Die Weisheit der Maormer...
#31
Nach ein paar belanglosen Sätzen der Unterhaltung mit dem geheimnisvollen Magier, der ebenso die Kathedrale besucht hatte, fand sich Talisiera auf einmal allein wieder.
Lynnrr war davon gewandert, Veyar an Maras Altar in ein Gebet versunken, Mezu eingeschlafen - und wo die anderen waren, das wussten wirklich nur die guten Götter.
Das Vergessen hatte sie alle geholt...! Talisiera hatte ihre liebe Mühe damit, zunächst Liahnnee und Mezu, dann Veyar und schliesslich Anuriel, Linaris und Lynnrr aus ihren jeweiligen Tagträumen zu holen. Ein Tipp des fremden Magiers Zaylin half den Faer Eryn dann weiter: Das blau leuchtende, eiskalte Wasser Kalthafens, aus dem der Legende nach die Daedra geformt werden, sollte zumindest temporär eine heilende und reaktivierende Wirkung auf die Selbstvergessenen haben. Also liefen alle, die sich und ihr Anliegen wieder gefunden hatten, den Rest des Abends mit Eimern durch die Gegend und überschütteten sich gegenseitig, um sich am erneuten Vergessen zu hindern.
Mezu wurde zusehends gereizter, weil sie immer und immer wieder ihre Konzentration zu verlieren drohte. Schliesslich schlug sie vor, den sehr freundlichen, aber redseligen Zaylin zu fesseln und zu knebeln und mit nach Auridon zu nehmen und aus den Fenstern der Kathedrale ein paar Stücke heraus zu brechen. Empört lehnten die anderen dieses Ansinnen ab - und erneut musste Mezu um Wasser laufen, denn Liahnnee und Lynnrr waren schon wieder davon gewandert.

Als sich schliesslich alle tropfnass und erschöpft in der Kathedrale versammelt hatten, öffnete Zaylin ein Portal, verabschiedete sich höflich und verschwand. Mezu und den anderen war es nun genug: auch sie öffneten ein Portal nach Auridon und kehrten wieder auf ihre Heimatebene zurück.
Doch zumindest Mezu hatte Bauchschmerzen, was diesen geheimnisvollen fremden Magier anging, denn sie hatte den Verdacht, dass Veyar und die anderen ihm viel mehr von ihren Absichten und Zielen erzählt hatten, als sie eigentlich sollten.
Und sie hatte keine Ahnung, was überhaupt dieser Mann so wichtiges zu erzählen gehabt hatte. Für sie schien diese ganze Unternehmung ein grässlicher Misserfolg: kein Glas, keine Information, jede Menge nasser Faer Eryn - und ihre eigene, gerade frisch gefettete Lederrüstung hatte von den eiskalten Bädern schon kleine Runzeln davon getragen und würde bestimmt bald Risse bekommen... ganz abgesehen vom Fell, dass nun sorgfältig gebadet, gebürstet und gekämmt werden musste, um dieses seltsame Kalthafener "Wasser" zu entfernen.
Mezus Eindruck von Kalthafen war, kurz zusammengefasst: Leicht schleimig. Alles war ganz leicht schleimig oder schmierig gewesen, selbst das Wasser und sogar - ihrer Meinung nach - dieser seltsame Magier.
Ihn setzte sie auf ihre Liste. Finden, fangen, verhören. Wenn geeignet, rekrutieren. Ansonsten: eliminieren, wenn möglich.
Doch zunächst einmal galt es wohl, herauszufinden, was dieser geheimnisvolle Fremde überhaupt zu sagen gehabt hatte....
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#32
(Hier kommt eine Kurzfassung von dem Gespräch. Ich hoffe ich habe nix vergessen und falls doch bitte ergänzen)

Nachdem sich die Faer Eryn weitestgehend von ihrer vorübergehenden Amnesie erholt hatten, suchte Veyar das Gespräch mit dem mysteriösen Magier. Offenbar war er selbst auf der Suche nach irgendetwas – oder irgendwem.
Dem Magier war aufgefallen dass die Besucher ein reges Interesse an dem Fensterglas der Kapelle hatten und auch der Name Delodiil war dem Magier vertraut. Er schien einiges darüber zu wissen, wie auch über eine Laterne aus jener Stadt. Die beiden gingen etwas abseits, ehe der Magier sein Wissen über den ‚Rulanyil-Klan‘ teilte. Unter ihnen gab es einen begnadeten Handwerker: Neylin’zha.
Während unruhigeren Zeiten trat ein wohlhabender Gönner an ihn heran und beauftragte ihn mit der Fertigung einer Laterne aus einem ganz speziellen Glas – was für Neylin’zha natürlich keine unüberwindbare Herausforderung war.

Veyar hörte sich die Geschichte aufmerksam an und drängte den Magier beinahe schon, ob er denn noch mehr wüsste. Mit den Worten ‚Jede Geschichte hat zwei Seiten‘ enthüllte der Magier einen weiteren Teil:
Neylin’zha hatte eine Frau – nicht er war der Meisterhandwerker sondern sie: Ney'chesh. Allerdings erhielt sie nie die Anerkennung die ihr zustand, weswegen sie recht verbittert starb. Außerdem ließ der Magier durchklingen, dass jene Person bei ihrem Gatten begraben wurde und ihr Geist vielleicht noch auf Nirn wandelt – Verbitterte Geister sollen nur in den seltensten Fällen zur Ruhe kommen.

Als die Mitglieder der Faer Eryn wieder zueinander gefunden hatten, gesellte sich auch Linaris zu Veyar und dem Magier. Natürlich wollte Veyar wissen, woher jener Magier das alles wusste und falls er Schriftstücke oder anderweitig Informationen dazu hätte – ob man sie einsehen dürfe.

Abschließend lachte der Magier und erklärte seine Aufenthalt in Kalthafen. Etwas oder jemand mit dem Namen ‚Mondzahn‘ hat ihn bestohlen. Sollten die Faer Eryn Mondzahns Identität heraus finden, wäre er bereit ihnen Einblick auf die Schriftstücke zu geben.

Bevor der Magier durch das Portal trat kündigte er an, dass er eine Mappe mit Informationen über seinen Dieb in der Magiergilde hinterlegen würde.

(Für diejenigen, die es interessiert)

Die Mappe

Name: Mondzahn
Volk: unbekannt – vermutlich Mer
Geschlecht: unbekannt
Alter: über fünf Jahrhunderte
Angeblich war Mondzahn das erste Mal in Cyrodiil vor über 400 Jahren aktiv und stellte seine ‚Dienste‘ den Adelshäusern zur Verfügung. Meistens erlebten jene danach ‚Pechsträhnen‘ und die Auswahl an möglichen Erben wurde ‚dezimiert‘.
Das letzte Mal tauchte der Name Mondzahn bei einer oder einem Attentäter vor etwa sieben Jahren in Cyrodiil auf – allerdings in den Reihen des Wurmkults. Angeblich soll sie oder er für den Tod einiger hochrangiger Wurmkultmitglieder verantwortlich sein.
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#33
Die Gefährten wurden beim Rücktransport von Kalthafen in alle Richtungen zerstreut. Offensichtlich hatte eine ihnen übel gesonnene Macht versucht, den Teleport zurück nach Auridon zu stören: mit einigem Erfolg.
Die Faer Eryn brauchten eine ganze Weile, um sich erneut zu sammeln, oder zumindest einander zu versichern, dass sie noch am Leben waren. Darüber hinaus hatten diejenigen, die das Portal einigermaßen zielsicher zum alten Leuchtturm nach Auridon geleitet hatte, große Schwierigkeiten mit einer körperlosen Stimme, die ihnen allen unsittliche Angebote machte und den Eindruck erweckte, sie könne sie berühren und ihnen ihre Kleidung ausziehen.
Schließlich schützte Linaris alle mit daedrischen Schutzrunen, die er auf ihre Körper malte. Endlich herrschte Ruhe in ihren Köpfen, und sie konnten anfangen, die Verlorenen und Gestrandeten zu suchen.
Talisiera fanden sie auf einer kleinen Insel südlich von Auridon. Veyar meldete sich auf magischem Wege und gab bekannt, dass er dringend Aravir aufsuchen musste und bald zurück sein würde.
Als letztes fanden die Gefährten Lynnrr, den es ganz in den Nordwesten Auridons verschlagen hatte.
Nur Mezu blieb sang- und klanglos verschwunden.

