Faer Eryn
#1
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1. Der Bibliothekar

Langsam öffnete der Bibliothekar die Augen.
Er brauchte einen Moment, um fest zu stellen, das er sich in seiner geliebten Bibliothek befand... zuhause.
Natürlich wohnte er eigentlich nicht hier, aber das Lebenswerk des alten Mannes war diese geräumige, unterirdische Sammlung von Büchern, dieser Hort des Wissens und Quell unzähliger Weisheiten, die er nun schon sein ganzes Leben lang verwaltete.
Natürlich hatte er auch ein Heim, doch mehr als eine mit einer zerrissenen Decke geschmückten Schlafpritsche und ein wackliger Tisch befand sich dort nicht. Vage erinnerte sich der Bibliothekar an eine vertrocknete Topfpflanze, deren braunschwarze Leiche auf dem Fensterbrett vor sich hin schimmelte. Egal.
Sein Herz, sein Verstand.. befanden sich hier.
Hier, wo all die gesammelten Werke Unzähliger akribisch geordnet waren. Hier, wo er eigenhändig den brüchigen Ledereinband der Reise-Erinnerungen Tan Firiels zum fernen Kemel-Ze, einer mehrere hundert Jahre alten pergamentenen Kostbarkeit, ersetzt und mit historisch belegten Mitteln neu gebunden hatte. Heute war Kemel-Ze nur noch eine Ruine, aber die Beschreibungen Tan Firiels auf dem hauchdünnen Pergament waren beinahe genauso gut lesbar wie zu der Zeit, als diese Ruinen noch stolze Gebäude gewesen waren.
Hier, wo er nur die Hand ausstrecken musste und die Gedanken solch großartiger Philosophen wie Kratos Se oder Gorapas Stay zur Hand hatte, säuberlich niedergeschrieben und sorgfältig geordnet - hier war sein eigentliches Zuhause.
Und so verwunderte es keineswegs, dass er wieder einmal über seinen Büchern - seinen Schätzen - eingenickt war.
Das passierte in letzter Zeit immer häufiger, und der Bibliothekar machte sich über seinen Zustand keinerlei Illusionen: Er war ein alter Mann.
Sein Herz schlug nicht mehr so kräftig und regelmäßig wie einst, seine Augen hatten manchmal, vor allem nach einem langen Arbeitstag, Schwierigkeiten, die tintenschwarzen Buchstaben im flackernden Kerzenlicht auszumachen, und unter der weißfleckigen Haut seiner Hände und Arme konnte er selbst im Schein einer einzigen Leselampe die dunklen Adern sich winden sehen, dort, wo Fett und Muskeln schon lange aufgezehrt worden waren.

Ja, er wusste, dass er nicht mehr viele Tage vor sich hatte; doch das kümmerte ihn nicht. Sein Lebenswerk war hier, in der alten Bibliothek, und es war so gut wie vollendet.
Sicher würde ihm die Arbeit niemals ausgehen: Ein wenig polieren hier und da, einen Einband ersetzen oder eine zerrissene Seite flicken; neu eingetroffene Werke katalogisieren oder ein unrettbar an Schimmel und Moder verlorenes Buch Seite für Seite geduldig dem Verfall zu entreißen versuchen... all dies gehörte zu den täglichen Aufgaben des Bibliothekars, denen er sich mit Geduld und Genauigkeit jeden Tag aufs neue widmete.
Aber das Wissen in dieser Bibliothek war umfassend und - so hatte man es ihm schon von vielen Seiten bestätigt - annähernd komplett. Kaum ein Wissensgebiet, zu dem der Bibliothekar nicht mindestens ein Fachbuch aufweisen konnte - meistens sogar mehrere; dutzende, wenn nicht gar hunderte von Karten und Folianten, Abhandlungen über Sprach- und Schriftsysteme, philosophische Schriften, Liebesgedichte und Kochbücher.
Eine Erläuterung der khajiitischen Lehre des Ja-Kha'jay, verfasst von Riddel'Thar, dem Lehrer des Tanzes der Zwei Monde in der originalen Krallenschrift aus dem 14. Jahrhundert? Selbstverständlich.
Eine Diskussion der Abstammungstheorie von Bosmer, Altmer und Dunmer unter Berücksichtigung der anderen Mer und ihrem kulturellen Entwicklungsstand, verfasst von einem Orsimer-Astrologen des vorherigen Jahrhunderts? Kein Problem.
Eine unentzifferbare Knotenschrift die sich - laut einer obskuren, kaum belegten Quelle - mit der alten Sprache der Dwemer erläuternd beschäftigt und ihnen eine Art Rohrpost-system unterstellt, in dem sie sich mittels gejodelten Signalen Nachrichten angekündigt haben sollen? Aber gerne.
Der Bibliothekar schwelgte in diesen und hunderten (oder tausenden?) anderen solcher Schätze, und er konnte sich nichts schöneres vorstellen, als für immer und ewig mit ihnen hier, unter der Erde, gefangen zu sein.

Doch etwas hatte seinen kurzen Altmännerschlummer unterbrochen. Ein Geräusch, das nicht hier her gehörte. Ein...
Fluchend sprang der Bibliothekar von seinem Stuhl auf, als die Tür des Archivariums nachgab und sich der Raum mit fünf verhüllten Fremden füllte, die allesamt in ein bräunlich-rotes Gewand gekleidet waren. Kultisten. Wissenshasser. Irgendwas. Blanker Stahl zischte aus den Scheiden der Fremden. Im angrenzenden Gang beleuchtete das Fackellicht die lang hingestreckte Gestalt von Alco, seines langjährigen Kollegen und Freundes. Er lag in einer Lache seines eigenen Blutes, denn seine Kehle war mit professioneller Lautlosigkeit aufgeschlitzt worden.

Er hatte keine Chance. Er war allein, er war ein alter Mann, und die Fremden waren offensichtlich nicht hier, um sein Lebenswerk zu bewundern. Bevor er entscheiden konnte, was jetzt zu tun war, erhob der Anführer der Fünf das Wort. Seine Stimme klang trocken, spöttisch.
"Lasst den alten Mann in Ruhe... er kann uns genauso wenig tun wie der andere. Wir gehen vor wie geplant, zum Ruhm unseres Meisters!"
Die übrigen vier nickten stumm und legten die Faust an ihr Herz, bevor sie aus ihren Taschen Lumpen und Öl holten.
Der Bibliothekar schluckte, dann erhob er seine Stimme. "Nein!" schrie er und stürzte sich auf einen der Fremden. Sie wollten seine Bibliothek anzünden! All das gesammelte Wissen verbrennen! Selbst, wenn sie ihn auf der Stelle qualvoll ermordeten, konnten sie ihm nicht mehr Schmerzen zufügen als mit dem Gedanken an die Vernichtung seines Lebenswerkes vor seinen Augen.
Doch der Mer, den er angegriffen hatte, ließ sich nicht aus der Ruhe bringen und versetzte ihm nur eine derbe Ohrfeige, die ihn zu Boden gehen ließ. Bis er sich wieder aufgerappelt hatte, hatten die fünf ihre Lumpen bereits entzündet - an seiner eigenen Kerze, an der einzigen offenen Flamme, die er in diesem Raum geduldet hatte...! - und sie in die ersten fünf Regalreihen gestopft.

