Schatten der Vergangenheit
#11
Aus der Gruppe löste sich eine Gestalt und kam wieder zurück auf sie zu.

Malthus schritt schnellen Schrittes direkt auf sie zu. Ealael wartete bis er sie erreichte und sah ihn fragend an.

"Gibt es noch etwas was ich wissen sollte?" fragte er in seiner üblichen lauten Art.

Zu einer anderen Zeit solltet ihr dringend etwas wissen, dachte sie, sagte aber dann zu Malthus: Schützt sie, gebt acht, denn ihr wisst nicht womit ihr es zu tun habt.

Malthus gab sich sehr selbstsicher und noch immer voller Tatendrang, doch seine Frage überraschte Ealael dann doch sehr, denn das hatte sie nicht erwartet.

"Wollt ihr uns nicht begleiten?" fragte er und lud sie ein, sich seiner Gruppe anzuschließen.

Ealael nickt Murkhál zu und sie nahmen ihr bescheidenes Reisegepäck und gingen ihre Pferde holen.
In Echad Dunnan würden sich ihre Wege trennen, Ealael musste eine Nachricht von Rennarion haben, doch da diese sie nicht erreichte, wollte sie einen anderen Weg einschlagen und sich erst vergewissern, das ihn andere Dinge hinderten um ihr Nachricht zu übermitteln.

Malthus wird seinen Weg auch ohne sie beide finden, dessen machte sie sich derzeit keine großen Gedanken.

Sofern dieses Menschenmädchen nicht seinen Verletzungen erlegen war, würden sie sie in Echad Dunnan finden, vielleicht würde Malthus mehr mit ihrem wirren Gedanken anfangen können, als sie es derzeit konnte.

Doch noch etwas anderes machte ihr mehr Sorgen, sie spürte förmlich den bedrohlichen Schatten der sich entfaltet hatte, sie spürte ihn fast, als wäre er ihr sehr nahe. Er folgte den beiden, Nendis und Pebelas, hatten sie nicht längst Lorien verlassen? Wie konnte es sein? Hatte Rennarion es vielleicht nicht geschafft ihm eine andere Richtung vorzugeben?

Schweigend folgten sie der Gruppe durch Eregion, Ealael behielt die Umgebung im Auge, beobachtete angespannt alles was sich um sie herum befand.
In Echad Eregion wollte die Gruppe einen kurzen halt machen.
Ealael blieb außerhalb der Ruine, weiterhin behielt sie die Umgebung im Auge, bis dieser Faranis fragen stellte, warum dieses Land so war, wie es war.
Nur ein Mensch konnte diese frage stellen, Ealaels Zusammenfassung stieß jedoch eher weniger auf offene Ohren. Eher hatte sie den Eindruck, dieser Mensch fragte nicht um wirklich etwas zu erfahren.

Als sie Malthus sehr leise abseits von Faranis fragte, wie gut er ihn kenne, schickte dieser alle anderen vor und blieb mit Ealael zurück.

Es folgte ein kurzes Gespräch, ein kleines Wortgefecht in welchem Malthus die Frage aufwarf, wem er trauen kann, kann er ihr trauen?

Ealael war seltsamerweise erleichtert. Nun hatte er es erfasst, nun war er auf dem richtigen Weg.

Sie ritten den anderen hinterher, im schnellen Galopp denn sie hatten ein wenig Weg aufzuholen. Kurz nach der Gruppe erreichten sie Echad Dunann, doch niemand wollte mit Malthus oder Faranis reden. Araswen wurde wegen ihrer Fähigkeiten ausgesandt um die Umgebung zu erkunden, Malthus wurde wachsamer, ein gutes Zeichen.
Ealael holte einige Erkundigungen ein, man hatte die Frau bisher nur etwas stabil gehalten, aber sie benötigte weitere, bessere Hilfe und so hatte man sie auf den wahnsinnigen Weg durch die Minen nach Lorien gesandt.
Einige Elben und ein paar Zwerge als Führer, die den schnellsten Weg für die Reisegruppe finden würden.
Es war hier, vor den Toren nicht unüblich, sich der Zwerge zu bedienen.

Ealael berichtete dem fassungslosen Faranis und dem erstaunten Malthus, was sie erfahren hatte, doch plötzlich schien es, dass Malthus nun zu misstrauisch wurde, doch Ealael hatte keine Zeit, hierüber eine Diskussion anzufangen.
Sie gab Murkhál das Zeichen, dass sie weiterreisen würden und schickte sich an, aufzubrechen.

