[Epische Geschichte der Faer Eryn] I amar prestar aen ~ Die Welt ist im Wandel
#1
Kapitel 1
"Die Brosche"


Zitat:
Erzähler

Eine mondlose Nacht senkte sich über den goldenen Wald. Nur ein schwaches Glitzern verriet, dass in einer wohlbehüteten Nische, gut verborgen hinter einem zarten Blättervorhang, etwas von Wert lag.
Es war ein Schmuckstück aus reinem Silber. Eine ovale Grundform trug geschliffene grüne Saphire, Steine von grossem Wert, die noch dazu mit Geschick bearbeitet waren. Sie erinnerten an geschwungene Blätter, die einen silbernen Stein umarmten. Doch nicht die Saphire allein waren es, die den schwachen Glanz ausstrahlten. Bei genauerem Hinsehen leuchteten feine Linien aus Weissgold auf den Saphiren. Es waren elbische Runen, doch nur wenige konnten diese entziffern, denn die Schriftzeichen waren in Quenya geschrieben, der Sprache der Noldor.

Dieses Schmuckstück, eine Elbenbrosche, verbarg hinter seiner Schönheit ein Geheimnis, das nur wenigen bekannt war. Ob diese Fähigkeiten nun zum Guten oder zum Schlechten gereichten, das lag ganz in der Hand des jeweiligen Besitzers. Doch wer es einmal in der Hand hatte, dessen eigene Geheimnisse waren nicht mehr sicher.

Seit jeher zog diese Brosche begehrliche Blicke auf sich und viele trachteten danach. Vielleicht lag es an der mondlosen Nacht, vielleicht aber auch an der Ankunft einiger Gäste im goldenen Wald, dass die Wachen ein wenig unaufmerksamer waren als in den vielen Nächten zuvor. Oder fühlten sie sich im Schutze der hohen Dame, die diese Wälder bewachte, zu sicher?

Unbemerkt schloss sich eine Hand um die Brosche. Und als der nahende Tag die ersten sanften Sonnenstrahlen durch das Dickicht der Blätter sandte, war das Glitzern in der Nische verschwunden.
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#2
Zitat:
Erzähler

Wie Donner hallten die Hufschläge von den Pflastersteinen in der Elbensiedlung Gweluhad zurück, als das dunkelbraune Pferd über sie hinweg zu fliegen schien. Auf seinem Rücken hielt sich mit letzter Kraft ein Bote fest. Ein Elb offensichtlich und seine Kleidung verriet den Wissenden, dass er aus den goldenen Wäldern Lothlóriens zu kommen schien.
Schnaubend und prustend kam das Pferd vor den Toren der Waldgeister zum stehen und drehte sich nervös um die eigene Achse. Müde raffte sich der Reiter auf und sah schwankend zu einer Elbe hinüber, welche ihn sichtlich besorgt beobachtete. Er zog einen Brief aus seiner Tasche, hielt ihn mit letzter Kraft in die Höhe und fiel aus dem Sattel.
Die Elbe, deren Name Saelreth war, kümmerte sich um den erschöpften Reiter und nahm ihm den Brief ab. Einige Gärtner der Siedlung nahmen sich des Reiters an und Saelreth eilte umgehend in die Hallen der Faer Eryn, in der gerade zwei neue Mitglieder zu ihrer Aufnahme beglückwünscht wurden.
Sie suchte Himelen und berichtete kurz was geschehen war.
Besorgt sah dieser auf den Brief mit dem Siegel Lóriens und öffnete ihn:



Le suilon Faer Eryn,

groß ist mein Bedauern euch in mit diesem Brief Sorgen zu bereiten. Und dennoch ist es unvermeidlich, denn Schlimmes ist geschehen.
Die Brosche, welche einst in unsere Obhut gegeben wurde, ist nicht mehr an ihrem zugestimmten Platz. Sie wurde entwendet und all die Suche nach ihr blieb bislang erfolglos.
Wir können uns ihr entschwinden nicht erklären und obgleich wir unsere besten Jäger entsandt haben sie zu suchen, bitte ich euch um Unterstützung.
Entsendet eine Gruppe Geister in die goldenen Wälder. Nicht nur die eure Sicherheit steht auf dem Spiel, sondern auch die der Gemeinschaft!

Ir telithach, ce suilennin

Galadriel




Ernst war die Lage, dessen war er sich bewusst und auch Saelreth erkannte dies. Ruhe trat ein bei den Anwesenden und kurz wurde der Inhalt des Briefes wiedergegeben, bevor dieser die Runde durch die Reihen der Faer Eryn machte.

