Die Weisheit der Maormer...
#11
In Veyars Kopf schien von dem gestrigen Schlag auf den Schädel immer noch eine stumpfe Kugel inne zu wohnen - die nun, da der Atronarch ihn schüttelte, dumpf hin- und hergeschlagen zu werden schien. Veyar wurde übel und ihm war als tanzten kleine Fackelkäfer vor seinen Augen einen lustigen Reigen um ihn zu verspotten. 

'Du weißt was zu tun ist. Lass los ... Vertraue!' vernahm er Aravirs Stimme in seinem Herzen, so nahe in seinen Ohren als stünde er unmittelbar neben ihm. In seinen Ohren rauschte der Puls. 
'Dazu muss erst mal dieses Mistvieh los lassen!' schoss ihm ein sarkastischer Konter durch den Kopf ... auch wenn er fühlen konnte was Aravir meinte. Natürlich ... 

Mach' einfach ... vernahm er abermals das Echo ihrer Stimme. So heiter, so leichtfertig ... es klang so einfach. 

Er versuchte sich zu konzentrieren ... was nur mäßig gelang, da ihm war als ob das ganze Weltgefüge bebte ... Er versuchte sich das Feuer vorzustellen, das in ihm schlummerte ... die Wiege von Maras Phönix ... versuchte einen Teil daraus zu schöpfen und sie dem Atronarchen in der Absicht ins Antlitz zu schleudern ihn zu blenden oder wenigstens abzulenken. Ihm war als könne er die Flammen geradezu körperlich spüren, physisch ergreifen ... in seiner Hand glomm ein Licht auf, hell und feuerrot ... nur um sodann durch eine besonders heftige Erschütterung der gigantischen steinernen Klaue, die seinen Leib umschlossen hielt in einem qualmenden Wölkchen zu verpuffen.
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#12
`Sarkasmus... Er denkt zu viel. Noch immer.`
`Konzentriere dich.`
, wies er den Jüngling scharf zurecht, besorgt, ob der Wut des Atronarchen.

Deutlich spürte Aravir Veyars Versuch, nach seiner Kraft zu greifen. Eine Kraft, die ihm immer schon innegewohnt hatte, die er - Aravir - gespürt hatte, lange bevor Veyar sie bewusst zur Kenntnis nahm. Eine Kraft, die er nicht beachtet hatte, solange er auf seine Magie hatte zurückgreifen können.

Das Seelenfeuer...

Machtvoll, gleichermassen heilsam wie verzehrend...
Oh, er vermochte es zu nützen. Intuitiv.
Willentlich... - nun, daran arbeiten wir noch...

Aravir nahm einen bewussten Atemzug, zwang sich, Veyars Benommenheit zu ignorieren. Allzu gut kannte er den Fokus, den sein Gemahl nützte.
`Mich.`

Der Baum war das erste, das er in seinem Geist formte. Weisse und lilane Blüten, ein kräftiger Stamm, der Sternenhimmel, der sich darob spannte. Unter diesem Baum hatte er Veyar das erste Mal geküsst. Aravir liess das Echo dieser Empfindung auf sich wirken. Und damit auf seinen Gefährten...
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#13
Mittlerweile war Veyar speiübel von dem unsäglichen Geschüttel, sein Kopf brummte wie ein Bienenstock. Das Knirschen der umherfliegenden Steine des Atronarchenleibes klang in seinen Ohren wie der Donnerhall einer Geröll-Lawine in den Bergen. Für einen Augenblick war er zu keiner einzigen koordinierten Handlung mehr fähig, noch nicht einmal zu einem klaren Gedanken. 


Dann sah er ihn ... den Baum ... diesen Ort, der für ihn eine so tiefe Bedeutung besaß ... der ihm Zuversicht und Hoffnung, Geborgenheit und Sicherheit verhieß.

