Unten, am Fluss..
#11
"Etwas besprechen."

Yaerdis' Dialekt, die lang gezogenen Vokale und die vielen Hauchlaute des Ostens, klangen deutlicher als sonst in Pebelas' Ohren. Oder war es nur, daß Yaerdis in ihrer schwarzen Bemalung so ganz anders aussah als sonst?
Zumindest hielt sie sich nun - anders als sonst - steif und gerade; die leicht vorgebeugte Haltung, mit der sie sich sonst kleiner machte, als sie eigentlich war und der stets ein wenig entschuldigende Gesichtsausdruck waren verschwunden.
Wie die Augen eines Raubvogels leuchteten Yaerdis Augen in dem dunkel bemalten Gesicht.
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#12
Pebelas öffnete den Mund mehrmals um etwas zu erwidern, schloss ihn aber jedes mal wieder. Seine Schultern hingen schlaff herunter und das Glitzern getrockneten Schweißes auf seinem Gesicht ließ ihn älter wirken als er eigentlich war. Mit einem Fuß halb auf der Treppe musste er nach oben schauen um Yaerdis anzusehen, doch schließlich brachte er nur wenig mehr als ein Flüstern hervor

No galu govad gen...

Er verstummte und wandte sich wieder halb um.

Obwohl ich nicht glaube, dass sie mehr Erfolg haben wird als ich...

Er wollte noch etwas hinzufügen, überlegte es sich dann jedoch anders und hoffte, dass Yaerdis dies nicht bemerkt hatte.

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No galu govad gen ~~~ Möge Glück dich begleiten
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#13
Yaerdis nickte Pebelas kurz zu. Einen Moment lang musterte sie seine Mine, und ihre durch die Bemalung und das Halbdunkel nur schwer erkennbaren Züge deuteten Besorgnis an, als sie Pebelas so ... erschöpft sah.
Später... ich muss es erst hinter mich bringen.

Erschreckend der Gedanke, daß ein möglicher Abschied in den Osten solch einen lieben Freund wie Pebelas hier zurücklassen müsste. Auch fiel ihr ein, daß Himelen gesagt hatte, Pebelas werde das Haus Istaelleth nach außen hin vertreten. Ob er das mit Freuden tut? Vermutlich nicht, schliesslich erzählte er mir einst, daß seine sich teilweise widersprechenden Pflichten Heru Thranduil und Hir Himelen gegenüber ihn schon beinahe entzwei rissen. Noch eine dritte Partei dazu zu bekommen, wird da sicher nichts helfen..
Mitleid schlich sich über Yaerdis' Gesicht, doch sie erwiderte nichts, legte ihm nur kurz die schmale Hand auf die Schulter und versuchte ein aufbauendes Lächeln.
Dann jedoch, bevor noch irgendetwas sie weiter aufhalten konnte, wand sie sich um, stieß die Tür zum Turmzimmer auf und trat hinein.

Gerade aufgerichtet, den Kopf hoch erhoben und den Speer an ihrer Seite fest umklammert, stellte sie sich in die Mitte des Raumes. Noch hatte die mühsam bezwungene Nervosität ihre sorgsam aufgebauten Schutzwälle nicht bezwungen; noch gaben ihr ihre Kriegsbemalung und ihre gewohnte Kleidung Schutz - aber wie schnell würde diese große Welle an Angst über ihr zusammen schlagen und dies alles mit sich fort waschen? Yaerdis konnte nur hoffen, ihr Schutz möge noch eine Weile halten...
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#14
Unentschlossen stand Pebelas noch einen Moment auf dem Treppenabsatz während Yaerdis im Turmzimmer verschwand und genoß die eingetretene Stille, dann seufzte er leise und ging langsam die Treppe hinunter

Es sind Dinge in Bewegung geraten, die nicht mehr aufzuhalten sind...
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#15
Sehr langsam drehte sich der große Schatten vor dem Kaminfeuer herum. Die Arme weiterhin auf dem Rücken verschränkt betrachtete Himelen Yaerdis mit erhobener linker Augenbraue.
Es dauerte einen kleinen Augenblick, in der die hellgrauen Augen über diese Erscheinung flogen.

