Die Geschichten der Toten
#1
Von Elder Scrolls gibt es einen neuen Wettbewerb, der bis Samstag läuft. Man soll eine max. 500 Wörter lange Erklärung zu dem gezeigten Bild verfassen:

http://www.elderscrollsonline.com/de/new...-der-toten

Während ich das für eine super Idee halte, schaffe ich es einfach nicht, nur 500 Wörter (das ist nicht mal eine ganze DIN a4 Seite!) zu verwenden....
Daher werd ich meinen Beitrag nicht abschicken - ich krieg ihn jetzt auf keinen Fall mehr so stark gekürzt (und will das eigentlich auch gar nicht Smile ).
Vielleicht mag sich ja jemand anders am Freitag noch dazu hinreissen lassen.

lg,
Suse
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#2
Hier ist mein Beitrag, zum schmökern Smile

[Bild: 5c3aab5e4789da9627f4adfbb81cf85d.jpg]

Zuerst war die Stadtwache von Waldherz alarmiert worden. Dann wurde der Schlachtenvogt von Marbruk verständigt. Und schließlich, als sich keiner der Zuständigen die Sachlage irgendwie erklären konnte, bat man die Magiergilde, den berühmten Ermittler Shemlo Loschker mit einem Portal nach Grünschatten zu holen.
Shemlo Loschker, soviel muss wohl dazu gesagt werden, war ein brillanter Geist, dessen Ruf ihm weit vorauseilte, und der schon viele Fälle gelöst hatte. Er galt seinerzeit als der beste Ermittler in Kriminalfällen – und auch bei jeder sonstigen Art von rätselhafter Begebenheit. Mit ihm reiste, wie ein schlanker, kleiner Schatten, seine Assistentin und langjährige Freundin, die Bosmer Shonn Jowath.

So kam es, dass eine illustre Gesellschaft aus Wachen, höheren Beamten, Magiern und den beiden Ermittlern den Schauplatz des Verbrechens besuchte. Shemlo, in seiner bekannten, ein wenig exzentrischen Manier, bat sie alle mit barschen Worten zurück zu bleiben, während er den Tatort vorsichtig untersuchte. Es dauerte gar nicht lange, da stahl sich ein Lächeln auf die Lippen des berühmten Kriminologen.
Er wurde von vielen Augen genau beobachtet, doch nur Shonn Jowath verstand genau, warum ausgerechnet Shemlo Loschker gerufen worden war. Die skelettierten Toten am Tisch waren ganz offensichtlich von Bosmer-Pfeilen getötet worden, die gleich zu dutzenden im Boden steckten. Mitten im Herz des Waldes, in Grünschatten, und keine dreißig Gehminuten von Waldherz entfernt. Politisch gesehen brisant genug, waren doch die Beziehungen der drei Völker des Aldmeri Dominions untereinander sowieso schon äußerst gespannt und wurden durch den langwierigen Krieg in Cyrodiil und die Aktivitäten des Schleiererbes um die junge Königin Ayrenn nicht gerade gestärkt.
Zusätzlich aber waren die Toten offensichtlich unbewaffnet gewesen, doch die massiven Holzstühle schmückten verbotene daedrische Symbole und Schriftzeichen. Noch dazu gab es keine Spuren, wie diese Einrichtungsgegenstände hier überhaupt hingekommen waren. Die Gegend war unzugänglich und felsig und der Weg, der hier entlang führte, allenfalls ein besserer Wildwechsel. Ein Jäger auf Spurensuche hatte dieses seltsame Picknick entdeckt und die Obrigkeit darauf aufmerksam gemacht. Purer Zufall. Aber ein Zufall, der das gesamte Dominion bedrohen konnte, wenn er von der einen oder anderen Partei zu deren eigenen Interessen ausgenutzt wurde.
Shemlo Loschker aber war aktives Mitglied des Thalmor, ein brillanter, weithin bekannter Gelehrter und Ehrenmitglied der Magiergilde und zudem als Bosmer-Freund wohlbekannt. Er würde den Dingen auf den Grund gehen und die Wahrheit, unbeeinflusst von politischen Ränkespielchen, ans Licht bringen.

