Später am Abend
#11
Mezu verbarg ihren überraschten Gesichtsausdruck recht gut; schon das zweite Mal heute abend, dass Eca sie auf dem falschen Fuss erwischt hatte. "Dann weisst Du, dass Dein Sohn unterr uns ist, ja?" Mezu suchte in den ihr immer noch ein ganz klein wenig fremden Gesichtszügen der Mer nach Emotionen. Warum hatten die Fell-losen auch keine Ohren, keine Schnurrhaare, die eindeutig zeigten, was man fühlte?
"Diese dachte, Du wärrst damit vielleicht nicht einverrstanden. Zuviel Gefahrrr... " Mezu liess das letzte Wort in einem dunklen Knurren enden, dass für ihr Empfinden viel eher dem Wort entsprach, dass sie von sich geben wollte.
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#12
Auf Ecas Gesicht trat ein amüsiertes Lächeln. Sie kicherte, dann lachte sie offen ... und es dauerte tatsächlich eine Weile bis sie wieder an sich halten konnte.
"Wir reden hier von meinem ... Veyar?!" fragte sie, so als müsse sie sich vergewissern, dass Mezu'ru auch gedanklich bei der gleichen Person weilte.
Mit einem ergebenen Seufzen schüttelte sie den Kopf und verschränkte die Arme vor der Brust. "Veyar hat seit er ... laufen konnte ... nichts anderes im Sinn gehabt als von seiner Neugier umgetrieben zu werden und mit Hingabe Unfug anzustellen!"
Sie schüttelte resolut den Kopf; sodann lächelte sie bei dieser Erinnerung. "Er besitzt einen wachen Verstand und eine ausgeprägte Hilfsbereitschaft...ganz gleich wem gegenüber".
Ihr Blick wirkte ein wenig abwesend, für einige Herzschläge weilte er am sternenbestickten Firmament.
"Maras Lächeln liegt auf ihm ...".
Schließlich seufzte sie. "Leider ist er manchmal sehr risikofreudig und zu impulsiv ... Ich bin froh, dass er ... nun Freunde gefunden hat, die ihn erden können und ihm helfen zu seiner Mitte zu finden ... und deren Sache er sich verschreiben kann ohne dabei seine Authentizität zu verlieren!"
Dankbar nickte sie Mezu'ru zu, dann schmunzelte sie verschmitzt.
"Ich möchte weder die Jahre meiner gedankenlosen Jugend missen in denen ich hochtrabend leichtsinnig in verstaubten Ruinen herumirrte um Beweise für meine Visionen zu erlangen ... noch meine Freunde, die meinen Weg damals begleiteten." Sie macht eine kurze Pause.
"Die Faer Eryn waren meine Familie ... sind es bis heute. Ich bin glücklich darüber, dass Veyar ..." Sie lächelte sanftmütig "... diesen Teil der Familie nun auch kennen gelernt hat".
Die heitere Stimmung verschwand alsbald aus ihren Augen. "Du fürchtest, dass mir dieses Ansinnen zu gefährlich sei?!"
Sie seufzte. "Das ganze Leben ist lebensgefährlich, liebe Mezu ... wir können nur versuchen diesen Gefahren mit Achtsamkeit und Mut zu begegnen."
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#13
Mezu grinste, als Eca Veyars Charakterzüge aufzählte. Schliesslich und letztendlich hatte sie ihn ja vor allem deswegen kennen gelernt, weil er ihr in Mancherlei gar nicht so unähnlich war...
Doch dann nickte sie respektvoll. Gerade ihre eigene Geschichte bewies ja, wie recht Eca mit der Aussage hatte, dass alles im Leben gefährlich sei.
In der falschen Ecke von Senchal geboren zu werden zum Beispiel, das war sehr gefährlich gewesen.
Mezu hatte am eigenen Leib erfahren, wie gefährlich...
"Du hast rrecht," stimmte sie zu. "Wirr sind eine grrosse Familie. Ohne sie hätte diese nicht überrlebt. Diese hofft, dass sie noch wächst... schlagkrräftigerr wirrd, weisst Du... und anderren Leuten Schicksale wie das von dieserr errsparrt."
Eins von Mezus Ohren klappte nach hinten, lauschte in das samtene Dunkel der grünen Wiesen von Phaer. Die türkisgrünen Augen flammten kurz auf, als sie das Licht einer nahen Laterne wiederspiegelten.
"Aberr Du wolltest dieserr von Deinerr Aufgabe errzählen, ja? Diese hörrt gerrn. Oderr wünschst Du einen verrtrraulicherrerren Rrahmen, hrrm?"
Noch einmal sah sich Mezu um. Sie konnte niemanden in Lauschreichweite entdecken, der Platz schien ihr sicher - und doch hatte sie gelernt, dass Altmer und Menschen Häuser und Räume zumeist als sicherer als die freie Natur ansahen. Abwartend blieb sie neben Eca stehen.
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#14
Eca betrachtete die Khajit einen versonnenen Augenblick lang, fasziniert von deren Ohrenspiel, welches in der samtenen Dunkelheit der Nacht wohl nach unliebsamen Mithörern spähte. 
"Nein" entgegnete sie hingegen ruhig "Es ist schon in Ordnung ... hier draußen ... unter dem Sternenlicht fühle ich mich meiner Herrin nahe ... und das verleiht mir Zuversicht" erklärte sie leise. Sie schlang die Arme um den Oberkörper als friere sie. Zunächst schwieg sie, betrachtete dabei gedankenverloren das silberne Glitzern, mit welchem das kalte Licht der Sterne auf dem munteren Wasserlauf tanzte. 