"Nun Yaerdis Rabenfeder, ich hoffe sehr ihr ersucht ein Gespräch und keinen Kampf? Eure Waffen werdet ihr für Ersteres nicht brauchen ..."

Er wirkte ruhig, ungemein kühl und emotionslos.
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#16
Einen Kampf ersuchen. Yaerdis hatte viel Fantasie, und nicht zum ersten und ganz sicher nicht zum letzten Mal erschienen ungebetene Bilder in ihrem Kopf. Yaerdis, die dem überraschten Himeln einen Speer in die Eingeweide rammte; das auf einmal gar nicht mehr so emotionslose Gesicht des Elben... aber das würde natürlich nie geschehen.

"Ich suche ein Gespräch, Hîr Himelen," sagte sie leise, "Und ich bin so zu Euch gekommen, wie es einer erwachsenen Jägerin meines Volkes gebührt."

Sie konnte den Speer wohl kaum in die reich verzierten Fliesen des Fussbodens rammen, daher legte sie ihn vorsichtig neben sich ab. Ihre andere Hand umkrampfte ihr Jagdmesser.
Du sprichst mit dem Ältesten, geisterte ihre eigene Stimme durch ihren Kopf, mit dem Ältesten...
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#17
"Ein Gespräch, hm, nun denn Yaerdis Rabenfeder, bitte nehmt Platz und entspannt euch."

Er deutete auf einen der Stühle, welche um den Ratstisch standen.

"Darf ich euch etwas Wasser oder Tee anbieten?"

Während dieser Worte und Gesten hatte sich Himelens Ausstrahlung nicht im geringsten geändert.
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#18
Entspannen? Das hatte Yaerdis ganz sicher nicht im Sinn.
"Ich ... stehe lieber."

Sie dachte kurz nach, bevor sie begann. "Hîr Himelen, ich möchte.. ich möchte mich entschuldigen, daß ich gestern abend das Sippenhaus so hastig verließ - a...aber ich .. ich stehe zu meinem Wort. Ich werde den Namen des Hauses Istaelleth nicht annehmen; nicht einmal zur Tarnung.
Lieber versuche ich mich allein durch die feindlichen Linien im Düsterwald hindurch zu meinem eigenen Volk durchzuschlagen, denn ich kann nicht mit ansehen, wie diese... Dame... diejenigen behandelt, die mir Vorbild sind und .. und... Freunde."
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#19
Die linke Braue erhob sich erneut. Es dauerte einen kleinen, dennoch schier endlosen Augenblick bevor Himelen antwortete.

"Erklärt euch genau Yaerdis."
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#20
Sofort fiel Yaerdis' steife Haltung von ihr ab. "Ai, Hîr Himelen, Ihr wart nicht dabei, als sie sprach! Sie... sie bezeichnete alle, die sich um sie versammelt hatten, als unwissende Kinder und tat so, als sei das Ziel der Faer Eryn von überhaupt keinem Wert!
Ich weiss nicht, warum sie sich derartig verhält. A..aber es scheint, daß sie vorhat, die Faer Eryn als ihre Bediensteten, Söldner und Zulieferer in Anspruch zu nehmen, ohne auch nur im geringsten zu verstehen, daß ihre ... ihre Sammelwut nicht unser primäres Ziel ist!

Unter diesen Umständen kann ich diesen Namen nicht tragen. Ich.. die Geister, die ich bisher kennen lernen durfte, sind meine Vorbilder, meine.. meine Helden. Ich werde nicht mit ansehen, wie sie sich vor dieser... dieser... iskadrow"
- Yaerdis benutzte offensichtlich ein Schimpfwort aus ihrer Heimat - "zu falschem Zwecke erniedrigen müssen und vor Ihr im Staube kriechen, während sie sich vor Genugtuung windet!"
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