Shemlo hob einen der Käseachtel vom Tisch auf und roch daran. Mit großer Sorgfalt legte er das stinkende Stück dann wieder zurück.
„Nun, meine Damen und Herren,“ erhob er seine Stimme, „Ich danke Ihnen allen dafür, dass sie mich verständigt und hier her gebracht haben. Doch denke ich, sie können beruhigt wieder gehen – diese Stätte ist nicht Zeuge eines Mordes, sondern nur eines bedauerlichen Unfalls.“
Getuschel hob an, während die Aussage des Meisterdetektivs von den Umstehenden leise erörtert und zum guten Teil in Frage gestellt wurde. Auch Shonn Jowath zog eine Augenbraue hoch. Es gehörte schon viel dazu, einen gezielten bosmerischen Pfeilhagel als Unfall zu bezeichnen. Doch sie kannte ihren altmerischen Freund gut genug, um ihn jetzt nicht mit Fragen zu unterbrechen. Shemlo würde seine Schlussfolgerungen zu gegebener Zeit in der ihm einzigartigen Weise präsentieren, dessen war sie gewiss.
Nachdem dieser kurzen Ansprache keine weitere Erklärung mehr folgte, entfernten sich die meisten Offiziellen tatsächlich zumindest ein Stück den Weg hinunter, denn am Tatort war es eng und schlammig, und ihre jeweiligen Assistenten und Träger warteten an der Talniederung mit einem Imbiss auf sie.
Shonn trat hinzu und zog die Nase kraus, als das stechende Aroma des Käses an ihre empfindliche Nase drang. „Ein Unfall, Shemlo?“ fragte sie.
Der Meisterermittler nickte vergnügt. „Und zwar einer, der schon eine ganze Weile her ist. Sieh her... „
Shemlo deutete mit der Fußspitze auf einen morschen Ast, der zu Füssen des sitzenden Skeletts lag.
„Und dies hier -“ er deutete auf den Käse - „hat mir bestätigt, dass eine Menge Zeit vergangen sein muss.“
Shonn prüfte Ast und Käse, in dem sie beides sacht berührte. Der Ast zerkrümelte unter ihren Fingern zu trockenem Staub, und der Käse – sie wünschte, sie hätte ihn nicht berührt. Aber eine Erklärung für Shemlos Worte boten sie ihr beide nicht.
„Ich verstehe nicht ganz, Shemlo...?“ fragte sie. „Sie sind doch wohl nicht am Käsegeruch gestorben, oder?“
„Nein,“ lächelte der Meisterdetektiv. „Ich denke, es war das Feuer.
Aber lass die Logik die Arbeit für uns tun:
Die Größe und die Form der Schädelknochen der beiden Toten deuten darauf hin, dass es Mer waren. Sogar Altmer – beziehungsweise Ayleiden, die Vorfahren der Altmer. Dieser Tisch und diese Symbole an den Stühlen haben mich auf die richtige Einschätzung des Alters dieser beiden Toten gebracht. Sie sind viel älter, als die Stadtwache vermutet hat.
Offensichtlich ein Magier und sein Schüler, hier kannst Du sogar noch einen Rest der Toga sehen, dort, zwischen Rippenbogen und Stuhl.
Siehst Du hier, diese geologische Verwerfung an den Felsen? Es scheint mir, eine Erdspalte hatte diese beiden verschluckt. Der Magiermeister hat eine Kraftkugel gewirkt; hier, an diesem wie abgeschnitten wirkenden Felsrand kannst Du es noch sehen.“
„Eine Kraftkugel, Shemlo? Was soll das sein?“
„Oh, das ist eine Magicka, die sich selbst und die nähere Umgebung mit magischer Kraft einhüllt und vor allem, was von außen eindringen will, schützt. Ich denke, diese beiden Toten hier haben ein Picknick abgehalten und sind unglücklich eingebrochen. Der Magiermeister besaß die Geistesgegenwart, im Umkreis von drei Schritt alles vor den nachstürzenden Erdmassen zu schützen. Doch es hat ihm nicht viel genutzt. Bist Du schon darauf gekommen, warum?“

Shonn schüttelte den Kopf.
„Nun, unser namenloser Magiermeister benötigte eine Menge magischer Energie für seinen Zauber. Das, was da gerade unter Deinen Fingern zerkrümelt ist, war wohl sein Stab. Es ist typisch für diese Gegenstände, dass sie extrem schnell altern, wenn sie solcher Macht ausgesetzt sind. Dennoch, könnte man dieses restliche Pulver hier analysieren, würde man mit großer Wahrscheinlichkeit feststellen, dass es gutes Holunderholz gewesen ist, wie geschaffen für einen Magierstab.“
„Du meinst, sein Stab ist während des Zaubers zerbrochen?“
„Nein, ich meine, dass er einen Fehler gemacht hatte, in dem er das Feuer mit in seine Magicka einbezog.“
„In wie fern?“
„Nun, sein Zauber muss einen großen Teil seiner magischen Macht gebraucht haben. Da nach dem Einbruch eine Tonne Erde oder mehr auf der Kugel lastete, konnte er ihn aber auch nicht beenden. Das Feuer jedoch hat relativ schnell jeglichen Sauerstoff aus der Kugel verbrannt und nichts davon für unsere beiden Verunglückten übrig gelassen. Sieh hier, man kann noch sehen, dass es regelrecht erstickt ist; die Scheite sind nicht ganz zu Ende gebrannt. Dasselbe Schicksal, möchte ich meinen, ereilte auch Lehrer und Schüler hier.
Und die von Sauerstoff befreite Atmosphäre schützte alles darin vor dem ansonsten sicheren Zerfall.
Selbst diesen Käse, der nun wirklich ein beachtliches Alter aufweist.“
„Ja, aber...“