Malthus hielt sie jedoch zurück, hatte noch ein paar Fragen und beriet sich dann mit den anderen seiner Gruppe.
Ealael ließ sie stehen, wandte sich dem Rande der Ruinen zu um weiter ihren Gedanken nachzuhängen.

Wie lange würde es dauern, mit dieser Gruppe durch die Minen zu kommen? Ihr Vorteil lag in Murkhál, er wusste den Weg und ihm würde sie vollständig vertrauen können, zumindest in diesem Punkt fühlte sie sich sicher.

So setzte sie sich auf einen umgestürzten Bogen, dieses einst so prächtigen Bauwerks und sah zu den Torbogen, der ihnen den Weg nach Moria zeigte.
Unbehagen legte sich wieder über ihr Gemüt, eine schwere Kümmernis, weit in der Ferne ihrer Erinnerung, jenem schwarzen Tag, an dem sie tun musste, was sich nicht umgehen ließ.
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#12
Die Reise würde einige Tage dauern, je nachdem, auf wie viel Widerstand sie treffen würden. Malthus bewunderte die Zwerge und ihre Tapferkeit, wie sie gegen die schier unendliche Schar an Feinden bestehen konnten.

Nach ihrem Eintritt nach Moria rasteten Sie in Durins Schwelle. Hier komplettierten sie ihre Ausrüstung und Murkhál holte sich aktuelle Meldungen ein bei den Zwergenwachen. Die Situation war nach wie vor gefährlich, einen sicheren Weg würde es nicht geben. Doch damit hatte Malthus auch nicht gerechnet. Vielmehr als die Orks in Moria hatte er Bedenken, was seine Begleiter betraf. In wieweit konnte er Faranis trauen? Er gab vor, nach seiner Liebsten zu suchen. Doch würde er tatsächlich so weit gehen, durch Moria zu ziehen? Und dann noch die undurchsichtige Ealael mit ihrem Getreuen Murkhál. Wann hatte es das zuletzt gegeben. Eine Elbe und ein Zwerg. Merkwürdige Zeiten sind das, in denen wir leben. Wenigstens war Malthus nicht alleine. Seinen Gefährten der Faer Eryn konnte er trauen. Und so fand auch er ein paar Stunden Schlaf, bevor es weiter nach Delfblick ging. Nur ein paar Orks auf dem Weg, nichts, was ihnen Kummer bereiten müsste. Doch konnte er sicher sein, dass man sie beobachten würde. So folgten sie Murkhál durch die endlosen Wege, als sie plötzlich nicht mehr weiterkonnten. Er schloss die Hand fester um die große Axt, verspürte er die Befürchtung, jetzt in einen Hinterhalt gelockt worden zu sein. Diesen Weg hatte Malthus zuvor auch noch nie betreten. Er verengte die Augen zu schlitzen und er war bereit, Ealael und dem Zwergen die Kopfe vom Hals zu schlagen, als er ein Grummeln des Zwerges vernahm, der „ein Erdrutsch“ vor sich hin brummelte und schulterzuckend den Rückweg antrat. Er atmete tief durch und folgte der Schar.

Sie kamen alsbald in Delfblick an, wo sie eine kurze Rast einnahmen.

Malthus rechnete damit, dass sie über die einsame Spanne ziehen würden, was der kürzere Weg gewesen wäre, doch sie schlugen den Umweg über die Kammer des Scheidewegs ein, vorbei an Tharâkh Bazân. Sie hatten keine Zeit, die Wunder von Moria zu betrachten, dazu war die Lage zu angespannt. Doch er konnte sehen, wie Faranis mit offenen, bewunderten Augen die Kunst der Zwerge in sich aufzunehmen versuchte. Die Angriffe wurden deutlich heftiger. Kleinere Gruppen griffen sie hier an. Orkse, Warge und auch Morrovals. Die Kämpfe lenkten seine Gedanken ab, worüber er dankbar war. Das Kämpfen hatte eine befreiende Wirkung und er genoss es sogar.
Schon waren die Befestigungen der 21. Halle in der Ferne zu sehen, als Murkhál in die Kammer von Mazarbul. Ein stilles Gedenken an all die Gefallenen. Soviel Zeit musste sein. Eine Ehrung der Toten. Malthus gedachte an all die Männer, die in vergangen Jahren unter seinem Kommando gestorben sind. Er versuchte, den Kloß herunterzuschlucken, doch er schien zu groß zu sein.