Schließlich und endlich gab es eine große Besprechung, bei der auch Elkantar in einen Teil der Ereignisse eingeweiht wurde. Endlich wurde klar, dass es galt, die uralte Spur der magischen Laterne zum Clan Rulanyil zurück zu verfolgen, zu Neylin'zha und Neylin'chesh - den beiden Ehegatten, die dieses Ding einst erschaffen hatten.
Wenn man sie irgendwie nachbauen konnte oder das Geheimnis ihrer Herstellung bergeifen, so wäre es möglich, den Schattenmann wieder einzufangen und zumindest eine Weile sicher zu verwahren - wenn man ihn schon nicht zerstören konnte.

Anuríel erinnerte sich, dass es in ihrer Heimat im Valenwald einen Ort gab, der Rulanyils Fall hiess. Sofort wandten sich die Überlegungen der Faer Eryn den bosmerischen Wäldern zu. Würde man dort etwas finden, um dem Schattenmann endlich, endlich auf die Spur zu kommen...?
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#34
Nach einer langen und anstrengenden Expedition und hunderten von Wasserfällen, die die Gefährten inspiziert hatten, fanden sie endlich Rulanyils Fall. Es war kein Wasserfall, sondern eine alte ayledidische Stätte, die ihnen eher zufällig als eine Kuriosität am Wegesrande von ihrer einheimischen Führerin gezeigt worden war.
Der ganze Ort sprach von einstigem Pomp und Luxus - und beherbergte jetzt doch vorwiegend Würmer, Käfer und anderes Getier.
Jedoch täuschte der erste Eindruck der äußeren Kammern gewaltig - sobald sie tiefer in das uralte Gewölbe vorgedrungen waren, stellten sich die wahren Bewohner Rulanyils Fall gegen sie: Untote und ihre Herren, die Wurm-Kultisten, die die uralten Gebeine dieser Stätte für ihre eigenen, unheiligen Zwecke missbrauchen wollten.
So fiel es den Faer Eryn schwer, hinter das Geheimnis dieser Ruine zu kommen.
Doch an vier Stellen fanden sie gelbe Glasscheiben, etwa handtellergroß, die mit einer schwarzen Farbe bemalt worden waren: An der tiefsten Stelle der Ablaufrinne des Wasserfalls, in der Feuerschale einer Opferstätte, direkt an dem großen Lichtschacht über dem Grabmal und im tiefsten Keller, in eisiger Kälte, vergraben unter den schweren Steinplatten: Im Wasser, im Feuer, in Licht & Luft und in der dunklen Erde.
Rätsel über Rätsel türmten sich hier auf, so kam es den Gefährten vor.
Doch Schicht um Schicht legten sie die Geheimnisse dieses Ortes frei:

Diese Stätte war wohl der Stammsitz des Clans Rulanyil gewesen, und Neylin'zha, der berühmte Glasbläsermeister, der auch die magische Laterne geschaffen hatte, war ihr Patriarch gewesen. Überall prangte das Clansymbol Rulanyils, die schwarze Krähe, und auch der Wahlspruch des Clans: "Venimus iterum iterumque", fand sich an verschiedenen Gegenständen.
In der größten Kammer, tief unter der Erde schließlich, fand sich ein Katafalk und darauf die Überreste eines Skeletts, einstmals wohl reich geschmückt und mit Seide und edlen Stoffen bekleidet. Viele kleine Nippesgegenstände aus zartem Glas umgaben den Toten - hier handelte es sich sehr wahrscheinlich um Neylin'zhas Leiche. Links und rechts des Katafalks thronten zwei übermannshohe Krähen, deren leere Augenhöhlen auf das Skelett niederstarrten.

Erst bei näherer Untersuchung entdeckten die Gefährten zwei weitere, interessante Gegenstände: Das eine ein schwerer Ledereinband mit brüchigen Seiten, die über und über mit ayleidischen Schriftzeichen bedeckt waren, zu Füßen des Toten gelegen. Linaris und Veyar konnten schnell herausfinden, dass es sich um eine Art Biographie oder Memoiren des Verstorbenen handelte, offensichtlich von dessen eigener Hand verfasst. Seitenweise lobte er seine eigene Genialität, erklärte den genauen Herstellungsprozess einer winzigen Vase oder erging sich in weisen Ratschlägen, die er der Nachwelt hatte erhalten wollen.
Insgesamt warf das Werk auf seinen Schöpfer das Licht eines egozentrischen und von seiner Wichtigkeit sehr überzeugten Mannes, der sich mit dieser pompösen Grabkammer ein ewiges Denkmal hatte schaffen wollen.
Der zweite interessante Gegenstand war nur ein einfaches Pergament, dass mit einer Wachsschicht überzogen die Zeiten überdauert hatte. Sie enthielt ebenfalls einige ayleidische Schriftzeichen, sowie am Ende ein paar Dwemer-Runen.
Linaris und Veyar hatten es schnell entziffert:
(ayleidisch) Ehemann, den zu heiraten ich gezwungen wurde, hier sollst Du ruhen für alle Zeiten. Deine Clantiere sollen Dir Wächter sein, damit Du dem Wahlspruch nicht noch einmal folgst. Einstweilen...
(dwemer) ... werde ich mich zu meinen wahren Freunden begeben. Auf Nimmerwiedersehen.

Auch die Rückseite des Pergamentes war beschriftet, allerdings hatte die Tinte die Zeiten bei weitem nicht so gut überstanden wie die Vorderseite. Eine genauere Untersuchung würde hier not tun. Linaris behielt das Pergament deswegen bei sich, und die Faer Eryn begannen, zu diskutieren:

Die vier Glasscheiben, die sie gefunden hatten, waren offenbar die Augen der großen Krähen gewesen, die über dem Katafalk des Toten wachten. Sollten sie sie einsetzen?
Oder sollten sie dies lieber unterlassen? Nicht zufällig waren die Scheiben entfernt worden - ja, es sah ja sogar so aus, als habe jemand versucht, sie mit mehreren Methoden zu zerstören oder die in ihnen wohl vorhandene Magie zu entfernen. Wollte Neylin'zhas Frau seinen Verbleib im Tod - oder eher seine Wiederkehr als geistlosen Untoten bewirken? Hatte sie die Krähen gebaut und dann die Glas-Augen entfernt? Oder war das später geschehen?

