Eine Entscheidung
#11
Malthus nahm die Pergamentrolle entgegen und betrachtete eine Zeitlang das Siegel. Dann warf er das Schreiben achtlos und ohne es zu öffnen auf die schwere Tischplatte.

"Euer König verlang also wieder nach Euch. "

Malthus nicht bedächtig und lies ein langgezogenes OOOOOHHHH nachfolgen, das aber mehr sarkastisch klang.

"Einen König und seine Befehle...was kann ich da schon dagegenhalten?"

Er hob beide Hände in die Höhe.

"Und wie lange werdet Ihr fort sein? Ein paar Tage? Ein paar Monate oder gar Jahre?

Wenn auch noch Ihr geht...wisst Ihr, was passieren wird? Ich befürchte, dass sich - solltet Ihr uns wirklich verlassen - bald alle anderen Elben auf den Weg machen. Sie werden sich auch irgendeine Suche ausdenken. Oder sie werden ihre Schiffchen besteigen und fliehen, wie es so viele schon vor Euch gemacht haben.

Schaut unsere Gemeinschaft an. Natürlich haben wir einige der tapfersten Krieger in unseren Reihen, unerschrockene Drachentöter. Die brauchen keinen Schutz, keinen, der ihnen den Feind erst zeigen muss.

Aber vergesst nicht, dass wir auch ein paar Hobbits in unseren Reihen haben. Versteht mich nicht falsch. Ich schätze unsere kleinen Freunde und ich spüre, dass sie mir folgen werden. Doch zu Euch, mein Freund. zu Euch sehen sie auf. Man spürt es, wie sie sich alle anspannen, wenn ein so hoher Elb wie Ihr es seid den Raum betritt. Sie freuen sich wie kleine Kinder. Sie werden still, stumm, ehrfürchtig. Ihr seid für sie ein besonderes Volk. Ein Mythos. Viele kannten die Elben nur von Erzählungen. Glaubten nicht daran, dass es Euch wirklich gibt. Uns Menschen dagegen kennen sie schon lange. Oftmals sehen sie uns nur das lange Volk, versoffene und verstohlene Menschen, die sie ausnehmen. Ich bin mir nicht einmal sicher, ob sie uns achten. Seit Ihr weg wären sie die nächste Nacht verschwunden.

Aber Euch Elben würden sie auch im tiefsten Mordor folgen."


Er machte eine Pause.

"Pebelas. Ich kann Euch nicht mit Gewalt aufhalten. Ich weiß nicht mal, ob ich Euch überhaupt umstimmen kann, ob Eure Entscheidung überhaupt noch beeinflusst werden kann.

Ihr habt mir nach Himelens Verschwinden Eure Unterstützung zugesagt. In der heutigen Zeit brauchen wir, nicht nur ich, Eure Hilfe mehr denn je."


Malthus sah Pebelas eindringlich an.
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#12
Pebelas stand reglos da und hörte sich geduldig Malthus' Redeschwall an.

Als Malthus schließlich endete, ging er seinerseits zum Fenster und blickte eine Weile schweigend hinaus. Gerade als sich ein Vogel auf dem Baum vor ihm niederließ fragte er ohne sich umzudrehen

Sagt - träumt ihr nachts?
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#13
Träumen? Malthus wollte laut auflachen. Nein. Träume hatte er schon lange nicht mehr. Oder galt es schon als Traum, wenn man fast jede Nacht schweißgebadet aufschreckte. Er sah es immer wieder, Nacht für Nacht. Seine Leute. Fast alle waren sie umgekommen bei der großen Schlacht um die Feste Guruth. Und er hatte sie angeführt. Er schlief nicht mehr viel, denn im Schlaf kamen seine Dämonen.

Müde rieb er sich die Augen und versuchte, die Gedanken zu vertreiben.

Träumen? er schüttelte den Kopf. Schon lange nicht mehr.

Er trat zu Pebelas an das Fenster.

Früher träumte ich davon, unbesiegbar zu sein. Die Armen und Schwachen zu beschützen. Solche Dinge halt.

Er lachte leise und wurde sogleich wieder ernst.

Doch das ist lange her. Aber ich habe noch lange nicht aufgegeben, für diese hohen Ziele zu kämpfen, und sei der Kampf noch so aussichtslos.

Malthus schaute nun direkt zu Pebelas.