Die 21. Halle bot ihnen endlich den Schutz und nur zu gerne nahmen sie das Angebot an, sich an ihr Feuer zu setzen und zu ruhen.

Bald würden sie weiterziehen.

Malthus schielte zu Murkhál. Er hatte sie sicher hierher geführt. Dafür war ihm sein Dank sicher. Er hob seinen Krug und prostete dem Zwergen zu.
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#13
Er musterte Malthus. Viele Fragen beschäftigten den Menschen, dessen war er sich gewiss. Er hatte es nicht anders erwartet.
Murkhál nahm das Tuch vom Mund, die Kapuze blieb weiter tief ins Gesicht gezogen. Der Bart war zu einem einzigen Zopf geflochten und verschwand unter einem alten, schartigen und zerbeulten Brustpanzer.
Seine große Axt lehnte neben ihm am Tisch, zwei kleinere waren an seinen Waffengurt geschnallt.
Gesicht und Haare waren durch eine Mischung aus Ruß und Asche geschwärzt und mit grauen Strähnen durchzogen.

Er hob den Krug, prostete Malthus schweigend zu und leerte ihn in eimem Zug. Als er sich den Schaum vom Mund wischte war ein rötlich-brauner Streifen in seinem Bart zu erkennen.
Danach befestigte er das Tuch wieder vor seinem Gesicht und zog die Kapuze noch tiefer.

Der gefährlichste Teil des Weges lag noch vor ihnen.
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#14
Faranis saß vor den Toren von Caras Galadhon, der Elbenstadt im goldenen Wald zu der man ihm den Zutritt verweigerte, abseits des Weges den Rücken an einen Baum gelehnt im Gras. In seinen Händen lag ein Amulett. Sanfter Wind wehte schwarze Rauchschwaden über die mächtige Hecke, die einer unüberwindbaren Stadtmauer glich. Die Luft roch nach Weihrauch und Kräutern. Doch deutlich war auch der Geruch von verbranntem Fleisch wahrzunehmen. Leise hörte Faranis den Gesang der Elben. Er wusste was nun im inneren der grünen Mauern passierte.

Einige Stunden zuvor hatte er noch versucht einen der hohen Bäume zu erklimmen die nahe des grünen Bollwerks standen, das ihm von Sarnella trennte. Er wollte versuchen auf diese Art und Weise in die Stadt zu gelangen. Doch war sein Vorhaben bereits im Ansatz zum Scheitern verurteilt, da ihn eine Elbe entdeckte, während er entlang der Hecke schlich. Mit einem Pfeil auf der Bogensehne, dessen Spitze auf seine Brust zielte, ließ sie Faranis seine Dolche auf den Boden legen und brachte ihn zu den Wächtern am Tor. Zufällig versammelten sich seine Gefährten gerade ebenfalls vor den Toren und sahen überrascht wie Faranis herangeführt wurde. Groß war ihr Unverständnis als sie erfuhren was Faranis vor hatte. Nachdem er zu erklären versuchte warum er in die Stadt gelangen wollte, übergab die Elbe Faranis in die Obhut des Torwächters und Perhils, sie sollte für ihn bürgen und verschwand hinter den Toren der Stadt um ihre Herrin nach ihrem Urteil über Faranis und das Befinden von Sarnella zu fragen. Natürlich zeigten die Gefährten kaum Verständnis für sein Tun … ganz im Gegenteil … Die Vorwürfe von Malthus und Perhil endeten erst als die Elbe nach einiger Zeit wieder durch das Tor trat. Sie schien bedrückt, näherte sich wortlos und reichte Faranis seine Dolche. Dessen Mine erhellte sich augenblicklich, da er dachte er würde endlich zu Sarnella vorgelassen werden, doch die Elbe hatte eine traurige Nachricht für ihn … Sarnella war tot. Doch hatte sie noch eine weitere Nachricht für den fassungslos dastehenden Faranis, nämlich Sarnellas letzte Worte, ihr letzter Wunsch und demnach sollte Faranis das Amulett, das er von ihr erhalten hatte der Elbin zurückgeben. Damit war klar, dass Faranis die anderen weiter auf der Suche nach Nendis begleiten würde.