Der Anführer trat auf den Bibliothekar zu, dem bereits Tränen in den Augen standen. Er konnte soviel Bosheit nicht begreifen. "Warum?" stotterte er, während er sich an der angebotenen Hand des Kultistenanführers wieder hochzog. "Weil wir es können!" lachte der und schickte den Bibliothekar mit einem zweiten, weitaus brutaleren Schlag erneut zu Boden.
Der Bibliothekar hörte nicht mehr, wie die fünf ihren Herrn und Meister priesen und die Bibliothek verließen. Bewusstlos lag er am Boden, bis das Knistern der Flammen und der fette, schwarze Qualm der brennenden Bücher ihn wieder erweckten.
Die Tränen fortblinzelnd, sah der alte Mann sich um. Seine Nase war gebrochen, Blut lief ihm in den Mund. Die Steintür zur Treppe stand offen, dort lag Alco in seinem gerinnenden Blut. Die obere Tür war verschlossen und vermutlich von außen verkeilt. Die fünf Regalreihen brannten lichterloh, Funken tanzten durch die Luft, und der schwarze Rauch begann bereits, das Atmen zu erschweren. Der Bibliothekar sah nur eine Chance, etwas von seinem Lebenswerk zu retten. Er zog seinen toten Freund rücksichtslos in den brennenden Raum hinein, was blutige Schleifspuren auf den polierten Fliesen hinterließ, und verkeilte die Leiche zwischen dem letzten brennenden Regal. Den Kittel riss er ihm vom Leib und schlang sich einen Fetzen des groben Tuchs vor den Mund. Vielleicht würde der nackte, blutfeuchte Körper das Feuer noch ein wenig aufhalten. Dann begann er, so schnell sein hektisch schlagendes Herz es zuließ, die Bücher aus den Regalen in den vorderen Gang zu stapeln. In fliegender Hast rannte er hin und her. Er achtete nicht auf Einband und Titel - er hätte sowieso keine Entscheidung treffen können, welches Wissen nun wichtiger war als anderes. Das wäre eine Diskussion wert gewesen, zwischen Freunden wie Alco und ihm...für einen sonnigen Sommertag, draußen, auf der Bank im Garten...
Tränen liefen ihm die Wangen herab, während er um Luft keuchte und Bücher über Bücher nach draußen schleppte.
Der Bibliothekar rannte und rettete Bücher; selbst dann noch, als seine Haare zu qualmen anfingen und der schwarze, ölige Qualm ihm die Sicht versperrte. Die Blutspuren auf den Fliesen wiesen ihm den Weg zum Ausgang... nochmals einen Arm voll Bücher.. und nochmals... Als er nicht mehr rennen konnte, krabbelte er wie ein Kleinkind über den blutigen Boden.
Seine Kutte fing Feuer, und der Bibliothekar riss sie herunter. Er hatte keine Zeit, sie auszutrampeln; nur im Lendenschurz hetzte er weiter vom Bücherregal zum Gang... und zurück... und nochmals. Als es keine Regale mehr gab, die nicht brannten, erstickte der alte Mann das Feuer auf den ledernen Buchdeckeln mit seinem bloßen Körper, um die nur leicht angesengten Werke nach draußen bringen zu können.
Seine Finger, Arme und sein Brustkorb waren mit Brandblasen bedeckt, sein Bart abgeflammt, aber dennoch hörte er nicht auf, Buch um Buch zu retten. Er hatte immer gewusst, dass er hier sterben würde, hier drin. Aber er hatte gedacht, er würde eines Tages einfach an seinem Tische friedlich einschlafen und nicht mehr erwachen... keineswegs wäre ihm in den Sinn gekommen, dass er in den brennenden Trümmern seines Lebenswerk nach den letzten lesbaren Überresten der Gelehrsamkeit fahnden würde... um sie dann so grob aus dem Regal zu reißen und nach draußen zu schleppen, dass er jeden seiner Schüler dafür mit der Rute geschlagen hätte.
Über hundert Bücher hatte der Bibliothekar gerettet und damit seinen einzigen Fluchtweg unwiederbringlich blockiert, als ihm endgültig die Sinne schwanden. Haar und Bart schwelte; es gab kaum eine Stelle seines Körpers, die nicht mit Brandblasen bedeckt war. Jeder Atemzug war eine Höllenqual. Der Bibliothekar kroch noch einmal mit einem Armvoll Bücher zu der Tür. Sanft, beinahe zärtlich legte er sie vor das steinerne Portal, dann schloss er mit letzter Kraft den mächtigen, steinernen Türflügel. Von innen langte er nach oben, um den Riegel vorzulegen. Er kauerte sich an den nackten, kühlen Stein. Nun war das Feuer mit ihm zusammen in dem unterirdischen Gewölbe eingesperrt; die Werke im Gang draußen waren hoffentlich in Sicherheit. Nur ein winziger Bruchteil dessen, was das Feuer bereits verschlungen hatte....
Der Bibliothekar tat noch ein, zwei Atemzüge... dann übermannte ihn die Erschöpfung und der stinkende schwarze Rauch.
Sein altes, tapferes Herz hatte diese ganze Anstrengung hindurch heldenhafte Arbeit geleistet...doch jetzt versagte es.
Vielleicht war es eine Gnade, dass der alte Mann nicht mehr spürte, wie das immer hungrige Feuer nach seinem Lebenswerk und seinem alten Freund nun auch ihn verschlang.
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#2
2. Der Traum des Hauses te Temara

Hiemerel Gandoe te Temara, der jüngste Sohn des adligen Hauses Temara, blinzelte beunruhigt, als er aus seinem Schlaf erwachte.
Schon wieder dieser Traum... er suchte ihn schon seit drei oder vier Nächten heim.
Bevor er die brokatschwere Decke zurückschob, klatschte er in die Hände, um seine Diener zu rufen.
Die Khajiit erschien wie immer so schnell und lautlos, als tauche sie neben seinem Bett auf; sein Leibdiener, der alte Altmer, brauchte etwas länger. Dafür brachte er aber auch das Frühstück mit, das Hiemerel wie immer im Bett genoss und sich dabei von der langsamen, getragenen Stimme der Khajiit die neusten Ereignisses des Hofes erzählen ließ.
Er mochte ihren leichten Akzent sehr und belustigte sich im Stillen häufiger über die Lautverzerrungen, die ihre Reißzähne und die an Knurrlauten reiche khajiitische Sprache ihr eingebracht hatten.
Als er gesättigt und informiert war, beschäftigte ihn dennoch sein Traum. Immer noch.
„Rajiit, finde jemanden, der versiert darin ist, Träume zu deuten,“ wies er die Khajiit an. Sie zog verwundert eine Augenbraue hoch, nickte jedoch sofort. Die Wünsche eines te Temara hatte man nicht in Frage zu stellen, das hatte sie schnell gelernt.
„Sofort, Herr.“
Hiemerel erhob sich seufzend und verschwand hinter dem Wandschirm, um sein Geschäft zu erledigen. Der Leibdiener entfernte den Nachttopf schweigend, und Hiemerel wartete, bis er zurückkam und ihn anzog.
Fragend zog er die Augenbrauen hoch, als der Diener eine goldbestickte Weste zu den schweren, brokatgesäumten Hosen und dem fein bestickten Damasthemd legte.
„Euer Gnaden Mutter feiern heute ihre dreihundertdreissigstes Jahr des Schwurs mit Seiner Exzellenz Eurem Vater,“ wiederholte der Leibdiener geduldig, als hätte Rajiit genau das nicht eben erzählt.
„Ihr solltet daran denken, ihr zu gratulieren und vielleicht sogar ein kleines Präsent zu überreichen,“fügte er hinzu, da sein Herr offensichtlich heute etwas gedankenlos war.
„Hmm...“ machte Hiemerel nur und nickte. Der Diener wusste schon, was nun kommen würde.
„Besorg ihr etwas, ja?“
Der alte Leibdiener gestattete sich ein durch ein gehorsames Nicken verborgenes Schmunzeln. „Natürlich, Herr.“
„Wenn Rajiit mit wem-auch-immer zurückkommt, bin ich im Garten; vermutlich irgendwo bei der Rosenlaube. Sie soll dorthin kommen, in Ordnung?“
„Ja, Herr.“
Hiemerel schnappte sich das Buch, in dem er gestern abend noch geschmökert hatte, und machte sich auf den Weg in den Garten. Seine feine Kleidung würde ihn auf keinen Fall daran hindern, noch ein wenig Sonne zu genießen, und vom Lesen abhalten konnte man ihn sowieso nicht. Schon seit er es konnte, war Hiemerel ein Bücherwurm gewesen, und jetzt, als junger Mann, schien er keine Anstalten zu machen, seine Gelehrsamkeit zugunsten einer kriegerischen Ausbildung – so wie es sein Vater gerne gesehen hätte – aufzugeben.
Es war vor allem Hiemerel zu verdanken, dass die Familie te Temara mehrere Bibliotheken im ganzen Land – und sogar ausserhalb der Sommersend-Inseln – großzügig unterstützte und auch die Kinder der ärmeren Familien auf der Insel eine solide Schulbildung erhielten.
Hiemerel, den alles außer Büchern nur mäßig interessierte, spendete dafür einen Großteil des ihm von seinen Eltern großzügig bemessenen Taschengelds; sie hätten es freilich lieber gesehen, wenn er es in eine modische Garderobe gesteckt oder dafür ausgegeben hätte, irgendeine hübsche Tochter aus gutem Hause zu umwerben. Wenn es nach Hiemerel ging, konnte das noch ein paar hundert Jahre warten.