"Meine ... Geschichte ...". Sie lachte einen Augenblick trocken. "Die Aufgabe, die mir zuteil wurde ....". Sie atmete tief durch. "Sie begann bereits vor langer Zeit ... als ich noch eine junge Novizin war und mich der Aufgabe gewidmet hatte einen freundschaftlichen Austausch zwischen Priestern unterschiedlicher Völker und Glaubensformen zu bewirken." Eca strich sich eine blonde Haarsträhne aus dem Gesicht, mit welcher den Wind sanft spielte. Sie lächelte etwas unbeholfen. "Was ursprünglich als so etwas wie ein diplomatisches Vorhaben begann ... wandelte sich in etwas gänzlich anderes ... aber das ...". Sie unterbrach sich einen Augenblick. "Hätte ich das vor vierhundert Jahren gewusst ... wären mir womöglich unüberwindbare Zweifel gekommen" gab sie zu bedenken.

Sie machte einen bewussten Atemzug. "Doch manchmal ist es ein Segen, dass wir nicht wissen welches Schicksal uns die Götter zugedacht haben...". Sie suchte Mezu'rus Blick. "Alles was wir benötigen ist Vertrauen ... in die Zukunft, in unser Schicksal ... in das Wirken der Götter." Dann lachte sie unbeschwert, und sie klang dabei wie ein junges Mädchen. "Aber diese Weisheit hatte sich mir zum damaligen Zeitpunkt noch nicht offenbart!"
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#15
"Hrrrm," war alles, was Mezu dazu zu sagen hatte. Altmerische Weisheiten und Zweifel an Vergangenheiten gehörten zu den Dingen, die Mezu wohl immer verschlossen bleiben würden.
Für Mezu war geschehen, was geschehen war. Sie lebte im Jetzt, und das das Jetzt so war, weil in der Vergangenheit irgendwelche Dinge irgendwo passiert waren - nun, das war Mezu bei bewusstem Nachdenken wohl klar, aber das war auch schon alles. Warum über etwas nachgrübeln, was man sowieso nicht ändern konnte? Für solche tiefschürfenden Überlegungen war sie wohl zuviel Raubtier - oder zu pragmatisch veranlagt.
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#16
Nach kurzem Schweigen nahm Eca ihre Geschichte wieder auf.
"Es ist, wie gesagt, schon nahezu vier Jahrhunderte her, dass Mara mir diese Pflicht offenbarte..." begann sie in leisem, wenn auch ruhigem Tonfall.
"Ich hatte meine Familie nur wenige Jahre zuvor bei einem Schiffsunglück verloren und mein Leben seither meiner sanften Göttin gewidmet ...". 


Ein trauriges Lächeln umspielte ihre Lippen für einen kurzen Augenblick. "Ich war sehr gelehrig und studierte viel ... mein besonderes Interesse galt den Erfahrungsberichten von Priestern unterschiedlicher Religionen und ich durfte so manches konservierte priesterliche Tagebuch studieren, welche es mir gestatteten mich in die Glaubens- und Wertevorstellungen auch längst verblichener Götterdiener einzufühlen. Zu diesem Zweck pilgerte ich zwischen verschiedensten Klöstern hin und her, und es war mir vergönnt in so manche Bibliothek und vielerlei Chroniken Einsicht zu erhalten." 

Sie zuckte mit den Schultern, machte eine um Vergebung bittende Geste mit den Händen in Mezu's Richtung. 

"Ich weiß, deine Begeisterung hätte man damit wahrscheinlich nicht zu entfachen vermocht". Sie machte eine kurze Pause, lachte dann mit einem entschuldigenden Schulterzucken, wurde daraufhin jedoch wieder ernst. 