Die Herrin von Caras Galadhon gewährte Faranis die Bitte, sich von Sarnella verabschieden zu können. Einige Elben trugen ihren leblosen Körper vor die Tore und traten für einige Minuten zurück um Faranis in seiner Trauer alleine zu lassen. Nachdem er dem Vorhaben der Elben zugestimmt hatte, Sarnellas Köper nach Art der Elben zu verbrennen und ihre Asche im Garten der Herrin zu verstreuen, hoben sie die Bahre wieder an und trugen sie wieder in die Stadt.

Von den Gesprächen der Anderen und dem Aufruhr der in der Zwischenzeit entstand, bekam er bis dahin kaum etwas mit.
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#15
"Herrin, bitte - nein!" bettelte Ythiliel. "Ich.. ich kann nicht! Und ich will nicht! Ich...ich bin noch nicht so weit, den Heimatwald zu verlassen, Herrin und.. und ich habe Angst vor diesem Menschen. Er ist so.. hart und kalt und... "
- "Viele Menschen sind so, wie Flußkrebse, Ythiliel. Äusserlich scheinen sie hart und unverwüstlich zu sein - aber innen schlägt ein mitfühlendes Herz. Ich kenne den Mann, der mit Dir gesprochen hat, und er ist von Ehre. Lass Dich nicht täuschen von seiner stählernen Rüstung und der Gewalt seiner Waffen. Er hat ein gutes Herz, weiß um allerlei, das anderen verborgen ist, und wird die richtigen Entscheidungen treffen."
- "Aber..."
"Ich habe vorausgesehen, daß dieser Zeitpunkt kommen wird. Mae, Deine Gesundung liegt noch nicht lange zurück, aber Du bist ausdauernd und schnell, und ich weiß, das sich Dein Herz nach Wissen sehnt und die Dinge, die Außerhalb liegen, gerne erforschen möchte. Darüber hinaus - Dein Bogen, Deine Stärke wird gebraucht werden, um die Vergangenheit wieder zu finden - das, was diese Leute suchen. Ihre Suche ist auch Deine Suche, Ythiliel. Hilf ihnen."