Der junge Adlige war nur ein paar Seiten weitergekommen in seinem Versuch, das Buch, das in einer altertümlichen Version des Tamrilisch abgefasst war und darüber hinaus eine hochkomplexe philosophische Frage erörterte, weiter zu entschlüsseln, als seine Khajiit-Dienerin zusammen mit einer etwas älteren Altmer-Frau in der Rosenlaube auftauchte.
Die Frau war in einen zerrissenen Kittel gekleidet und stank nach Fisch und Rauch; ihr fehlten bereits einige Zähne. Ihre Haare waren strähnig-weiß, und sie sank vor Hiemerel in einen so tiefen Knicks, dass er beinahe fürchtete, sie werde jeden Moment zur Seite hin umfallen.

„Bitte, das ist nicht nötig,“ winkte er ab, während er sich erhob, um der alten Frau aufzuhelfen.
„Herr, das ist Tanda, das Weib des Fischers Hern. Unter den einfachen Leuten vom Hafen ist sie berühmt für ihre Fähigkeit, Träume zu deuten.“ Rajiit neigte leicht den Kopf, während Hiemerel Tanda betrachtete. Er hatte eigentlich erwartet, dass Rajiit mit einem der Astrologen oder Traumdeuter seiner Mutter anrücken würde, doch er war sehr erleichtert, dass Rajiit offenbar jemand anders ausfindig gemacht hatte.
Wenn er jemanden vom Gefolge seiner Mutter befragen würde, wären wilde Gerüchte schnell die Folge. Außerdem bestand die nicht geringe Möglichkeit, dass ein in den Diensten seiner Mutter stehender Traumdeuter eine Deutung in den Traum hineinriet, von der er wusste, dass sie seiner Mutter angenehm sein würde; z.B., dass er sich endlich vermählen sollte. Aber Hiemerel wollte die Bedeutung des Traums erfahren, unbeeinflusst von dem, was andere sich vielleicht für ihn erträumten.
Lobend lächelte Hiemerel Rajiit zu. Sie hatte seine Wünsche gut erfasst.
„Nun gut, Tanda. Setz Dich.“ Hiemerel deutete auf eine der eisernen Bänke mit den handgestickten Kissen, deren Wert allein vermutlich den von Tandas Behausung überstieg. Vorsichtig nahm die Fischersfrau darauf Platz und fuhr bewundernd über das feine Muster.
Hiemerel holte noch einmal tief Luft, um sich dann neben sie zu setzen. Den Geruch der Frau versuchte er so gut als möglich zu ignorieren.
„Tanda, ich habe seit drei oder vier Nächten immer denselben Traum. Ich möchte wissen, was er bedeutet. Was muss ich tun, damit Du mir helfen kannst?“
„Ihr... ihr müsst Eure Hand in meine legen, Euer Hoheit,“ schniefte sie.
Hiemerel musste grinsen über die unverdiente Anrede. „Ich bin Herr Hiemerel, verstanden? Du brauchst mich nicht mit Hoheit oder so etwas anreden.“
Dann reichte er ihr die Hand. Ihre Finger waren warm, aber rauh... fast so wie das Leder seiner geliebten Bücher.
„Also gut. Ich erzähle Euch von meinem Traum.
Ich bin in einer Bibliothek.. einem Raum mit vielen, vielen Büchern. Die Regale brennen, und ich bin nackt. Ich lehne an einem Regal und kann mich nicht bewegen. Das Feuer kommt und holt mich; ich kann nichts dagegen tun.
Neben mir arbeitet ein.. ein.. ich weiss nicht. Ich schätze, es ist ein Mensch, oder ein kleiner Mer. Er geht gebückt und hat sich Lumpen um Hals und Nase geschlungen, so dass ich es nicht gut erkennen kann. Er sieht fürchterlich aus, als habe er Höllenqualen hinter sich. Unermüdlich schleppt er Bücher hin und her, als müsse man in einer brennenden Bibliothek noch aufräumen.
Ich schreie, ich weine, ich flehe um Gnade – aber er hört mich scheinbar nicht. Ich kann mich nicht bewegen... und dann kommt das Feuer....“


Hiemerel brach ab. Obwohl er die Kunst der Schriftsteller so bewunderte, war er selbst keiner und konnte mit seinen dürren Worten kaum die unmenschliche Qual beschreiben, die ihn in letzter Zeit Nacht für Nacht heimsuchte. Noch jetzt, bei dem Gedanken an seinen Traum, lief es ihm kalt den Rücken hinunter....

Auf seine Hand, die in der der Fischersfrau lag, fiel ein warmer Tropfen. Regen....? Hiemerel brauchte einen Moment, um zu bemerken, dass Tanda weinte.
„Was Ihr träumtet, Herr, ist wahr. Irgendwo – nicht auf dieser Insel – ist es wahr. Ihr solltet den Ort aufsuchen, um die gefangenen Geister von ihren Qualen zu erlösen.“

Tanda ließ ihn los und schnüffelte. Dann fuhr sie sich mit ihren ledrigen Händen über das Gesicht. „Ihr... solltet diesen Ort finden, Herr.
Mehr kann ich dazu nicht sagen.“