Bleibt bei uns. Helft mir, die uns Anvertrauten gemeinsam zu schützen.

Er senkte wieder den Kopf und fügte leise hinzu.

Ich fürchte, ich schaffe es sonst nicht alleine.
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#14
Pebelas betrachtete den Vogel auf dem Baum.

Ein Rabe. Nacht für nacht - ein Rabe der eine Feder verliert.

Pebelas drehte sich zu Malthus um

Ich muss gehen Malthus. Ich spüre dass es wichtig ist... Verzeiht...

Die letzten Worte waren kaum mehr als ein Flüstern als er sich vom Fenster löste und zurück zum Tisch ging.
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#15
Dann ist wohl alles gesagt.

Er ging zu seinem Zweihänder, schulterte die Waffe und ging zur Türe.

Doch er hielt inne und drehte sich nochmals zu dem Elben um.

Sichere Wege, Pebelas. Passt auf Euch auf und auf bald!

Dann öffnete er die Türe und schritt hinaus.
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#16
Pebelas nickte leicht.

Malthus... Ich werde bald zurück sein - hoffentlich mit Yaerdis. Ach - und ehe ich es vergesse...

Er griff nach dem Pergament und brach vorsichtig das Siegel ab, betrachtete es einen Moment und warf es dann Malthus zu.

Hannon le.

Pebelas warf noch einen letzten Blick auf den Menschen, dann huschte er an ihm vorbei die Treppen hinunter. Er hatte keine Lust noch in der Nähe zu sein, wenn Malthus die Buchstaben PN auf dem Siegel entziffern würde.
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#17
Ferwnnan tritt durch die geöffnete Tür ins Sippenhaus, auf der Suche nach Malthus. In der Eingangshalle blickt sie sich suchend um, als könne sie sich nicht entscheiden, wo sie zuerst nachsehen soll – im Ratszimmer oder in der großen Halle. Dann wendet sie sich nach rechts zur Treppe.
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#18
Pebelas wich im letzten Moment Ferwnnan aus, indem er eine akrobatische Drehung vollführte und nun neben ihr zum Stehen kam.

Suilad Ferwnnan.

Er deutete ein Lächeln an.

Ich bin in Eile, aber falls du Malthus suchst, er ist oben im Turm

Er wandte sich ab und lief einige Schritte. Dann hielt er inne und kam noch einmal zurück und griff kurz nach Ferwnnans Unterarmen.

No beriannen Ferwnnan.

Dann wandte er sich erneut ab und verließ eilig das Sippenhaus.
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#19
Es ist kurz nach Mitternacht und ein fahler Mond erleuchtet schummrig die Szenerie ... leise bewegt sich eine Gestalt Richtung Sippenhaus.

Ein kurzer Blick nach rechts, ein Blick nach links, dann verschwindet die Gestalt im Haus.

Warum Aynar so geheimnisvoll das Haus der Faer Eryn betreten hat, weiss er selber nicht zu sagen, aber auch im Innern vermeidet er es Aufmerksamkeit zu erregen und bewegt sich so geschickt und lautlos wie möglich durch den Vorraum.

Keiner da - gut ...

Bald schon hat er die Halle errecht und tritt vor den großen Kartentisch ... gründlich mustert er eine Karte nach der anderen und zieht die Stirn kraus ... NEIN, die ist auch da ... und diese ist identisch mit Nummer 3 ... und das ist Nummer 4 ... murmelt er leise vor sich hin ...

Alle Karten da und keine scheint irgendwelche größeren Änderungen gegenüber seinem eigenen Kartensatz aufzuweisen.

Ergo hat Aynar die fehlende Karte, also jene, die Pelebas seinerzeit eingesteckt hat, nie besessen ...

Ein bisschen enttäuscht legt er die Karten zurück und verläßt das Haus ebenso unbemerkt, wie er es betreten hat ... die Suche hat ihn leider keinen Schritt weiter gebracht ...

Was immer auf der fehlenden Karte abgebildet sein mag bleibt vorerst Pebelas Geheimnis ...
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#20
Ferwnnan ist verblüfft über den eiligen, fast hastigen Abschied. Sie schaut Pebela seinen Moment verwirrt hinterher, dann blickt sie auf die Treppe zum Ratsturm – und eilt dann Pebelas aus dem Sippenhaus hinterher. "Warte! Wohin gehst du?", ruft sie ihm hinterher.
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