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#3
Zitat:

Erzähler

Nur langsam sickerte die Nachricht in das Bewusstsein der Anwesenden. Eine Brosche? Fragen prasselten auf Himelen ein, die er mit ernstem Blick beantwortete.

Diese Brosche besaß besondere Fähigkeiten. Wer sie trug, der war verbunden mit den Gedanken derjenigen, die die Brosche bereits einmal besessen hatte. Der Vorfall lag länger zurück, ein Orkpfeil spielte dabei eine Rolle und ein Mann namens Wüstenwind, der begehrlich wie viele nach der Brosche trachtete. Nach einigen Verwicklungen hatte die Brosche einen sicheren Platz in Lorien gefunden, und von dort war sie nun verschwunden, mitten aus dem goldenen Wald.

Inmitten der aufgebrachten Diskussionen, die nun entstanden, schien Himelen entschlossen. Diese Brosche war eine Gefahr für die Geheimnisse der Gemeinschaft - er würde Galadriels Wunsch nachkommen und nach Lorien aufbrechen.

Doch nicht alle waren dieser Meinung:
War dies etwa eine Falle, war Galadriel womöglich eine Verräterin, war es wirklich ratsam, die bisherigen Ziele der Gemeinschaft zu vernachlässigen, um diese Reise anzutreten? Der Schutz und die Unterstützung für die freien Völker Eregions waren bisher das oberste Ziel, die Bedrohung durch Angmar allgegenwärtig. Sollten sie dies aufgeben, um nach Lorien zu reisen?

Einige planten bereits hektisch die Reise und schlugen am großen Tisch der Halle die Karten auf. Der kürzeste Weg führte über den Rothornpass, doch von dort gab es dunkle Nachricht, der Pass sei nicht mehr begehbar. Einige wollten durch die Pforte Rohans ziehen, andere gar die Tiefen Morias durchqueren.

Doch in jedem Falle würde die Reise über Bruchtal führen, ihrem ersten und sicheren Ziel. Himelen wies die Gefährten an, in kleinen Gruppen dorthin zu reisen, um kein Aufsehen zu erregen. Proviant und Ausrüstung wurden benötigt. Sobald an einem Tag, den niemand außer der Gemeinschaft wissen sollte, alle eingetroffen waren, würde die Reise in den Süden beginnen.

Was sie bringen würde, das konnte bisher niemand wissen.
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#4
Das war wie ein Schlag in sein Gesicht. Die Brosche geisterte in den Händen eines anderen. Himelen wusste was das bedeutete. Er reichte Nadan den Brief und wandte sich gedankenverloren ab. Die vielen Stimmen die diskutierten waren nur dumpfe Geräusche in einer anderen Welt. Bilder zogen vor sein Auge, Bilder von der Schlacht um Guruth, den Erinnerungen Wüstenwinds, den Kontakt in den Westen. Er hatte sie gesehen, durch die Kraft der Brosche, seine Enelya.
Und er hatte das Leben des Wüstenwindes gesehen, all den Schmerz, all das Leid. Und auch der Wüstenwind konnte sein Leben sehen. Er wusste bescheid über seine Frau, über die Jahre in Tirion, Gondolin, den Schlachten der alten Tage, den Krieg des letzten Bundes und die Gefangenschaft in Dol Guldur. Doch seitdem die Brosche aus den Händen gelegt wurde, konnte man nichts mehr sehen und Himelen war froh darüber, denn zu viele Informationen hatten ihn in den letzten Monaten ereilt. Zu viele wichtige Informationen…
Doch nun wurde sie wieder getragen! Scheinbar hatte sie noch niemand angelegt, möglich das der Dieb, denn sicherlich wurde sie gestohlen, die Brosche in einem Tuch trug. So wie man es mit einem der Palantir hielt, damals in den alten Tagen.
Himelen seufzte. Sobald der Dieb sie anlegte würde er alles sehen und alles wissen. Alles über Himelen, über sein Leben und seine Taten.
Er blickte auf seine Hände und runzelte die Stirn.
Er würde alles wissen über die Ringe der Macht und über die Faer Eryn, absolut alles und …
Himelen sah wie vom Blitz getroffen auf.
Er würde alles über die Gemeinschaft wissen, denn Himelen und die Faer Eryn waren nicht unwissend diesbezüglich, ging es doch um den Schwur der Waldgeister.
Erst jetzt bemerkte er wie viele Blicke auf ihm ruhten. Ohne weitere Worte ging er zum Kartentisch und schlug eine Karte des Nebelgebirges auf.
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#5
"Moria!"

Immer wieder geisterte dieses Wort durch die Gemeinschaft. So auch bei diesem Treffen.

