Eine Frage des Vertrauens
#11
Aravir blieb sitzen, während sich Mezuru zur Ruhe zwang.
"Ich habe stets offen zu dir gesprochen.", erwiderte er ruhig. Als Mezuru von den Vorfällen um Sarinja berichtete, erhob er sich, trat zu dem Kelch mit gesüsstem Tee, den Entaire bereitgestellt hatte, und goss zwei Becher ein. Er schob den einen in Mezurus Richtung, gönnte sich selbst einen Schluck und stellte den seinen auf den Tisch zurück.
"Du musst mir nichts erklären, was die Faer Eryn betrifft. Ich habe geschworen, mich aus euren Angelegenheiten rauszuhalten, solange Veyar nicht in Gefahr ist. Wisse, dass Sarinja mit mir über jenen Ausflug gesprochen hat. Sie fühlte sich ungerecht behandelt, auch wenn ich mir bewusst bin, dass sie mit ihrem Temperament zu Impulsivität und damit einhergehend zu Fehlern neigt. Doch geht es hier nicht um sie."
Aravir trat näher an Mezuru heran, lehnte sich dann rücklings gegen die Wand. Er wirkte nachdenklich, schwieg einige Herzschläge.
"Du weisst von der Lyra?", kurz schürzte der Paladin die Lippen. "Ich verstehe... Ich nehme an von Entaire... Hätte Veyar davon gesprochen, hätte ich es wohl gespürt." Er nickte, fuhr sich mit der Hand über sein Kinn.
"In dieser Hinsicht gebe ich zu, hattest du Recht. Als wir dir von unserem Seelenband berichtet haben, hast du die Gefahr erkannt. Vollständige Kontrolle, eine mentale Sklavenfessel, geschmiedet durch Hörigkeit. Dies ist die Macht der Lyra. Dies ist die Macht des Feindes, gegen den Veyar und ich vorgehen. Ich habe es nicht für möglich gehalten, dass Maras Geschenk derartig missbraucht werden könnte, zumal du mich mit dieser Unterstellung zutiefst beleidigt hast." Aravir richtet sich auf, sucht Blickkontakt.
"Mit diesem Wissen kann ich verstehen, weshalb du mir misstraust. Ich verstehe deine Sorge um Veyar, wenngleich sie mich nach wie vor beleidigt. Ich dominiere Veyar nicht. Was ihn an mich bindet, ist seine Liebe zu mir. Er ist sich dieser bewusst geworden, bevor ich erkannt habe, was wir teilen. Ich weiss, dass meine Worte dein Misstrauen nicht besänftigen, deshalb habe ich mich dir offenbart. Du weisst, was ich für ihn empfinde.", Aravirs Blick intensiviert sich.
"Veyar ist das Licht meines Lebens. Und er leidet darunter, dass ihr seine Entscheidung, mich zu lieben, in Frage stellt." Erneut pausierte Aravir kurz.
"Veyar weiss um meine Nähe zu Auriel - welche ich nicht als Prahlerei verstehe. Und Auriel weiss um meine Liebe zu Veyar, denn er hat sie gesegnet. Unser Band ist der Grund, weshalb wir ausersehen sind, diesen Feind zu besiegen. Eine einzelne Seele kann seiner Macht nicht Stand halten. Eine einzelne Seele würde seiner Verlockung erliegen.", kurz pressten sich Aravirs Kiefer aufeinander, eine gut verborgene Wut blitzte in seinen Augen auf. "Eine geeinte Seele vermag es. Veyar und ich... vermögen es. Wird er angegriffen, schütze ich ihn, wanke ich, stützt er mich. Geteiltes Leid, doppelte Stärke.", endet er im Brusston der Überzeugung.
Sometimes one single soul does not find its balance.
Antworten
#12
Mezu schwieg einen Moment, ließ den Kopf hängen.
"Arrravirr. Wirr stellen seine Entscheidung, Dich zu lieben, keineswegs in Frrage. Die meisten von uns, weil sie darrum garr nicht wissen. Die wenigen anderrren.. .missbilligen nicht die Liebe, sonderrn eben jenes Band. Diese perrsönlich empfindet es offen gesagt als unnatürrrlich und falsch.
Für diese ist Liebe... hrrrm.. ein grrrrrroßes Verrtrrrauen in den anderren. Und Verrtrrauen - das heißt, dass man gerrrade einige Dinge nicht sieht, die derr anderrre tut oderr will. Wie soll das gehen, wenn man soforrt und unwillkürrlich alles mitbekommt, was derr anderrre fühlt oderr denkt, ja?
