Lagerfeuer 2.0 - Episode 1: "Das Abenteuer beginnt!"
#1
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Die an der Kreuzung der Großen Oststraße und dem Grünweg gelegenen Stadt Bree ist schon seit Langem ein Ort voller Menschen, Hobbits und anderen Reisenden aus fernen Ländern. Vor langer Zeit war die am Fuße eines steilen Bergs gelegene Stadt Bree im belebten Land Arnor ein blühender Ort. Das Nördliche Königreich ist zwar schon lange im Nebel der Geschichte versunken, doch in den verwundenen Gassen der Stadt kann man noch heute den Geist jener glorreichen Tage spüren.

Dies ist also die Stadt, in der die Geschichte beginnt. Es hat soeben Mitternacht geschlagen, und nur Mondlicht erhellt die engen Gassen des Armenviertels im Südwesten der Stadt - dem grauen und traurigen Wohnsitz der untersten Schicht, einem Elendsviertel, wo nur wenig Hoffnung wächst. Kein Mensch ist zu sehen, denn wer seine fünf Sinne beisammen hat, hütet sich, das Armenviertel nach Einbruch der Nacht zu betreten.

Um diese Zeit gehören Brees Straßen den dicken, struppigen Ratten, die frech von einem Kehrichthaufen zum anderen huschen, um in aller Ruhe nach verschimmeltem Brot, faulem Gemüse und anderen Leckerbissen zu suchen.

Plötzlich hebt ein altes, fettes Rattenmännchen den Kopf, denn es hallen schwere Schritte durch die Nacht. "Nun hört euch diese Tölpel an! Das müssen Fremde sein", hätte der feiste Nager vermutlich zu seinen Gefährten gesagt, wenn Ratten sprechen könnten. So aber stößt er nur einen empörten Pfiff aus und zieht sich unwillig in den Schatten einer Toreinfahrt zurück.

Die kleine Gruppe, die kurz darauf mit schleppenden Schritten an dem Kehrichthaufen vorübergeht, ist tatsächlich fremd in Bree. Zum ersten Mal sind sie in die Stadt gezogen, um die Welt zu sehen und Abenteuer zu erleben.

Doch der erste Tag in Bree war eine einzige Enttäuschung für die unternehmungslustige Gruppe. Der Wirt des Tänzelnden Ponys konnte keine Laufburschen gebrauchen und auch die fahrenden Kaufleute wollten sie nicht als Reisewache anstellen.

Eine Schlafstelle im Tänzelnden Pony konnten sie nicht bezahlen, und eine billigere Unterkunft hatten sie vergeblich gesucht. So wanderten sie nun ziellos durch die menschenleeren Gassen. Irgendwo muss sich doch ein Platz zum Schlafen finden lassen!

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An einer Straßenecke verhält die Gruppe unentschlossen ihren Schritt - eine Gasse sieht so düster und abweisend wie die andere aus. Ihre Blicke bleiben an einem hell gestrichenen Haus hängen, das am Ende einer engen Straße steht. Inmitten all der halb verfallenen Bretterbuden, die die enge Gasse auf beiden Seiten säumen, wirkt das gut gepflegte, großzügige Gebäude fast unwirklich. Schon wollen sie weitergehen, um sich das weiße Haus aus der Nähe anzusehen, da bemerken sie eine Bewegung vor der Eingangstür. Eine dunkle, gebückte Gestalt macht sich offenbar am Türschloss zu schaffen. Ein vernehmliches Knacken dringt an ihre Ohren, die Tür schwingt nach innen. Nachdem er sich noch einmal sichernd um sich geblickt hat, betritt er das weiße Haus.

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Ihre Neugier ist erwacht - Enttäuschung und Müdigkeit sind wie weggeblasen. Es sieht so aus, als ob ein Abenteuer soeben begonnen hätte. Vorsichtig schleichen sie näher an das Haus heran. Kaum haben sie die halbe Strecke zurückgelegt, da sehen sie ein Licht, das durch ein Fenster rechts neben der Eingangstür flackert. Auf der gegenüberliegenden Hauswand erscheint ein helles Viereck, in dem sich ein Schatten bewegt.

In der nächtlichen Stille ist deutlich ein dumpfes Rumoren aus dem Haus zu hören. Hin und wieder poltern Gegenstände auf den Boden. Die Geräusche werden von einer endlosen Flut lasterhafter Flüche begleitet, die die Gruppe, die dem Haus immer näher kommt, zunehmend besser versteht.