Veyar drängte darauf, solch eine wichtige Entscheidung erst nach reiflicher Überlegung zu fällen und die Katakomben daher zunächst zu verlassen, zumal die verbliebenen Kultisten alles daran setzten, genug Untote zu beleben, um die Gefährten aus den weit verzweigten Ruinen zu vertreiben - oder ihre toten Gebeine ihrer Armee hinzuzufügen. So nahmen die Faer Eryn alles mit sich, was sie noch weiterhin untersuchen wollten, und flohen hinaus in den Dschungel Valenwalds, beladen mit einer Unmenge neuer Rätsel...
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#35
In ihrer sicheren Zuflucht besprachen sich die Faer Eryn darüber, was nun geschehen sollte.
Zwischenzeitlich hatte Darashí eine Katastrophenmeldung überbracht: Mezu war bei dem Unglück mit dem zerstreuten Portalzauber wohl nicht nur irgendwohin verschwunden - sie war gefangen genommen worden. Er hatte einen Brief erhalten, der sich als eine kurze Botschaft in Altmeri-Runen darstellte:
"Wir haben sie. Hört auf, uns nach zu spüren, oder sie wird sterben."
Der einfachen, gefalteten Rolle Pergament waren zehn abgeschnittene Khajiit-Krallen beigelegt. Wie jeder wusste, war es für einen Khajiit sehr schmerzhaft und mit einer starken Blutung verbunden, die Hand- oder Fußkrallen so weit in die Pfote hinein abzuschneiden.
Darashi, Lynnrr und Aaron waren sofort bereit, alles stehen- und liegen zu lassen, um Mezu zu retten.
Linaris dagegen sah es als gutes Zeichen, dass solche Drohungen gemacht wurden, denn es bedeutete offensichtlich, dass sie etwas sehr Wichtigem auf der Spur waren. Seiner Ansicht nach kannte jeder der Faer Eryn das Risiko der Aktionen, die die Gruppe durchführte, und für Mezu dürfte es wohl ohnehin so gut wie zu spät sein. Zudem gab es nicht den Hauch einer Spur zu ihrem jetzigen Aufenthaltsort, weder auf dem Pergament noch in der Schrift waren großartige Besonderheiten - von dem verwendeten schwarzen Siegelwachs vielleicht einmal abgesehen, dass nicht allzu häufig Verwendung fand, außer, es galt Trauerbotschaften zu verschicken.

Mangels eines brauchbaren Hinweises richtete sich die Aufmerksamkeit der Faer Eryn darum dann doch auf die mitgebrachten Glasscheiben mit den aufgemalten Vogelaugen, die Linaris sicher verwahrt hatte.
Sie waren mit großer Handwerkskunst und Sorgfalt hergestellt worden, soviel war klar. Ebenso eindeutig war, dass sie einen Zauber oder eine andere magische Verwandlung erhalten hatten, und wenn man sie schräg gegen das Licht neigte, konnte man unzählige ayleidische Schriftzeichen erkennen, die auf eine unverständliche Weise in das Glas hinein gewoben worden waren.
Auch das Pergament, Neylin`cheshs letzte Botschaft an ihren Mann, wurde gründlich untersucht. Die verblassten Schriftzeichen auf der Rückseite der Mitteilung waren in Wirklichkeit eine stark verwischte Zeichnung. Nicht alles war mehr erkennbar, aber anscheinend stellte die Zeichnung einen Höhleneingang in einer Einöde oder einer Wüste dar.
Aber wozu?

Schlussendlich stimmten die Faer Eryn ab. Linaris` Vorschlag, die Augen-Gläser doch an ihrem offensichtlichen Bestimmungsort einzusetzen, wurde gründlich diskutiert und schließlich angenommen - nicht zuletzt, weil auch seine größten Widersacher was dieses Thema anging, nämlich Veyar und Talisiera, nicht vor Ort waren und dagegen stimmen konnten.
So machte sich die Gruppe ein weiteres Mal, diesmal auf magischem Weg, nach Rulanyils Fall auf. Die Untoten, die noch immer den Ort heimsuchten, konnten von Elkantar, Lynnrr und Sitharryn'Mar gut in Schach gehalten werden, da die Wurmkultisten dank Liowens aufmerksamer Wache nicht zurück gekehrt waren.

Wieder vor Ort, an dem alten Altar mit den Gebeinen Neylin'Zhas, machte sich Linaris gleich an seine schaurige Arbeit: Er entfernte alle Knochen von dem Grabstein und wob einen Bannzirkel um sie, um sie daran zu hindern, wie die anderen Untoten ständig wieder zu erwachen. Nur den Schädel beließ er auf dem Altar. Dann setzte er die vier Augen-Kristalle in die großen Krähenstatuen. Alle hielten den Atem an, als ein goldenes Licht von ihnen ausging und schließlich den halb-transparenten Körper einer Ayleidin formte.
Es war Neylin'Chesh, die Gemahlin des berühmten alten Handwerkers. Bald begriffen alle Anwesenden, dass sie eine Aufzeichnung der letzten Worte sahen, die Neylin'Chesh an ihren Ehemann gerichtet hatte, und die durchsichtig goldene Gestalt ihre Bewegungen nachvollzog.
Sie sprach in Bitterkeit mit ihrem Ehemann, ganz so, wie die kleine pergamentene Botschaft, die die Faer Eryn schon zuvor gefunden hatten, es auch tat. Und sie wob einen mächtigen Bannzirkel um das Katafalk mit seinen Gebeinen, um ihn daran zu hindern, wieder zu erstehen. Sie selbst hatte die Augen in die Statuen eingesetzt, um diese Botschaft zu hinterlassen, und ihren Zauber an sie gebunden.
Da sie dann, wie in dieser letzten Botschaft angekündigt, die Gläser an verschiedenen Stellen versteckt hatte, konnte die Magie die letzten dreitausend Jahre unbeeinflusst weiterhin wirken. Neylin'Zhas untote Freunde aus den Katakomben hatten wohl zwar ein oder zwei von ihnen gefunden und versucht, sie zu zerstören, hatten jedoch die große Kunstfertigkeit und Magie darin nicht antasten können.
So war Neylin'Zha geblieben, wo er war, auch wenn um ihn herum alles wieder auferweckt worden war.
Doch Neylin'Cheshs letzte Worten waren für die Faer Eryn keine große Hilfe. Kein Hinweis auf das magische Glas oder ihre Herstellung.

Linaris entfernte den Schädel des genialen Handwerkers aus dem Bereich des uralten Bannzirkels und versuchte dann, mit dem Mann selbst zu sprechen. Doch dieser war viel mehr daran interessiert, seinen untoten Körper wieder herzustellen und seine Frau zu verhöhnen, als Linaris wirklich zu zu hören. Fragen nach seinem Handwerk beantwortete er keine, zumal er Linaris und die anderen für Sklaven oder Versuchskaninchen hielt, die seine Frau hier her gebracht hatte, und er steif und fest daran zu glauben schien, dass der Zauber seiner Frau ihn höchstens drei oder vier Monate von seiner Wiederkehr abgehalten hatte.
Ja, eigentlich machte der Sprecher in dem augenlosen, klappernden Schädel denselben Eindruck wie seine Memoiren : Aufgeblasen, egozentrisch und zu nicht allzuviel Nutze.
Auf Linaris bohrende Fragen hin deutete er zumindest an, dass Neylin'Chesh das Geheimnis seines Glashandwerkes viel besser verstanden hatte als er, denn er spöttelte darüber, dass er ihr und ihren vermeintlichen Sklaven wohl nichts erklären müsse. Also schienen die bisher gefundenen Quellen in dieser Hinsicht zumindest korrekt zu sein, was bedeutete - dass die Faer Eryn Neylin'Cheshs Spur hinterherjagen mussten, wenn sie noch etwas über die magische Laterne und das Geheimnis ihrer Herstellung herausfinden wollten.
Aber wo mochte die so viel weniger berühmte Frau eines uralten Handwerkers vor so langer Zeit wohl hingegangen sein, nachdem ihr Mann gestorben war?
Zumindest in diesem Punkte hatte die Aufzeichnung Neylin'Cheshs ein Gutes: Die Ayleidin sprach von ihren Dwemer-Freunden, die sie in ihrer Siedlung Vrockenwall aufsuchen wolle.