Dennoch: Wie Du sagtest. Du mischst Dich nicht bei dieserr ein und diese mischt sich nicht bei jenem ein, hrrrm. Du kannst Dirr verrsicherrt sein, dass niemand von uns Veyarr Vorrrrhaltungen macht oderr Misstrrrauen gegen ihn hegt, nurr weil err Dich liebt.
Komm. Geh und töte den Feind Deines Fürrrsten mit Veyarrr, mit Deinem Amulett und Deinen schönen Worrten. Wenn schon sonst nichts, dann sollen Dich zumindest die warrrmen Sande und günstigen Winde Khenarrrtis begleiten."
Antworten
#13
Aravirs Züge verhärteten sich.
"Du urteilst über Dinge, die du nicht verstehst. Dieses Band ist weder unnatürlich, noch falsch. Es ist das kostbarste Geschenk Maras, Entairs Göttin." Aravir nahm einen bewussten Atemzug, um seinen aufwallenden Ärger zu bannen. Ob Mezuru wusste, dass Entaire ihrem Gatten mit ebendiesem Band verbunden war? Götter, er war es so leid, sich zu erklären.
Ein letzter Versuch... Für dich, mein Herz.
"Würde ich alles mitkriegen, wäre mein Schwur nichtig. So ist es nicht. Veyar und ich können alles teilen, wir müssen es aber nicht. Wenn er mich überraschen will, spüre ich dies und sehe nicht hin. Wenn ihn etwas bedrückt, lausche ich ihm und erkenne, ob er seine Sorge mit mir teilen will oder nicht. Intensive Gefühle wie Furcht oder Bestürzung spüre ich, egal wo er sich befindet." Aravir verschränkte die Arme vor der Brust.
"Lass es mich dir anschaulich machen. Ich weiss nicht, was in der Truhe ist, die ihr gefunden habt, denn ich habe gemäss meinen Schwur nicht hingesehen, obwohl ich von ihrer Existenz weiss. Als Veyar aber angegriffen wurde, war ich bei ihm. Auch, als er sein Bein gebrochen hat. Ich habe seinen Schmerz gespürt, seine Verletzungen... Ich war dabei ihn zu heilen, als ihr ihn in die Bewusstlosigkeit geschickt und mich von ihm getrennt habt..." Aravir fluchte innerlich über die unbedachte Wortwahl, äusserlich blieb er ruhig.
"Abschliessend versichere ich dir, dass es blanker Stahl sein wird, der den Feind aller Götter in die Knie zwingt. Keine schönen Worte..."
Sometimes one single soul does not find its balance.
Antworten
#14
Mezu schüttelte nur ungläubig den Kopf, dann bedauernd.
Bewusst nicht hinsehen, wenn er weiss, dass das Gegenüber ihn überraschen will? Nicht in eine geheimnisvolle Kiste sehen, deren Inhalt für das geliebte Herz so verzweifelt wichtig ist? Wie sollte ein Sterblicher solchen Verlockungen auf Dauer widerstehen? Und nie etwas falsch machen bei dieser pergamentpapier-dünnen Grenze zwischen zuviel und genug? Unmöglich, davon war Mezu fest überzeugt.
Die Götter mochten allwissend sein und deswegen die sengende Pein der Neugier nicht kennen - aber sie gehörte so sehr zu Mezus Wesen, dass sie sich nicht vorstellen konnte, wie man ihren Verlockungen auf Dauer widerstehen konnte, ja wie man gar ohne sie zu leben vermochte.
Aber Eca hatte Mezu ins Gedächtnis gerufen, dass Aravirs Ehre genauso hoch zu halten war wie ihre eigene. Sie würde auf diesem seltsamen Band nicht mehr herumreiten - wozu auch. Lösen konnte oder wollte es wohl keiner von den beiden. Solange Aravir nur im richtigen Moment die Klappe hielt - und doch nagte es an ihr. Gerade das schien doch der wortgewaltige Altmer sonst beileibe nicht zu können.

"Wenn es Stahl ist, was ihr brrraucht - warrrum kann dann keinerr von uns helfen, ja? Und wenn es nurr ist, Euch den Weg zu ebnen. Sicherr ist dieserr Kerrrl nicht allein und ungeschützt, hrrrrrrm?"
Antworten
#15
Aravir straffte sich, als Mezuru seine Worte mit einen Kopfschütteln abtat.
"Ich danke dir für dein Angebot. Doch darüber hast du bereits mit Entaire gesprochen. Dieser Kampf ist nicht der eure. Auriel und Mara höchstselbst haben die Kräfte gewählt, die hier ins Feld geführt werden. Und dies hat seinen Grund. In dieser Sache wird dir keine Wahl bleiben, als auf mich zu vertrauen." Er trat zu dem Tisch zurück. Sein Blick fiel auf das Amulett. Ein sachtes Kopfschütteln zeichnete sich ab.