Shonn kam nicht weit, als sie von ihrem hoch aufgeschossenen Freund bereits wieder unterbrochen wurde.
„Sie sind darin geblieben, was weiß ich wie lange. Siehst Du, hier drüben, zur Talsohle hin? Dort hat es vor kurzem einen Erdrutsch gegeben, vor drei oder vier Wochen. Ich möchte meinen, erst dieser hat dieses unglückliche Picknick wieder ans Tageslicht gebracht. Und dann setzte auch erst die Verwesung ein. Nach mehreren Jahrhunderten, meine liebe Shonn!“
„Und die Pfeile?“
wagte sie dazwischen zu werfen.
„Das ist einfach. Dieser gute Jägersmann, der die Toten meldete, war nicht ihr erster Entdecker. Dein Volk hat sie zuerst ausgemacht.
Offensichtlich wurden die Skelette für Zielübungen benutzt. Hier, man kann sehen, wie die Pfeile die Augenhöhle und den Schädel durchschlagen haben, und zwar so tief, wie es nur bei einem alten, trockenen Knochen geht. Diese Pfeile sind nicht von Muskeln oder Haut gebremst worden.
Und bei den Untoten und Geistern, die im Moment überall umgehen, kann man wirklich verstehen, dass Deine Stammesbrüder und -schwestern erst einmal geschossen und dann erst nachgesehen haben, ob sich hier noch etwas verbirgt. Sieh mal, es gibt sogar eine Markierung am Schienbein dieses Toten, wo jemand mit einem Messer einen Pfeil herausgeholt hat. Ganz sicher im Rahmen einer Übung und Ausbildung unter Bosmer.“

Shonn nickte, derlei war nicht unüblich beim wilden Waldvolk. Shemlo holte den langen Pfeil aus dem Schädel des Toten, in dem er ihn einfach mit einer ruckartigen Bewegung herauszog.
„Sie haben sogar ein kleines Totem auf diesen Pfeilen angebracht, das vor Untoten schützen soll, sieh mal. Typisch bosmerische Handwerkskunst, möchte ich meinen.“
Shemlo zog seinen langen Mantel enger um sich, während er sich noch einmal umsah.
„Ich denke, dies erklärt alle Spuren an diesem Tatort und hat ein sehr interessantes Rätsel gelöst, wenn es auch keineswegs einen Mord gab.“
In diesem Moment gab es einen krächzenden, knackenden Laut. Ein böses rotes Licht begann, in den Augenhöhlen der beiden Skelette zu leuchten, als sie sich wie auf einen geheimen Befehl hin ruckartig erhoben. Der eine, neben dem der brillante Shemlo Loschker unmittelbar gestanden hatte, legte bereits seine skelettierten Finger um dessen Hals.
Aus der ausgetrockneten Kehle des Toten strömte flüsterleise ein Schwall abgehackter, fremdartiger Laute, und der große Detektiv wurde leichenblass, als er seinen Irrtum erkannte.
„Aber.... warum Maormer....?“ – waren seine letzten Worte. Denn an diesem Tage hatte sich Shemlo Loschker tatsächlich einmal geirrt.
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#3
tolle Geschichte, gefällt mir Smile

(aber ich versteh das Problem, mit nur 500 Wörtern kommt man einfach nicht weit Sad )
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#4
„Und hier -“ Shaon kicherte haltlos - „sind zwei unschuldige Wanderer von ihren f'lah Pfeilen überrascht worden. Sie sind richtig gefährlich, ohja.
Ich habe es nicht gesehen, aber Du kannst Dir sicher vorstellen, dass das ein schönes Blutbad gegeben haben muss.“

Tiron betrachtete die Szene genauer.
„Na,“ wandte er dann ein, „aber warum haben sie denn dort ohne jede Vorsicht gegessen, wenn es doch so gefährlich ist? ...Du fütterst sie doch nicht etwa an dieser Stelle?“
„Doch,“ Shaon nickte strahlend. „Zugegeben, sie sind nicht sehr schlau. Das war ja aber auch nicht das Ziel meiner Zucht, nicht wahr?“