Nur - keiner der Faer Eryn kannte diesen Namen. Das war auch nicht weiter verwunderlich, denn mit Sicherheit hatten sich Ortsnamen und andere Dinge über die letzten 3000 Jahre deutlich verändert, und die Dwemer waren ja schon lange von Tamriel verschwunden.
Würden die Rätsel jemals enden?
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#36
Zusammenfassend hatten die Faer Eryn nun drei Probleme, die sie wohl lösen mussten, bevor sie sich mit dem Schattenmann selbst befassen konnten.
1- das magische Glas und seine Herstellung; ihre letzte Spur führte nach Vrockenwall - wo immer das auch war.
2- Mezu's Entführung und der namenlose Erpresserbrief - die meisten fürchteten, dass hier Eile geboten war
3- die seltsame Stimme, die immer dann in den Köpfen der Faer Eryn auftauchte, wenn sie nicht von Runen zur Abwehr von Daedra geschützt wurden und sich in der Nähe des Leuchtturms aufhielten.

Gemeinsam entschieden die Anwesenden, dass es zunächst am wichtigsten war, Mezu zu retten.
Da sie an dem Brief selbst keinerlei Anhaltspunkte ausmachen konnten, die darauf hindeuteten, woher und aus welcher Hand er stammte, reisten die Faer Eryn nach Pa'alat, wo Darashi den Brief vom örtlichen Briefträger erhalten hatte. Sie versuchten, den betrunkenen Bosmer zu befragen, doch gestaltete sich das als eher schwierig - einmal, weil in Pa'alat offensichtlich gerade irgendeine Feierlichkeit stattfand und der junge Mer darauf bestand, alle paar Minuten das Tanzbein zu schwingen - und zum anderen, weil er überhaupt nicht wusste, worauf der seltsam gemischte Haufen von Besuchern mit ihrer Fragerei überhaupt abzielte.
Elkantar und Linaris gemeinsam schliesslich machten ihn derartig betrunken, dass er gedankenlos über den Zustellweg aller Briefe zu plaudern begann, die er jemals ausgetragen hatte. Der Brief, den Darashi vor einigen Tagen erhalten hatte, war dem Bosmer in Erinnerung geblieben, da er der einzige gewesen war, der eine derartig lange Reise hinter sich gebracht hatte - der einzige, der per Schiff von Auridon aus durch die Meerenge nördlich von Malabal Tor gereist und dann mit den flachen Flusskähnen bis nach Arenthia gestakt worden war. Danach hatte ein Reiter ihn zum Post-Verteilzentrum nach Düne gebracht - und von hier aus hatte Brimlordir, der Bosmer, ihn an Darashi ausgeliefert.
Auridon! Und genauer dort: das Postverteil-Zentrum in Himmelswacht! Also doch - die Vermutung der Faer Eryn, dass der Brief aus altmerischer Hand stammte, schien sich zu verhärten. Vielleicht war in Himmelswacht noch etwas mehr über den Brief zu erfahren?
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#37
Als die Tür des Turmes hinter ihm ins Schloss fiel schloss Veyar für ein paar Herzschläge lang die Augen, atmete tief durch. Linaris Spott fühlte sich an wie eine daedrische Dornenranke, die sich um sein Herz gerankt hatte und bei jedem Herzschlag wehtat. Er kapierte es immer noch nicht. Innerlich musste er leise zynisch lachen. Hatte der Magier ihn nicht explizit vor sich gewarnt?
'Veyar, du bist ein Schaf!' schalt er sich. Tali proklamierte dies ja immer bissig. Ein naives Schaf. Trotzdem fühlte es sich beschissen an.

'Sera Denum ...' fühlte sich völlig verkehrt an. Aber es war Linaris gewesen, der nach den gemeinsam durchstandenen heiklen Situationen der letzten Zeit wieder zu dem distanzierten 'Ihr' zurückgefunden hatte. Veyar kam sich scheußlich ausgenutzt vor. Hatte der Dunmer sich ihm nur angenähert weil er seine Hilfe benötigt hatte? Soviel ... Kalkül und Maskerade ... weigerte sich sein Herz schlicht anzunehmen. Auch wenn derzeit alles danach aussah. Linaris hatte sich dem Haus Aeternon angeschlossen weil er einen Schirmherren benötigte um Fuß zu fassen und vor möglichen  Repressalien seitens des Thalmors sicher zu sein. Er hatte dafür Einschränkungen bezüglich seiner Magie in Kauf genommen und sich sogar seiner höchst ungeliebten Lehrtätigkeit gewidmet. Hatte zudem noch Sarinjas Fluch akzeptiert ohne gegen sie vorzugehen, obgleich Veyar die Einstellung des Dunmers zu Vampiren sehr genau kannte.

In der letzten Zeit hatte  Veyar dem Magier dabei geholfen jemanden wenig kooperationsbereites aus dessen Vergangenheit von einem Fluch zu befreien und Anuriels Probleme mit dem altmerischen Adelshaus Silinor zu bereinigen ... und im Zuge dieser gemeinsam genommenen Hürden hatte der sonst sehr zugeknöpfte Dunmer ihm das 'du' angeboten ... Veyar hatte tatsächlich geglaubt dass eine Freundschaft zwischen ihnen entstanden sei. Und dazu noch eine, die ihm viel bedeutete. Zumindest ... Veyar ... hatte sie viel bedeutet. Dass Linaris nach Abschluss all seiner persönlichen Belange nun zum einen dem Haus Aeternon den Rücken kehrte und zudem Veyar wieder distanziert mit 'Ihr' ansprach ... hatte sich angefühlt wie ein ungebremster Schlag ins Gesicht. Und dennoch ... konnte er sich dennoch von dem Dunmer nicht emotional lösen, nicht insofern, dass er ihn hassen konnte. Diesen Gefallen erwies sein Herz ihm nicht. Er mochte den Magier nach wie vor, auch wenn das vielleicht töricht war. Und er würde ihm immer noch zu Hilfe eilen wenn er sich in Schwierigkeiten befand. Wahrscheinlich war sein Herz schlicht unbelehrbar in derlei Angelegenheiten.
'Du bleibst eben ein Schaf!' dachte er selbstironisch mit einem grimmigen Lächeln, ehe er einmal tief durchatmete und zu Talisiera auf die Strasse trat.
'Mezu ...' rief er sich in Gedanken zur Raison.
'Mezu finden und retten. Götter, in zwei Wochen konnten ihre Peiniger sonstwas mit ihr angestellt haben!'

