Später am Abend
#1
Noch immer konnte man die Erzähler und Sänger auf der Lichtung ihre Werke vortragen hören, auch dann, als die Sonne schon längst herab gesunken war und den beiden Monden Platz gemacht hatte.
Immer noch lauschten viele derjenigen, die sich heute hier getroffen hatten, den Geschichten und Liedern aufmerksam; teils mit Entzücken, teils wohl nur mit Mühe. Ein kleines Kind war an der Brust seiner Mutter in Schlaf gesunken, und auch von den erwachsenen Anwesenden nickten zwei oder drei mit den Köpfen. 
Mezu hatte sich nach ihrer Geschichte über den Meisterdieb Rahjin und einer kurzen Unterhaltung mit einigen der anderen Teilnehmer von der Lichtung entfernt und lehnte an einer der Säulen des Wegschreins von Phaer - weit genug fort, als das man sie nicht sehen oder belauschen konnte, und auch nah genug dran, um selbst diejenigen belauschen und beobachten zu können, die sich unbelauscht und unbeobachtet fühlten. Mezu lächelte - so war es ihr am liebsten. 
Heute abend hatte ihr etwas anders als die vorgetragenen Geschichten zu denken gegeben, obwohl doch viele von ihnen sehr gelungen vorgetragen waren und zum Grübeln anregten. Doch das Gesicht von Entaire - und auch die von ihr vorgetragene Geschichte, die von der Herkunft der Familie Aeternon erzählte - hatte ihr doch einige Rätsel aufgegeben und ihre Aufmerksamkeit für die weiteren Erzählungen hinweggespült. Mezu lächelte erneut, als sie ihre alte Freundin den Weg zum Schrein entlangschlendern sah.
Es war keine bewusste Bewegung, die sie mit den Schatten verschmelzen ließ - dafür war sie ihr schon viel zu lange Jahre in Fleisch und Blut übergegangen. Als Entaire nah genug heran war, wisperte sie ihr aus dem Schatten heraus zu : "Madame Aeterrnon... diese bittet um eine Minute Eurrerr Zeit. Wenn es zu errmöglichen ist, ja?"
Antworten
#2
Sie konnte ein unmerkliches Zusammenzucken nicht verhindern als sich die Schatten in ihrer unmittelbaren Nähe verdichteten und die Konturen einer Gestalt erahnen ließen. Allein die warme Stimme mit dem geschnurrten "R" gaben ihr Entwarnung und gestatteten es ihr die angespannten Schultern sinken zu lassen. Sie wandte sich um, der Stimme entgegen. 

Eca lächelte als sie die drahtige Gestalt der Khajit erkannte, das dunkle Kopfhaar wellte sich verwegen, eine Strähne hing ihr wirr in die Stirn, darunter leuchtete ihr ein wacher Blick entgegen. 
Ein warmes Lächeln trat auf Ecas Züge. Sie neigte den Kopf, aus dem Lächeln wurde ein Strahlen.

"Mezu'ru ... kah'hra arrun tha'ri" begrüßte sie ihre Freundin in deren Sprache. ... Zweierlei Mondlicht scheint auf dich hinab ...


"Es ist schön dich wieder zu sehen ..." fuhr sie daraufhin mit sanfter Stimme fort. Auf ihr unvermitteltes Erscheinen hin lachte sie leise.
"Und immer noch ein Kind der Schatten ...". 

Die Marapriesterin hob nach einem kurzen Augenblick des Zögerns die Hand und strich andächtig mit den Fingerkuppen über das seidenweiche Wangenfell der Khajit, so als müsse sie sich wieder in Erinnerung rufen wie sich dieses angefühlt habe. 

"Du bist stattlicher denn je ..." murmelte sie versonnen, ließ ihren Blick über die sehnige Gestalt und den gefetteten ledernen Kürass schweifen, der dem Leib der Khajit so eng anlag wie eine zweite Haut. 

"Ich wollte nicht unhöflich sein und mich davon schleichen ..." erklärte sie sich schließlich leise, für einen Augenblick wirkte sie nahezu schüchtern. "Erschienst du mir doch in sehr vertraulicher Runde mit deinen Freunden ... ich wollte eure Gemeinschaft nicht stören". 
Antworten
#3
Mezu neigte leicht den Kopf und lies Eca gewähren. Ungewöhnlich, dass sie kein Zeichen des Unbehagens von sich gab, wie es sonst der Fall war, wenn Fell-lose sie zu Berührungen oder anderen Intimitäten einluden. Nicht einmal die weißen Reißzähne zeigte sie ihr.
"Du störrst nicht, ganz und gar nicht. Komm, wirr wollen uns unterrhalten - ein wenig abseits von diesem Lärrm, ja?"
Mezu nickte zu dem Kreis aus flackerndem Feuerschein hinüber, wo nun ein neuer Erzähler aufgetreten war und mit lauter Stimme umständlich schwadronierte.