"Beim Studium solcher Tagebücher machte ich eine sonderbare Entdeckung... eine Sache, die mir immer wieder auffiel ... und die mir keine Ruhe ließ".
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#17
Mezu hatte erneut die Umgebung gesichert. Der Fackelschein von der nahen Lichtung störte ihre Nachtsicht, so dass sie das gegenüberliegende Ufer nicht genau erkennen konnte. Doch ihre anderen Sinne vermittelten ihr Sicherheit, Alleinsein.
Eigentlich machte sie nicht den Eindruck einer sonderlich guten Zuhörerin; dennoch nickte sie, als Eca davon sprach, dass derlei Studien sie nicht interessieren würden. Sicherlich hatte sie damit Recht. Dieses alte Gelehrtenzeug... zumal in der Sprache von vor hunderten von Jahren... dachte Mezu amüsiert. Sie war ziemlich sicher, dass sie ihr dreissigstes Lebensjahr überschritten hatte, aber mehr auch nicht. In den Slums von Senchal wurden keine Geburten registriert und keine Geburtstage gefeiert; schon gar nicht mit Geschenken. Mezu konnte sich an einen Tag erinnern, als sie zusammen mit den anderen Straßenkindern eine ganze, wundervolle Wurst auf dem Müll gefunden hatte und sie in dem unweigerlich darauf folgenden Kampf tatsächlich einen Großteil dieses Leckerbissens für sich erringen konnte. Sie hatte mit ihrem Vater geteilt, und dieser hatte von einem Festessen gesprochen... ja, dieser Tag war ihr in Erinnerung geblieben als etwas strahlend Einzigartiges und Gutes. Aber über so etwas würde sie mit Eca nicht sprechen. Altmer waren... nun, sie mochten langlebig und weise sein, aber Verständnis für Andere war - zumindest nach Mezus Meinung - nicht ihre Stärke. Sicher, für andere Altmer vielleicht, aber für die Khajiiti oder die Argonier, für jemanden, dessen Natur und dessen Bedürfnisse sich von den ihren so total unterschied - nein, da hatte Mezu viele Erfahrungen gemacht und war deshalb argwöhnisch. Sie kannte viele Geschichten von Eca, und viele lobten ihre Weisheit und Stärke, ihre Gelehrsamkeit und auch ihre Besonnenheit - aber über ihre Herkunft und ihre tatsächlichen Interessen an den Faer Eryn und ihrem geheimen Wissen würde sie mit ihr nicht vorbehaltlos sprechen.
Sie bleckte die langen Reißzähne nach der lauen Brise, die vom Wasser her herüberwehte. Unbewusst hatte sie die langen, krallenbewehrten Hände an ihre Dolche gelegt.
"Hrrrr....Und die wärre....?" In Mezus Stimme hallte ein knurrender Donner. Manche hätten von kaum noch beherrschter Ungeduld gesprochen - oder war es nur die Erinnerung an ihre Vergangenheit, die sie so zornig klingen ließ?
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#18
Ein wenig irritierte der knurrende Unterton in der Stimme der Khajit die Marapriesterin. Sie blinzelte einige Herzschläge lang verwirrt, fand aber sodann wieder zu ihrer Contenance zurück.

Sie war nicht hier um zu zaudern.

 Und da Mezu’ru auch für ihren Sohn innerhalb der Faer Eryn eine wichtige Position einnahm war ihr daran gelegen, dass die Khajit verstand, welchen Weg sie unabdingbar beschreiten musste. Veyar würde den Rückhalt seiner Freunde benötigen wenn die Zeit gekommen war...

„Einige der Tagebücher die ich las“ fuhr sie also fort „enthielten merkwürdige ...“ sie zögerte, suchte einen Augenblick nach den geeigneten Worten. „Nun ... Persönlichkeitsveränderungen...“ beschied sie dann, schien das geeignete Wort zu sein. „Aus gottesfürchtigen Männern und Frauen, die ihr Leben ihren Schutzbefohlenen gewidmet hatten und am Dienst ihrer Götter orientierten wurde ein ... ein Wesen voller Selbstsucht und durchtriebener Schläue, die einzig und allein dem Zweck dienlich war sich selbst zum Vorteil zu sein“. Eca verzog die Lippen zu einem dünnen Strich. In ihrer Miene spiegelten sich Zorn ... und auch ... Furcht wider.  „Und nicht nur das“ griff sie nach einem kurzen Luftholen das Wort wieder auf.  

Sie strich sich einige Haarsträhnen aus dem Gesicht, die der Wind in ihre Sicht gelockt hatte. Es war kühl geworden, sodass sie die Kapuze ihrer Robe etwas enger in den Nacken schob.

