Des Nachts, mitten im Schnee...
#1
((nur ein kleiner Seitenstrang zum RP-Event "Der kalte Pfad" ))

Zitat:Malthus schloss die Augen. Er hatte Angst gespürt unter einigen seinen Gefährten, als sie gegen die Bilwisse gezogen waren. Sie waren noch unerfahren im Kampf. Doch das würde gar nichts sein gegen die Kreaturen, die im Norden auf sie warten wird. Er war es gewohnt, mit im Kampfe erfahrenen Kriegern loszuziehen. Er würde besser auf sie aufpassen müssen – und er durfte nicht zu forsch Befehle an sie richten.

Erschöpft rieb er sich die Stirn. Bald würde ein neuer Tag anbrechen.

Doch Malthus' verdienter Schlaf wurde nach wenigen kurzen Stunden schon wieder gestört. Leise wie ein Lufthauch schlich Yaerdis zu Malthus' Lagerstatt. Die junge Elbe war merkwürdig gekleidet, in ein - ein altes Männer-Nachthemd, scheinbar? - das sich um ihre dünne Gestalt bauschte und wallte, als wehe in dem Raum ein seltsam eigenwilliger Wind. Nicht nur war es viel zu groß für Yaerdis; es wurde auch noch ergänzt von einem offensichtlich sehr hastig gefertigten Häkelmützchen aus weißer Wolle, das ihr dunkles Haar verdeckte und ihr blasses Gesicht verloren, viel zu klein über dem geisterhaften Stoff hervorstehen ließ.
Im Halbdunkel von Malthus' Unterkunft hätte man Yaerdis in ihrer seltsamen Gewandung leicht für einen - wohl schlecht proportionierten - Geist halten können.
Yaerdis beugte sich nahe an den Schlafenden und hauchte "Hîr Malthus...?"
Eine kalte Hand stahl sich auf seine Schulter.
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#2
Malthus schreckte hoch, ergriff den Arm und drückte zu.

In seiner anderen Hand hielt er einen Dolch, bereit, zuzustoßen.

"Ihr solltet vorsichtig sein, wenn Ihr mich weckt, werte Yaerdis!" Malthus schaute mahnend auf den nächtlichen Besucher.

Malthus lies ihre Hand los und warf den Dolch auf sein Bett. Er dachte bei sich:

Ihr hättet tot sein können.

Der Schlaf war zu kurz gewesen, er hatte es nicht geschafft, den Wasserfall zu erreichen, an dem er sich mit ihr traf. Malthus verzog für einen kurzen Moment den Mundwinkel zu einem Lächeln beim Gedanken an sie, seufzte dann schwermütig. Zu lange schon waren sie getrennt.

Er wandte sich wieder seiner nächtlichen Besucherin zu und schaute verwundert auf ihre Kleidung herab, sagte aber nichts.

Er bot Ihr einen Stuhl an und fragte:

"Was kann ich für Euch tun?"
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#3
Yaerdis zuckte zurück und wand sich in Malthus' Griff.
Sie hatte erst einmal einen Menschen schlafen sehen und mit solch einer Reaktion überhaupt nicht gerechnet. Eigentlich hatte sie gehofft, Malthus schliefe gar nicht, da er nicht schnarchte.
Kurz wanderten ihre Gedanken zurück zu dem Tag, an dem sie Shejian in dieses schlecht gebaute Zelt in Aughaire begleitet hatte, um ihn schlafen zu sehen.
Er hatte wundervolle, merkwürdige Geräusche von sich gegeben, und Yaerdis hatte ihn mit ihrem Kichern geweckt.

"Ah...v...verzeiht mir, Hîr Malthus. Ich... ich wollte Euch nicht wecken. Aber ich habe Hîr Eldatirmo nicht gefunden, und dachte, es sei eine gute Idee, stattdessen Euch Bericht zu erstatten... ?"

Yaerdis' Gesichtsausdruck und Betonung ließen erhebliche Zweifel daran erkennen, ob sie das noch immer für eine gute Idee hielt.
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#4
Malthus überlegte. Eldatirmo war nicht auffindbar? Was konnte das bedeuten. Wo trieb sich dieser Kerl nur herum?

Er balte die Fäuste.

Langsam wird mir das zu bunt mit ihm. Ich muss eine Nachricht zu Himelen schicken und ihn von meinen Beobachtungen und meiner Besorgnis unterrichten.

Malthus schaute Yaerdis auffordern an.