Hiemerel nickte nur und gab Rajiit einen Wink, um die alte Fischerin vom Grundstück te Temaras zu entfernen und ihr ein oder zwei Silbergroschen in die Hand zu drücken. Wenn die zwei entdeckt würden, hätten sie sicher eine Menge zu erklären; aber wenn es jemanden gab, der so etwas in aller Heimlichkeit erledigen konnte, dann war es Rajiit.
Er hatte mit allem gerechnet. Mit einer tiefenpsychologischen Deutung über die Zwänge, die seine hohe Stellung im Adelshaus ihm auferlegte; mit einem Allgemeinplatz wie etwa, dass solche Träume jene heimsuchten, die zu viel Druck und Stress ausgesetzt waren, sogar mit der Idee, dass ein junger Adliger wie er, der so behütet aufgewachsen war, Angst hatte vor Gefahren, die ihm hier niemals drohen würden.... aber dass sein Traum schlicht und ergreifend ein Wahrtraum gewesen sei – auf diesen Gedanken war er nicht gekommen.
Hiemerel überlegte. Es gab zwei Bibliotheken außerhalb der Inseln, die sein Geld hin und wieder unterstützte; er würde beide besuchen gehen. Die größere, in der Kaiserstadt selbst, musste gemeint sein.
Bei solch einem Traum musste man mit allem rechnen; er würde die Eskorte von Kriegern, die sein Vater ihm ganz sicher anbieten würde, diesmal tatsächlich akzeptieren.
Hiemerel erhob sich und klemmte sich sein Buch unter den Arm. Es würde warten müssen; er hatte nun eine Menge zu organisieren.
Antworten
#3
Es dauerte beinahe vier Wochen, bevor Hiemerel sein Ziel, die alte Bibliothek am Rande der blühenden Hafenstadt Falinesti, erreicht hatte. Das Gelände war ein wunderschön anzusehender Garten, der öffentlich genutzt werden konnte. Eine kleine Kapelle in der Mitte verbarg einen Abstieg in die riesigen Gewölbe darunter, in denen die berühmte Sammlung des Bibliothekars Raimarens lagerte. Rings um den Garten umschloss die Universität diese Wissenssammlung mit hohen Wohngebäuden für die Studenten und großen Lesesälen für ihren Unterricht.
Hiemerel hatte einen regen Austausch mit dem alten Bibliothekar gepflegt. Sein Vater wäre gewiss nicht erbaut gewesen, wenn er gewusst hätte, dass so manches Handelskarawane von und zur Kaiserstadt auch gut in Leder, Stroh und Wachs verpackte Bücher transportiert hatte; entweder, damit Hiemerel sie studieren konnte, oder weil er dem alten Mer das ein oder andere kostbare Werk für seine Sammlung vermacht hatte.
Hiemerel hatte die letzten drei Wochen auf dem Schiff in Gesellschaft seiner Eskorte und seiner zwei Leibdiener verbracht. Die Krieger hatten sich anfangs über den zarten Knaben lustig gemacht, so dass er sich genötigt gesehen hatte, sich selbst anzuziehen und mit ihnen bei schönem Wetter an Deck zu trainieren.
Tatsächlich – er gab es nicht gern zu, aber er musste seinem Vater in diesem Punkte doch zustimmen – war es gar nicht so unnütz, in der Kunst des Waffengebrauchs unterwiesen zu werden. Hiemerel hatte viel über die Denkweise der Krieger erfahren und lange über diese von seiner eigenen so verschiedenen Sicht der Welt gegrübelt. Auch das Meer hatte ihn tief beeindruckt.
Die Natur – und die Gewalt – waren offensichtlich Kräfte, die es keineswegs zu unterschätzen galt; sie konnten so schnell alles zunichte machen, was die Gelehrten aufgebaut hatten. Andererseits konnte wissenschaftliches Denken, die Gelehrsamkeit allein, weder ohne die Natur noch ohne die Krieger zu seinem Schutz überleben.
Es machte Sinn, über beides genau bescheid zu wissen, um sie gut beherrschen zu können.

In diesen und anderen Gedanken verloren schlenderte Hiemerel durch die Stadt und durch den Garten zu der Kapelle hin. Irgendetwas stimmte hier nicht, das bemerkte selbst er. Die Kapelle war rußgeschwärzt, viele der Schüler und Schülerinnen des alten Bibliothekars saßen auf den Stufen und weinten. Viele hatten rußbefleckte Kleidung oder Hände, und die meisten wirkten vollkommen erschöpft.
Hiemerel sprach eine von ihnen, eine hübsche rothaarige Bosmer, an.
“Wir wissen nicht genau, was geschehen ist, Herr,“ antwortete sie sofort. “Aber in der Bibliothek hat es gebrannt; wir können nicht hinein.“
“Warum nicht?“ Hiemerel verstand es nicht. Wenn es in der Bibliothek brannte, sollte man doch so schnell wie möglich löschen?
“Geht selbst hinein, Herr. Vielleicht könnt ihr ja mithelfen. Wir arbeiten schon den ganzen Tag daran.“

Hiemerel starrte die Bosmer an, doch sie vergrub das Gesicht in den rußigen Händen. Kopfschüttelnd winkte er seine Wache mit sich und betrat das Gebäude.
Dort allerdings ließ sich die Spur der Verwüstung nicht mehr übersehen. Die einstmals wunderschön bemalte Decke war nun schwarz vor Ruß, und den Treppenaufgang entlang stapelten sich Bücher über Bücher; kostbare Werke, einfach so hingeworfen. Hiemerel runzelte die Stirn. Mehrere Studenten schleppten weitere Bücher aus der Tiefe nach oben, sie hatten den wilden Blick von Menschen, die verbissen an einem verlorenen Ziel arbeiten.
Hiemerel brauchte nicht lange, um seine Soldaten und die Studenten zu einer sehr viel effektiveren Eimerkette zu ordnen. Oben stand er selbst, nahm die teils angeschmorten, teils vom Löschwasser mitgenommenen und teils unversehrten Bücher entgegen und sortierte sie mit Hilfe mehrerer weiterer Schüler grob nach Themengebieten und Repararturbedürftigkeit. Dennoch dauerte es immer noch eine ganze Weile, bis endlich alle Folianten aus der Tiefe des Ganges geborgen worden waren und man wieder freien Durchgang zu dem steinernen Portal hatte, dass die Bibliothek sicherte. Es war fest verschlossen. Hiemerel legte eine Hand daran – zu seinem Erstaunen war der massive Stein warm wie das Fell einer Katze.

Einige wenige Worte genügten, um den Riegel der Tür zu sprengen – Hiemerels Bildung schloss natürlich auch Magie mit ein – aber dennoch bedurfte es der Hilfe zweier seiner Soldaten, um das schwere Portal endgültig aufzuhebeln.
Als die Tür aufschwang, siebte Hiemerel schwarze Asche entgegen, zusammen mit einem merkwürdigen, lang gezogenen Seufzen, das unmöglich aus einer menschlichen Kehle kommen konnte. Als hauchten die verbrannten Bücher ihren letzten Atemzug aus, nun, da sie wieder Luft dazu hatten.
Irgendwo im hinteren Teil der Bibliothek krachte etwas; als sei ein Regal allein durch den neuen Luftzug zusammengefallen. Dann begann etwas zu flackern – das Feuer hatte mit der frischen Luft noch irgendwo neue Nahrung gefunden. Sie würden dies hier alles gründlich ausbrennen lassen müssen; oder die bereits zerstörten Bücher mit Wasser retten, das sie endgültig vernichten würde.
Als Hiemerel sah, was die Tür blockiert hatte – der verkohlte Leichnahm des Bibliothekars – wurden ihm die Knie weich.
Er lehnte sich an die Wand und schloß die Augen.
Es waren nur wenige Sekunden, und Hiemerel konnte sich nachher nie erklären, was genau geschehen war. In dem Dunkel hinter seinen Augenlidern sah er eine durchsichtige, aetherische Gestalt, die in eine lange Robe und eine weite Kapuze gehüllt war. Es war nicht auszumachen, wer – oder was – sich darin versteckte.
„Deine Aufgabe,“ sagte er. Oder es. „Studiere es. Wisse. Die Zeit kommt.“

Hiemerel richtete sich auf und half dabei, die verlorene Bibliothek der Kaiserstadt aufzuräumen und zu sichten, ehe seine Soldaten Witze reißen konnten über ihren Herrn mit dem schwachen Magen.
Er erzählte Zeit seines Lebens niemandem von seiner Vision.

Doch die Bücher, die der Bibliothekar mit seinem Leben geschützt hatte, nahm er mit zurück nach Hause, nach Sommersend. Sie waren der Grundstock für die umfangreiche Wissenssammlung des Hauses te Temara, für die es heute noch berühmt ist. Und natürlich für die noch heute gern erzählte Legende von Hiemerel te Temara, dem Mann, der sich in einem Grab aus Büchern bestatten ließ und die allermeiste Zeit seines Lebens in seiner Bibliothek verbrachte... und natürlich damit, allen Gelehrten in ganz Tamriel mit seitenlangen Traktaten und Briefen auf die Nerven zu fallen – bis man ihm schliesslich Essen und ein Bett in diesen Raum bringen lassen und seinen Zugang zu Papier und Tinte beschränken musste. Ein wirklich verschrobener Gelehrter, der besessen war von der Vorstellung, Hermaeus Mora habe ihm einen heiligen Auftrag erteilt...
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#4
3. Der letzte seiner Art

viele Jahrhunderte später...