"Alles in Ordnung mit dir?!" erkundigte sich die dunmerische Kriegerin mit geschmälerten Augen.
"Äh .... ja ..." begann er zögerlich, winkte dann ab. Tali durchschaute ihn sowieso.
"Mezu" meinte er, um ihr zu verdeutlichen, dass er nun nicht über seine persönlichen Belange zu sprechen gewillt war sondern an vorderster Front daran interessiert war der Khajit aus der Klemme zu helfen.
Talisiera nickte, seufzte dann nach einem kurzen Augenblick und rollte mit den Augen.
"Je mehr Leute an einer Sache beteiligt sind, ohne klare hierarchische Strukturen ... desto ineffektiver wird die ganze Operation!" knurrte sie. Sie vollführte eine wegwerfende Geste mit der Hand. "Man lässt doch keinen Boten einfach wieder ziehen! Nein, man öffnet das Schreiben in dessen Gegenwart - immerhin; vielleicht ist ein Antwortschreiben erforderlich welches man dem Boten dann gleich mitgeben könnte! Oder besser noch: Man lässt den Boten das Schreiben öffnen - womöglich ist der Brief ja vergiftet oder so ... Und: Allein die Art und Weise wie ein solcher Brief gefaltet ist sagt schon etwas über den Absender aus! Die Art und Weise wie der Siegelknoten geschlungen wurde ..." Sie seufzte ergeben über so viel Inkompetenz. "Bei den Dreien! So viele Informationen, die uns jetzt weiterhelfen könnten ... einfach durch Unachtsamkeit und mangelnde Ausbildung ignoriert!" Sie schüttelte fassungslos den Kopf. "Ganz nebenbei hätte man den Boten ja auch befragen können von wem er den Brief hat!" Sie schnaubte wütend. "Aber nein!" schimpfte sie weiter. "Man lässt den einfach ziehen und am Blau des Horizontes verschwinden!" Dann brummelte sie noch irgendetwas von wegen 'Inkompetenz' und 'mangelnden Strukturen' in sich hinein, verschränkte dabei die Arme resolut vor der gepanzerten Brust.
Veyar fuhr sich mit der Hand über das Gesicht, versuchte den Gedanken an Linaris endgültig aus seinem Kopf zu bannen. Erst der Gedanke an Aravir und die innere Ruhe und Geborgenheit, die ihm sein Liebster über das Seelenband zufließen ließ, verschaffte ihm wieder die notwendige Klarheit in seinen Gedanken und die Zuversicht, dass sich auch diese Angelegenheit lösen ließe.
Er nahm einen bewussten Atemzug, sah Talisiera direkt an.
"Also fein - wie würdest du vorgehen?" fragte er gerade heraus. "Wir haben den Boten nicht. Wir haben nur das Schreiben. Besser als nichts, oder?"
Die Dunmer musterte ihn, lächelte dann verkniffen.
"Ja, besser als nichts. Aber wenn ich dieses Schreiben verfasst hätte würden all deine Vorstellungen von wegen Schriftanalyse und so weiter ... ins Leere verlaufen ...".
"Warum?!" erkundigte sich Veyar stirnrunzelnd.
"Weil wenn ich so ein Schreiben verfassen ließe, dann würde ich es einen Schreiber verfassen lassen, und nicht persönlich verfassen - getarnt als Teil eines Theaterstückes ... also den Schreiber würde ich das ganze Theaterstück schreiben lassen ... am Besten in mehrfacher Ausfertigung. Dann fällt so ein Drohbrief auch nicht weiter auf."
Veyar sah sie verdutzt an. Wieder einmal wunderte er sich über das kriminelle Potenzial seiner Freundin. Dass sie derlei Dinge alle im Zuge ihrer Ausbildung "gelernt" hatte ... führte ihm wieder einmal deutlich vor Augen in welch unterschiedlichen Welten sie beide doch aufgewachsen waren.
"Ich würde um ehrlich zu sein, dieses Schreiben gar nicht in erster Priorität weiter verfolgen, Veyar" gab Talisiera zu bedenken. "Ich würde mich umhören wer Mezu als letztes gesehen hat und wo ... Irgendjemand sieht immer irgendetwas. Und von dort ausgehend dann die Spuren weiter verfolgen. Auch wenn eine zwei Wochen alte Spur natürlich schon eine Herausforderung darstellt...".
Veyar zuckte mit den Schultern.
"Genau das tun die anderen ja im Augenblick. Sie reisen nach Pa'alat und suchen nach dem Boten. Ganz nebenbei treibt sich Mezu oft sonstwo herum ... ihre Spur zu verfolgen dürfte ziemlich schwer werden."
"Möglich, aber nicht unmöglich" konterte Talisiera kaltschnäuzig. "Und 'den Boten suchen' und 'Mezus Spur aufnehmen' sind zwei verschiedene Paar Stiefel ...". Dann jedoch winkte sie ab.
"Aber wir haben das Schreiben und du hast vorgeschlagen, dass wir einen Schriftgelehrten damit betrauen. Also lass uns zur Magiergilde aufbrechen, in Ordnung?! Wenn wir dabei nichts herausfinden, dann können wir immer noch meine Methoden aufgreifen. Vielleicht haben wir ja insofern Glück und Mezus Entführer sind nicht so kompetent wie ich es gewesen wäre" frotzelte sie ihn bissig und ihre Augen blitzten dabei herausfordernd.
"Wollen wir es hoffen ..." entgegnete er. Die Sorge um Mezu brannte ihm unter den Nägeln. Er wollte etwas tun, egal was. Hauptsache nicht untätig herumsitzen. Raschen Schrittes machten sie sich auf den Weg zum Gildenhaus der Magiergilde.

Sie hatten Glück. Der alte Magister Servinatus, ein reichlich verschrumpelter Kaiserlicher, befand sich auf der Durchreise und war tatsächlich so etwas wie eine Koryphäe in der Analyse und Deutung von Handschriften. Der Bibliothekar der Gilde verwies die beiden auf den wunderfitzigen Greisen, der sich gegen einen gewissen Ovulus des Problems des jungen altmerischen Adepten und dessen dunmerischer Leibwächterin annahm.
Er strich sich die schütteren, schlohweiße Haarsträhnen aus dem Gesicht, die sein altersfleckiges Haupt nur noch wie ein dünner Haarkranz umgaben, denn auf der Mitte des Kopfes war das Haar bereits der Weisheit gewichen. Er klemmte sich ein breites Monokel vors Auge, welches sein eines Auge überdimensional groß erscheinen ließ und sein Gesicht zu einer hämischen Fratze verzerrte.
"So, dann lasst mal sehen ... mit wem wir es hier zu tun haben, junger Mann" meinte er nachdem er sich auf einem Stuhl vor einem niedrigen Schreibtisch niedergelassen und seinen Gehstock schlicht Veyar in die Hand gedrückt hatte. Veyar nestelte vorsichtig das Schreiben unter seinem Wams hervor und reichte es dem Alten.
"Ahhhh!" machte dieser und nahm das gefaltete Papier entgegen, wendete es zunächst einmal mehrfach zwischen den knorrigen Fingern ehe er es auf dem Tisch ablegte, eine Kerze heranzog, sich im Schein des Kerzenlichtes über den Brief beugte und diesen aufmerksam studierte. Seine Finger glitten dabei andächtig über die einzelnen Zeilen.
"Hmmmm...." brummte der Alte, sah aber jedoch nicht auf. Zwischendurch kicherte er gelegentlich, zog die Stirn dann wieder eng zusammen, sodass sich die Brauen nahezu berührten.
Veyar platzte fast vor Neugier, doch Talisiera berührte ihn kurz am Arm als er den Mund aufmachte um zwischendurch etwas zu fragen und schüttelte den Kopf, um Veyar zu signalisieren, dass er den alten Kauz nicht stören sollte.
Schließlich sah der Alte auf. "Der Verfasser dieses Briefs ist ... nun, eine sehr willensstarke Person" diagnostizierte Magister Servinatus schließlich mit einem gewichtigen Kopfnicken. Dann kicherte er gehässig. "Und ich bin mir ziemlich sicher, dass es sich hierbei um ein Weib handelt".
Veyar horchte auf.
"Eine Frau?!" entfuhr es ihm verdutzt.
"Ja, sagte ich doch, Jungchen, ein Weibsstück ..." bestätigte der Alte, räusperte sich dann und beugte sich wieder mit gekrümmtem Rücken ganz nah über den Briefbogen. Veyar stützte sich auf dem Tisch auf und beugte sich ebenfalls über das Schreiben als könnte er nun mehr daraus lesen als noch kurz zuvor.
Eine Frau ...?!
"Sie ... ist in jedem Fall gebildet ... eine geübte Schreiberin" meinte der greise Magier weiter. "Entweder ist sie Schreiberin von Beruf oder sie hat beruflich viel mit dem Schreiben zu tun ... eine Magierin womöglich ... denn sie muss recht gebildet, oder zumindest sehr gut ausgebildet sein" brummte Servinatus weiter ohne von dem Schriftstück aufzusehen.
"Was meint Ihr, Magister, ist es eher eine junge oder eine ältere Schreiberin?!" erkundigte sich Veyar. "Könnt Ihr anhand der Schriftzüge darauf Rückschlüsse machen?!"
"Ach, sagte ich das noch nicht?!" fragte der Alte verdattert, sah kurz auf, schüttelte den Kopf nur um kurz darauf eifrig zu nicken.
"Die Verfasserin ist eher jünger, das verrät mir die flüssige und schwungvolle Gestalt der Buchstaben ...." kicherte er. "Die Dame ist zudem recht selbstbewusst, nehme ich an, wenn Ihr versteht was ich damit sagen will ... und sehr von dem überzeugt, was sie da schreibt ... oder tut. Ich nehme nicht an, dass es ihr an Selbstbewusstsein mangelt!" kicherte der Alte gehässig, murmelte dann etwas von "Jugendlichem Überschwang ...". Er reichte Veyar dann das Schreiben zurück. "Aber sie hat nicht gelernt anständig zu unterschreiben, Jungchen!" Er zwinkerte Veyar zu.
"Bedauerlicherweise nicht, Herr Magister, da habt Ihr recht..." entgegnete er gedankenverloren.
Sie bedankten sich bei dem alten Magier, bezahlten ihn für seine Dienste und suchten wieder das Tageslicht auf. 