"Es ist gut, dass Ihr damit zu mir gekommen seid, Yaerdis! Was habt Ihr zu berichten?"
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#5
"Nun... nachdem meine Wachschicht beendet war, bin ich nach Bruchtal hinunter gestiegen und habe mir diese Kleidungsstücke besorgt, um im Schnee so gut wie unsichtbar zu sein. Meister Elrond hielt es nicht für eine gute Idee... aber... ich.. ich habe es gleich ausprobiert und muss sagen, es hat sehr gut geklappt - die Menschen und Zwerge dort oben auf den Höhen haben mich weder gehört noch gesehen.
Ich.. ich habe versucht, ihre Bewegungen zu beobachten und.. und etwas über ihre Ziele dort oben herauszufinden.
Leider hat der Schneesturm meinen Plan sehr erschwert, denn ich konnte nicht allzuviel sehen. A..aber ich sah, wie Perjlax sich den Weg aus dem Lager freikämpfte, und ... und... ich habe ihm ein wenig geholfen, seine Spuren zurück zu verwischen.
Ich fürchte, ich muss mir neue Pfeile herstellen.. äh.. aber, was ich eigentlich sagen wollte.. also..
nach Eurem Angriff auf die kleineren Lager kamen Leute... sie haben wohl überprüft, was es an Verlusten gab.. und.. nun.. einer dieser Leute stemmte die Hände in die Hüften und nickte zufrieden. Es schien, es ... es gefiel ihnen, was passiert ist, als passe es zu ihren Plänen.
U...und es gibt noch viel... viele weitere Menschen und Zwerge, dort oben auf dem Berg. Sie.. sie halten sich bereit hinter Pässen und in den Höhlen; ich sah Wetzsteine und Schmiedefeuer, Hîr Malthus; und viele.. viele Söldner und... und .... äh.. .also...
Trotz des rauen Wetters schienen sie recht guter Laune zu sein, einige prassten mit Goldmünzen und andere rollten Fässer mit Bier und Wein; und alle trugen sie Pelze und schauten abergläubisch zu Boden, wenn sie an den Zeichen der einzelnen Flamme vorbei gingen. Als.. als sei es etwas heiliges..."


Yaerdis brach ihre wirre Erzählung ab und zog sich nervös am Ohr. Ob überhaupt etwas relevantes dabei gewesen war, das es rechtfertigte, Malthus zu wecken... ?
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#6
"Ich dachte, dass der Hinterhalt nur von den Bilwissen ausgeht. Vielleicht wollten Sie uns aber nur in Sicherheit wiegen. Oder ist es gar eine weitere Gruppierung, die nach der Macht strebt? Nein, das glaube ich eher nicht."

Abermals rieb sich Malthus das Kinn.

Was ist nun zu tun? Sie sind gerüstet für den Kampf. Sie klingen kampferfahren. Und wie viele sind wir? Wir brauchen mehr Leute und wir müssen wissen, mit wem wir es zu tun haben.

"Ich fürchte, ich muss Euch abermals aussenden, Yaerdis. Wir brauchen ganz einfach mehr Informationen über Ihre Pläne! Bevor wir den Angriff auf die Feste wagen müssen wir wissen, was sie vorhaben. Und vor allem, mit wie vielen weiteren Gegnern wir es zu tun haben."

Er fasste Yaerdis an den Schultern.

"Ihr habt sehr gute Arbeit geleistet. Ruht Euch ein wenig aus. Versorgt Euch mit Vorräten und füllt Euren Pfeilköcher auf. Ich werde Euch etwas Warmes zu Essen und zu Trinken besorgen."

Malthus blickte Yaerdis in die Augen.

"Ihr seid sehr tapfer. Ich bin stolz, Euch in unseren Reihen zu wissen."

Er zwinkerte Yaerdis zu und machte anstallten, das Zelt zu verlassen.

Kurz vor dem Zelteingang blieb er stehen und wandte sich um.

