle Gestalt.

"Mein Schaaatz!!!" entfährt es Heronmir, gierig greift er nach dem Geld, steckt es schnell weg, schaut sich , nach weiteren Opfern suchend, um und verschwindet in der Dunkelheit.


Malthus richtet sich an die übrigen Gefährten: "So höret! Ein neuer Monat hat angebrochen! Gebt Heronmir, was ihm zusteht! Säumet Ihr die Summe wird er Euch finden!!!"
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#2
"AAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHHHHH"

Ein Schrei! Das Haus erbebte leicht.

Malthus saß gerade in seinem Bett, nun hellwach. In der Hand eine scharfe Klinge. Er spähte in die Nacht hinaus.

"Was zum..." sagte er, dann nickte er stumm vor sich hin und verstand.

Er seufzte. War es wieder soweit.

Schnell kleidete er sich an, entzündete eine Fackel und ging hinunter in den Keller. Immer tiefer drang er in das Gewölbe vor. Nur der Schein seiner Fackel erläuchtete diesen dusteren Ort.

Er hörte das Klirren von Ketten, immer lauter.

ES WAR ERWACHT. Schon seit einigen Tagen wurde es unruhig, spürte, dass es Zeit wurde, endlich wieder auf die Jagd zu gehen. Dann, wenn er seine Aufgabe erledigt hatte würde er wieder still unten in einer dunklen Ecke seines Kerkers sitzen, das Essen verweigern und abwarten. Wenn Malthus einmal in der Woche hinab ging, um nach der Kreatur zu schauen hörte er kein Laut von ihm, kein Flehen nach Freiheit.

Doch wenn die Zeit gekommen war gab es kein Halten mehr.

Malthus trat näher an die Gitter heran, hielt die Fackel vor sich und erspähte sie...ihn.

"Heronmir!"

"Ihr kommt spät, Meister Malthus!"

Heronmir schaute sich um, als ob er schon Witterung aufnahm.

"Es ist wohl schon die sechste Stunde, wenn ich mich nicht irre. Wir haben schon wertvolle Zeit verloren!!"

Ungeduldig streckte er dem Waffenmeister seine angeketteten Hände entgegen.

"Hüte Deine Zunge, oder ich werde sie Dir zum Frühstück servieren!"

Sofort duckte sich Heronmir und schaute unterwürfig zu Malthus.

Malthus nahm den großen Schlüsselbund schloss die Zellentüre auf, dann die Fesseln von Heronmir.

"Endlich frei!"

"Heronmir, warte!! Geh' nach oben, wasche Dich und zieh Dir endlich wieder Kleidung an! Und dann...hol Dir, was Dir zusteht!"

Ein seltsames Leuchten umgab Heronmir, er trat einen Schritt auf Malthus zu und fletschte die Lippen.

"Was denn noch?" tönte Malthus

"Nun, Meister Malthus..."

Heronmir streckte eine lang und länger werdende Hand nach ihm aus.

"Nun, WAS?"

Heronmir grinste frech, entblößte seine Zähne, die im Schein der Fackel beängstigend wirkten.

"Ihr seid mein erstes Opfer!" Ein furchtbares Lachen erklang, halte von den Wänden wieder, als Malthus grummelnd in seine Tasche griff, ein Beutel heraus zog und es Heronmir zuwarf.

Gierig riss er es an sich und wiegte die Silberlinge in seinen Armen!

Er schaute nochmals zurück zu Malthus und rannte davon.


FREUT EUCH! Die Gildensteuer steht an!!

Bitte zahlt - wenn noch nicht geschehen - an Heronmir, was ihm zusteht. Er findet Euch ja doch!!
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#3
Malthus ist spät abends noch auf einem letzten Patroulliengang durch die Hallen der Faer Eryn. Alles ruhig, alle Türen sind verschlossen.

Doch halt, war da nicht ein Lachen?

Malthus hält inne und lauscht in die Dunkelheit. Da war es wieder!

Malthus rollt mit den Augen, er erkennt dieses Lachen. Er geht hinauf in den Turm, am Ratszimmer vorbei und zieht einen kleinen, unscheinbaren Schlüssel aus der Tasche, steckt diesen in ein Schlüsselloch und öffnet eine schwere, massive Eichentüre, die mit Eisen beschlagen war. Krachend prallt die Türe an die Wand.