Yallis Lishen te Temara sah von dem Pergament auf, dass er gerade studierte. Die eigentlich gut abgeschirmte Kerze hatte in einem Lufthauch geflackert, der nicht hätte da sein dürfen...
Yallis' grüngoldene Augen wurden schmal, als er tief die Luft einsog. Es war staubig trocken und kühl in diesem Teil der uralten Bibliothek seiner Vorfahren, und er hatte seinen Lesebereich mit einigen Zaubern gut geschützt. Alle Eingänge waren fest verschlossen und alle Lampen außer der seinen gelöscht. Nur ein Narr würde offenes Licht in diese heiligen Hallen des Wissens tragen! Yallis selbst hätte jemanden, der solch einen Frevel wagen würde, mit größter Selbstverständlichkeit zum Tode verurteilt, noch bevor er die Eingangsfliesen der Vorhalle zur eigentlichen Bibliothek zur Hälfte überschritten hätte.
Also war hier ein sehr geschickter Assassine am Werk... oder etwas anderes.
Yallis ließ sich genug Zeit, um die uralte Schriftrolle in seinen Händen ordentlich zusammen zu rollen. Die Zauber, die er hier studierte, waren nicht nur nichts für Uneingeweihte - sie waren auch unersetzlich, denn soweit es ihm bekannt war, gab es Aufzeichnungen dieses Alters nirgendwo sonst - nur in der Bibliothek des Hauses te Temara. In seiner Bibliothek.
Gut, Yallis war nicht der Erbe des Hauses te Temara. Er würde wohl nie den uralten Stein und die polierten Bodenfliesen als sein Eigen und die blassen, stillen Bibliothekare als seine Bediensteten bezeichnen dürfen... aber er war der einzige aus seiner Familie, der die uralten Erbstücke hier unten gründlich erforscht hatte. Kein anderer Altmer konnte von sich sagen, die Bibliothek der Temara so gut zu kennen wie er. Diese Bücher... dieses verlorene Wissen hier unten, das war sein. Sein Reich, sein Besitz. Und was das Wundervollste daran war: Es war nur ein Bruchteil dessen, was wirklich hier gelagert war. Er würde noch viele, viele Jahre seines Lebens damit verbringen können, hier zu studieren und das alte Wissen zu erforschen. Nur ein Bruchteil dieser Schätze war überhaupt katalogisiert... aber der ungewöhnliche Luftzug ließ ihm nun keine Zeit zum Schwelgen in den Reichtümern des Wissens, die hier unten noch auf ihn warten mochten.

Yallis erhob sich vorsichtig; gleich erfasste ihn wieder der Schwindel. Vage war ihm bewusst, dass er in der Bibliothek seiner Ahnen wieder einmal ungezählte Stunden verbracht hatte. Wie lange schon war seine mitgebrachte Flasche mit Quellwasser leer getrunken und seine spärliche Ration Rotbeeren aufgegessen...? Yallis musste ehrlich zugeben, dass er es nicht mehr wusste. Stunden... Tage... wen interessierte das.
Yallis' ohnehin schon schmaler, ausgemergelter Körper nahm solche Strapazen inzwischen mit dem Gleichmut der jahrzehntelangen Gewohnheit hin.
Vorsichtig formte Yallis eine Magicka, die ihn befähigen würde, die Spuren der letzten Stunden deutlicher zu sehen. Es war nicht die Kerze gewesen, ganz wie er befürchtet hatte. Eines der sanft leuchtenden Runenfelder, die er bei seinem Eintreten aktiviert hatte, war kurz schwächer und dann wieder stärker geworden.
Es gab nur zwei Erklärungen dafür: Ein feindlicher Meister wollte in seinen Schutzkreis eindringen und hatte einen Gegenzauber gewirkt - nicht sehr wahrscheinlich, denn er hätte es wohl kaum bei einem so schwachen, nutzlosen Versuch belassen... oder etwas anderes war geschehen. Etwas mächtiges, etwas, dass die Wirkung seiner Magicka für kurze Zeit außer Gefecht gesetzt hatte. Eine.. Schwankung im Gefüge; eine Abweichung von der Norm.
Yallis setzte vorsichtig einen Fuß vor den anderen, während er sich in dem magischen Kreis bewegte. Lautlos und gestenlos - Yallis war sehr stolz auf diese Fähigkeit - formte er eine weitere Magicka. Sie sollte ihn die Ströme sehen lassen, die Quellen der magischen Macht auf Nirn und ihren Verlauf. Üblicherweise bestand das Resultat darin, dass Yallis achtzehn gleichmässige, blassblau leuchtende Strahlen durch die massive Decke des Kellergewölbes fallen sehen konnte - die Magicka, die die achtzehn in die Fliesen eingelegten Runenzeichen zum Glühen brachte.
Aber jetzt... Yallis musste zweimal tief atmen, bevor er das Ergebnis seines Zaubers zur Gänze würdigen konnte. Die Ströme.... flossen in einander, verwoben sich und formten einen leuchtenden Kreis rings um ihn, der keine Lücke und keine Trennung mehr aufwies.
Hier war auf jeden Fall etwas geschehen. Die Ströme entmischten und normalisierten sich langsam, während Yallis ihrem trägen Tanz fasziniert zusah.
Ein solches Ereignis... eine Verwirrung der Magie....?
Yallis hatte sicher Quellenmaterial zu ähnlichen Vorfällen. Mal sehen, vielleicht etwas aus der Zeit der Dwemer? Yallis hatte einige - leider unlesbare - Schriften der Dwemer hier lagern, zusammen mit den Erkenntnissen anderer Gelehrter darüber, was wohl in ihnen stand. Es war ihm, als hätte er so etwas schon einmal irgendwo gelesen...
Die Schriftrolle... Mit fliegender Hast wirkte Yallis die Magicka, die es ihm erlauben würden, den Kreis mit seinem Lesepult zu verlassen und die Schriften hervorzukramen, die die von ihm gewünschten Informationen enthielten.

Während sein Magie-Seh-Zauber langsam nachließ und die magischen Strömungen seiner Runen nur zähflüssig auseinanderdrifteten, hatte Yallis bereits drei weitere Quellen im Kopf, die ihm über dieses seltsame - dieses historische - Ereignis Auskunft würden geben können.
Sein Magen knurrte, aber er ignorierte es.
Im Laufschritt eilte Yallis zu einem dunklen Regal, dessen Stirnseiten mit geschnitzten Weinreben verziert waren. Im Vorbeigehen strich er über den blank polierten Siegelring an seiner Rechten; das Wappen zeigte seltsame, verschlungene Schriftzeichen.
Yallis selbst konnte sie natürlich mühelos lesen, hätte er sich jetzt die Zeit dafür genommen. Faer Eryn.
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#5
4. Der Niedergang

Einige Jahre später...

"Pleite...?" Yallis wiederholte das Wort jetzt zum dritten Mal. Der Rechtsgelehrte des Thalmor seufzte und drückte Zeigefinger und Daumen an die Nasenwurzel. Yallis galt als ein gelehrter Mann, aber offensichtlich war er keineswegs schnell von Begriff.
Der Advokat schüttelte den Kopf und versuchte zumindest ansatzweise, Verständnis für Yallis' Lage aufzubringen. Als behüteter und begüteter Sohn des Hauses te Temara hatte er sich vermutlich nie Sorgen um Geld machen müssen - oder um irgendetwas anderes, das nicht mit seinen Büchern in Zusammenhang stand.

"Ja, aber... was habe ich damit zu tun?" fragte Yallis jetzt. Der schmale, bleiche Gelehrte des Hauses Temara sah verständnislos zu dem Thalmor-Agenten auf. Der Rechtsgelehrte seufzte erneut und begann seine Erklärung von neuem. Das würde ein anstrengender Nachmittag werden, das war mal sicher.