"... irgendwo muss das verdammte Ding doch stecken! O Thonedhram, du Hundesohn! Wo hast du es versteckt! Ein Balrog soll dich holen! Aber ich finde es, das schwöre ich!"

Wieder krachen zerbrechliche Gegenstände auf den Dielenboden.

Inzwischen hat die Gruppe das weiße Haus erreicht. Sie pressen die Rücken gegen die Hauswand, schieben sich dichter ans Fenster heran und spähen endlich vorsichtig ins Zimmer.

In der Stube herrscht ein heilloses Durcheinander. Tisch und Stühle sind umgestürzt, Schubladen aus Kommoden gerissen, ihr Inhalt ist über den Boden verstreut. Der Schurke wühlt hektisch in einer Truhe, die an der Wand steht. Er hat den Deckenleuchter angezündet, um besser suchen zu können. Offenbar rechnet er nicht damit, dass ihn jemand stören könnte.

Der Mann trägt einen schmutzigen, ehemals braunen Wams, um den Leib hat er eine dünne Schärpe geschlungen, in der ein breites Schwert steckt. Jetzt richtet sich der Mann auf, und sein Gesicht wird vom Schein der Kerzen beleuchtet. Kurzes, strähniges Haar fällt ihm auf die bleiche Stirn. Unter buschigen Brauen funkeln zwei dunkle Augen.

Plötzlich spitzt er die Ohren und blickt stumm auf eine Tür in der rückwärtigen Stubenwand.

"Du blöder Zwerg. Du hast mir doch gesagt, die Alte und die Kleine sind verreist!" murmelt er und huscht zur Tür, die sofort nachgibt, als er die Schulter gegen sie rammt. Vom eigenen Schwung mitgerissen stolpert der Schurke in das Hinterzimmer.

Schrille Schreckensschreie dringen an die Ohren der Gruppe. Dann sieht er zwei Frauen in langen Nachtgewändern, die von dem Schurken in die Stube gestoßen werden - eine Greisin, deren lange, weiße Haare unter einer wollenen Nachtmütze hervorquellen, und ein junges, blondes Mädchen. Die junge Frau ist wunderschön aber ihre großen blauen Augen sind schreckerfüllt. "Gnade!" fleht sie den Schurken an. "So habt doch Erbarmen mit der alten Frau!"

Aber der Schurke kichert nur hämisch und stößt die Greisin unsanft in einen Sessel. Dann deutet er auf das Durcheinander im Zimmer. "Wie du siehst, habe ich hier etwas gesucht, Mütterchen. Ich habe es aber noch nicht gefunden. Vielleicht willst du uns dabei helfen?"

"Ich ... ich weiß gar nicht, wovon Ihr sprecht", stammelt die alte Frau.

"Oh doch, das weißt du ganz genau!" Der Schurke greift zum Schwert in der Schärpe. "Ich rede von Thonedhrams Pergament, zum Balrog! Wo ist es?"

"Ich weiß es nicht, das ... das schwöre ich!"

"Vielleicht weißt du es doch", zischt der Schurke, zieht sein Schwert und nähert sich dem blonden Mädchen. "Ich werde dich schon zum Reden bringen ..."

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Die Gruppe hat genug gesehen und schleicht sich zur Haustür, schiebt sie vorsichtig auf und späht in die Diele. Jedoch kann sie absolut nichts sehen, denn in der Diele ist es stockfinster, und von der Straße fällt auch kein Licht herein. Nur ein waagerechter Lichtstreifen über dem Boden in einer Entfernung von etwa 2 Metern ist auf der rechten Seite zu sehen. Sie kriechen auf allen vieren bis zu dieser Türritze, wobei sie vorsichtig nach unsichtbaren Hindernissen tasten, stoßen auf halbem Wege aber nur auf ein Treppengeländer. An der Tür angekommen, drücken sie die Klinke geräuschlos herunter und schieben die Tür vorsichtig und sehr langsam einen Spaltbreit auf. Der Schurke ist offenbar noch immer mit der jungen Frau beschäftigt, als sie die Tür mit dem Fuß aufstoßen und in das Zimmer stürmen.

Der Schurke fährt herum. "Ich warne euch!" ruft er der Gruppe entgegen. "Ich werde euch in Scheibchen schneiden und ins Pökelfass stecken. Diesen Weg sind schon Hunderte vor euch gegangen." Während er spricht, wechselt das Schwert ständig von seiner linken in die rechte Hand. Er bleibt stehen und sieht die Gruppe abwartend an, wobei er mit dem Daumen rasch noch einmal die Schärfe seiner blinkenden Klinge prüft. "Wollt ihr tatsächlich kämp...."