Tiron schüttelte den Kopf. „Shaon. Das ist sicher ein schönes Hobby, was Du Dir da ausgedacht hast... aber gibt es nicht würdevollere Beschäftigungen für einen Erzmagier, hm? Noch dazu für einen Telvanni.“
Er trat von dem Glaskasten zurück und musterte ihn kritisch. Er nahm den größten Teil des Platzes in dem eigentlich recht weitläufigen Gemach seines Amtskollegen und Freundes Shaon ein.
Eigentlich war er gekommen, um mit ihm über die Ausbildung der Anwärter zu sprechen – und ihn zu fragen, warum er sich so sehr von seinen Verpflichtungen zurückgezogen hatte. Nun, zumindest eine Antwort auf diese letztere Frage hatte er wohl erhalten.

Das Glas um dieses Terrarium war beinahe fingerdick, zwei knappe Ellen hoch und beinahe fünf Meter breit. Darin befand sich eine akribisch genau aufgebaute Sumpflandschaft, in die Shaon in vielen Arbeitsstunden Setzlinge und kleine Pflanzen eingearbeitet hatte – und die passenden Bewohner.

„Sieh her, Tiron – du wirst staunen. Ich habe nicht nur die Argonier verkleinert, sondern auch ein paar ihrer stinkenden Guar. Diese zwei Stämme sind nun schon seit Monaten verfeindet und bekriegen sich vor allem um diesen entzückenden winzigen Picknicktisch, wo immer einmal wieder Essen vom Himmel fällt. Wenn Du möchtest, füttere ich sie heute erneut, dann kommt es bestimmt wieder zu Kriegshandlungen.“

Shaon verdeutlichte seine Erklärung mit einigen Gesten auf die miniaturisierte Landschaft und schob dazu die künstliche Sonne und die beiden Monde aus Glaskugeln beiseite. Seine roten Augen leuchteten vor Vergnügen, und er übersah vollkommen, wie Tiron seine Mine genervt verzog.

„Hör zu, Shaon Telvanni.“ Tiron sprach sehr ernst und sah seinem alten Freund in die Augen. “Du vernachlässigst Deine Pflichten. Du hast Dich in diese Sache hineingesteigert, aber sie wird Dir nichts, aber auch gar nichts einbringen. Lass es gut sein damit. Diese kleinen Seelenlosen kommen sicher auch ein paar Stunden ohne Dich aus. Die Akademie.... -“
Shaon unterbrach ihn. „Ja, ja, die Akademie. Ich habe die letzten hundert Jahre für die Akademie gelebt, und das weißt Du auch. Nchow! Jetzt ist es an der Zeit, den Geist einmal mit etwas anderem zu beschäftigen! Ich würde meinen, meine Stellung hier gestattet mir auch mal einen Urlaub, oder?“

Shaon war aufgestanden und hatte sich vor Tiron aufgebaut, der zur Zimmertür zurückwich. Es stand keine Angst in dessen Augen, und seine Mundwinkel waren abfällig verzogen.
„Du machst dem Hause Telvanni keine Ehre, Shaon. Erinnerst Du Dich noch daran, dass Du mich einmal gebeten hast, es Dir zu sagen, wenn es soweit kommt?“
Shaon reagierte mit einer kurzen, magischen Geste, die Tiron über die Türschwelle nach draußen stolpern ließ. Dann schleuderte er wütend die Tür ins Schloss. „S'wit. Du solltest einmal deinen Geist für andere Dinge öffnen.“

Seufzend wandte er sich wieder dem Terrarium zu.
In diesem Moment flog ein fünf Zentimeter großer Pfeil dem dunmerischen Erzmagier genau ins Auge. Er öffnete den Mund, um zu schreien – nur, um zwei weitere Pfeile direkt in den aufgerissenen Rachen geschossen zu bekommen. Weitere Pfeile spickten die Lippen und die Wangen, und das grünliche Kontaktgift darauf mischte sich mit den Blutstropfen, die aus den winzigen Pfeilwunden des würgenden, weinenden Magiers austraten.
Eine genau zwei Ellen hohe Leiter aus geflochtenen Farnfasern wurde an der Terrariumswand hochgezogen und geschickt mit Gewichten in Position gehalten. Dann kletterten die Krieger und Jäger der Juiq`hleel hinüber und stießen mit ihren Steinmessern zu. Ihnen folgten die Brutwächter, Frauen und Kinder, als der Magier endlich aufgehört hatte, um sich zu schlagen und ganz, ganz still lag.

„So, wir sind also nicht sehr schlau, ja?“


684... *wein*
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