Kaum war Garomur eingetroffen, verkündete er jedem, der es hören wollte, dass er nach Moria aufbrechen wollte, um es zurückzuerobern. Er prahlte, dass die einstigen Städte wiederaufleben sollten unter Zwergenherrschaft, vielleicht gar unter seiner?

Faerwen konnte nicht anders, sie tippte sich an den Kopf und erklärte ihn vor versammelter Mannschaft für verrückt.

Doch er war nicht der Einzige. Es tat sich etwas in Eregion und auch in Moria. Genaueres wusste sie nicht, doch schien es, als hätten Späher aus Eriador Neues aus diesen Gegenden zu berichten.

Faerwen wusste nur eins: Haldir und viele andere hatten, als sie noch in Lorien weilte, vor Moria und vor dem gewarnt, was dort lauerte. Schon einmal war die Zwergenfeste unter Durins Herrschaft untergegangen und seither hatte niemand mehr gewagt, selbst die Elben aus Lothlorien nicht, dorthin vorzustossen. Die Habgier der Zwerge, die Gier nach Mithril, war ihnen zum Verhängnis geworden, vor langer Zeit. Das wusste jeder, jedes kleine Elbenkind in Lothlorien. Es ging das Gerücht, dass ein weiterer Zwergenfürst sich dorthin aufgemacht hatte. Ob dies stimmte oder nicht, hatte Faerwen bisher nicht erfahren.

Hatten die Zwerge denn immer noch nichts gelernt? Khazad-Dum, ein magisches Wort unter den Zwergenvölkern. Kaum hörte ein Zwerg dieses Wort, stahl sich ein Leuchten in seine Augen, sein Gehabe wurde prahlerisch und seine Gier unersättlich. Das konnte nur ein Werk des Feindes sein, eine dunkle Kranheit, die diese stämmigen Gesellen immer wieder überfiel. Auch Garomur zeigte diese Symptome nun. Dabei hatte er sich bisher mit Tanzen und Musik zufriedengegeben und seine Spässe brachten Faerwen immer zum Lachen. Ob Gondragur ebenfalls von diesem Fieber angesteckt war?

Noch einige hämische Bemerkungen liess sie auf Garomur einprasseln, nicht böse sondern als Warnung gemeint, doch er bekam einige Unterstützung.

Hilflos zuckte sie mit den Schultern, als Saelreth in der Halle erschien und Himelen eine Botschaft überbrachte.
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#6
Zitat:
Erzähler

Ah, Imladris!

Das Tal der Elben, Zuflucht jener die aus den Kriegen um Eregion und die Ringe der Macht vor langer Zeit flohen.

Dies nun war das erste Ziel der Geister, getrieben vom Drang die Brosche zu finden und den Weg nach Lothlórien zu bestreiten. Seit Tagen schon warteten einige der Faer Eryn in Bruchtal, obgleich das Treffen erst in wenigen Tagen stattfinden sollte.

Hier also würde die Reise beginnen, eine Reise ins Ungewisse.
Welchen Weg werden sie wohl einschlagen?

Sollten sie es wagen, nördlich über den Hohen Pass zu ziehen? Ein sicherer Weg, denn nur wenig Stürme peitschten dieser Tage durch die Spalten und über die Gipfel am Hohen Pass. Man würde zwar relativ weit nördlich von Lórien aus den Nebelbergen herab steigen, aber zumindest diese hätte man dann hinter sich gelassen. Doch es gab Gerüchte. Gerüchte über Bilwisse und Riesen die den Pass besetzten. Späher aus Bruchtal berichteten davon.

War dieser Weg noch passierbar? Was bliebe noch übrig?

Der direkte und schnellste Weg war sicherlich über das Rothorn, welchen die Elben Caradhras nennen. Ohne weiteres konnte man dort mit Pferden und Lasten das Gebirge passieren. Aber heftige Stürme und das instabile Wetter über dem roten Gipfel waren eine ernste Gefahr.

Die alte Südstraße durch die Pforte Rohans, vorbei an Isengard und am Fangornwald hinauf nach Lórien? Ein unbeschwerter Weg über meist flaches Land, jedoch lang und umständlich. Saruman, den viele nur noch den Vielfarbigen nennen, verhält sich seltsam. Die Dunländer rotten sich zu Gruppen zusammen und plündern und brandschatzen am Wegesrand. Orks und eine seltsame misch Art, die sich „Uruk-Hai“ nennen, stellen selbst am Tage eine große Gefahr dar.