"Heronmir, was tust Du hier?"

"Meister Malthus!!!"

Die dürre Gestalt fährt erschrocken zusammen. Ein Beutel mit Silberstücken fällt ihm aus der Hand, die Münzen rollen über den ganzen Boden. Malthus sieht, wie Heronmir versucht, unauffällig einen weiteren Beutel hinter seinen Rücken zu verstecken.

"Was tut Ihr denn hier? War ich etwa zu laut?"

"Ich frage Dich noch mal: Was tust Du hier?" Malthus tritt näher an Heronmir heran. Er schaut an ihm vorbei und sieht, dass Heronmir sämtliche Schatzkisten geleert hat. Mit den Münzen hat er einige Burgen nebst Türmchen gebaut.

"Offensichtlich habe ich Dich gestört bei" er zögert, schaut Heronmir und das Gebaute abwechselnd an. "Bei was auch immer!"

Peinlich berührt, dass Malthus ihn gestört hat schaut Heronmir zu Boden. Einen kleinen Moment später erhebt er aber wieder den Kopf und schaut Malthus unschuldig an. Mit ruhiger, ausgeglichener Stimme spricht Heronmir.

"Nun, Herr, was führt Euch zu mir? Wie kann ich Euch zu Diensten sein?"

"Der Monat endet bald. Es wird Zeit für uns, einige Rechnungen zu bezahlen. Die Miete ist fällig, der Vorratsschrank muss aufgefüllt werden und auch der Keller ist leer getrunken. Ich brauche Silberlinge, und das jetzt gleich!"

Ein lauter, lang anhaltender Schrei hallt durch die Siedlung Falathlorn / Gweluhad und lässt die Erde erzittern. Selbst im entfernen Duillon und Celondim kann man es noch deutlich hören. Aufgeschreckte Vögel fliegen von den Bäumen, bewaffnete Frauen und Männer stürmen aus den Häusern, sehen sich nach einer Bedrohung um, Kinder schreien, Pferde rennen aufgeregt in ihren Stallungen hin und her, einige Hunde fangen an zu jaulen.

In der Uferstraße 5 steht Malthus immer noch still, mit einem leicht genervten Gesichtsausdruck und schaut hinab auf das kleine Häuflein Elend, das sich immer noch laut wimmernd an seine Füße klammert. Grob stößt er Heronmir fort.

"Jetzt ist es aber genug, Heronmir!" herrscht er ihn an. "Nun gib' mir schon die Säcke mit Silber! Wie lange muss ich noch warten!"

Zögernd erhebt Heronmir seinen Blick, er schaut traurig zu Malthus, blutunterlaufene, verweinte Augen schauen flehend in die Richtung von Malthus. Doch dieser schaut nur grimmig drein und wartet, tippt genervt mit dem Fuß auf.

Widerwillig kommt Bewegung in die Gestalt. Sie robbte zu einer hochgebauten Münzfestung. Sie greift sich mit ihren langen, gierigen Fingern einen Münzbeutel, warf zwei Silberstücke herein. Heronmir macht Anstalten, diesen Beutel an Malthus zu reichen.

"Was soll das Heronmir! Ich verliere langsam die Geduld! Vielleicht sollte ich Dich wieder in den Kerker sperren! Na, wie würde Dir das gefallen?" herrscht Malthus ihn an.

Erschrocken fährt Heronmir zurück, kommt dabei mit seiner liebevoll aufgebauten Burg in Berührung, die laut scheppernd in sich zusammen fällt.

"NEIN, Herr! Nein! Nicht zurück in den Keller!!"

"Dann beeil Dich endlich, ich habe schon genug Zeit mit Dir verplempert!"

Schnell und geschickt füllt sich der Beutel.

Heronmir reicht den Beutel an Malthus und schaut dabei ehrfürchtig zu Boden.

"Bitte, seid sparsam damit und...wenn Ihr könnt...bringt mir den Rest doch zurück! Ja?"

Malthus verstaut den Beutel mit den Silberlingen, dreht sich um, geht langsam zur Tür. Hinter sich hört er das Wimmern der Kreatur, das klingt, als ob man ihr das Liebste der Welt entrissen hätte.