"Auch für die offenen Worte danke dir dir. Jenes Amulet gab ich dir als Pfand - bis zu jenem Tag, an dem du auf mein Wort vertrauen kannst. Dieser Tag scheint noch nicht gekommen. Gehabe dich wohl Mezuru."
Aravir trat zu der Türe, wandte sich ein Letztes Mal zu Mezuru um.
"Das Amulett ist mir teuer, das wahre Pfand aber ist ein anderes..."
Sometimes one single soul does not find its balance.
Antworten
#16
Mezu knurrte nur kurz, schüttelte erneut den Kopf, als wolle sie ein Stück Fleisch von einer Beute abreissen.
Wärre es nur ein Wort, würrde diese vielleicht Verrtrrauen haben. Aberr es sind ihrrrerr so errschöpfend viele....
Laut sagte sie:

"Du bist ein Sturrrkopf, Arravirr. Und wenn schon sonst nichts von dem, was Du sagst - dies zumindest kann diese verrstehen, ja?"
Grinsend schwang sich Mezu aus dem Fenster - und das Amulett blieb unbewacht auf dem Tisch zurück, für Aravir in greifbarer Nähe.
Antworten
#17
Ein flüchtiges Lächeln zieht über Aravirs Lippen.
"Unbeugsamkeit und Sturheit mögen Hand in Hand gehen.", räumt er ein, als sich die Khajit bereits umwendet und tritt in die Nacht hinaus.
Sometimes one single soul does not find its balance.
Antworten
#18
Mezu kletterte den Weg zurück, den sie gekommen war : nach oben auf das Dach des Turmes hinauf.
Sie fluchte ein wenig auf Ta'agra'iss vor sich hin, denn der steinerne, hier oben nahezu schmucklose Turm machte ihr ihre Aufgabe nicht leicht, und sie war gezwungen, sich mit einigen kräftezehrenden Klimmzügen auf den steinernen Sims und die vorstehende Dachrinne hinaufzuziehen.
Aravir, würde er noch hinsehen, würde eine langsam verschwindende, mühsam kletternde Khajiit sehen und keinesfalls den eleganten Abgang, den Mezu sich für sich selbst gewünscht hätte.
Aber das war nun nicht zu ändern, denn Mezu wollte dort oben ausharren und warten, bis Eca wieder von ihrem Ausritt zurückkehrte. Dann würde sie mit ihr sprechen. Was würde sie sagen? Sich über Aravirs sturköpfige, altmerische Art zu beschweren, würde bei einer Altmer, auch wenn sie eine gute Freundin war, wohl kaum auf viel Verständnis stoßen.
Mezu legte sich auf das gewölbte Kuppeldach, spannte die Beine leicht an - und schloss die Augen; ganz die faule, Tagschläfchen haltende Khajiit, für die die meisten Altmer sie hielten. Sie würde das Rasseln der ritterlichen Eskorte schon früh genug hören, wenn sich Eca wieder dem Turm näherte. Solange wusste sie Aravirs Amulett in Ecas Turm in Sicherheit. Und vielleicht würde ihr ja bis dahin eine gute Ausrede einfallen, um sich in den Augen ihrer Freundin nicht in Mißkredit zu bringen...?
Antworten
#19
Die Sterne waren bereits heraufgezogen als Mezu'rus empfindsame Ohren sie über einen einzelnen Besucher informierten, der sich dem Turm näherte. Derjenige war zu Fuß unterwegs, näherte sich dem Turm auf offener Straße, ging zwar eines leisen Schrittes, schien sich aber ansonsten keinerlei Mühe zu geben sich zu verbergen.
Antworten
#20
Obwohl sie so lange auf dem Turm gedöst hatten, weckten ihre scharfen Sinne Mezu doch noch rechtzeitig.
Allerdings nicht rechtzeitig genug, um sich diesen Besuch auch wirklich ansehen zu können. Die Schatten fielen bereits lang und verdeckten in der kurzen Zeit, die Mezu hatte, um das Turmdach zu umrunden und nach unten zu blicken, das Gesicht des Besuchers beinahe vollständig.
Mit einem leisen Knurren streckte Mezu die steif gewordenen Glieder und ließ sich wieder am Fenstersims hinab, so dass sie auf jeden Fall vor einem möglicherweise fremden Besucher in der Stube - und beim Amulett wäre.
Ihr Magen knurrte, und so machte sie sich mit grimmiger Entschlossenheit über die restlichen Fleischkekse her. Mit vollgestopften Backen sah sie die Tür gehen...
Antworten


Gehe zu:


Benutzer, die gerade dieses Thema anschauen: 2 Gast/Gäste