Ythiliels Mine wurde leer, als sie ihre Gefühle vor der Herrin des Goldenen Waldes verbarg. Es hatte keinen Sinn mehr, zu diskutieren, schon gar nicht, da Ythiliel um die immense Weisheit der Herrin wusste und ihr darüber hinaus so unendlich viel schuldete. Ihre wenigen Habseligkeiten waren schnell gepackt, und wie Malthus es angeordnet hatte, würde sie pünktlich am nächsten Morgen zur Abreise aus dem Goldenen Wald bereit stehen. Oh, hätte sie doch nur nicht gelauscht!
Der Abend war schon merkwürdig genug verlaufen: ein Mensch, der in Caras Galadhon eindringen wollte, seine tote Geliebte ohne ihr Wissen in der Stadt der Elben; gemeinsam reisende Elben und Menschen, mit Waffen bepackt wie eine kleine Söldner-Armee - und dann dieser Name. Pebelas.
Er rührte etwas auf, sang und tanzte wie eine verführerische Melodie in ihrem Kopf, klopfte und zupfte an ihren Gedanken. Pebelas. Sollte sie diesen Namen kennen? Sollte sie womöglich einen dieser Reisenden vor den Toren Lóriens kennen, diesen Faranis etwa mit seinem auffälligen Hut? Keiner von ihnen hatte in ihr eine ähnliche Reaktion hervorgerufen wie die Erwähnung dieses Namens. Andererseits... der Große, Kräftige mit der langen Axt, der, der sie bedroht und ihr befohlen hatte, die Gruppe von nun an zu begleiten... er war ihr ebenfalls seltsam bekannt vor gekommen. Andererseits - solche gefährlichen Leute wollte sie gar nicht kennen. Eigentlich - und das wusste sie bis in die letzte zweifelnde Zelle ihres Herzens - wollte sie nichts als für immer hier im Goldenen Wald bleiben, ihren Wachdienst gewissenhaft erledigen und durch die goldenen Wälder spazieren gehen. Hier war sie zuhause. Oder etwa doch nicht? Ythiliel hatte es schon ein paar Mal gespürt, dieses Verlangen, weit, weit fort zu gehen. Es war wie ein Geruch, aufgefangen aus weiter Ferne, der sie dorthin locken sollte, wo sie noch nie gewesen war; eine Note von Zimt und dem Rauch verglühender Lagerfeuer. Ferne... dieser Begriff schien ihr unfassbar. Unfassbar weit, unmöglich, aus eigenem Antrieb dorthin zu gelangen. Und jetzt? Dieser Malthus würde sie mit in die Ferne nehmen.
Wenn die Herrin recht hatte und er ehrenwert war, dann konnte dieser wehrhaften Gruppe nicht allzu viel geschehen, solange sie nicht versuchen würde, mitten in ein Orklager hinein zu rennen.
Du kannst später zurück kehren, sagte sie sich, als sie den Abhang zum goldenen Tor hinunter ging und mit den Fingerspitzen über die silbrig-graue Rinde der alten Mallyrn streifte. Später ist immer noch Zeit genug. Jetzt folgst Du dem Befehl der Herrin - und diesem Malthus.
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#16
Müde und erschöpft sackte Perhil zu Boden. Sie war wieder an diesen für sie so besonderen Ort zurück gekehrt. Wie am gestrigen Tage nach ihrer Ankunft schon strich sie auch heute wieder mit ihrer flachen Hand über die freie, leere Stelle neben sich im Gras. Sie seufzte und blickte auf den kleinen Wasserfall in den Gärten Galadriels. Hier am Ufer, vor vielen Monden einst fragte er sie ob sie mit ihm den ewigen Bund eingehen möchte. Niemals wird sie diesen Abend vergessen können.
Und doch war ihr Herz am heutigen Tag schwerer als je zuvor. Neben ihr lag ihre Ausrüstung, die nötigsten Habseligkeiten und Proviant sowie zwei Fackeln aus Moria und natürlich ihre Waffen, der Bogen aus Bruchtal und die Elbenklingen aus Falathlorn und Belfalas. Geschenke und Erbstücke von Familie und Freunden. Sie selbst trug nur einen leichten Waffenrock aus Stoff und blickte dann auf die schweren Schulterschützer, Panzerhandschuhe und Stiefel, welche sie sorgfältig nebenbei gelegt hatte. Sie nahm den verzierten Vollhelm zu sich auf den Schoß und drehte ihn mit dem Visier in ihre Richtung. Erinnerungen stiegen vor ihrem geistigen Auge auf. Erinnerungen an vergangene Tage. Tage an denen sie in jener Rüstung von Celondim aus in die Gefechte in den Ered Luin eingriff um die Zwerge von Thorins Hallen gegen die Bilwisshorden und Grimhands zu unterstützen. Tage an denen sie gemeinsam mit den Geistern des Waldes gegen die Schrecken des Hexenreiches von Angmar zog. Tage an denen sie in dieser Rüstung gemeinsam mit Pebelas, Malthus und Ferwnnan Orks in den Aschenöden unter den Hängen von Carn Dûm verfolgte.
Viele Bilder tanzten in ihrem Kopf, von schneeverwehten Landschaften im eisigen Norden über dichte Laubwälder in tausenden Farben, bis hin zu den alten Ruinen in Eregion und die tiefe Dunkelheit von Khazad Dûm. Letztlich blieb ihr nur noch die Erinnerung an das letzte große Gefecht in jenem Panzerkleid ihres Volkes. Als sie geschlossen mit den Faer Eryn gegen die alte Waldfestung Dol Guldur zog und in Taur Morvith schwer verwundet wurde und nur knapp dem Tode entkam. Seither trug sie diese reich verzierte Elbenrüstung nicht, zum Einen weil die Schmiede in Lórien lange damit beschäftigt waren sie wieder zu reparieren, zum Anderen weil nach dem Feldzug von Dol Guldur nichts mehr so war wie einst.
Himelen wurde entführt und Pebelas schickte sie voller Sorge ins Exil. Nun nach vielen Monden jedoch sollte sich das Blatt wenden. Zwar fehlte von Himelen weiterhin jede Spur doch wusste man wo Pebelas in Begleitung von Nendis ungefähr sein musste. Zuviel hatte sie heute aufnehmen und ertragen müssen. Der furchtbare Tod von Sarnella, der unbekannten Menschenfrau welcher Faranis so verfallen war. Hübsch war sie durchaus, soweit Perhil sie betrachtete als man den Leichnam vor die Tore trug und dennoch vergangen. Der Tod des Sohnes der Elbendame Ealael, welche offenbar Pebelas und Nendis den Rücken decken wollte . Viel Leid und Schmerz legte sich heute über die kleine Gruppe unter Malthus und auch wenn ihr niemand so recht sagen wollte warum Pebelas verfolgt wurde, so war letztlich nur dieser Grund Anlass genug für sie erneut das wohl wertvollste Erbstück ihres Hauses anzulegen.
Sie drückte die mit Elbenrunen verzierte Stirnfront des Vollhelms an ihre eigene Stirn und schloss die Augen. Brust- und Beinpanzer bekamen derzeit den letzten Schliff verpasst um für die morgige Reise seinen Träger nicht mit Druckstellen zu quälen. Sie würde ihn finden, sie musste ihn finden. Sie hatten sich die ewige Treue geschworen und auch wenn sie ihn nicht mehr so stark fühlte wie einst, was vielleicht auch an der großen Distanz zwischen ihnen lag, war sie doch fest davon überzeugt dass sich das Blatt letztlich zum Guten wenden würde.
Als sie soeben den Helm wieder sanft in das weiche Gras setzte sah sie wie eine kleine Trauergemeinschaft mit der Asche der verstorbenen Menschenfrau die Gärten betraten und sich zu der Stelle der letzten Ruhe aufmachten.
Perhil schloss die Augen, legte sich rücklings auf den Boden und blickte zu den Sternen hinauf. Sie summte ein Lied aus ihren Kindertagen und schlief voll körperlicher und seelischer Erschöpfung ein.
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#17
Niedergeschlagen ließ sich Ealael neben Murkhal nieder.
Der goldene Wald war still nur der leise Wind erzählte seine Geschichten.
Sie sah auf den Zwerg neben sich, nie hätte sie vermutet einmal froh zu sein,
dass dieser alte Starrkopf sie unbedingt hatte begleiten wollen. Doch nun war
sie es.