Veyar wurde das Gefühl nicht los etwas zu übersehen. Irgendetwas ...
'Eine junge Frau... eine Magierin ... gut ausgebildet ... selbstbewusst ... oder gar arrogant ...?! Sehr von sich und ihren Ansichten überzeugt ... Mezu ... Mezu wurde entführt und gefoltert ... Der Schattenmann ... die Angelegenheiten Faer Eryn ... Ausgerechnet die Herumtreiberin Mezu ...'.
"Verrätst du mir deine Gedanken?" erkundigte sich Talisiera, die ihn schon seitdem sie das Gildenhaus verlassen hatten und Seite an Seite die Strasse hinunter liefen, argwöhnisch beobachtete.
"Ich bin nicht dein Aravir ..." frotzelte sie. "Mir mir wirst du immer noch auf altmodische Art und Weise reden müs...".
Veyar blieb wie angewurzelt stehen, schlug sich mit der flachen Hand gegen die Stirn.
"Ach du Scheiße!" entfuhr es ihm.
'Natürlich. Das war es!'
Er machte völlig unvermittelt auf dem Absatz kehrt.
"Tali, wir müssen zurück ins Gildenhaus!" meinte er, war bereits drauf und dran zurück zu rennen, als Talisiera ihn am Arm zurückhielt.
"Veyar!" schimpfte sie. "Was ist los?!" verlangte die Dunmer zu wissen.
"Asha Felu!" entfuhr es ihm ... als würde dies bereits alles aussagen.
Die Dunmer blickte ihn fragend an.
"Jaaa?!" wollte sie wissen, ließ seinen Arm aber weiterhin nicht los.
"Verstehst du denn nicht, Tali? Asha Felu ist eine von sich überzeugte, sehr gut ausgebildete, junge Magierin - und es ist noch nicht lange her, da hat ihr Mezu den Rost runtergemacht, dafür, wie sie sich hier aufgeführt hat ...". Unbeeindruckt blieb die Dunmer stehen.
"Veyar, mir fehlen ein paar Informationen. Der Reihe nach, verstanden?!" konstatierte Talisiera nüchtern.
"Vielleicht ... vielleicht lassen sich in der Gildenbibliothek ja handschriftliche Dokumente finden ... Publikationen oder so, verstehst du? Dann könnten wir einen Handschriftenvergleich anstellen!"
Talisiera ließ ihn los, blieb jedoch weiterhin unverrückbar stehen.
"Ich wiederhole mich nur ungern, Veyar ... der Reihe nach!"
Der junge Mer fuhr sich mit beiden Händen über den Kopf. In seinen Gedanken herrschte ein heilloses Durcheinander.
'Diese affektierte Kuh! Wenn sie es tatsächlich gewesen ist und sie Mezu dies angetan hatte ...!'
Er blickte sich um, vergewisserte sich, dass sie niemand belauschen konnte. Doch da sie sich mitten auf offener Strasse und im Strom der Passanten befanden schüttelte er nur den Kopf, nahm Talisiera schlicht am Arm und zog sie ein paar Schritte mit sich, zurück in Richtung Gildenhaus, ließ die Dunmer daraufhin los, bog von der Strasse ab und suchte sich in den Gärten der Magiergilde einen ungestörten Ort zum Reden.
"Tali!" entfuhr es ihm dort. Seine Augen glänzten fiebrig. "Asha Felu und Fela ... die beiden ungleichen Schwestern ... erinnerst du dich noch an sie?!"
"Ja, tue ich" entgegnete die Dunmer sachlich, überkreuzte die Handgelenke auf dem Rücken und lauschte ihm aufmerksam ... nicht allerdings ohne die Brauen leicht irritiert nach oben zu ziehen.
"Die beiden wurden von ihrem Vater ... der denselben Kreisen angehört wie du und ich ... hierher nach Auridon geschickt um ... die Füße mal auf den Boden zu bekommen. Und in dem Schreiben bat er die Faer Eryn sich der beiden anzunehmen. Liahnée, Aaron, Linaris,  ich und Mezu haben uns vor kurzem in der Grünwasserbucht getroffen und da hat Mezu dann erfahren, wie sich Asha Felu hier aufgeführt hat ... Sie hat den Brief an sich genommen und ist völlig aufgebracht losgerannt um die arrogante Ziege mal einzunorden! Verstehst du?!"
"Ansatzweise" entgegnete Talisiera sachlich.
"Asha Felu weiß von den Faer Eryn. Sie kann gut und gerne davon Wind bekommen haben was wir gerade tun ... den Schattenmann jagen! Versuchen ihn dingfest zu machen! Und sie wird Mezu nach der khajitischen Gardinenpredigt garantiert nicht mögen!"
"Und wie kommst du darauf, dass sie so umnachtet ist, Mezu von der Strasse weg zu entführen und uns ausbremsen zu wollen? Alles nur wegen gekränkter Eitelkeiten?!" Talisiera schüttelte den Kopf. "Sie ist ein verwöhntes adeliges Gör, Veyar, aber wohl keine ernsthafte Rädelsführerin krimineller Machenschaften, wenn du mich fragst! Wie wollte sie überhaupt eine Entführung durchführen?! Mezu ist nicht gänzlich wehrlos, möchte ich meinen!"
"Was, wenn ihr die gleiche Stimme zuflüstert, wie du, ich und auch die anderen sie schon gehört haben?!"
Talisiera verzog die Lippen zu einem dünnen Strich.
"Die Daedra meinst du? Die dunkle Verführerin?!"  hakte die Dunmer nach. Veyar nickte.
"Immerhin ..." mutmaßte Veyar weiter. "Sie schien einem jeden von uns genau das vorzugaukeln, was derjenige sich innerlich wünschte, nicht wahr?! Nur haben wir anderen ihrer Stimme widerstehen können ... vielleicht erlag Asha Felu ihren Einflüsterungen und diese sagten ihr, dass sie uns aufhalten müsse? Und wie könnte sie dies besser tun als indem sie uns unserer Anführerin beraubt?!"
"Insofern wir überhaupt derlei hierarchische Strukturen haben ..." stichelte Talisiera verkniffen. Dennoch nickte sie nachdenklich.
"Na, immerhin ist Mezu ihr als ein hiesiges hohes Tier der Faer Eryn gegenüber aufgetreten!" verteidigte Veyar seine Theorie. Wieder nickte die Dunmer.
"Damit könntest du recht haben. Hast du diese Asha Felu seither nochmal getroffen?!" wollte sie wissen, woraufhin Veyar den Kopf schüttelte.
"Ihre Zwillingsschwester zuletzt, Asha Fela ... in Himmelswacht. Da warst du dabei ...". Talisiera nickte.
"Also schön" konstatierte die Dunmer sachlich. "Wir können versuchen einen Schriftvergleich anzustellen, parallel dazu sollten wir uns erkundigen wo sie derzeit abgeblieben ist. Immerhin - wenn deren Vater wollte, dass sie von den Faer Eryn ... "erzogen" wird ...". Die Dunmer schüttelte unmerklich mit dem Kopf. " ... wird sie kaum wieder nach Hause zurück gegangen sein. Könnte deine Mutter da Näheres wissen, Veyar?!"
Er hob die Achseln. "Keine Ahnung. Ich frage sie..." versprach er.
Die beiden machten sich auf den Weg zurück in die Gildenhalle.
"Du schaust ob du eine Publikation von dieser Asha Felu findest" trug ihm Talisiera auf. "Ich werd' mich beim Hallenwart ... oder wie auch immer das bei den Magiern heißt, erkundigen, ob sie sich hier hat bei der Gilde registrieren lassen. Die meisten Publikationen dürften allerdings nicht im Original vorliegen sondern nur als gedruckte Versionen. Aber vielleicht hast du Glück und es befindet sich ein handsigniertes Exemplar darunter ..." schlug die Dunmer vor. "Danach suchen wir deine Mutter auf und erkundigen uns bei ihr ob sie was vom Verbleib der beiden Schwestern gehört hat. Wenn sie nichts weiß suchen wir in Himmleswacht bei der Magiergilde. Da war immerhin diese Asha Fela zuletzt, und soweit ich mich erinnere gehörte es zu ihrer Lieblingsbeschäftigung ihre Schwester zu piesacken. Wenn man jemanden ärgern will sollte man darüber informiert sein, wo der steckt" führte Talisiera auf. Veyar nickte.
Das klang nach einem Plan.
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#38
Die Gefährten trafen sich erneut am alten Leuchtturm, um über ihre Erkenntnisse zu sprechen. Alle Hinweise deuteten nach Himmelswacht, und so machten sie sich auf, um dort neue Erkundigungen einzuziehen.
Bereits am Stadttor fing Haraun sie ab und warnte sie, dass in der Magiergilde seltsame Dinge vorgingen. Er selbst war geschickt worden, um die Faer Eryn aufzuhalten und gegebenenfalls sogar mit Gewalt von ihrem Ziel abzubringen, doch er hatte es vorgezogen, sich eine eigene Meinung zu bilden.
Auch in der Magiergilde stießen die Gefährten auf höfliche, aber eisige Ablehnung, man wollte sie gar nicht bis zu Asha Fela, die es doch eigentlich zu befragen galt, vorlassen. Schließlich, weil einige von ihnen ihre Beziehungen spielen ließen, gab man Fela zumindest über ihre Anwesenheit bescheid.
Dies schien Fela einen herben Schock zu versetzen. Sie barrikadierte sich in ihrer Kammer und fing an, ihre Forschungsobjekte zu zertrümmern und zu zerstören. Erst ein Lähmzauber ihrer Magierkollegin stoppte sie - bevor sie auch den Hauptgegenstand ihrer Forschungen, ein kleines, antikes Glasgefäß, zerstören konnte.
Welch ein Glück für die Faer Eryn - denn schon bei der ersten Inaugenscheinnahme entpuppte es sich als das genaue Gegenstück zu dem uralten Glasbehältnis, das noch immer in der gesicherten Truhe im oberen Geschoß des Leuchtturms ruhte, und das mit so viel Blut, Schweiss und Tränen errungen worden war. Die magische Laterne, die die Faer Eryn die ganze Zeit gesucht hatten - hier war ein weiteres Teil!