"Nun gut, Herr. Ich möchte die Situation noch einmal verdeutlichen. Euer älterer Halbbruder Zuinen ist, wie wir inzwischen dank eurer Hilfe wissen, nicht in den Fluten der Tirival ertrunken."
- "Richtig. Der tote Altmer im Fluss trug zwar Zuinens Kleidung, aber er war es auf keinen Fall selbst."

Der Rechtsgelehrte nickte.
"Wegen des bei dem Toten gefundenen Abschiedsbriefs mit der Handschrift Eures Bruders -"
- "Halbbruders."
- "Verzeihung, Herr, Eures Halbbruders darauf, müssen wir davon ausgehen, daß Zuinen versucht hat, seinen Tod zu fingieren."
- "Das habe ich verstanden... aber warum...?"
- "Nun, Herr, was er in diesem Briefe schrieb, war durchaus stichhaltig."
Der Rechtsgelehrte in den Diensten des Hauses Temara wedelte mit einem getrocknetem Stück eng beschriebene Papiers.
"Um ehrlich zu sein: Ich kenne tatsächlich niemanden von Rang und Namen, bei dem euer B...Halbbruder keine Schulden hatte. Wettschulden sind Ehrenschulden, das wisst Ihr."
Der Rechtsgelehrte verschwieg wohlweisslich, dass sogar er selbst Zuinen 100 Goldstücke geliehen hatte. Zuinen war wirklich ein charmanter Lebemann gewesen - ganz anders als der vertrocknete Gelehrte Yallis, den er hier nun vor sich sitzen hatte. Ist. Zuinen war nicht tot, das hatte Yallis selbst bestätigt, als man ihn zu der Leiche des Ertrunkenen in der Kleidung seines Bruders brachte. Ein geschickter Schachzug... nur vermutlich hatte Zuinen damit gerechnet, daß Yallis besser über die Situation des Hauses te Temara bescheid wusste und einfach die Klappe halten würde. Yallis aber, in seiner weltfremden Ehrlichkeit, hatte einfach die verdammte Wahrheit gesagt. Nun stand es gar nicht gut um das Haus te Temara, gar nicht gut.
Der Rechtsgelehrte fuhr fort, die Situation zu erklären.
"Nun... insgesamt - wir sind noch dabei, alle Unterlagen und Meldungen zu dem Fall zu sichten, Herr... gehen wir davon aus, dass Zuinen derzeit insgesamt etwa 500.000 Goldstücke Wettschulden hat - und das nur bei den angesehenen Häusern und Geldverleihern. Wieviel Gold er noch bei dubioseren Quellen ausstehen hat - das zeigt sich frühestens in ein paar Tagen, wenn das Verschwinden Eures Bruders öffentlich bekannt wird."
Yallis holte tief Luft. Das war eine unglaubliche Summe.
"Aber," fuhr der Rechtsgelehrte unbarmherzig weiter fort, "das ist noch nicht das schlimmste. Es ist nämlich so, daß Zuinen bereits alles, was im Hause te Temara von Wert ist - und transportabel - entweder versetzt oder außer Landes geschafft hat. Der gesamte Landsitz ist mit einer Grundschuld beliehen, deren Zinsen allein schon schwer zu decken sind, und Eure Konten sind alle geleert worden."
Yallis schüttelte den Kopf. Das hier war ein Albtraum, ganz sicher. Warum nur konnte er nicht aufwachen?
"Das Verschwinden Eures letzten älteren Verwandten macht Euch, Yallis Lishen te Temara, zum Erbe des Hauses te Temara. Und damit auch zum Erbe all dieser Schulden."
Der Rechtsgelehrte sah Yallis an. Hatte er es jetzt endlich verstanden? Der schmale Gelehrte machte den Eindruck, als wünsche er sich nur wieder zu seinen Büchern zurück. Tatsächlich war es gar nicht so leicht gewesen, ihn aus seiner von der Außenwelt gut abgeschirmtem Bibliothek herauszubekommen, nur um seinen angeblich verstorbenen Bruder zu identifizieren. Seitdem warteten mehrere dringende Rechtsgeschäfte auf Yallis, und jetzt endlich hatte sich der Thalmor-Advokat bis zu ihm durchgekämpft. Er musste ihn von einem verdammten Buch wegziehen und die Bibliothek verschliessen lassen - und dennoch wanderte Yallis' Blick bereits erneut in die Richtung seiner geliebten Bücher.
"So leid es mir tut, Herr, aber wenn Ihr die Schulden decken wollt, wird von eurem Landsitz nicht viel übrig bleiben. Hier gibt es - ausser dem Land selbst - nur noch eine Sache von Wert: Eure Büchersammlung."
Treffer. Yallis fuhr, wie von der Tarantel gestochen auf und sah dem Thalmor-Gelehrten das erste Mal richtig in die Augen. "Was?
"Herr, ich denke, Ihr solltet Eure Bücher verkaufen, um den Landsitz des Hauses te Temara zu erhalten." Der Advokat wiederholte das offensichtliche noch einmal. Im Moment traute er Yallis nicht mehr Verständnis für die Situation zu als einem Dreijährigen.
"Da zweifelsfrei bewiesen ist, dass Euer Bruder nicht tot ist, sondern nur vermisst wird, werden alle, die sich ansonsten mit dem Tod Eures Bruders mit den nicht mehr einzutreibenden Schulden abgefunden hätten, darauf bestehen, daß Ihr sie bezahlt. Und alle, die Goldschulden gewöhnlich mit Blut begleichen lassen, werden darauf bestehen, daß Ihr nun ihnen verpflichtet seid. Ihr solltet schnellstmöglich ein wenig Gold liefern können, um zu vermeiden, dass man Euch Blut liefern lässt."
Yallis sackte schwer auf einen brokatbezogenen Sessel. Einen, der ihm offensichtlich gar nicht mehr gehörte. Er hatte nie damit gerechnet, der Erbe des Hauses te Temara zu werden; nicht als Bastard einer Dienstmagd und als drittjüngster Sohn. Aber Hamdad war auf tragische Weise bei einem Reitunfall ums Leben gekommen, und Zuinen hatte das Haus te Temara offensichtlich nicht halb so gut im Griff gehabt, wie Yallis geglaubt hatte. Im nachhinein erschienen die Szenen der letzten Wochen vor seinem inneren Auge - Zuinen hatte stets davon gesprochen, gerade etwas umzudekorieren oder einen Raum renovieren zu lassen... während er offensichtlich alles wertvolle Raum für Raum versetzt hatte. Yallis selbst war das kaum aufgefallen, da er sich sowieso fast nur in der Bibliothek aufhielt.
"Ich.. ich kann das gar nicht... ich meine, wir sollten meiner Schwester bescheid geben. Aliyaze, sie wird... irgendeine Idee haben, hoffe ich."
Der Advokat winkte ab. "Eure Halbschwester Aliyaze hat mit Eintritt in den Tempel Stendarrs traditionsgemäß ihren Erbteil gespendet und auf alle weiteren Erbansprüche des Hauses te Temara verzichtet, wie Ihr Euch sicher erinnert. Soweit es sie angeht, gehört sie nicht mehr zum Hause te Temara."
Der Rechtsgelehrte unterdrückte ein Stirnrunzeln. Dieser Gelehrte schien überhaupt nicht zu wissen, was er jetzt tun sollte. Eine lange, schweigende Minute sahen sich die beiden Männer an.