An der Türe bleibt Malthus stehen, dreht sich nochmals zu Heronmir um.

"Ach, was ich vergessen habe, Heronmir..."

Er blickt in die großen, erwartungsvollen Augen von Heronmir.

Malthus zwinkert.

"Heute Nacht, mein Lieber, sende ich Dich wieder hinaus! Schnapp Dir die Säumlinge! Press ihnen die Silberlinge heraus! Nimm es ihnen ab und bring' es hier her! Lass keine Gnade walten, sei hart und unbarmherzig! Wehe, Du enttäuschst mich!!"

Strahlend vor Glück steht die eben noch wimmernde Gestallt nun aufrecht im Raum, rennt zu Malthus, wirft sich ihm vor die Füße.

"Danke! Danke! Dank Euch, mein Herr!!"

Mit leuchtenden Augen fügt er hinzu.

"Ich werde sie alle finden! Keiner wird entkommen! Verlasst Euch auf mich!!"

Malthus nickt Heronmir kurz zu, geht zur Türe hinaus und lässt sie krachend ins Schloss fallen.
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#4
"Das kann nicht Euer Ernst sein! Malthus! Was...was soll das?"

Malthus sitzt in der Schatzkammer, betrachtet den, nun, konnte man diese kümmerliche, Gestalt denn überhaupt noch einen Menschen nennen. Heronmir, den Geldeintreiber der Faer Eryn, den Jäger der Schuldner, Knechter der Säumlinge.

Dieser schreitet wild durch den Raum, raufte sich seine Haare, ein wildes Gestrüpp, das nun noch mehr kreuz und quer auf Heronmirs Haupte lag.

"Heronmir!" Malthus steht auf, hebt beschwichtigend die Arme in die Höhe. "Heronmir, nun bleib' doch ruhig."

"Ruhig bleiben?" Heronmir schaute den Waffenmeister mit weit aufgerissenen Augen an. "Ich soll ruhig bleiben? Hasst Ihr mich so sehr, dass Ihr mir das antut?"

"Niemand hasst Dich, Heronmir. Gut, viele fürchten Dich, doch hassen. Nein, wer sollte soetwas tun?" Malthus lachte leise.

"Wir werden verhungern, verdursten. Wovon soll ich in Zukunft die Miete für die Hallen bezahlen? Die rauschenden Feste, die Reparaturen, wenn diese Zwerge im Suff wieder alles zerstören? Habt Ihr das bedacht?"

"Natürlich, Heronmir. Doch weißt Du doch selber, unsere Kasse ist gut gefüllt. Es besteht kein Grund zur Sorge!"

"Sorge? Bin ich hier denn der Einzige, der die Gefahr der Verarmung sieht?"

Grimmig beginnen plötzlich, Heronmirs Augen zu leuchten, böse schaut er zu Malthus.

"Sie ist schuld, nicht wahr?"

Malthus schaut Heronmir fragen an. "Von wem sprichst Du, Heronmir?"

"SIE, diese Elbin, Ferwnnan. SIE hat Euch doch diesen Floh ins Ohr gesetzt. Sie hat Euch den Kopf verdreht und nun...."

Doch weiter kommt die Gestalt, die Heronmir genannt wird nicht. Malthus packt ihn am Hals, hebt ihn mühelos in die Höhe, so dass seine Beine in der Luft baumeln und presst ihn an die Wand. Malthus hält eine kurze Dolchklinge vor sein Gesicht.

"Wenn Du noch einmal ihren Namen in den Mund nimmst, ihn nur denkst wird dieser Dolch das letzte sein, was Du in Deinem jämmerlichen Leben sehen wirst. Es geht Dich zwar überhaupt nichts an, wer diese Entscheidung getroffen hat, doch hat sie nichts damit zu tun."

Angstvoll schauen Heronmirs weit aufgerissenen Augen zu Malthus.

"Gewiss!" röchelt Heronmir. "Gewiss, Herr!"

Malthus nimmt die Hand von Heronmirs Hals, so dann dieser hart zu Boden fällt.
"Es ist der Wille des Rates, dem hast auch Du Dich zu unterwerfen! Es gibt keine Diskussionen mehr darüber. HABEN WIR UNS VERSTANDEN?" Den letzten Satz sagte Malthus mit drohender Stimme, er betont jedes Wort und lässt Heronmir bei jedem Wort erzittern. Böse schaut Malthus zu ihm hinab.