Moria? Die unendliche Finsternis? Die Mine der Zwerge, welche Jahrhunderte lang unter Feindeshand lag. Endlose Gänge gehüllt in schwärzeste Schatten. Die Zwerge sind dabei sie zurück zu erobern, eine Expedition machte sich vor Wochen auf um die Minen wieder zu besetzen. Doch war dieser Weg sicher? Leichtsinn und Selbstüberschätzung bedeuteten dort in jedem Fall den sicheren Tod. Zu viele Ork- und Bilwissclans agierten in den etlichen Gängen, sogar Morroval, abartige Flügelwesen aus der alten Zeit, trieben dort ihr Unwesen. Man konnte sich in diesen Minen leicht verlaufen und bei jedem Tritt lief man Gefahr in die endlose Finsternis zu fallen, aus der nie jemand zurück kehrte.

Himelen, der in Bruchtal weilte, zerbrach sich seit dem Eintreffen der Nachricht den Kopf über diese Möglichkeiten. Es musste jede noch so kleine Option genutzt werden. Sein Blick fiel auf die Gipfel im Norden und zum Hohen Pass.
So gut und zuverlässig auch die Nachrichten der Späher aus Bruchtal waren, er wollte es von seinen eigenen Leuten hören. Er musste einige Geister zum Hohen Pass senden und die Lage dort auskundschaften lassen.
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#7
Zitat:
Erzähler

Zart streiften die ersten Sonnenstrahlen das feuchte Gras vor dem letzten heimeligen Haus, dem Hause Elronds in Bruchtal, als der Tag anbrach, an welchem die Geister aufbrechen wollten. Himelen trat, nach einigen Beratungen mit Elrond und Glorfindel, hinaus in den frühen Morgen. Nur sehr wenige waren zu dieser Zeit unterwegs, umso mehr fiel die kleine, gerüstete Schar auf der Wiese vor dem Haus auf. Dutzende Faer Eryn hatten sich hier, aus allen Teilen Eriadors eingefunden, reise- und kampfbereit, entschlossen den Weg gen Osten zu wagen, doch uneins darüber welcher es sein sollte. Himelen, der ebenfalls abmarschbereit war, wurde begrüßt und umgehend mit Fragen bezüglich der Route konfrontiert. Doch die Zeit der Antwort war noch nicht gekommen, denn er wartete auf zwei Jäger der Waldgeister, welche er zum Hohen Pass entsandt hatte, um den Gerüchten auf den Grund zu gehen, die sich um mögliche Feindbewegungen und Riesen drehten.
Es dauerte lange und Unruhe kehrte in die Reihen ein, die Diskussionen um die vier Wege wurden heftiger und die üblichen Streitereien brachen aus, einzig Himelen und einige wenige blickten noch immer zum Hohen Pass und warteten auf die Späher der Geister. Da endlich trafen sie ein, es waren Gilglaur und Silmereth, beide ausser Atem, der Eile wegen, und von der Erkundung gezeichnet. Kurz und knapp berichteten und bestätigten sie die Gerüchte.
Der Hohe Pass war nicht passierbar, nicht mit dieser Gruppe, nicht mit dieser Ausrüstung, nicht unter diesen Umständen.
Es galt keine Zeit mehr zu verlieren, so lies Himelen aufsatteln und gen Eregion aufbrechen, dort würden sie weiter sehen.
Der Weg führte sie durch das Hochmoor, das Tal der Riesen, hinein in den nördlichen Hulstenkamm und durch den östlichsten Saum der Wälder von Gwingris auf die Ebene von Oberhulsten, wo ihr Ziel Echad Eregion lag. Doch leicht war diese Route in diesen Tagen nicht mehr. Die Faer Eryn wussten um die Gefahren, so wurden oftmals einige Jäger als Späher entsandt, vor allem Nadan, Gilglaur und Ferwnnan schickte Himelen fort, die Gegend erkunden, Feinde zu entdecken und Wege auszuspähen.
Die erste Hürde wartete schon im Tal der Riesen auf die Gruppe Geister. Riesen und Nachkommen der Drachensippe streiften in kleiner Zahl durch das hügelige Tal. Es kam zum Kampf und wären es nicht meist einzelne Würmer oder Riesen gewesen, so hätte dies sicherlich schon früh das Ende des Abenteuers bedeutet.
Doch das Tal der Riesen war noch harmlos, denn ein Späher der Halborks sichtete die Gruppe wenig später nahe des Hulstenkamms und trotz der beherzten Verfolgung einiger Waldgeister unter der Führung von Gilglaur, wurde die kleine Gruppe wenig später von einer Horde Würmer und Halborks attackiert. Und als der Kampf schon fast gewonnen war, sprang mit einem Male ein riesiger Warg mit weiteren Würmern aus einer Felsnische hervor und setzte der Gruppe gefährlich zu. Durch den Kampflärm aufgeschreckt eilten Bogenschützen der Dunländer hinzu, welche in den nahen Wälder Holz hackten, und so geschah es, dass mitten im Kampflärm und dem zischen von nun auch feindlichen Pfeilen, eine vertraute Stimme schmerzerfüllt schrie. Derlan der Hauptmann wurde von zwei Pfeilen getroffen und sackte zu Boden. Bein und Schulter waren verwundet, doch der Kampf war zu Ende und erneut waren die Faer Eryn siegreich, wenn auch knapp.
Umgehend wurde sich um Derlan gekümmert, Gift war an den Pfeilen gewesen und erste Wahnvorstellungen setzten bei dem Menschen ein.
Himelen unterdessen beriet sich mit dem Rat und jenen, die nicht Derlan versorgten.
Dass Halborks, Würmer und Dunländer gemeinsame Sache machten war nicht gut. Die Geister wussten dies und sie entschieden in Echad Eregion von ihrer Erfahrung zu berichten, denn handeln mussten diesmal andere, es galt wichtigere Dinge zu verfolgen.
Derlan war nun transportfähig und so setzten sie ihre Reise durch den östlichen Saum der Gwingriswälder fort.
Da erklang mit einem Male eine allzu vertraute Stimme zwischen den Bäumen und ein Reiter war zu sehen, auf schwarzem Pferde.