Aus den Augenwinkeln nimmt er eine flüchtige Bewegung wahr, wirft sich herum, doch es ist zu spät. Roter Nebel flammt vor seinen Augen auf, dann versinkt alles um ihn in Finsternis. Das kehlige Lachen der alten Frau, die mit einem Schemel in den Händen hinter ihm hervorkommt, hört er nicht mehr.

Das Mündel geht nun aus dem Zimmer, um sich anzukleiden. Die Gruppe nutzt die Gelegenheit, um der alten Frau eine nahe liegende Frage zu stellen: "Was hat es mit diesem Pergament auf sich, das dieser Schurke von Euch gefordert hat, Mütterchen?"

Die Alte ist noch immer voller Dankbarkeit über die Ablenkung. Darum erzählt sie ihnen eine Geschichte, die sonst kaum jemand von ihr erfahren hätte.

Thonedhram war ihr Sohn und besaß tatsächlich ein wertvolles Pergament. Sein sterbender Freund Heldor, der wie er aus Bree stammte, hatte es ihm einst geschenkt. Das Dokument berichtet von der Flucht König Arveduis, bei der zwei Palantíri verloren gingen. Eine Zeichnung darauf zeigt das Schiff und die Nischen, in denen die Palantíri verborgen waren, aber der Liegeort des Schiffswracks in der Eisbucht von Forochel war nicht angegeben und wurde auch im Text nicht erwähnt. So hatte Thonedhram lange Forochel durchstreift und in allen Städten nach dem Schiffswrack geforscht, doch seine Mühen waren vergeblich gewesen.

"Erst drei Jahre später stand er auf der Türschwelle. Ich habe ihn kaum wieder erkannt. Er sah schrecklich aus. Sein Haar war weißer als meines, sein Rücken gebeugt. Schweigend ging er an mir vorbei, die Treppe hinauf, die Pergamentrolle unter dem Arm. Offenbar war er nur gekommen, um das Pergament dort oben zu verstecken. Denn als er kurz darauf wieder herunterkam, hatte er es nicht mehr bei sich. Er ging, ohne mich noch ein einziges Mal anzuschauen. Das geschah vor sieben Jahren, und ich habe ihn nie wieder gesehen. Vor zwei Jahren brachte mir ein Bote die Kunde von seinem Tod ..."

Ihre Stimme versagt, und sie lässt sich in den Sessel sinken. "Das Pergament muss noch dort oben sein, aber niemand kann es nehmen. Mein Sohn war schon immer ein wenig sonderlich. Er hat das obere Stockwerk durch heimtückische Fallen gegen Eindringlinge gesichert. Außerdem soll es in seinem Zimmer Dämonen und Flaschengeister geben, die er von seinen Reisen mitgebracht hat. Und euch würde ich raten, gar nicht erst darüber nachzudenken, jedenfalls nicht, wenn Ihr am Leben hängt."
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#2
Sari hörte sich das Geschwätz der Alten über Dämonen und Flaschengeister und Fallen an und verzog abschätzig den Mund. "Mütterchen, du willst uns doch nicht etwa weismachen, ihr beide hättet seit Jahren das obere Stockwerk nicht mehr betreten, oder? Sollen wir dir allen Ernstes glauben, dass ihr euch seit drei Jahren hier unten einsperren lasst?" Sari lachte laut und herzlich auf. "Ihr Städter seid ein komisches Völkchen...".
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#3
Ein Schatten huschte über das Gesicht der alten Frau, verwandelte sich aber in einen gutmütigen Ausdruck als sie sprach

Ich weiß nicht, wie es bei euch Sitte ist, aber hier in Bree leben wir in solchen Häusern. Ich jedenfalls bezeichne den Schutz vor Wind und Wetter nicht als eingesperrt sein... Wie dem auch sei - offensichtlich ist es sowieso egal was ich alte Frau euch sage, da ihr sowieso der Meinung seid, dass ihr alles besser wisst. Jugendlicher Leichtsinn. Natürlich habe ich das obere Stockwerk nie wieder betreten. Erst recht nicht seit dem ... Unfall... eines alten Kameraden Thonedhrams...

Da war wieder der Schatten. Oder doch nicht?