Das Dröhnen in seinem Kopf blieb zwar bestehen, aber es beeinflusste ihn plötzlich kaum noch, so als habe ein lauer Wind die Schwäche, der er noch vor wenigen Herzschlägen unterworfen gewesen war hinfort geweht. Er sah auf, straffte sich, spannte seinen Körper an und ließ die Kraft, die in seinem Inneren schlummerte schlicht frei ... sie manifestierte sich in einer hellen, feurig lodernden Aureole die seinen Körper einhüllte, immer heller leuchtete bis ... sie schließlich in einer exzentrisch nach allen Seiten hinwegfegenden Explosion aus Licht und Energie zerstob, den Atronarchen mit aller Gewalt erfasste. 

Das einzige, was für die Dauer eines Lidschlages in Veyar ein ... wirklich mulmiges Gefühl verursachte war die Erkenntnis ... dass er sich gerade viele Schritt weit über dem Boden befand.
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#14
Ein Fledermausschwarm flog durch eine klare Nacht und hielt geradewegs auf ein dunkles, altes Herrenhaus zu. Der Schwarm umkreiste den hohen Turm und flog schließlich durch das Fenster in das Studierzimmer. In der Mitte sammelten sie sich und fügten sich zu einer schlanken, hochgewachsenen Altmer zusammen. Melinva erlaubte sich einen tiefen Atemzug. Auch für jemanden wie sie waren dererlei lange Flüge...nicht ganz unanstrengend. Beiläufig betrachtete sie sich im Spiegel - ein par ihrer Haarsträhnen saßen nicht so wie sie sollten. Sogleich griff sie nach dem Elfenbeinkamm und fuhr sich ein par Mal durch die Haare. Gedanklich war sie immer noch in Cyrodiil. Ein leichtes Lächeln kam ihr über die Lippen.

"Die Tharns....Die niederste Form von Ungeziefer dieser Zeit...", dachte sie. Was sie noch mehr amüsierte, als diese blauäugige Naivität war die Schwäche von Alanya. Ihre Gedanken schweiften ab. Sicher - sie hatte nicht viel für Sterbliche übrig, aber noch viel weniger für Mannimarco und seinen Kult - welcher nicht gerade unbeteiligt am Krieg in Cyrodiil war.

Sie ging zu einem Beistelltisch und befüllte einen Kelch mit Blut. Wieder ging sie zum Fenster und verfiel ins Grübeln.
"...Und nun war da dieses nutzlose Balg von einem Tharn." Es juckte Melinva richtig in den Fingern ihr noch mal aufzulauern - und sei es auch nur um sie an die natürliche Ordnung zu erinnern, sofern sich der Dunmer nicht ihrer angenommen hatte - was sie bei Veyars Anwesenheit bezweifelte.

Etwas an ihm war interessant. Auf Melinva wirkte er nicht so verblendet wie der Rest dieser Vagabunden.

"Vielleicht sollte ich ihn besuchen?", lachte sie. Immerhin stand da noch ein Kopfgeld im Raum - und er war Sarinjas Lehrer.
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#15
Veyars magischer Ausbruch sprühte, schwebte, floss... durch den Atronarchen hindurch und löste Magie und Stein von einander. Wie alle Daerdra konnte auch der Felsatronarch nicht wirklich sterben. Als die magisch herbeigerufenen Moleküle ihre Bindungen verloren, zog es sie zurück ins Reich des Vergessens, substanzlos so wie all die unzähligen anderen Daedra vor ihm.
Tatsächlich war damit Veyars Halt, fünf Meter über dem Boden, endgültig fort, und er fiel und prallte hart auf den Erdboden. Sein Sturz verdrehte sein Bein, knickte seinen Knöchel wie einen trockenen Strohhalm - und verwischte den Schutzzirkel, den er um die Truhe und sich selbst gezogen hatte - doch ansonsten herrschte Stille.
Ruhe und Frieden, hätte man sagen können - wäre es nicht so lächerlich gewesen in Anbetracht dessen, was gerade passiert war. Und was würde in drei Stunden sein....?
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#16
Ungebremst stürzte Veyar in die Tiefe. Seine Benommenheit, durchtränkt von jenem sonderbar transzendenten Glücksgefühl ob der erfolgreich gewirkten Liturgie, verhinderte, dass er den grasigen Grund und Boden in beängstigender Geschwindigkeit auf sich zurasen sehen konnte.

