Der Schattenmann geht wieder um!
#11
Talisiera balancierte mit schlafwandlerischer Sicherheit auf dem Rand einer wuchtigen Kiste, die neben dem Kristallpodest abgestellt worden war und versuchte immer wieder mit bissigen Worten oder ihrer behandschuhten Hand Finder von dem Kristall zu vertreiben. Nicht viel fehlte und sie würde ihre Waffen ziehen um ihre Absicht vor dem nicht minder renitenten Khajit zum Ausdruck zu bringen, dachte Veyar bei sich, so geladen wie die sonst so beherrschte Dunmer wirkte. Blutvergießen musste verhindert werden, denn war es nicht genau das, wonach der Schattenmann dürstete? Er musste sie von dort wegbekommen, koste, was es wolle! Allerdings ließ sich die Dunmer weder am Arm packen und fortziehen noch durch einen gezielten Stockhieb gegen ihre Waden zu Fall bringen. Dieses Ding war gefährlich, das lag spätestens jetzt auf der Hand. Bei ihrem ersten Besuch schon hatte es Linaris, einen versierten Magier, in seinen Bann gezogen – nun wohl gleichermaßen den Khajit Finder und Veyars Reise- und Kampfgefährtin Talisiera. Bevor die beiden Kämpfer noch wie von Sinnen aufeinander losgingen musste eingeschritten werden, konstatierte er für sich.
Die Angst in seinem Herzen ließ ihn trotz Rüstzeug leichtfüßig auf die Kiste springen; vielleicht vermochte er ja Talisiera zur Raison bringen wenn er ihr Auge in Auge gegenüber stand. Sein Herz klopfte wie wild, zugegebener Maßen war ihm überhaupt nicht wohl bei der ganzen Sache, und ein leises Stimmchen in seinem Kopf fragte sich bang, was Talisiera eigentlich davon abhalten sollte die Waffen nicht auch gegen ihn zu erheben?!
Alles Zaudern half nichts. Streng genommen war die zugegebenermaßen etwas schräge Dunmer derzeit alles, was ihm Halt unter den Füßen verschaffte. Obendrein war sie eine Freundin – und für Freunde und Familie musste man einfach alles wagen.
Er hob den Kopf und blickte der Dunmer ins Gesicht, die immer noch mit zu Schlitzen verengten Augen den Khajit auf der gegenüberliegenden Seite des Kristalls anvisierte. Ihr Atem ging flach, jeder Muskel schien angespannt zu sein. Sie wirkte wie ein rasender Senche, der zum Sprung ansetzte. Ihre Augen waren wie schwarze Löcher, in denen sich der honigfarbene Schimmer des Kristalls spiegelte.
„Tali...?!“ fragte er unsicher. Seine Stimme war leise und klang rau und es kostete Kraft zu sprechen. Er wollte sie soeben an der Schulter fassen, als sie ihm das Gesicht zuwandte.
„Die stinkende Katze da soll nen Abgang machen, der Kristall gehört uns!“ knurrte sie, und verbarg die kalte Mordlust in ihrer Stimme noch nicht einmal.
Immerhin sieht sie dich schon mal nicht als Bedrohung an ... schoss es ihm durch den Kopf. Als seine Augen ihren Blick suchten kam der Kristall in sein Blickfeld. Ein samtener, bernsteinfarbener Schimmer, wie ein warmer Feuerschein in kalter Nacht.
Eine warme Woge an Emotionen und Erinnerungen flutete heran, übergoss ihn, hüllte ihn wie ein schützender Mantel ein und ... trug ihn mit sich fort. [...]
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ooc: Rest vom Text im Anhang ;-)


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#12
Schatten in den Höfen... Schatten an den Mauern... Schatten, wo keine sein sollten... viele der Teilnehmer des letzten Besuchs in Bewan fühlten sich bedroht, verfolgt und von Schatten umzingelt. Besonders diejenigen unter ihnen, die den Verheißungen des Kristalls erlegen waren und ihn berührt hatten.
So war es kein Wunder, dass sie erneut die Gesellschaft derjenigen suchten, die sie in die Tiefe Bewans begleitet hatten... und auch keines, dass das Gespräch schnell wieder auf den Kristall und das darin verborgene, schwarze Herz kam.
Erneut wurde man bei der Magiergilde vorstellig, um diesmal in etwas ruhigerem Ton Hilfe und Antworten einzufordern. Nun, Hilfe sei bereits unterwegs, versicherte die Maga Zuinja Entorion, die in Telengers Abwesenheit die Magiergilde Himmelswachts leitete. 4 erfahrene Kampfmagier seien nach Bewan aufgebrochen, mit allen Informationen ausgestattet, die unsere Helden nach ihrem letzten Abenteuer dort berichtet hatten.
Doch obwohl die oberste Maga ihnen versicherte, dass ein Bericht noch längst nicht überfällig und die ausgesandten Magier erfahren im Erforschen ayleidischer Bauwerke waren, schwante unseren Helden nichts Gutes, und so brach man trotz des langsam hereinbrechenden Abends noch einmal nach Bewan auf.
Eine erste Untersuchung schien den Bericht und die Sorglosigkeit der Maga zu bestätigen. Die Maormer waren aus dem alten Bauwerk vertrieben worden, die Tür mit einer Sigile gekennzeichnet, so dass jeder andere Magier wusste, dass hier eine magische Untersuchung lief.
Doch in der tiefsten Kammer Bewans fanden unsere Helden die mumifizierten Körper der vier Magier - sie alle hatten den Kristall berührt und er hatte ihnen alle Lebenskraft entzogen. Satt und irgendwie... zufrieden wirkte der große gelbe Zauberstein.
Nun musste ein Entschluss gefasst werden:
Sollte man diesen teuflischen Kristall vernichten, auch wenn er - vermutlich - ein viel grösseres Übel an diese Ruine fesselte? Oder sollte man ihn mit Magie und Lebenskraft weiter anschwellen lassen, bis er das schwarze Herz wieder komplett umhüllte. Letzteres wäre sehr gefährlich für diejenigen, die mit dieser Aufgabe betraut würden - und ersteres könnte alle Bewohner Auridons in Mitleidenschaft ziehen.
Nach langer Diskussion einigten sich unsere Helden darauf, den gelben Kristall zu vernichten. Mit einem Feuerschwert zerschlug Magus Adlon Sturmlaub den Zauberschutz und floh in den magischen Schutzkreis, den Namaeril errichtet hatte. Ein dunkler Wirbelsturm gewaltiger magischer Energie begann sich zu bilden, dessen Zentrum das schwarze Herz war - das nun befreit war.
Stein für Stein riss die gewaltige Kraft des entfesselten Schattenmanns die alte Ayleiden-Ruine auseinander, und unsere Helden flohen in Panik vor der Urgewalt dieses schwarzen Sturms. Keine Sekunde zu früh, denn der Schattenmann riss bei seiner Befreiung alles mit sich, was im Umkreis von 500, 600 Metern der alten Ruine an Leben vorhanden war und ließ einen riesengroßen Krater entstehen, wo früher Bewan gewesen war. Nur das Salzwasser des nahen Meeres schützte unsere Helden vor seiner rohen Gewalt.