Und sie war froh, dass sie damals in Galtev eine andere Entscheidung getroffen
hatte, an jenem Tage.

Dennoch - alles schien ihr gerade zu entgleiten, Rennarion, sie hatte ihren Sohn
verloren, wehmütig legte sie den Kopf in den Nacken und betrachtete die
Baumkronen über ihnen.

Wie hatte das nur passieren können, er war ein guter Kämpfer gewesen, hatte
reichlich Erfahrung. Deswegen hatte sie ihn auch damit betraut, Nendis den
Rücken freizuhalten. Was war nur passiert?

Wie hatte sie es nur geschafft? Oh ja, Ealael war sich sehr sicher, dass Nahuel
dahinter steckte. Zumindest hatte sie dafür ihre Schergen geschickt,
Diener des Grauens, nur noch ein Schatten ihrer selbst, wie konnte Nahuel nur
so weit gehen, dass selbst der Schatten im Osten dagegen wie ein Nebel wirkte.
Doch nicht nur Rennarion, nein – sie hatte auch den Tod des Mädchens zu verantworten,
doch sie hatte keinen Beweis dafür.

Wohin trägt der Wind jetzt deinen Namen, mein Sohn,
flüsterte sie leise vor sich
hin. Mandos Hallen sind kahl und kalt, sagt man. Ihr Herz schien zerspringen zu
wollen, alles in ihr schrie nach Einhalt für den Schmerz den sie empfand.

Es galt noch einiges herauszufinden. Woher kam die Brosche
die Nendis gehörte, wieso hatte dieses Mädchen sie. Und am wichtigsten war ihr
die Frage, wie groß war die Zahl der Verfolger.

Sie fürchtete den falschen Weg genommen zu haben, sie hätte hier bleiben
sollen, sich ebenfalls um die Deckung kümmern sollen. Zweifel stiegen erneut in
ihr auf. War sie ihr diesmal gewachsen? Würde sie im Falle einer Konfrontation
dieses Mal nicht unterliegen wie damals am Rande der Trollhöhen?

Ihr Blick wanderte wieder zurück zu Murkhal. Er grämt sich und trug noch immer
Vergangenes mit sich. Die Schatten holten jeden ein, irgendwann - dachte sie
bei sich. Schwer lag jenes auf ihn, doch er verleugnete jenes. Er starb, das
waren seine Worte. Er hatte ihn in seinem Geiste begraben.

Doch ihr waren nicht seine Blicke entgangen, immer wieder hatte er Malthus
beobachtet, immer wieder hatte er sich erinnert.

Sie hatte ihre Hand auf seine Schulter gelegt. Ein wenig des Trostes, den sie
geben konnte.

Ein leichtes Lächeln umspielte ihre Mundwinkel. Sie hatte tatsächlich zu ihrem
Bogen gegriffen, als Malthus ihr Befehle erteilen wollte.