Heronmir hält sich den Hals vor Schmerz.

"Der Rat hat das entschieden? Wer ist in diesem Rat? Elben! Die verstehen halt auch nichts von Gold und von Reichtümern. Ich wünschte, es wären Zwerge im Rat, mit denen kann man über Schätze sprechen! Elben! Pah!"

"Du vergisst, dass auch mein Vater im Rat ist, so hüte Deine Zunge. Oder willst Du sie an einer Kette um Deinen Hals tragen?"

Malthus beugt sich hinab zu Heronmir, schaut diesen bedrohlich durch schmale Augenschlitze an.

"Tu, was ich gesagt habe, verstanden?"

Heronmir öffnet den Mund, um etwas zu erwidern, doch Malthus hebt drohend den Zeigefinger.

"Ich sagte, haben wir uns verstanden?"

"Ja, mein Herr!" gibt Heronmir kleinlaut von sich.

"Und nun geh mir aus den Augen, Heronmir!"

Malthus schaut Heronmir nach, als dieser aus der Kammer trottet und laut die Türe hinter sich zuschlägt. Einen Moment ist Malthus versucht, Heronmir etwas nachzurufen, doch das wäre zwecklos. So rollt Malthus, wie er es gelernt hat nur kurz mit den Augen, setzt sich an einen Schreibpult und bringt folgendes zu Papier:

Vernehmt die Anweisungen des Rates! Wir haben Heronmir die Kassenlage bestimmen lassen und bei den momentanen Aus- und Einnahmen können wir es uns erlauben, die Steuer zu senken!

Näheres erfahrt Ihr in den Hallen.


Im Namen des Rates
Malthus
Sohn des Nigma
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#5
Gut gelaunt sitzt Malthus vor seinem Haus, seine Rüstung vor sich und bessert sein Kettenhemd aus. Gut, er könnte diese Arbeit auch einen Rüstungsschmied machen, doch mag er es, abends vor ihrem Haus zu sitzen und dem Sonnenuntergang zuzuschauen. So kann er in Ruhe den Tag nochmals Revue passieren lassen und schon für morgen das Übungsprogramm für den nächsten Tag für sich und seine Schülerin Perhil durchzuplanen.

Da bemerkt Malthus diese zerlumpte Gestalt, die sichtlich gebeugt und gezeichnet vom Leben lustlos durch die Siedlung Falathlorn schlürft. Sofort erkennt er die Gestalt.

"He, Du da! Heronmir!" ruft er ihm zu. "Komm her! Ich muss mit Dir reden!!"

Mürrisch blickt die Gestalt auf, schaut zu Malthus herüber. Böse funkeln ihn grimmige Augen an, doch ändert sie nicht ihren Weg, sondern setzt ihren Weg unverändert voran.

Malthus hat sich von seinem Platz erhoben, die Rüstung auf den kleinen Tisch vor ihm gelegt.

Die Hände in die Hüften gestemmt schaut nun Malthus grimmig zu dem zerlumpten Etwas.

Heronmir zuckt zusammen, getroffen von dem bösen Blick, der ihn wie ein Blitz in den Nacken gefahren ist. Er bleibt stehen, der Oberkörper behält seine Position, nur der Kopf scheint sich fast einmal um sich selber zu drehen und die Augen starren auf den Waffenmeister. Doch schon folgt der restliche Körper seinem Kopfe. Ob das wirklich noch ein Mensch ist, denkt sich Malthus.

Langsam kommt Heronmir auf ihn zu.

"Was gibt es?" fragt dieser in einem gelangweilten Ton.

"Nun, Du schleichst hier so durch die Siedlung. Du hast irgendwie, wie soll ich sagen, traurig auf mich gewirkt. So wollte ich einfach mal fragen, was Du denn hast. Was bedrückt Dich?"

Die Stimme bei Heronmir überschlägt sich. "Ihr wagt es, mich nach meinem werten Befindnen zu fragen. MICH? Nach all dem, was Ihr mir angetan habt."

Wütend schleudert der Lumpenmann diese Worte gegen ihn.

Verdutzt schaut Malthus ihn an.