„Ich grüße euch, Blut von meinem Blut, Noldor aus Dol Guldur! Achtet auf die Bäume, sie zürnen dieser Tage sehr!“

Himelen hob die Hand, die Geister hielten und die Bogenschützen legten an, doch niemand schoss einen Pfeil.
Es war der Wüstenwind, kein Zweifel. Mit einer eleganten Handbewegung drehte er sein, sich aufbäumendes Pferd, und preschte durch das Dickicht davon.
Umgehend schickte Himelen, in aller Eile erneut einige Geister hinterher, es war nicht sicher auf wessen Seite der Wüstenwind stand, das war es eigentlich nie und es ging um die Brosche, weshalb Himelen davon ausging, dass er sich da selbst am nächsten ist.
Doch die Warnung sollte zur Wahrheit werden, denn Silmereth eilte rufend durch die Bäume, nahe des Waldrandes, zur Gruppe zurück. Ihr folgten drei oder vier Bäume, wild und zornig mit den Ästen schwingend. Ein erbitterter Kampf folgte und besonders die Elben schienen sich schwer zu tun, den Bäumen das Lebenslicht zu nehmen.
Mitten im Kampf kehrten die Geister zurück, welche den Wüstenwind verfolgten. Sie verloren ihn in einer Ruine voller Halborks und konnten sich mit Mühe noch zurück ziehen. Durch diese Überzahl konnten sie die Bäume besiegen und den Wald verlassen.

Die Welt war bereits im Wandel, dies wurde nun vielen klar.

Einige Stunden später erreichten sie Echad Eregion, erschöpft, verwundet und müde. Derlan wurde umgehend versorgt und die Faer Eryn teilten unter sich eigenständig Wachen ein. Noch drei Wege sollten ihnen offen stehen, der Rothornpass, die Pforte von Rohan und … Moria.
Himelen hatte, einige Tage nach dem Eintreffen des Briefes Pebelas zur Pforte von Rohan geschickt um diese zu erkunden, er hoffte nun, dass Pebelas sie hier in einigen Tagen treffen würde und möglichst frohe Kunde bringen würde. Solange würden sie hier warten, denn jeder Weg musste in Betracht gezogen werden.
Jalinde jedoch nahm dem alten Noldor jegliche Hoffnung auf die Pforte, als sie von ihrer Reise nach Eriador berichtete. Orks und Dunländer hätten sich scheinbar verbündet und plünderten und brandschatzten auf den Wegen nach Rohan. Dennoch würde Himelen auf Pebelas warten, er braucht einfach aktuelle Informationen.
Auch die Elben in Echad Eregion brachten keine frohe Kunde. Der Caradhras lag tagelang unter Wolken, unpassierbar sagten sie, obgleich seit einiger Zeit wieder gutes Wetter herrschte.
So nahm sich Himelen Silmereth zur Seite und bat sie, sich den Pass anzusehen. Möglichst alleine, höchstens zu zweit, da sie aufgrund der aktuellen Umstände keine große Aufmerksamkeit erregen sollten.

Da waren sie also, in Echad Eregion, die Faer Eryn. Nach dem ersten Abschnitt einer ungewissen Reise.