Du hättest dich auch etwas zügeln können, flüsterte sie leise zu sich selbst.
Du willst das er wachsam ist, du willst das er sie schützt, es hilft dir also nicht, wenn du ihn
in die Hallen schickst.
Ihr Mundwinkel zuckt leicht belustigt über sich selbst.
Es würde nur die Gruppe der Fähigen verkleinern, dachte sie im Stillen weiter.
Sie waren nicht so viele, Malthus und Murkhal brachten schon einiges an Stärke
mit sich, Araswen schien eine gute Jägerin zu sein. Den Faranis wusste sie
nicht einzuordnen. Ob dieser überhaupt kämpfen konnte entzog sich ihr völlig.

Perhil, sie war jung, wie viel Erfahrung würde sie haben? Und würde sie im entschiedenen
Moment überhaupt zur Waffe greifen? Sie schien nur auf der Suche nach ihrem
zukünftigen Gatten zu sein.

Und die neue Elbin, die sich zwangsweise zur Gruppe fügte, auch sie schien an
irgendeiner Erinnerung zu hängen.

Streiche diese beiden Elbinnen, dachte sie bei sich. Sie sind zu abgelenkt, um
wachsam zu sein.

Sie warf noch einen Blick zurück, alles hatte sich zurück gezogen.
Gut sie würden ruhen.

Weiter in die Weinberge ziehen und dort erhoffte sie sich, etwas
darüber zu erfahren, warum ihr Sohn sein Leben verlor.
Antworten
#18
Sie war also tot. Sarnella. Zorn stieg in ihm hoch. Sollte die ganze Hetzjagd denn umsonst gewesen sein?

Malthus ballte die Hände zu Fäusten, so fest, dass die Fingerknochen weiß anliefen.

Und was nun? Er sah in ratlose Gesichter. Er musste die Truppe weiterführen. Ein Vorbild sein. Doch er war einfach nur müde. Wann hatte er zuletzt geschlafen? Er wusste es nicht. Seinen Gefährten ging es genauso. Die weitere Strecke , die sie zuletzt zurückgelegt hatten. Sie waren sogar ohne größere Verletzungen durch Moria gekommen. Wieso nur konnten die Elben Sarnella nicht helfen? Oder steckte mehr hinter ihrem Tod? War es gar Verrat? Wem konnte man noch trauen?

Und nun? War nun hier ihre Reise zu Ende?

Faranis mit seiner Dummheit, die ihm fast das Leben gekostet hätte. Am Liebsten hätte er ihn selber dafür bestraft. Ihm eigenhändig den Kopf heruntergerissen.

Dann diese Elbin, Ythiliel, die sie von nun an begleiten würde. Sie hatte die Gruppe belauscht. Aus reiner Neugier? Wohl kaum. So konnte er sie wenigstens im Auge behalten. Aber womöglich war sie nur ein weiterer Klotz am Bein.

Er war sehr grob zu Ealael gewesen. Das wusste er selber. Sie trauerte, doch er beharrte darauf, dass die Gruppe zusammenblieb.

Sie ist unsere einzige Möglichkeit im Moment voranzukommen. Und sie und ihr Begleiter verbargen immer noch zu viele Geheimnisse vor ihnen.

Oh, wie gerne stehe ich dem Feind gegenüber und muss nicht hinter jedem Busch einen Hinterhalt vermuten.

Malthus schluckte die Müdigkeit herunter. Er konnte sich immer noch ausruhen, sobald er tot war. Jetzt hatte er dazu keine Zeit.
Antworten
#19
Nachdenklich aber lautlos streifte Araswen weiter in den Wald hinein. Es waren so seltsame Dinge
geschehen, seit sie von hier fortging... damals, als ihr Schwager als
verschollen galt, ihre Schwester voller Trauer war und sie selbst
nicht anders konnte, sich auf die Suche machen musste, von dem sie
nicht einmal wusste, was es genau war, bis sie Aravilar gefunden
hatte. Und sie hatte auch niemals damit gerechnet, die Grenzen
Lothlóriens je wieder zu überschreiten, viel eher hatte sie gedacht
in ein paar Jahrhunderten oder vielleicht auch schon Jahrzehnten in
den Westen zu gehen. Deshalb hatte sie auch versucht, zuerst ihr
eigenes Heim in den Ered Luin, und später das Heim ihrer Schwester
so zu gestalten, dass es in ihren Herzen die Erinnerung an ihre
Heimat erwecken sollte... aber sie hatte in Aravilar nicht nur ihren
Gefährten gefunden, sondern durch ihn auch ihre Bestimmung als Teil
der Faer Eryn. Und genau dieser Umstand hatte sie wieder hierher
geführt.