"Nein," sagte Yallis jetzt fest. "Ich kann und werde meine Bücher nicht verkaufen. Dieses seit Jahrhunderten gesammelte Wissen ist der grösste Schatz von allem und kann mit schnödem Gold nicht aufgewogen werden."
Der Thalmor-Advokat starrte den Adligen an. "Nun.. in diesem Fall... Herr... "
- "Muss ich den Landsitz verkaufen. Das ist mir gleich. Ich habe diesen Luxus nie gebraucht und werde ihn nie brauchen. Ich werde einen anderen Lagerort für meine Bücher finden. Sie sind nichts ohne mich und ich nichts ohne sie."
- "Seid... seid Ihr Euch da sicher, Herr?"
Der Advokat musste schlucken. Damit war der Untergang des Hauses te Temara besiegelt. "Ich meine.. ihr seid nicht gewohnt, wie ein Bürgerlicher zu leben. Ihr... werdet... vermutlich eine Arbeit ergreifen müssen."
"Das ist mir ganz gleich."
Yallis' Stimme war fest, sein Blick klar. Was ihn anging, war diese Entscheidung bereits gefallen. "Ich beauftrage Euch, im Namen des Hauses te Temara alle nötigen Schritte zu unternehmen, um alle Schulden ordnungsgemäß zu decken. Danach... wird es das Haus te Temara nicht mehr geben."
Der Thalmor-Advokat versteckte seine erstaunte Mine hinter einem eilfertigen Kopfnicken. "Wie Ihr wünscht, Herr."
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#6
5. Zum guten Schluss

Erneut einige Jahre später..

Der Rechtsgelehrte des Thalmor sah sich in der Hütte nur kurz um. Der Anblick war ungewöhnlich, aber bei einem Mann wie Yallis hatte er mit so etwas gerechnet.
Der Tote war bereits identifiziert worden, sowohl von dessen Schwester, die man extra aus dem Tempel hergeholt hatte, als auch von ihm selbst, da er vor ein paar Jahren mit Yallis in einer Rechtsangelegenheit Kontakt hatte.
Man hatte lange suchen müssen, um jemanden zu finden, mit dem Yallis in den letzten paar Jahren überhaupt Kontakt gehabt hatte. Gerade schafften ihn zwei Khajiit aus der Hütte. Sie machten den Eindruck, als hätte auch einer von ihnen die schmale, pergamentgelbe Leiche allein tragen können, wäre es nicht so pietätlos gewesen.
Die Fischerhütte des Toten, im Hafenbereich von Himmelswacht gelegen, war - anders als viele der anderen Hütten hier - penibel mit Pech und Reet abgedichtet, so dass möglichst wenig salzige Meeresluft eindringen konnte. Selbst der Fußboden war ordentlich mit Binsen bestreut - wenn man das auch erst feststellen konnte, nachdem man einige der Bücher entfernt hatte.
Der gesamte Raum in der Hütte war mit Büchern vollgestopft. Gestapelt bis zur Decke, gelehnt an jede Wand, in Regalen aus Treibholz, die tiefer reichten als ein Arm, festgebunden vom Türsturz hängend - sogar im Kaminabzug steckten in Ölhaut eingepackte Bücher.
Yallis hatte hier nicht gekocht und auch nicht geheizt - er hatte den gesamten Platz für seine Bücher gebraucht. Die Stelle, an der er geschlafen hatte, war schlicht dadurch markiert, daß er eine dünne Decke über einigen gleichmässig hoch gestapelten Büchern liegen hatte. Ein Bücherbett, und ein Herd voll mit Büchern.
Sogar auf dem Abtritt hatte man Bücher gefunden, links und rechts der Holzluke ordentlich gestapelt und mit einem wundervoll kalligraphierten Hinweis versehen, dass es an Blasphemie grenze, Blätter dieser Bücher als Toilettenpapier zu verwenden. Typisch Yallis. Wenn er sich diesen Abtritt mit anderen Fischersfamilien oder Bettlern hatte teilen müssen, dann wären sie wohl kaum in der Lage, solch einen schriftlichen Hinweis zu entziffern.
Der Advokat schüttelte den Kopf. Yallis war verhungert; vielleicht auch eher erfroren, bevor der Hunger den Rest erledigen konnte. Er hatte kein einziges Buch verkauft, auch nach all den Jahren nicht.
Der Rechtsgelehrte wusste, daß Yallis nach dem Verkauf des Landsitzes kein Glück gehabt hatte; dennoch hätte der Erlös des Herrenhauses der te Temara ihm zumindest ein bescheidenes Auskommen ermöglichen müssen - wenn, ja, wenn der verrückte Gelehrte keine neuen Bücher gekauft hatte.
Genauso schätzte er ihn ein. An seinem eigenen Brot sparen, um neue Bücher zu kaufen - bis zum Hungertod.
Wenigstens Yallis' Schwester Aliyaze weilte offensichtlich ein wenig mehr in dieser Welt. Kopfschüttelnd betrachtete sie Yallis' letzte Lebensstätte, dessen klapprige Tür wohlweislich umgedreht eingesetzt worden war, damit sie nach außen aufschwang und innen mehr Platz für all die Bücher ließ. Ihre Gedanken waren den seinen offensichtlich recht ähnlich, denn sie drehte sich zu ihm um und sagte : "Verkaufen Sie sie. Alle."
Yallis hatte all seine Bücher mit seinen Initialien signiert. Der Advokat konnte einen guten Preis in den gehobenen Kreisen erzielen, nachdem sich die Geschichte vom traurigen Ende des bücherwahnsinnigen te Temara verbreitet hatte.
Bücher mit seinem Exlibris, dem schwarzen Schwan und dem Siegel "YTT" landeten an vielen Orten, und das Geld legte Aliyaze auf ein gut gesichertes Konto in Himmelswacht an. Ein von ihr in roter Tinte gesiegelter Erlass enthob Zuinen und all seine Nachkommen - Aliyaze kannte ihren geltungssüchtigen Bruder schliesslich gut genug - jeglichen Ansprüchen von diesem winzigen Rest des einstigen Vermögens der te Temara.
Die Fischerhütte vermietete sie an wechselnde Besitzer; immerhin war ein kleiner Landbesitz immer noch besser als gar keiner.

Eines Tages besuchte sie der Rechtsgelehrte erneut und unterbrach die Meditationsstunde im Tempel. "Was wollt ihr?" begrüsste Aliyaze den Altmer kurz angebunden. "Ihr habt noch keine guten Nachrichten zu mir gebracht, seit ich Euch kenne."
Der Advokat verzog kurz den Mund - Aliyaze war genauso herrisch wie schön, und in seinen Träumen hatte er sich eine deutlich freundlicherere Anrede vorgestellt - nickte dann aber.
"Diesesmal ist es zumindest nichts schlechtes, Herrin - glaube ich zumindest."
- "Ich gehöre nicht mehr zum Adel. Ich bin Akolythin vom wahren Glauben Stendarrs und kämpfender Arm der Gerechtigkeit. Wenn überhaupt, habe ich Euch "Herr" zu nennen. Aber - sprecht. Worum geht es?"
- "Eure ... Mietsache, diese Hütte... Ich habe sie an eine Khajiit vermietet. Sie muss den Boden aufgerissen haben, um eine eigene Latrine anzulegen oder dergleichen, und hat dabei -"
- "Lasst mich raten. Sie hat noch mehr Bücher gefunden?"
Aliyaze lachte. "Ich frage mich, wo er noch überall welche versteckt hat. In dieser Hütte waren nur die von ihm signierten; also die, die er gelesen hatte. Er hatte aber noch viel, viel mehr in der alten Bibliothek..."
- "Nun, es ist exakt so wie Ihr sagt. Sie waren in einer teuren, wasserfesten Kiste aus Hartholz. Eure... Mieterin, eine gewisse Mezu'ru, konnte das Schloss öffnen und fand sorgfältig einzeln eingeschlagene Bücher - und diese Nachricht darauf."

Er reichte der schönen Altmer ein einzelnes Blatt Papier, das mit der verschnörkelten Schrift ihres toten Bruders versehen war. Aliyaze presste die Lippen zusammen und las:

Diese auf keinen Fall, Aliyaze.