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#8
Er war der Einzige, der nach der Reise noch stand. Alle anderen Geister hatten sich, sofern sie nicht um Echad Eregion streiften und Wache hielten, hingelegt oder ans Feuer gesetzt, sich ihrer Ausrüstung entledigt und erfreulichen Dingen wie Essen und Trinken gewidmet.
Doch Himelen konnte das im Moment nicht. Er stand noch immer am Feuer, in voller Montur, einzig der Helm war auf dem Haufen seines Lagerplatzes abgelegt, wo auch die restliche Ausrüstung lag, die er von seinem Pferd nahm. Alles noch ungeordnet, nicht entpackt oder nachbreitet.
Tausend Gedanken gingen ihm durch den Kopf. Seine hellgrauen Augen blickten in die Flammen des Feuers und er setzte für sich die Bruchstücke des heute Erlebten in eine mögliche Gesamtgeschichte zusammen.
Orks, Dunländer und Würmer, Seite an Seite. War der Späher nur Zufall, oder wussten sie, dass die Faer Eryn dort entlang kommen. Wenn die Brosche in Feindeshand wäre, dann hätten sie dies sicherlich gewusst, doch wüsste er dann nicht auch wer diese Brosche besitzt? Doch dies hätte er gewusst, sie musste scheinbar noch immer nicht angelegt worden sein. Sicherlich gut geschützt in Tüchern, wie man es auch einst mit den Palantiri tat.
Sein Kopf schmerzte, er dachte über die drei verbleibenden Wege nach. Die Pforte war ein zu großer Umweg, Moria war zu gefährlich, er wollte über den Caradhras, denn schon seit tausenden Jahren war dies eine schnelle und eigentlich sichere Verbindung gen Osten. Doch die Welt ist im Wandel, er spürte dies und es zeigte sich auf dem ersten Abschnitt ihrer Reise mehr als deutlich.
Himelen sah sich um, blickte in die Gesichter der Faer Eryn am Feuer und auf Derlan, der mit Schmerz im Gesicht tapfer seine Wunden ertrug.
Himelen seufzte und wandte sich ab, er ging zu einem Mauerdurchbruch auf der Westseite und lehnte sich an die Wand. Sein Blick ging hinaus in die Nacht, zum Sternenzelt, gen Westen.
Erneut dachte er an die vielen Kämpfe heute, seine Anweisungen, die mal mehr, mal weniger Erfolg brachten. Hätte er den Späher kommen sehen müssen, hatte er etwas übersehen, oder gar falsch gehandelt?
Himelen wusste selbst zu gut, dass er kein großer Anführer oder Held war, zumindest sah er sich nicht als solchen. Er blickte nochmals kurz zum Feuer und sah dann wieder zu den Sternen im Westen. Auch wenn einige, oder gar viele der Faer Eryn dies denken mögen, er selbst wusste, dass er nicht dafür bestimmt war, hoch auf dem Ross zu sitzen und zu befehlen. Dies war er nie und wird er nie. Bis zu seiner Gefangenschaft hatte er einzig kleine Gruppen elbischer Bogenschützen oder Waldläufer befehligt. Das war leicht, er kannte sich aus in der Kunst der Tarnung, des Fernkampfes, der Spurensuche und anderen Dingen. Doch er hatte noch nie das Kommando über breite Einheitenverbände übernommen, selbst in den großen Schlachten der alten Tage nicht. Man fragte ihn, aufgrund seines Alters, der ihm dadurch angedichteten Weisheit und seiner Erfahrung in seinen Künsten, zwar oftmals nach Rat, oder nach seiner Meinung, allerdings gab man ihm nie den Befehl mit mehreren dutzend Kriegern, oder gar einer halben Hundertschaft, einen speziellen Auftrag zu erfüllen, oder einen Angriff einzuleiten, beziehungsweise eine Bresche oder ähnliches zu schlagen.
Doch was blieb ihm übrig? Die Geister standen nun unter seinem Befehl, sie würden ihm folgen, egal wohin. Diese Gewissheit nagte an ihm, obgleich er seine Gefühle mehr als gut zu verbergen wusste.
Nein er wollte nicht durch Moria, er kannte die Minen aus den alten Tagen, doch eine solche Mine, die Jahrhunderte unter Feindeshand lag war einfach zu riskant.
Himelen rieb sich mit Daumen und Zeigefinger über die Augen und betrachtete erneut den westlichen Nachthimmel. Er sehnte sich an einen anderen Ort, fernab des Leides und des Todes. In den knapp 10.000 Jahren seines Seins auf dieser Welt hatte er so langsam genug von der Dunkelheit, vom Krieg und vom Sterben. Dies wurde ihm mehr und mehr bewusst, vor allem an solchen Tagen.
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#9
Während sie noch zwischen den vertrauten Hallen Bruchtals standen, überkam Faerwen ein unangenehmes inneres Gefühl.