Sie schüttelte leicht den Kopf und mit
jedem Atemzug schienen die Erinnerungen an ihr ganzes bisheriges
Leben, dass sich fast ausschließlich in diesem Wald abgespielt
hatte, wieder lebendig zu werden... auch die Erinnerungen an ihre
Eltern, die sie sicher im Westen wusste...

Doch all diese Erinnerungen halfen ihr
in keinster Weise bei ihrer jetzigen Unternehmung. Vorallem konnte
sie nicht begreifen, warum kaum jemand mit ihr darüber sprechen
wollte, was Pebelas, Nendis, oder diese Menschenfrau betraf. Und sie
hatte auch nicht den Eindruck, dass sie auch nur annähernd das
Rätsel gelöst hatten, wo sich Himelen befand. Und auch, wenn sie
versuchte, es sich nicht anmerken zu lassen, das beunruhigte sie am
Meisten. Die paar Brocken, die sie hatten herausfinden können,
ließen vermuten, dass Himelen, wenn er am Leben war, dieses
wahrscheinlich zu schlimmsten Bedingungen, möglicherweise unter
Folter zu fristen hatte, während sie hier unter goldenen Dächern
der Mallorn lustwandelten konnten. Und Pebelas und Nendis wurden
gejagt und waren in Lebensgefahr. Dieser Rennarion, mit dem sie
einmal kurz gesprochen hatte... er war schon tot... und Ealael...
Araswen wusste, dass diese Dame ihre Mission nicht gefährden
würde... nur was zu tun war, wusste sie nicht... sie konnte nur
hoffen, dass die Valar Himelen, Nendis und Pebelas schützen und sie
alle wieder sicher nach Hause bringen würden, auf welche Weise auch
immer... und natürlich musste sie Malthus vertrauen, was auf einige
ihrer hier lebenden Verwandten, Freunde und Bekannten womöglich
seltsam wirken würde.

Seufzend ließ Araswen sich an einem
Baumstamm zu Boden gleiten und starrte zu den Sternen, die zwischen
den Kronen der Mallorn hindurch blitzten und eine winzig kleine Träne
fand ihren Weg über ihre Wange auf das weiche Moos unter ihr, denn
der Kosename, mit dem ihr Geliebter sie immer bedacht hatte, ging ihr
auf einmal durch den Kopf. Wann sie ihn wohl wiedersehen würde?

Doch dann gab sie sich einen Ruck und
erhob sich. Es war keine Zeit für romantische Träumereien. Sie
hatte weitaus Wichtigeres zu tun. Ebenso lautlos, wie sie gekommen
war, eilte sie zum Lager zurück.
Antworten
#20
Sobald die
Nacht angebrochen war waren sie aufgebrochen. Doch zuvor hatten sie wieder viel
Zeit verloren, die sie niemals aufholen konnten.

Ealael hatte Abschied genommen von ihren Sohn, darum waren sie erst so verspätet
aufgebrochen. Malthus hatte solange Perhil mit Faranis und Ythiliel Kampfkunst
üben lassen. Die beiden hatten es nötig, wie er dachte. Denn von hier an wurde
es gefährlich. Die Trollhöhen und Moria waren nichts im Vergleich zu den
Gefahren, die nun auf sie warteten. Vereinzelt ein paar Orks und Bilwisse, was
war das schon im Vergleich zu erfahrenen Elben. Sie hatten sich mit mächtigen
Gegnern angelegt und weil Malthus nicht vorhatte aufzugeben. Der Angriff würde
bald erfolgen. Sie wurden nun ständig beobachtet werden. Und da half es auch nicht,
dass sie sich in der Nacht auf den Weg gemacht hatten. Die Nacht bot ihnen auch
keinen Schutz.

Ealael und Murkhál führten die Truppe an. Sie hatten einen Plan und gaben die Richtung vor.

Murkhál wollte ihn aber nicht einweihen.

Eigentlich sollte er jetzt schlafen, er hatte es nötig, doch er döste nur vor sich hin und
dachte über den vergangenen Tag nach. Da war irgendwas, was ihn wachhielt.
Irgendwas war ihm heute entgangen.

Nur was…

Und da schreckte er hoch.

Der Dolch.
Die Initialen A.S.

Natürlich!!!

Es fiel ihm wie Schuppen von den Augen.

Es wurde Zeit, dass hier einer seine Maske abnahm.
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