"Ich verstehe nicht..."

"So so, Ihr versteht nicht, wie? Ihr habt mir das ganze doch angetan!"

"Was denn angetan? Wovon sprichst Du?"

"Nun, jeder hat gezahlt. Ein Jeder! Freiwillig! Niemand musste gejagt werden, keinem musste ich an dunkler Stelle auflauern! Ihr habt mein Leben zerstört!


Die Gestalt bricht vor Malthus zusammen und weint bitterliche Tränen.

"Ich habe Euch noch nie um etwas gebeten, ich war Euch immer treu. Erhört mein Klagen! Erhöht die Steuern wieder! Macht meinem Leben wieder einen Sinn!"

"Nein, Heronmir, das werden wir nicht! Du wirst damit leben müssen! Der Rat hat dies entschlossen und wir werden es nicht wegen Dir wieder ändern!"

Malthus schaut hinab auf die jämmerliche Kreatur zu seinen Füßen, dreht sich um und geht ins sein Haus. Noch lange dringt das Schluchzen von Heronmir an sein Ohr, bis es immer leiser wird und schließlich verstummt.
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#6
Malthus hielt inne. Es roch nach Schimmel und Moder. Und nach Fäulnis.

Wie auf einem Schlachtfeld! dachte er bei sich. Wie damals bei der Feste Guruth!

Er schüttelte die Erinnerungen daran ab und ging weiter, die steile Treppe hinunter, hielt die Fackel vor sich, das Licht drang in dunkle Ecken und erleuchtete diese. Aufgeschreckt durch das Feuer versuchte sich allerlei Gewürm vor dem Licht zu schützen und verzog sich. In der Ferne nahm er einen schwachen Lichtschein wahr und ging steten Schrittes darauf zu.

Ein schmiedeeisernes Tor versperrte ihm den Weg. Malthus nahm den schweren Schlüsselbund, schloss das Tor auf und schob den schweren Riegel zurück. Er trat ein.

Er trat ein und ein großer Raum öffnete sich vor ihm. Rechts und links waren jeweils 10 Zellen in den Felsen gehauen. In der Mitte stand ein steinerner Tisch. Zwergische Baumeister hatten ihn ganz glatt aus dem Fels geschliffen. An der Stirnseite des Raumes war ein Kamin, an dem viele eiserne Werkzeuge hingen. Der Raum wurde kaum benutzt. Kaum ein Mitglied wusste um die Existenz dieses Verhörraumes, geschweige denn war je hier unten gewesen. Malthus schon. Einige Male bereits. Er hatte während seiner Zeit, bevor er von seinem Vater zu den Faer Eryn berufen wurde oft in Räumen wie diesen Verhöre durchgeführt. Oftmals, weil sich die Herren, denen er diente, nicht die Hände schmutzig machen wollten und ihn fürstlich dafür entlohnten. Er war nicht stolz auf diese Vergangenheit.

Ob ich jemals meiner Frau davon erzählen kann? Ich glaube nicht.

Doch darum ging es ihm nicht. Er schritt die Zellen ab. Alle Türen waren geöffnet, die Zellen waren leer. Bis auf eine. Er trat heran, schob die in Augenhöhe liegende Klappe des Guckloches zur Seite und schaute hinein. Ein leises Schnarchen drang an sein Ohr. Ab und an drang ein Murmeln aus dem Mund der Gestalt, die hier unten ihr Dasein fristete.

Malthus zog die Augenbraue hoch. Er zögerte und überlegte, ob es wirklich eine gute Idee war, ihn aus dieser sicheren Aufbewahrung herauszulassen.

Einen kurzen Augenblick später schob er den Riegel zurück und öffnete die Türe.

Durch das laute Quietschen des Riegels schreckte die Kreatur aus dem Schlaf hoch. Sie versuchte sich aufzurichten, doch sie schien zu schwach zu sein. Mühsam hob sie den Kopf.

"Meister Malthus!" es klang eher wie ein Krächzen, was dem Mund an Malthus' Ohr drang.

"Heronmir!" Die Stimme des Waffenmeisters klang kalt und abweisend.

"Du hast mich enttäuscht. Wieder einmal."

Die Kreatur kroch auf Malthus zu, kniete vor ihm hin und hob flehend die Hände in die Höhe.