Doch wie kam es zu Asha Fela? Warum wollte sie es zerstören? Und wo war Mezu....?
Die Faer Eryn kamen nicht mehr dazu, Fela all diese Fragen zu stellen, denn diese stürzte sich, sobald sie sich wieder bewegen konnte, rücklings aus dem Fenster. Noch im Sterben lachte sie über ihre Schwester, die angeblich nun eine Sklavin des Schattenmanns sei.

Ja, da hatten die Faer Eryn wahrlich in ein Wespennest gestochen. Wo sie sich nur Informationen über Asha Felu und vielleicht Mezus Verbleib erhofft hatten, hatten sie in Asha Fela, der nach außen hin netten und vorurteilsfreien Schwester, die wahre Drahtzieherin und Helferin des Schattenmanns aufgestöbert. Felas Tagebuch verriet mehr und half den Faer Eryn, zu verstehen.
Nach und nach schilderte sie dort, wie sie unter den Einfluß des mächtigen Schattenmanns geraten war, wie er ihr die lang erträumte Macht verliehen hatte, ihre magischen Fähigkeiten gefördert hatte und sie im Gegenzug all die Dinge getan hatte, die die Faer Eryn bei ihren Ermittlungen so aufgehalten hatten.
Als sie das Portal von Kalthafen abgelenkt und die Faer Eryn in alle Himmelsrichtungen zerstreut hatte, war ihr Mezu in die Hände gefallen. Diese hatte sie als Tauschobjekt benutzt und dem Wurmkult übergeben - welche ihr im Gegenzug das Teil der magischen Laterne zur Verfügung stellten, dass sie in Rulanyils Fall gefunden hatten. Offensichtlich hatte der Wurmkult keine Ahnung von der Kunstfertigkeit der alten Ayleiden und der Macht des Schattenmanns. Aber Asha Fela wollte das ändern - und hätte, wenn sie diesen Kontakt wirklich hätte vermitteln können - mit dem Schattenmann ein furchtbares, mächtiges Werkzeug unter Molag Bals direkte Kontrolle gegeben.
So aber hatte ihr Tod Schlimmeres verhindert und den zweiten Teil der Laterne in die Hände der Faer Eryn gespielt.
Ausserdem verfügten sie jetzt über Asha Felas Barvermögen, dass in die Zehntausende ging, denn Linaris hatte all die vielen Münzen eingesammelt, die bei ihrem Zerstörungsakt über den Boden verstreut worden waren.

Dennoch waren sie nicht viel weiter, was Mezus Entführung anging. Lediglich, dass sie irgendwo in Schnittermark sei, hatten sie Fela vor ihrem Tod entlocken können. Ihre Freude darüber, ihre Zwillingsschwester versklavt zu haben, ließen die Faer Eryn erst einmal beiseite. Sie war ihnen bei weitem nicht so wichtig wie Mezu.
So suchten sie zunächst ihr Hauptquartier in Pa'alat auf und überlegten dann, wie sie Mezu lokalisieren könnten.
Schließlich hatte Lynnr eine Idee: Darashí besaß noch einen alten Ohrring von Mezu; ohne Zweifel hatte sie diesen irgendwo mitgehen lassen. Mit einem hastigen Ritual und dem Blut derjenigen Faer Eryn, die sich auf die khajitische Blutmagie einlassen wollten, fand Lynnrr heraus, dass Mezu irgendwo im Norden von Pa'alat sein musste, gar nicht so weit entfernt.
Liowen und Elkantar als Ortskundige schlossen schnell auf den Dolmen in der Nähe der Festung Sphinxfalter. Ein kleines, verlassenes Anwesen mit dem Namen Dämmerungswiesen war dort von Molag Bals Versuchen, Nirn näher an Kalthafen zu ziehen, getroffen und zerstört worden. Nun trieben sich des öfteren Kultisten in den Ruinen herum - war dort vielleicht Mezu zu finden?
Hastig besorgten sich die Gefährten Pferde und stürmten los.
Und tatsächlich - sie kamen gerade rechtzeitig, um mit an zu sehen, wie Wurmkultisten die schwer in Mitleidenschaft gezogene Mezu auf den Altarstein schleiften. Daedrische Runen flackerten auf, unheilige Zaubersprüche wurden intoniert - und die Wucht der Wut der Faer Eryn traf die Anhänger Molag Bals wie ein vernichtender Hammer.
Selbst die hastig beschworenen Daedra-diener der Kultisten, ihre Sturmzauber und Blutopfer konnten die Gefährten nicht aufhalten. Sie hatten Mezu den Armen des Todes entrissen. Und sie lebte - gerade noch.
Die zähe Khajiit war schwer gefoltert worden; Brandwunden, tiefe, entzündete Schnitte und Prügelmale verunstalteten ihren schmalen, unterernährten Körper. Ihre Krallen waren ihr bis ins Fleisch abgeschnitten worden, ihre Schnurrhaare brutal ausgerissen, sogar ein Reißzahn war ihr ausgebrochen worden. Sie hatte kaum genug Kraft, um den Kopf zu heben, als Darashí sie sanft in die Arme nahm und in Sicherheit trug.
Veyar rief seine Göttin Mara inbrünstig um Gnade an, und wie segensreicher Regen fiel ihr zarter Zauber vom Himmel und heilte Mezus zerschundenen Körper.
Auch der beim Kampf verletzte Elkantar, der für Mezu rücksichtslos sein eigenes Leben eingesetzt hatte, wurde versorgt, und so endete der lange, blutige Tag im Hauptquartier der Faer Eryn in Pa'alat. Mezu und Elkantar schlummerten friedlich in den weichen Kissen, während die Faer Eryn feierten.
Denn sie hatten eine großen Sieg errungen: Mezu war gerettet, der zweite Teil der Laterne geborgen, und der wichtigste Handlanger des Schattenmanns ausgeschaltet.
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#39
Endlose Diskussionen folgten. Wo sollte man ansetzen? Was war Vrockenwall? Wo war Asha Felu? Wie konnte Mezu geholfen werden, die immer noch unter Alpträumen und Flashbacks litt, die sie dazu brachten, sich in jederlei Behausung unbehaglich zu fühlen?
Und was nur tat der Schattenmann gerade?

