Unten, am Fluss..
#21
Wieder dauerte es etwas bis Himelen antwortete.

"Beruhigt euch zunächst Yaerdis Rabenfeder. Istaelleth ist mir schon seit langem eine gute Freundin. Sie kennt unsere Ziele nur im groben und verfolgt durchaus ihre eigenen. Und um diese zu erreichen wird sie uns durchaus benutzen wollen."

Er musterte Yaerdis Aufzug.
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#22
Unter Himelens Blick wurde Yaerdis rot. Nicht, daß man es unter den schwarz gemalten Verzierungen sonderlich gut hätte sehen können, aber irgendwie schämte sie sich nun doch für ihren im Westen so ungewöhnlichen Aufzug.

Beruhigen? Gut gesagt...

"A..aber.. wie kann sie Euch..."

Yaerdis schluckte. Unvermittelt wollten ganz andere Worte aus ihr heraus.

"Ich... als... bevor ich zurück gekommen bin in den Westen, habe ich etwas geträumt, Hîr Himelen."

Yaerdis schluckte und senkte den Blick.

"Ich weiss nicht, ob man im Westen diesen Dingen Bedeutung beimisst oder nicht, doch ... nun.. ein Vanta; ein Zeichen der Geister... ich... ich messe ihm Bedeutung bei.
Mir träumte mehrmals, ich sähe Euch gefesselt an einem Pfahl stehen; Feuer rings um Euch und der Gestank der Yrch hing schwer in der Luft. Pfeile sirrten, der Kampf tobte; und dann Euer Todesschrei...
Ich.. ich.. fürchtete Verrat unter den Geistern, unter anderem, als ich hierher zurück kehrte.
Doch als ich her kam, schien alles in Ordnung zu sein.
Doch nun...
Hiril Istaelleth scheint mir wie ein Drukuh, einer der bösen Schatten, die sich auf die Dinge legen, wenn der Feind nahe ist, und sie verzerren und verfremden und zu etwas ganz anderem machen, als sie eigentlich sein wollen. Ihr... ihr kennt vielleicht die Hunde, die sie 'knurrende Schatten' nennen und die bei den Leichenklippen von Enethwaith herumstreunen? So.. so etwas meine ich. Mein Volk kennt sie gut, viel zu gut.
Ich habe Angst, Hîr Himelen, daß sie wie ein Drukuh ist... Daß sie Schatten über uns bringt und uns entzweit mit ihrem entwürdigenden Verhalten.
Ich will ihren Namen nicht tragen, nicht.. nicht vor ihr kriechen müssen."


Yaerdis stockte in ihrem wirren Vortrag und sah zu Boden. Hatte sie tatsächlich 'ich' gesagt? Hatte sie nicht vielleicht eher die anderen gemeint? Nein hast Du nicht; weil es nämlich Dein eigener Stolz ist, der hier verletzt ist, dumme kleine Trine.. Du sollst keinen Stolz haben, keinen eigenen Wert! Das weisst Du Doch! höhnte ihre innere Stimme.
Tapfer verbiss sich Yaerdis die schon wieder aufkommenden Tränen.
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#23
"Träume sind ein zweideutiges Schaubild Yaerdis. Sie sind mit äußerster Vorsicht zu genießen, da sie oftmals nur ein schemenhaftes Abbild der Vergangenheit, oder eine vage Ahnung des Zukünftigen darstellen."

Er strich sich über das Kinn, dachte scheinbar nach und nickte dann.

"Ich nehme diesen Traum durchaus ernst, doch ich kann euch versichern, dass Istaelleth kein böser Schatten dieser Tage ist. Natürlich sind wir in einer gesonderten Lage, dennoch müssen wir mit Vorsicht an solche Konflikte gehen, da wir zu schnell zu urteilen neigen und zu oft vergessen tiefer zu blicken als es auf dem ersten Weg üblich ist."
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#24
Yaerdis dachte lange über Himelens Worte nach. Sie stand ruhig, nach ihrer Gewohnheit den einen nackten Fuss an ihr schwarz bemaltes Knie gestützt, und die Augen halb geschlossen. Sie wirkte in dem gefliesten, getäfelten Raum ein wenig wie ein Fremdkörper - eine ausgerissene Pflanze, die sich nach ihrer Waldlichtung zurück sehnt.

"Eure Worte sind weise, Hîr Himelen, aber Hiril Istaelleth ist es, so scheint es, nicht - und nur schwer zu ertragen obendrein.
Vielleicht habt ihr recht, und dieser scheinbare Drukuh ist einen zweiten Blick wert. Mehr aber kann ich nicht versprechen; schon gar nicht, daß ich ihren Namen als meinen annehme.

Ich.. ich möchte nicht undankbar erscheinen, Hîr Himelen, nach allem, was Ihr mir bisher an Jagd ermöglicht habt. Aber... wenn Euch dies nicht ausreichen sollte, so werde ich versuchen, zu meinem eigenen Volk zurück zu kehren. Ich möchte hier keinen Unfrieden sähen, wenn alle anderen mit dieser... Tarnung.. dieser Heuchelei einverstanden sind.
Die Chance ist gering, daß ich sie erreiche, aber wenn ich hier nicht dienen kann, dann will ich es dort versuchen."


Yaerdis schluckte. Der Gedanke an Saelrandir versetzte ihr einen spürbaren Stich.
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#25
"Ihr seid den Geistern nur dienlich, wenn ihr mit ihnen gemeinsam dem Schatten entgegen tretet Yaerdis. Weit im Osten werdet ihr nur schwerlich mit uns interagieren können und dies widerspricht eurem geleisteten Schwur. Bedenkt dies."

Er sah ihr noch immer direkt in die Augen.

"Ich werde noch einmal mit Istaelleth sprechen. Auch ein alter Baum muss lernen sich einer neuen Umgebung anzupassen."
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#26
Yaerdis atmete erleichtert auf. Auf mehr hatte sie nicht zu hoffen gewagt. Sofort nickte sie zustimmend und verneigte sie sich vor Himelen.

Doch während sie sich schon umwandte, um wieder zu gehen, fiel ihr eine andere Frage ein. Ob der alte Elb sie ihr vielleicht beantworten könnte? Unschlüssig blieb sie stehen und sah Himelen an.


"Hîr... äh... "
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#27
Himelen sah sie noch immer an, hatte sich offenbar kein Stück bewegt und keinen Hauch gerührt.

"Mae, Yaerdis?"
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#28
"Könnt Ihr mir etwas sagen über... über das Band zwischen zwei Elben, Hîr Himelen?"

Es war einfach aus ihr herausgeplatzt... jetzt war es zu spät die Worte noch zurück zu nehmen.
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#29
Er hob erneut die linke Augenbraue und nickte.

"Es wird darauf ankommen was genau ihr wissen wollt Yaerdis?"
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#30
"Saelrandir... er... er ist weit entfernt von mir und... und... "

Yaerdis ließ den Kopf hängen.

"Hîr, es gibt Tage, da spüre ich ihn nicht; es ist, als fehle mir plötzlich ein Arm oder ein Bein. Es...es ist... schrecklich. Und... und... es sind jetzt beinahe 10 Tage, daß ich ihn das letzte Mal spürte...."

Es auszusprechen machte es zur sicht-, greif- und fühlbaren Wahrheit. Jetzt flossen die Tränen, die Yaerdis so lange zurück gehalten hatte, wenn auch aus einem ganz anderen Grund als aus Wut auf Istaelleth.
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