"Herr, verzeiht mir! Ich werde Euch nicht mehr enttäuschen."

Malthus machte eine abweisende Handbewegung.

"Das hast Du mir schon oft versprochen, Du Wurm. Und immer wieder hast Du nicht gehorcht. Das hört mir nun auf!"

"Was...was meint Ihr damit?" Die Augen Heronmirs hatten sich aufgeschreckt geweitet. "Was habt Ihr mit mir vor?"

"Ich werde das Feuer anfachen und Dir Deinen Ungehorsam ausbrennen.“

Er schnappte sich einen Arm der Gestalt und zerrte ihn unsanft hinter sich her. Heronmir strampelte wild hin und her, versuchte Halt zu finden an der Zellentüre, doch Malthus zog ihn unbarmherzig weiter. Er warf ihn auf den Tisch. Geschickt schnallte er seine Hände und Füße in die Schnallen, die an den Foltertisch angebracht waren. Dann ging er zur Feuerstelle. Er schnappte sich ein paar der Folterwerkzeuge und ging zu Heronmir zurück und zeigte sie ihm.

"Womit sollen wir anfangen, Heronmir? Deiner falschen Zunge? Oder einer Hand, damit Du nicht mehr das Gold anderer in DEINE Tasche stecken kannst?"

Panik kam bei Heronmir auf, doch er konnte sich nicht befreien. Zu fest waren die Fesseln, zu sehr geschwächt durch die Zeit in der Zelle.

"Oder fange ich mit einem Ohr an, weil hören kannst Du auch nicht!"

"Warum tut Ihr mir das an, Herr"?

"Du hast uns zum Gespött der ganzen Siedlung gemacht! Wie stehen wir denn jetzt da? Was denkst Du, wie peinlich es mir war, als der Hausverwalter uns nicht mehr in unser Heim gelassen hat? Ich musste zu ihm gehen und wie ein Büßer abbitte leisten und alles auslösen! Du hast mich zum letzten Mal enttäuscht, so viel ist sicher!"

Malthus zögerte einen Moment.

"Einige von uns meinen, dass man Dir einfach die Kehle aufschneiden sollte.“

Ungläubig sah Heronmir Malthus an. War da ein flehender Ausdruck in seinem Blick? War da noch was Menschliches an ihm? Nein. Das konnte nicht sein.

"Ich meine, der Tot wäre eine Erlösung für Dich. Und den Gefallen werde ich Dir nicht tun. Jedenfalls nicht heute.“

"NEEEEIIIIIN!!!" Voller Panik sah Heronmir, dass Malthus sich offenbar für eine kleine Handaxt entschieden hatte. Er schnappte sich Heronmirs Rechte. Sag auf Wiedersehen zu Deiner Hand, Du Made!"

Der Waffenmeister holte aus, die Klinge sauste hinab und...

Malthus hielt inne, kurz bevor die Axt ihr Ziel erreicht hatte. Heronmir war...etwa tot? Das wäre bedauerlich. Wo es doch gerade erst angefangen hat, Spaß zu machen.

Er warf die Axt auf den Boden und fühlte den Puls.

Ein Lächeln huschte über sein Gesicht. Er war tatsächlich ohnmächtig geworden! Na hoffentlich war ihm das eine Lehre!

Er räumte die Axt beiseite, löste die Fesseln, nahm einen Eimer mit Wasser und füllte ihm an dem Ziehbrunnen, der in einer Ecke gebaut war. Er schüttete den Inhalt in Heronmirs Gesicht, der sich prustend zu sich kam.

Heronmir streichelte über seine rechte Hand wie über einen Schatz, froh, sie nicht verloren zu haben.

"Verschwinde aus meinen Augen. Und wehe, so etwas passiert noch mal. Dann werde ich vielleicht keine Gnade kennen!"

Die Kreatur richtete sich auf, drehte sich in Richtung des Ausganges.

"Ach Heronmir,..."

Dieser drehte sich um.

"Ein neuer Monat hat begonnen. Gute Jagd!"

Da war es wieder, dieses diabolische Funkeln in dessen Augen, all die Anstrengungen schienen verschwunden zu sein. Eilig hastete er davon und verschwand in der Dunkelheit. Ein krankes Kichern und Jaulen folgte ihm.
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