Nun sollte es also losgehen, die Reise nach Lorien sollte beginnen - auf der Suche nach dem Verbleib einer unbekannten Brosche oder gar nach dem, der sie entwendet hatte.

Faerwen sah ein, dass die Gemeinschaft diesem Rätsel auf die Spur kommen musste, schon um der eigenen Sicherheit willen. Sie verstand die Entschlossenheit, mit der Himelen sich dieser Sache annahm.

Und doch war sie sich unsicher, welches ihre Haltung innerhalb dieser Sache sein sollte.

Da waren zum einen die Zwerge. Getrieben von der Gier nach Reichtümern gab es einige, die nur darauf brannten, die Suche nach der Brosche zu einem Erkundungszug durch Moria zu nutzen. Nicht immer war Faerwen sich sicher, ob sie den wahren Sinn der Reise erkannt hatten, oder ob es ihnen um eigennützige Abenteuer ging.
Dabei hatte Himelen keineswegs vor, unbedingt durch Moria zu ziehen. Er liess mehrere Wege auskundschaften, Pebelas erkundete bereits die Route gen Rohan.
Auch andere Elben der Gemeinschaft rieten von einem Weg durch Moria ab. Am sichersten war der Weg über die Berge, nicht darunter hindurch. Diesen Weg hatte sie im Schutz der Elbengemeinschaft auch genommen, als sie Lorien verlassen hatte. Doch einige der vorlauten Streiter des Menschenvolkes schienen sich den Zwergen anschliessen zu wollen.

Wie einige Tage zuvor mit Garomur, war es nun Fnor, mit dem Faerwen sich auf ein Streitgespräch zur Reiseroute einliess. Der Zwerg warf ihr sogar Feigheit vor - was wusste er schon...

Doch ihre bitteren Worte verstummten sogleich, als die Kundschafter zurückkehrten und von dem naheliegensten Weg berichteten. Warum sich schon Gedanken machen über den Weg durch Moria, wenn selbst Eregion noch nicht erreicht war. Und so schwieg Faerwen und zügelte ihre Worte.

Himelen gab das Zeichen zum Aufbruch und ihr wurde schwer ums Herz. Dies lag nicht an der bevorstehenden Reise, sondern vielmehr an ihren eigenen Erinnerungen, die sie nun überkamen. War es wirklich schon an der Zeit, in ihre Heimat zurückzukehren? Sie hatte Lorien unter dem Druck ihrer Verwandtschaft verlassen müssen, um zu den Grauen Anfurten zu ziehen und dort war sie mit vollster Absicht niemals angekommen. Doch wollte sie nun wieder nach Lorien zurück?

Sie spürte Widerwillen bei dem Gedanken, dass sie nun tatsächlich aufbrechen würde. Die Zeit im Norden war schön gewesen, voller Begegnungen, voller Erfahrungen, ja voller Abenteuer. Und vor allem hatte sie helfen können. Nicht nur ihrem eigenen Volk, sondern denen, die es nötiger hatten. Vor allem das Volk aus dem Auenland hatte es ihr angetan.

Der Zug setzte sich langsam in Bewegung. Auf dem gewundenen Pfad, der aus dem Tal hinausführte, wandte Faerwen sich ein paar Male um und liess ihren Blick wehmütig über die Hallen Bruchtals wandern. Dies war das Tor in den Norden, das Tor zur Freiheit, die Verbindung der Elben zur "Aussenwelt", eine letzte Bastion, deren Anführer Elrond sich noch um das Schicksal anderer Völker kümmerte. Faerwen zweifelte daran, dass sich in Lorien etwas geändert hatte seit ihrem Aufbruch.

Mit diesen Gedanken im Kopf richtete sie ihren Blick nach vorne. Stumm folgte sie Himelen, immerhin hatte er ihr Vertrauen. Schweigend ritt sie in der Gruppe der Gefährten mit, stand bei Kämpfen an ihrer Seite.

Doch die Zweifel in ihren Gedanken wollten nicht verstummen.
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#10
"ich werde im Morgengrauen aufbrechen", ein kurzes Nicken genügte um diese Vereinbarung zu besiegeln. Der Weg bis zur ersten Schulter des Caradhras war nicht weit, und die Besteigung des Passes dürfte kaum länge als bis zum nachmittag dauern.