Lachend ertönte die gewaltige, steinerne Stimme des Schattenmanns: "Ich... bin.... frei...!"
In diesem Moment ging die Sonne über dem Meer auf, und ihre Strahlen glitzerten auf den kopfgroßen, tonnenschweren Steinen, die den schwarzen Sturm umtanzten wie Vogelfedern. Mit einem weiteren, hässlichen Lachen fiel der magische schwarze Sturm in sich zusammen, und das gierige Meerwasser füllte den leeren Krater des ehemaligen Bewan.
Der Schattenmann war frei. Oh, ihr Götter - und nun?
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#13
Ausgabe der "Himmelswacht Morgenpost" vom Loredas, dem 23. Tag der Letztsaat im Jahre 583.
(rechtsspaltige kleine Kolumne)

Schwarzfleck - Krankheit - viele neue Erkrankungen
(tmo) Wie die Magiergilde auf Anfrage bekanntgab, ist die Schwarzfleck - Krankheit neuerdings auf dem Vormarsch. Wir berichteten bereits über den tragischen Tod der bekannten Bardin Yela die Alte, die als eines der ersten Opfer der lokal verbreiteten Schwarzfleck-Krankheit zum Opfer fiel.
Noch immer sind Ansteckungsweg und Behandlungsmöglichkeiten unbekannt.
"Wir arbeiten wirklich mit allem, was wir zur Verfügung haben," versicherte die Erste Maga Zuinja Entorion unserem Reporter gegenüber. "Selbst die abwegigsten Möglichkeiten werden von uns geprüft. Sogar diese uralte Legende vom Schattenmann hat von uns eine gründliche Überprüfung erfahren, falls sie tatsächlich einen wahren Kern beinhalten sollte.
Leider zeichnet sich eine schnelle Behandlungsmöglichkeit aber nicht ab."

Da die Krankheit bekanntermaßen innerhalb weniger Stunden tödlich verläuft, gilt eine wirksame Behandlung selbst unter Experten als extrem schwierig.
Als einzige Sicherheitsmaßgabe bittet die Magiergilde die Bevölkerung, weitab gelegene Hütten, Felder und dergleichen nicht mehr allein aufzusuchen, denn die meisten Erkrankungen entstanden fernab der Zivilisation, wo kompetente Hilfe fehlte.
Während der Stadtrat zur Stunde noch über wirksame Eindämmungs-Maßnahmen diskutiert, hat Stiftsvögtin Elinea Azurel bereits die Wachpatrouillen verdoppelt und lässt den näheren Umkreis von Himmelswacht ebenfalls verstärkt patrouillieren.
"Wir ergreifen jede mögliche Maßnahme, damit sich die Bevölkerung von Himmelswacht sicher und gut geschützt fühlt," verkündete die Stiftsvögtin gestern von der Balustrade ihres Palastes aus.
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#14
Nach Bewan ...
Es dauerte eine Weile bis sie die beiden Pferde wieder gefunden hatten. Naseweis war völlig aufgekratzt und ließ sich kaum wieder beruhigen. Immerhin hatte sich Talisieras Stute offenbar dazu hinreißen lassen gemeinsam mit dem sonst so stoisch ruhigen Wallach des jungen Altmers die Flucht zu ergreifen. Jedenfalls freute sich die Dunmer, dass ihr Reittier und damit verbunden auch ihr Gepäck nicht verloren gegangen war.
Veyar war still. Neben den Strapazen, die sie in den vergangenen Stunden durchlebt hatten, musste er auch über so einiges nachdenken. Wenn der Schattenmann mal kein übermächtiger Atronach gewesen war?! Auch hatten sie sich mit der Wesenheit in daedrischer Sprache verständigen können, was ebenso für eine daedrische Entität sprach.
Sie führten die nervösen Pferde ein Stück weit von der Unglücksstelle fort, wo das Meer eine Lagune in das verwüstete Land gefressen hatte und es in einem radialen Umkreis nur noch tote Erde zu finden gab. Bewan gab es nicht mehr. [...]

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ooc: Rest mal wieder im Anhang ;-)


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