Wenn ihr mir nicht glaubt - ich halte euch nicht auf. Wenngleich ihr noch so viel vor euch hättet...
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#4
Nur mit halben Ohr hörte Nandolas der alten Dame zu, irgendwie fand er es hier sehr kalt, aber er hatte auch unglaublichen Hunger und müde war er auch noch.
Irgendwie hatte er das Gefühl hier stimmte etwas nicht.

Wollen wir nicht lieber ein Nachtlager suchen? Vielleicht hat die Alte hier auch ein Brot über, welches sie entbehren kann. Ich weiss nicht wie es Euch geht, aber ich für meinen Teil würde lieber gehen.

Damit schaute er sich wieder fröstelnd um zog seinen Umhang enger zusammen.
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#5
Nachdem die alte Frau ihre Erzählung beendet hatte, hüpfte Rosetta aufgeregt herum. Das klang doch ganz nach dem Abenteuer, das sie suchte!!!

Laßt uns doch mal einen Blick nach oben werfen! Mit irgendwelchen Dämonen und Geistern werden wir schon fertig!

Dabei fuchtelte sie wie wild mit ihrem Dolch herum und hätte de Elben neben ihr beinahe den Umhang aufgeschlitzt.

Oups, schullingung murmelte sie schnell bevor sie auffordernd in die Runde schaute.

Worauf warten wir?!
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#6
Ein Weile betrachtete die alte Frau Rosetta aufmerksam mit wenig freundlichem Blick - dann huschte ihr ein Lächeln übers Gesicht als sie sich Nandolas zuwandte

Welch vortreffliche Entscheidung. Ich bin leider nicht auf solch eine große Anzahl Gäste eingerichtet, aber ein Brot wird sich sicherlich finden für euch und eure Gefährten - wenn ihr mir versprecht, dass ihr danach die ganze Sache vergesst und euch ein Nachtlager sucht, denn ich möchte es nicht sein, der eure Henkersmahlzeit zubereitet...

Das Lächeln in ihrem Gesicht wurde breiter und offenbarte einige Zahnlücken.
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#7
Merkwürdig fand er diese Frau, sie war noch unheimlicher als ihre Geschichte über den Sohn und seine Rückkehr. Wieso in aller Welt würde sie so bereitwillig ein Brot rausrücken?
Irgendwie erwachte doch ein wenig die Abenteuerlust in ihm, was bei den anderen augenscheinlich schon geschehen war.

Nun alte Frau ihr sprecht von einer Henkersmahlzeit, das macht mich aber nun doch neugierig. Würdet ihr uns bitte mal oben nachsehen lassen? Was auch immer ihr da oben versteckt kann nicht so schlimm sein, wie ihr behauptet. Oder habt ihr gar Euren Sohn dort oben verrotten lassen?

Ungeschickt war seine Aussage, das wusste er, aber es ging ihm ziemlich gegen den Strich, er hatte Hunger, dann dieser Räuber und die wirren Worte der Alten. Er wusste es würde ihm die ganze Nacht wachhalten, wenn er nicht dahinter kam was dort vor sich ging.
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#8
"Na da wären wir ja schon zu dritt! Mich interessiert auch brennend was da oben ist. Wenn das alles wirklich so fürchterlich wäre, hättet ihr sicherlich schon lange das Weite gesucht. Aber gegen was zu Essen hätte ich auch nichts." Wie auf Kommando knurrte Saris Magen. Sie sah zu Ják herüber, um seine Reaktion abzuwarten. "Na, Ják, wie schaut's? Lust auf ein Abenteuer?"
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#9
Ják hatte sich zurückgehalten und die anderen erstmal das Wort an die alte Dame richten lassen. Nun löste er sich aus dem Schatten und trat zu seinen Gefährten.

Tolle Abenteurer sind wir, dachte er verächtlich. Da muss uns ein altes Mütterchen davor bewahren, aufgeschlitzt zu werden.

Aber die Aussicht auf ein Dach über dem Kopf und was zu Essen ließen seine Vorsicht vergessen.

"Also Hunger hätte ich und wenn das Mütterchen auch noch einen Schluck Wein für uns hätte bin ich dabei!"
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#10
Das ist das Problem von euch jungen Leuten, murmelte die alte Frau, ihr hört einfach nicht zu...

Mit einem leisen Seufzen nahm sie eine Öllampe und reichte sie Sari.

Da oben ist es stockfinster. Ich wünsche euch viel Glück!

Dann sah sie Ják an

Wenigstens ihr seid so vernünftig sie nicht zu begleiten...?
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