Der Baum ... seine lieblichen Blüten ... das Strahlen in Aravirs goldenen Augen ... war das letzte woran er sich erinnerte - ehe ihm der harte Aufprall auf den Boden das Bewusstsein so rasch raubte wie ein beherzter Atemstoß benötigte um eine Kerze zum Verlöschen zu bringen.

Dunkelheit umgab ihn, und in diesem Augenblick der Schwebe schien die Zeit den Atem anzuhalten, sodass Veyar sich hinterher nicht mehr erinnern konnte wie lange er bewusstlos gewesen war.
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#17
Aravir schrie auf, als ein stechender Schmerz durch sein Fussgelenk jagte, sich in pulsierenden Wogen durch seinen Körper frass und Hammerschlägen gleich die Pfeiler seiner Selbstbeherrschung ins Wanken brachte. Dann trieb ihm Veyars Aufprall die Luft aus den Lungen. Der Paladin stöhnte auf, zog scharf die Luft ein... ein Gefühl, als kratzten Glasscherben über seine Lungen. Er keuchte, presste die Hand auf seinen Rippenbogen. Verständnislose, teils gar missbilligende Blicke richteten sich auf ihn, der die Ruhe der heiligen Tempelhalle störte. Aravir gewahrte sie nicht. Seine Gedanken waren bei Veyar, der weitaus grössere Probleme hatte als einen gebrochenen Fuss. Aravir war froh, dass sein Liebster das Bewusstsein verloren hatte, verwehrte sich selbst diese Gnade. Mühsam drängte er die Benommenheit zurück, die gierigen Klauen gleich nach ihm griff, ihn sanft umgarnte, ihn verlockte, seinen Widerstand und damit den Schmerz zu enden.

Von irgendwoher waren leise Schritte zu vernehmen, und das Rascheln eines leichten Stoffes. Geschwinden Schrittes eilte Renis Sulydan, Aravirs Schülerin, heran und fasste ihren Mentor nach kurzem Zögern an der Schulter, suchte ihn aufzurichten und sah ihn erwartungsvoll an.
"....Paladin?!", erkundigte sie sich in besorgtem Flüsterton.

Aravir schüttelte sacht den Kopf, nur kurz suchte er Blickkontakt. "Sorge dafür, dass ich nicht gestört werde.", wies er sie knapp an, nur um sich sogleich wieder auf Veyar einzustimmen. `Mein Fürst! Ich bedarf Deiner Gnade! Ich ersuche Dich...` Den Schmerz aus seinem Bewusstsein bannend, fokussierte er sich auf das Licht in seinem Inneren, um dieses nach aussen hin zu manifestieren. Er wusste, dass er Veyar auch über diese Entfernung heilen konnte. `So wie du dereinst mich geheilt hast, Geliebter....`

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OCC: Renis getippst von Uti.
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#18
Der Kampflärm weckte die anderen. Da der Felsatronach spurlos verschwunden war, bis sich alle den Schlaf aus den Augen gerieben hatten, mussten die Gefährten erst einmal herausfinden, was Veyar eigentlich zugestoßen war.
Doch auch ohne dieses Wissen machten sich die Heilkundigen unter ihnen daran, dem schwer Verletzten zu helfen. Nicht nur war Veyars Bein eine Ruine, auch seine Rippen waren gebrochen und stachen in seine Lunge.
Lynrr, der khajiitische Mara-Priester, gab viel von seiner Kraft, um ihn am Leben und Atmen zu halten. Das Bein schienten Liahnnee und Hazarban-dar, doch schliesslich musste auch Hazarban noch seine Kraft geben, um ihn wieder halbwegs gesunden zu lassen.
Kaum hatte man den Verletzten versorgt und eine Transportmöglichkeit für ihn gefunden, als die drei Stunden um waren - und prompt tauchte der nächste Daedra auf; ein Skamp nur, doch er ging mit derselben zielstrebigen Entschlossenheit vor wie der Atronarch. Die Truhe - oder zu töten - war offensichtlich sein Ziel. Linaris und Anuriel konnten ihn abwehren, und wie der Atronarch zuvor löste er sich spurlos auf.