„Mit diesen Veränderungen im Denken und ... Fühlen besagter Priester ... änderte sich auch das Schriftbild – das war in der Tat das Allererste, das mir aufgefallen war. Es war ... es war tatsächlich so,  als ob ein anderer ... sich der Körper und der Leben dieser Priester bediente ... als wären sie lediglich ein exquisites Gewand.“

Eca schauderte. „Diese Entdeckung machte ich in voneinander unabhängigen Klöstern, und sie spiegelten unterschiedliche Epochen wieder – es war also zwischen dem einen und dem anderen Tagebuch durchaus Zeit vergangen. Was mich ... stutzig machte ... und mich in Sorge stürzte. Ich ... ich ... ahnte damals noch nicht, womit ich es zu tun hatte. Aber mir war sehr wohl bewusst, dass dies etwas war, das den Göttern zuwider war.“









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#19
Nun hatte Eca tatsächlich Mezus volles Interesse. Verschwunden das unruhige, raubtierhafte Umhergehen, das Lauschen auf die Geräusche der Nacht und das Umlegen der Ohren.
Türkisfarbene Augen musterten Eca aufmerksam, das beige befellte Gesicht mit den markanten braunen Flecken war ihr zugewandt. Ein Zöpfchen in der Mähne hinter dem Ohr wurde unwillig beiseite geschüttelt, als sei jetzt nicht die rechte Zeit für Schmuck und Tand. Ja, Mezus ganze Haltung drückte Aufmerksamkeit aus - die sprungbereite Aufmerksamkeit eines Raubtiers, das sie ja schliesslich auch war.

"Interessant." Alle Zeichen von Ungeduld oder Zorn waren verschwunden - nur der Schwanz schlug sachte hin und her, wie bei einer Katze auf der Lauer. Was immer Eca erzählen wollte - nun hatte Mezu angebissen.
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#20
„Ich berichtete meiner Äbtissin von meinen Funden, und auch sie teilte meine Sorge, bat mich weiter zu forschen und die Spur der ominösen Tagebücher weiter zu verfolgen. Auch offenbarte mir meine Göttin in einer Vision, dass es mir ...“. 
Ein scheues Lächeln trat auf ihre Züge. „ ...dass es mir möglich sein würde diesen Feind zu besiegen.“ 


Sie hielt inne, schien in sich hinein zu lauschen während ein verklärter Ausdruck ihren Augen innewohnte. Nach einigen Herzschlägen jedoch atmete die Marapriesterin einige Male durch und betrachtete die Sterne am nächtlichen Himmel. 
„Hier ...“ Eca lächelte. „... kamen die Faer Eryn mir zu Hilfe und jahrelang war ich mit meinen Gefährten unterwegs um verlorenes Wissen zu sammeln und jener Präsenz auf die Schliche zu kommen, die ich heute den Seelentyrann nenne.“ 


Sie schweigt einen Moment lang. 
„Einen Namen ... hat er nicht. Oder sie ... ich weiß bis heute nicht, ob mein Feind irgendwann einmal seinen langen götterverlassenen Weg als Mann oder Frau begann. Ich weiß nur, dass er den Tod dadurch überlistete, dass er ... dass er von Lebensspanne zu Lebensspanne wie ein Parasit von Körper zu Körper weiter wandert... Und dabei ausschließlich auf solche Opfer aus ist, die ihr Leben einer Gottheit gewidmet haben.“

 
Ecas blasses Gesicht gewinnt an Farbe, ihre Wangen leuchten, sosehr bringt die Erinnerung ihr Blut in Wallung. 


„Aber der Seelentyrann tötet die Seele des Priesters nicht. Er ... er knechtet sie, unterwirft sie sich ... solange bis der Körper verbraucht ist und stirbt. Denn solange die Seele eines Priesters noch in dessen Körper weilt ... solange ist dessen jeweilige Gottheit noch nicht bereit den in sich selbst gefangenen Diener aufzugeben ... besitzt Hoffnung für ihn - und auf diese Art und Weise ist dem Körper eine gute Regeneration und eine normale Lebensspanne gegeben. Ein Körper, den der Tyrann lediglich wie ein Gewand trägt, verfällt schneller... ist für meinen Feind demnach von geringerem Wert.“ 


Eca fährt sich mit einer Hand durch das helle Haar. 


„Zudem giert er nach Wissen. Und Wissen kann er nur den Erinnerungen, also der Seele seines Opfers entnehmen. Würde er diese vernichten ... käme er nicht an seine Erinnerungen und die Lebenserfahrungen heran, die der befallene Priester bis zum Zeitpunkt seiner Unterwerfung gemacht hat.“

Sie schüttelt angewidert den Kopf. 



"In zweifacher Hinsicht ist er also ein verderbter Parasit - er labt sich an Körper und Geist seiner Opfer. Und um dies zu enden sandte Mara mich aus." 
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