Während die Elbin Ferwnnan bei der Wache ablöste, versuchte Silmereth, die Ereignisse des vergangenen Tages so gut es ging hinter der Anforderungen des Kommenden anzustellen. So gut der Pass zwischen der Silberzinne und dem Rothorn begehbar war, so sehr wusste sie, dass er dieser Tage nicht abzuschätzende Gefahren barg. Und selbst nach den zwei Stunden nachdenklicher Wache vor Echad Eregion war nur der Weg klar, nicht aber die Gefahr.
Bereits als die ersten Schatten der Berge sich wie schwarzes Pergament gegen den noch dunklen Morgenhimmel abzeichneten trat die Elbin diese Reise an. Entlang der steinigen Bachbette Eregions Richtung Nordosten. Bis zu ihrer ersten Rast in der steigenden Morgensonne hatte sie die vereinzelten Hulsthaine hinter sich gelassen und nahm ein kärgliches Mahl am Fuß einer kleinen Felsformation ein. Der Pfad hinauf zum Pass war nur wenige schritt entfernt. Selbst wenn es ihr von Nöten erscheinen würde, unentdeckt zu bleiben, so wäre dies bereits an dieser Stelle kaum mehr möglich. Kaum einen Fußbreit neben ihr fielen die ersten Hänge des Rothorns bereits steil und weit ab.

Der höchste Punkt des Passes war nur wenige Meilen westlich dieser Rast. Der steinige Bergpfad zog sich jedoch windend über zwei Sattel; und stieg danach, zur Mittagsstunde, schneller und unwegsamer an, so dass die Elbin kaum Weg gut machen konnte. Nach Süden brach der Pfad nach einem Saum aus spitzen Felsen ab und fiel Duzende Fuß in die Tiefe; Bis auf den Grund des Gletschertobels, der sich hinaus in die braungrünen Hügellande von Eregion zog. Hinter den Ruinen von Ost-in-Edhil, der einst prächtigen Elbenstadt, die sich wie kleine weisse Zähne aus dem grün von Hulsten erhoben, verlor sich eine grün-braune Ebene in der Ferne; Und fast ausserhalb der Sicht durchschnitt eine silbern glänzenden Linie diese Lande: Die Grauflut, die weiter im Norden aus der Bruinen und dem Weißquell hervorging.
Der Schweiss auf Silmereths Haut begann sich durch den kurzen Blick in die Ferne bereits eiskalt anzufühlen, denn selbst unter der Mittagssonne war es in diesen Höhen, jenseits der Bäume, kalt und windig. Es dauerte nur wenig länger, bis die ersten Flecken von Schnee auf den ausgesetzten Passagen des Pfads erschienen. An diesem Punkt schienen die Gipfel der beiden majestätischen Berge noch gewaltiger als zuvor. Der Caradhras, an dessen Südseite sich der Pfad nun entlangzog, stieg links von Silmereth steil auf, und der Gipfel war gegen den wolkenlosen Himmel klar zu erkennen. Eine schneebedeckte Pyramide, deren von wenigen Felskanten durchbrochenen Wände sich noch endlos nach oben reckten.
Voran lag der Paßgrat, der sich nach Süden hin zur Silberzinne erhob, dem schneebedeckten Hausberg von Khazad-Dûm, und für einen Moment war Silmereth, als höre sie das geschäftige Treiben der Zwerge durch den Wind und die Stille dieser Höhe.
'Der Pass muss einfach frei sein, die Bedingungen sind ausgezeichnet'. Der Gedanke schien mehr von Hoffnung geprägt als von Wissen, denn natürlich war der Elbin klar, dass der Rothornpass jenseits des höchsten Punktes noch für lange Meilen in großer Höhe dahinglitt, bis der Abstieg auf die Ostseite des Gebirges begann. Und tatsächlich dauerte es keine Stunde mehr, bis Silmereth vor dem Ende dieser Reise stand...

...der hohlweg vor ihr, nur wenige Hundert Schritt vor der Passhöhe, war von einer Lawine vollkommen verschüttet. Die gewaltigen schneemassen waren bereits vor Tagen zu festem Eis gefroren, und von dieser Seite war nicht abzusehen, wann dieses Hindernis enden würde. Zu allem Übel war der Pfad an dieser Stelle nur wenige Schritt breit und das Übersteigen der Stelle würde sie durch die Steilwand des Caradhras führen. Ein Blick nach oben verriet Silmereth, dass, bis auf einige schmale Bänder entlang der vereisten Felsen kein Halt zu finden war. Es war unmöglich eine Gruppe an dieser Stelle durch die Wand zu führen, zumal das Wetter in dieser Höhe von Minute zu Minute gnadenlos werden konnte. Ein kurzer Blick hinüber zum Celebdil verwarf auch die zweite Hoffnung, die sie gehabt hatte. Gletsche und Grat waren mit Schnee bedeckt und von Eis durchsetzt. Selbst Erfahrene in den Bergen würden über diesen Weg ihr Leben riskieren.
Entmutigt und mit der Dunkelheit Morias im Geist, trat Silmereth den langen Rückweg zurück nach Echad Eregion an...
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