Dann untersuchten die Gefährten die Truhe. Sie fanden einen Gegenstand, der in den Augen aller nicht allzuviel Sinn ergab. Er sah aus wie der Boden einer Milchflasche, den man sehr sorgfältig aus Bergkristall nachgeformt hatte. Er war schwer, aber filigran gearbeitet - und er war offensichtlich unvollständig. Zunächst dachten die Faer Eryn, er sei vielleicht dazu gedacht, eine oder mehrere der beigelegten Schriftrollen zu halten - doch der Versuch, eine der Schriftrollen aus der Truhe in den Glasboden zu stellen, führte dazu, dass sie in Anuriels Hand zu Staub zerfiel.
Offensichtlich waren sie viel zu alt, um gelesen oder auch nur angefasst zu werden.

Und nun? Ein weiterer Skamp, der aus dem Nichts auftrauchte, unterbrach die Überlegungen der Gefährten. Wieder versuchte er, an die Truhe zu kommen. Um ein Haar hätte er sein Ziel erreicht, wenn Liahnnee ihn nicht abgewehrt hätte. Ein hässlicher, vergifteter Biss in ihre Hand war die Folge - und wieder hatten die Heiler alle Hände voll zu tun.

Was nun? Schliesslich beschloss man, den seltsamen Gegenstand und die Schriftrollen in der geschützten Truhe erst einmal aus dem Kampfgebiet heraus zu bringen. Dann würde man sich um eine Konservierung der Schriftrollen kümmern.. und dann... würde sich hoffentlich eine Lösung für das Daedra-Problem finden lassen.
Es lagen nur leider noch viele Wegstunden vor den Gefährten, bis sie sicheres Gebiet erreichen würden. Und keiner von ihnen würde, soviel stand schon fest, länger als drei Stunden am Stück schlafen können....
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#19
Veyar war durch die sich aufbauende Kraft des Seelenbandes hin langsam wieder zu Bewusstsein gekommen.
"Aravir ...?!" murmelte er undeutlich, spürte er doch die Nähe seines Liebsten nahezu physisch in seiner Nähe.
"Aravir ist nicht hier ..." vernahm er Anuriéls besorgte Stimme. Mitfühlend hatte sie ihm eine Hand auf die Schulter gelegt. Verschwommen erkannte er die Gesichter seiner Gefährten um sich ... und ihr sorgenvolles Mienenspiel. 
'Die Truhe ...!' schoss es ihm durch den Kopf. Er versuchte sich aufzurichten als ... plötzlich ein nicht benennbarer Schmerz durch sein Bein jagte, sich durch seine Eingeweide fraß, und ihn jäh aufschreien ließ als Aaron und die anderen sein gebrochenes Bein wieder in seine ursprüngliche Position richteten und zu schienen begannen. Sein Körper bäumte sich kurz auf ...  dann umfing ihn erneut Dunkelheit.
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#20
Aravirs Konzentration brach, als Veyar das Bewusstsein verlor. Dunkelheit legte sich zwischen ihn und seinen Gemahl. Der Schmerz endete. Das Seelenband schwieg.

Aravirs Hände zitterten unmerklich. Er ballte sie zur Faust. `Er lebt... Seine... Freunde kümmern sich um ihn... Deshalb... hat er das Bewusstsein verloren.` Es fiel Aravir schwer, Veyar gehen zu lassen. Ihn den Faer Eryn anzuvertrauen. `Ich habe mein Wort gegeben, mich nicht in ihre Angelegenheiten einzumischen.` Der Paladin nahm einige bewusste Atemzüge. `Solange Veyar sicher ist...`, fügte die aufmuckende leise Stimme seines liebenden Herzens an.
"Das ist unerhört. Ich verlange zu erfahren, was dies zu bedeuten hat!", vernahm er leise aber aufgebrachte Worte in seinem Rücken. `Hochwürden Thelariel..., ausgerechnet...` Renis versuchte den Erzpriester ebenso leise zu beschwichtigen. Aravir erhob sich, bannte seinen Aufruhr.
`Ich werde auf die Faer Eryn vertrauen.` Er wandte sich dem Hochgeweihten zu. `Vorerst...`
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