Die türkishellen Augen der Khajiit fingen das Licht ein und spiegelten es wieder, während sie ruhig auf Ecas Antwort wartete.
Antworten
#4
Eca nickte, kam der einladenden Geste der Khajit nach und begleitete sie ein Stück, entfernte sich mit ihr von der am heutigen Abend doch stärker frequentierten Strasse über eine Wiese die hinunter zum nahe gelegenen Flussufer führte. Mit einer beiläufigen Bewegung raffte sie den Saum ihrer langen Robe hoch als sie durch das knöchelhohe Gras schritt. Am Flussufer angekommen lauschte die Marapriesterin für ein paar Herzschläge versonnen dem Flüstern des Wassers und dem Glitzern des Sternenlichtes auf den Wellen ehe sie Mezu'ru das Gesicht zuwandte. 
"Viele Dinge haben sich verändert, Mezu'ru ... seit wir uns das letzte Mal sahen" brach sie als Erste die Stille, die zwischen ihnen lag, mit einem stillen Lächeln auf den Lippen. "Du wirst Fragen haben, so wie auch welche in meinem Herzen brennen".
Antworten
#5
"Allerrdings," nickte Mezu mit einem trockenen Lächeln. "Diese hat glaubhafte Berrichte gehörrt, dass Du nicht mehrr unterr den Lebenden weilst, ja?"
Nachdenklich setzte sie hinzu : "Obwohl diese verrstehen kann, wenn Deine Geheimnisse in Deinerr Kehle bleiben müssen. Diese hat auch einige, die niemals überr ihrre Lippen trreten, ja."
In den raubtierhaften Minen des Khajiitvolkes war es immer schwer, Verständnis oder Mitleid zu erkennen - zumal im Halbdunkel - und dennoch könnte man meinen, dass zumindest Duldung in Mezu`s Gesicht zu lesen war.
Antworten
#6
Eca schwieg eine Weile, sah versonnen auf das Wasser hinaus. 
"Du kannst den Gerüchten Glauben schenken, die du vernahmst ..." murmelte sie leise, wandte dann der Khajit das Gesicht zu. 
"Sie sind wahr". 
Wieder lag Schweigen zwischen ihnen in der man nur das muntere  Rauschen des Flusses vernahm. "Aber es gibt Dinge die es unbedingt erfordern, dass man sie zu Ende bringt." 
Sie verstummte erneut, schlang die Arme um den Oberkörper als friere sie. 
"Ich ..." Sie stockte. "Ich ... ". Sie atmete ein paar Mal bewusst durch, so als müsse sie Kraft sammeln. "Meine Göttin führte mich vor ... vor langer Zeit auf einen Pfad den ich nun zu Ende gehen muss. Und der es mir ... jetzt nicht gestattet an der Seite meines Gatten zu weilen...". 
Sie lächelte traurig. "Und der es von mir verlangte durch diese Tür zurück zu schreiten um meine Aufgabe zu Ende zu bringen".
Eca wandte Mezu'ru das Gesicht zu auf dem wider erwarten ein sanftes Lächeln stand, das allmählich zu einem losgelösten Strahlen aufleuchtete. "Und das werde ich!" verkündete sie mit fester Stimme. "Ich werde bestehen ...".
Antworten
#7
"Geht es um diesen ... Zauberrerr..? Diese dachte, err sei - " Mezu neigte in einer khajiitischen Geste das Haupt und streckte die langen Finger, ein Zeichen des Respektes beim Katzenvolk - "unterr grroßen Mühen besiegt worrden...?"
Antworten
#8
Unmerklich zuckte Eca zusammen. Lange schwieg sie, schien in ihren Gedanken nahezu gefangen zu sein. Schließlich schüttelte sie, immer noch abwesenden Blickes, den Kopf. Erst nach geraumer Zeit suchte sie wieder Blickkontakt mit der Khajit. 
"Nein ..." entgegnete sie leise. "Er ... existiert immer noch ... deswegen bin ich zurück gekehrt." Sie lächelte traurig, für einen Moment lang schweiften ihre hellen grünen Augen über das sich sanft im Wind wiegende Gras. "Um zu beenden was ich einst begonnen habe ... die Götter zeigten mir einen Weg wie ich meinen Widersacher besiegen kann ... und werde."
Antworten
#9
"Hrrrm..." machte Mezu nachdenklich. Ein langer, türkiser Blick taxierte Eca, ihre jugendlich wirkende Gestalt, ihre offensichtliche Anspannung.
"Nurr ein Vorrschlag, ja? Vielleicht wärre es gut, dieserr soviel wie möglich zu errzählen. Sie.. sie kann helfen, ja?"

Mezu nickte Eca zu zum Zeichen, dass sie Zeit hatte, sich auch eine längere Geschichte anzuhören.
Antworten
#10
Eca nickt. "Ich habe nicht vor etwas vor dir zurückzuhalten". Sie bedenkt die Khajit mit einem warmen Lächeln. "Du hast bereits soviel getan, Mezu'ru ... indem du nach meinem Sohn Ausschau gehalten hast - ihn unter die Schatten der Wälder gelotst hast...". Mit einer beiläufigen Geste streicht sie sich eine Strähne des hellen Haares aus der Stirn.  "Dafür bin ich dir unendlich dankbar". Sie seufzt. "Wo soll ich beginnen?!" fragt sie, mehr zu sich selbst.
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 2 Gast/Gäste