Schließlich entschieden die Faer Eryn, einen Anführer zu bestimmen, dessen Aufgabe es vor allem war, die stundenlangen Diskussionen abzukürzen und stattdessen gezielte Taten folgen zu lassen. Wenig überraschend entschieden sich die Anwesenden für Veyar Aeternon, dessen beherztes Eingreifen und umfangreiches Wissen ihnen auf dieser vermaledeiten Suche schon viel weitergeholfen hatte.
Die anwesenden Khajiit waren begeistert, "Veyar-Dro" ihren neuen Anführer nennen zu dürfen.

Noch einmal befragte man Mezu zu ihren Erinnerungen zu Asha Fela, in deren Quartier sie drei Tage lang gefesselt und geknebelt in einem Sack hatte ausharren müssen. Sie erinnerte sich an jenen Zauber, den Asha Fela gewirkt hatte, um mit ihrer Schwester sprechen zu können. Felu sei in einem Keller- oder Lagerraum gewesen, erinnerte sie sich, und habe seltsam leblos ausgesehen. Die Spötteleien ihrer Schwester nahm sie teilnahmslos hin; zuletzt brach sie das Gespräch mit den Worten ab, sie höre Geräusche von oben und wolle noch einmal einen Daedra-zauber versuchen.
Dies lies die anderen hellhörig werden. Daedra hatten sie an Ecas Leuchtturm doch immer wieder bedroht, und dort war auch diese seltsame psychische Präsenz gewesen, die mehrere von ihnen beschwatzt hatte und versucht hatte, Lebensenergie von ihnen abzuziehen.
Sofort machten sich die Faer Eryn zum alten Leuchtturm auf, um nach der schwangeren Mutter Veyars zu sehen. Zu ihrem Entsetzen war dort gerade vor zwei Stunden tatsächlich ein Daedra, ein Eis-Atronarch sogar, aufgetaucht und hatte versucht, Eca anzugreifen. Ihr Mann hatte sie gerettet und den Atronarchen zerstört - doch woher war er gekommen?
Mit einem mulmigen Gefühl, die Waffen griffbereit, schlichen die Faer Eryn in den Keller des Leuchtturms. Hier war ein umfangreiches Vorratslager in den harten Fels geschlagen worden, das schon seit Generationen für alle möglichen Zwecke benutzt wurde.
Tatsächlich fanden sie im hintersten Winkel des Kellers Schleif- und Kampfspuren; hier hatte sich jemand regelrecht mit Fässern, Kisten und Kästen eingemauert. Vorsichtig schlichen die Faer Eryn näher - als plötzlich die Vorräte beiseite gewirbelt wurden, und mit einem lauten Knall Asha Felu vor ihnen stand. Sie stank ekelerregend und hatte stellenweise in ihren Fäkalien gekniet und gesessen, doch das war nicht das schlimmste. Das schlimmste waren die fiebrig glänzenden Augen in den ruhigen Gesichtszügen, die wirkten wie die einer Schlafenden. Abgehackt und plump, nicht wie eine Mer sondern wie eine ferngesteuerte Puppe setzte Felu ihre Füsse - und schien ganz genau zu wissen, wer und wo die Faer Eryn waren.
Sie bedrohte sie alle, versuchte sie zu berühren und ihnen ihre Lebensenergie auszusaugen.
Mit vereinten Kräften griffen unsere Helden das ekelhafte Mischwesen, dass aus Asha Felu geworden war, an, doch Feuer und Stahl vermochten nur wenig gegen diesen Ghul - oder was immer es sonst war - auszurichten. Erst, als Elkantar ihr alle Gliedmaßen abtrennte und Finder sie mit Säure überschüttete, verließ das ekelhafte Wesen den Körper der kleinen Mer-magierin.
Zurück blieben nur ein paar Muskelstränge und ein abgenagtes Skelett - der Rest der fleischlichen Hülle wölbte sich auf wie ein Pudding und versuchte, sich über Elkantar zu stülpen und seinen Körper zu übernehmen. Nur mit schweren Verletzungen gelang es den Faer Eryn, ihren Freund zu retten und das Wesen, dass von Asha Felu Besitz ergriffen hatte, zu vernichten.
Im Tode stellte es sich als eine besonders heimtückische Art von Fleisch-Atronarch heraus, ausgestattet mit besonderen psionischen Kräften.
Wenn der Schattenmann über solche Diener verfügte - wie konnte er nur von den Faer Eryn besiegt werden?
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#40
Die Gefährten wollten sich nach den umfangreichen Aufräumarbeiten im verwüsteten Keller gerade an der frischen Luft vor der Tür ein wenig erholen, als ein ältlicher Altmer den Weg vom Strand emporgehumpelt kam. Der Mann gab sich recht überheblich - doch die anfänglichen Vorbehalte der Faer Eryn gegen den aristokratischen Alten schwanden bald, als sich herausstellte, dass es der Vater der beiden toten Mädchen Asha Fela und Asha Felu war.
Er war bis ins Mark getroffen, als man ihn - sehr vorsichtig - über seinen Verlust in Kenntnis setzte.
Nach einer langen, betroffenen Schweigeminute und einigen klärenden Gesprächen - und nicht wenigen Tränen - quartierte Asha Memnor sich schließlich im Dorf ein, um seine Frau zu verständigen und den Faer Eryn von jetzt an mehr Hilfe zu leisten. Er war selbst ein altes Mitglied der Faer Eryn, einer der letzten Alten, die nicht verschwunden waren. Verschwunden wie Angrim und Biehla, verschwunden wie Yheseldir, wie Ayliaze te Temara.
Ein furchtbarer Verdacht legte sich den Faer Eryn aufs Gemüt: Was, wenn der Arm des Schattenmanns so lang war, dass er schon vor seinem In-Erscheinungtreten die alten Faer Eryn in Tod und Verderben gelockt hatte? Konnte das überhaupt sein?

Memnor zumindest schien es für nicht ganz abwegig zu halten; jedoch nützte es alles nichts: Die Faer Eryn, die jetzt aktiv werden konnten, die mussten handeln. Egal ob Altmer, Dunmer, Khajiit oder Argonier: Den Schattenmann zu bekämpfen, war die Aufgabe aller Faer Eryn. Und dafür fehlte zuallererst eines: Wissen.
Wo war Vrockenwall? Wo war das dritte Teil der Magischen Laterne?
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