"Es war gut, dass Ihr zu mir gekommen seid."
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#7
Obwohl Malthus es wohl im Dunkel kaum sehen konnte, nickte Yaerdis ruckartig.
Bei seinen lobenden Worten strahlte die junge Elbe vor Stolz, rot glühten ihre Wangen.
Sie wusste nichts zu sagen, bis Malthus das Zelt verlassen hatte. Dann erst holte sie einmal tief Luft und richtete sich auf.
Sie war gelobt worden! Sie, die immer eine Enttäuschung für alle gewesen war, bestenfalls das fünfte Rad am Wagen! Beinahe konnte sie fühlen, wie ihre Füsse vom Boden abhoben, als sie gerade aufgerichtet aus dem Zelt marschierte - nur um dann in Malthus hinein zu laufen, der davor stehen geblieben war. Dumm und ungeschickt, wieder einmal!
Sofort war wieder aller Stolz aus ihr gewichen; die Schultern krümmten sich und ihr Blick suchte peinlich berührt den Boden.
"Ich... ich.. mae. Ent.. enschuldigt, Hîr Malthus. Ich wollte nicht... äh... verzeihung."

Langsam schlich Yaerdis davon, wartete auf Malthus' Lachen in ihrem Rücken...
Nur, weil Hîr Malthus kurz einmal zufrieden ist mit Dir, ist es Hîr Himelen sicherlich noch lange nicht...

Es dauerte beinahe einen Zehntag, bevor Yaerdis sich wieder zurückmeldete im Lager. Diesesmal hatte sie die flatternde weiße Robe und das Wollmützchen sorgfältig verstaut; doch als sie gerade Malthus suchen wollte, fand sie stattdessen Himelen. Und Garlond, und Elrhien... und sie drängten zur Eile. Erst, als die fremden Forscher aus ihrem eisigen Gefängnis gerettet waren und Gloins Lager in der Nacht ein wenig zur Ruhe kam, konnte Yaerdis wieder daran denken, irgendetwas anderes zu tun als sich vor Himelens eisig kalten, fordernden Blicken zu verbergen.
Er hat mich schwören lassen...
Das Rätsel, das Himelen ihr auferlegt hatte, beherrschte sie. Wie kann man einen Ringträger schützen, wenn man nicht weiss, wer einen Ring trägt? Wie kann man schützen, was man nicht kennt, nicht weiss, wovor es geschützt werden muss?
Yaerdis war sicher, daß dies die zweite Stufe ihrer Ausbildung bei den Waldgeistern werden sollte - wenn sie auch keineswegs wusste, wie sie die erste Stufe offensichtlich gemeistert hatte.
Yaerdis vermutete, daß die Hohen der Elben die Ringe trugen, die sie aus Meister Elronds Ringkunde kannte - Círdan, Galadriel und vielleicht Meister Elrond selbst. Aber diese drei waren gut beschützt und fern des Feindes und hatten hunderte, die für sie kämpften. Es war ein wirklich schwieriges Rätsel.
Schliesslich und endlich aber fiel ihr doch noch ein, daß sie Malthus erzählen sollte, was sie herausgefunden hatte. Also begann sie, ihn unter den dunklen, unter Mänteln und Kapuzen verborgenen Gestalten im Lager zu suchen.... lang überlegte sie, ob sie ihn bei jenen gesehen hatten, die bergauf gezogen waren, um die Forscher zu retten. Nein, entschied sie schliesslich. Hmm... und wo ist er dann... ?
Zweifelnd blickte Yaerdis auf die dunstigen Lichter Bruchtals zurück, die in Nebel und Ferne im Süden verschwammen.
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#8
Er hatte sich mit den Zwergen um Gloin beraten. Doch sie zögerten. Glaubten Sie seinen Berichten nicht? Er drängte zur Vorsicht. Doch er befürchtete, dass sie seine Warnungen keine Beachtung schenken würden. Wer glaubt schon einer Elbin. Wie er die Diplomatie hasste.

Er bahnte sich den Weg nach draußen, suchte sie, doch fand er sie nicht sofort. Auch seine Gefährten hatten sie nicht gesehen.

Sie sollte schon zurück sein.

"Yaerdis!!" schrie er laut.
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#9
Yaerdis zuckte zusammen und eilte an Malthus' Seite. Einen Menschen unter Zwergen übersehen... was kommt als nächstes? Übersiehst Du einen Troll?

"Meister Malthus! Endlich finde ich Euch!"
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#10
"Es ist gut Euch zu sehen. Seid Ihr wohlauf? Wart Ihr erfolgreich? So sprecht!"

Malthus hielt inne und fuhr mit ruhigerer Stimme fort.

"Nein, wartet."

Er fasste sie an der Schulter und schob sie sanft, aber bestimmt zu einem Punkt im Lager, der ein wenig abseits lag. Er schaute sich argwöhnisch nach Mithörern um.

Sie waren unter sich.

"Nun, Yaerdis, was habt Ihr herausfinden können?"
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