"Allein die Kiste zu beschaffen, muss schon beinahe über seine Mittel gegangen sein," warf der Advokat ein, als er die erste Regung Aliyazes bemerkte. Sie wollte diese Bücher auch verkaufen, wie all die anderen.
"Na gut. Ich werde sie mir zumindest einmal ansehen. Lasst die Kiste hereinbringen."

Der Advokat gehorchte, nur wenig später schleppte eine Khajiit mit leopardfleckigem Fell und strahlend blauen Augen eine schwere Seekiste herein. Aliyaze nickte ihr freundlich zu und hieß sie sie abstellen. Ohne weiter nachzufragen nahm die Katzenkriegerin eines der Bücher in ihre Pfote und schlug vorsichtig die Ölhaut zurück. Es war eine modrige alte Schwarte; genau die Sorte Buch, die Yallis von jeher so unendlich fasziniert und Aliyaze von jeher so unendlich gelangweilt hatte. Dennoch nahm sie es zur Hand und schlug die erste Seite auf.
Anstelle des erwarteten schwarzen Exlibris mit dem Siegel "YTT" jedoch prangte ein verschlungenes, rotes Zeichen darin.
Faer Eryn stand in verschnörkelten Buchstaben darunter. Aliyaze zog eine Augenbraue hoch und sah die Khajiit an.
"Die anderren sind genauso, Herrrin," sagte Mezu'ru mit ihrem dicken khajiitischen Akzent. Sie zeigte ihre Reißzähne; wohl eine Art Lächeln unter Katzen.
"Ich denke, ich werde diese aufheben," sagte Aliyase leise. "Wenn ich auch nicht genau weiss, wo. Dienern Stendarrs sind ausser ihren Waffen und ihrer Kampfausrüstung kein persönlicher Besitz erlaubt."
Ratsuchend sah sie zu dem Rechtsgelehrten, doch Mezu'ru kam seinen Worten zuvor.

"Wenn Ihrr errlaubt, Herrrin, hätte diese einen Vorrschlag zu machen. Die kluge Mezu weiss einen Orrt, an dem diese Bücherr sicherr verrwahrrt wärren. Es würrde sie auch rrein garr nichts kosten, Herrrin. Die einzige Bedingung ist, dass sie hin und wiederr von jemandem... gelesen werrden würrden."

- "Hm."
Aliyaze sah Mezu'ru überlegend an. "Ich werde darüber nachdenken. Mein Kontaktmann -" sie nickte dem Rechtsgelehrten zu - "wird sich bei Euch melden, Mezu."
Die Katzenfrau nickte und entfernte sich aus dem Raum, während die schöne Aliyaze ihren kalten Blick wieder auf den Thalmor-Advokaten legte. Der lächelte Aliyaze an. Er war gar nicht so unzufrieden, dass seine Geschäfte mit dem ehemaligen Hause te Temara noch eine Weile länger andauern würden.
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#7
6. Anderswo

Formt-die-Sonne nickte nachdenklich mit dem Kopf, während sie dem Sonnenuntergang zusah. Das Wasser der Inneren See umspielte ihre bloßen Füße mit den kurz geschnittenen Krallen.
Langsam drehte sie sich um, während ihr Knochenschmuck an den aufgestellten Hautkämmen klapperte.
Die letzten Strahlen der Sonne auf den einfachen Schlammhütten der Argonier vergoldeten die einfachen Ritzmuster und Zeichnungen auf den Wänden.

"Es ist die rechte Zeit," flüsterte die weise Argonierin und nickte. Die Welt... roch... schmeckte... Formt-die-Sonne sträubte die Schuppen im Nacken. Es gab kein richtiges Wort dafür. Kein gutes. Dennoch - sie fühlte es. Die Argonier waren schon immer tief mit dem Land und der See verwurzelt gewesen, und ihre Aufgabe als Ruferin der Eier machte einen tiefgehenden Gleichklang mit beidem zwingend nötig.
"Welle und Wurzel... Schlick und Stein..."
Formt-die-Sonne murmelte den alten Kinderreim vor sich hin, während sie langsam aufstand und den formlosen Kittel aus gewebtem Seetang glattstrich.
Natürlich wusste sie von den Ankern. Die teuflische Technik des daedrischen Prinzen Molag Bal war nicht nur für Vvardenfell eine Bedrohung, nicht nur für Morrowind, Argonia oder Elsweyr ... sondern für alles Leben auf Nirn.
Formt-die-Sonne kannte die alten Legenden und Sagen, die ihr Volk über viele Generationen mit den rituellen Gesängen weiter gegeben hatte, und die auch sie jetzt die frisch geschlüpften Kinder lehrte. Die alten Prophezeihungen über eine dunkle Zeit, über einen Krieg der neun Stämme... sie waren nur zu wahr geworden...
"Klippe, Koralle...atmen muss sein..."
Doch so drängend dieses Problem auch war, so viele tödliche Wirbel Molag Bal in ihren heimischen Gewässern auch schuf - Formt-die-Sonne fehlte es an einer Lösung. Wie sollte man einen Gott aufhalten? Wie sollte man sich wehren gegen eine Maschine, die so groß und unverwundbar war die ein Berg, achwas, wie ein ganzes Gebirge?
"Der Tod kommt, er macht uns frei..."
Aber irgendwo war eine Lösung. Irgendwo war etwas geschehen, dass das Wasser tanzen ließ. Die ältesten Rundgesänge sprachen davon, dass der Erste Sänger zurückkehren würde. Ja. Formt-die-Sonne hatte keine Hoffnung, dass der Erste Sänger ausgerechnet in den Hütten des Elendsviertels von Ebenherz wiedererscheinen würde, doch es fiel ihr nicht allzu schwer, sich mit dem zu begnügen, was sie in Luft, Wasser und Erde erkennen konnte.
Ihr Volk war bereit. Die Lieder wurden jeden Abend am Gemeinschaftsfeuer gesungen, die Zeit schmeckte...roch... richtig. Bald würde einer kommen, der Erste Sänger oder einer seiner Schüler, und Hilfe benötigen. Formt-die-Sonne konnte nicht mehr tun, als ihren Hist weiterhin mit derselben Liebe und Zuneigung zu pflegen und zu hegen, ganz genauso, wie sie als Ruferin die Jungen pflegte. Wenn er - oder sie - kam, dann würde alles bereit sein.
"... Erster Sänger, komm, steh' uns bei."
Formt-die-Sonne zog an einem der Knöchelchen, die an den Krallen ihrer Kieferkämme befestigt gewesen waren. Es war auf Anhieb das Richtige, und Formt-die-Sonne brummte tief in der Kehle vor Zufriedenheit. Die verschlungenen Schriftzeichen darauf konnte Formt-die-Sonne zwar nicht lesen, aber sie war so oft darüber gefahren, dass der Knochen an dieser Stelle glänzte und die tiefen Kerbungen merklich flacher geworden waren.
"Faer Eryn," sang sie leise vor sich hin. Es war die rechte Zeit, genau das zu tun, dessen war sie sicher.
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#8
... Aber wer oder was sind die Faer Eryn?
Es ist ein Geheimnis, innerhalb eines Geheimnisses, mein Freund - und es liegt an Euch, es zu lüften.
Finde es heraus!
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#9
Die Geschichte der Faer Eryn wird ständig fortgesetzt.

* Die epische Geschichte der Faer Eryn in Herr der Ringe online:
> Die Welt ist im Wandel

* Der Kampf gegen den Schattenmann, einen uralten, mächtigen Atronarchen der Dunkelheit, ist hier dokumentiert:
Der Schattenmann geht wieder um
Maormer in Nöten
Die Weisheit der Maormer

* Die Geschichte unseres Deckmantels, die Bewahrer:
> Die Bewahrer
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