Wendung des Schicksals
#1
W_Mace007 
Nach langen Überlegungen und dem abwägen aller Vor- und Nachteile hatte ich mich endlich dazu durchgerungen, an den für mich so geschichtsträchtigen Ort zurückzukehren, der zu einem Wegweiser entscheidender Momente meines Lebens als Dres geworden war und es wohl wieder werden sollte.

Es dauerte nur einen Herzschlag, dann lag der in Nebel gehüllte Landstrich vor mir. Das gedämpfte Rauschen des Flusses drang an meine Ohren und als sich meine Augen den Lichtverhältnissen angepasst hatten, konnte ich erkennen wie weiße, gespenstische Schwaden aus dem Wasser empor stiegen.

Eine Weile gab ich mich dieser Illusion hin, die ich einst geschaffen hatte, um unliebsame und allzu neugierige Personen von meinem Besitz und meinem Tun fern zu halten. Eine gnädige Art der Distanzierung, wenn man bedachte was dahinter lag, das sich der Wahrnehmung der einfachen Sinne entzog.

Durch meinen Willen, teilte sich schließlich der Nebel entzwei und gab träge den darin verborgenen Turm frei. Dunkel und drohend erstreckte er sich zum Himmel empor. Bei seinem Anblick durchfuhr mich das gewaltige Verlangen alles hinter mir zu lassen und mich wieder über all die Sterblichen mit ihren kleinlichen Problemen zu erheben... sie zu verachten, wie sie es verdienten... über sie zu herrschen, da sie selbst zu dumm dazu waren... und über ihr ewiges Versagen zu lachen...

Ich nahm einen tiefen Atemzug, fühlte wie mich die kühle, frische Luft mit neuer Energie erfüllte und die Magicka in meinen Adern zu pulsieren begann. Diese unvergleichliche Macht, die man am ehesten mit dem rotglühenden Feuer der Erde vergleichen konnte, welches verborgen unter der Kruste heran wuchs und nur darauf lauerte im passenden Moment ausbrechen zu dürfen.

Ich schloss die Augen, breitete die Arme aus und fühlte wie der Boden unter mir wich. Als ich sie wieder öffnete durchwanderte ich den Nebel, schwebte immer höher den Turm hinauf und betrat den einzigen Balkon.

Es fühlte sich unwirklich an durch den Torbogen zu schreiten, der durch Illusion und einige zusätzliche Fallen gesichert war. Der Raum erfüllte mich voller Erinnerungen an ein Leben das ich vergessen glaubte. An ein Leben, das ich hinter mir lassen wollte und doch war es mir nicht mehr möglich davon los zu lassen...

Zu was war ich seit meinem letzten Aufenthalt hier geworden? Zu einem Schatten der dem Licht folgt? Ich hatte niemals damit gerechnet zurück zu kehren. Mein ganzer Turm voller grausamer Todesfallen und dunkler Geheimnisse, die nur für wenige bestimmt waren, sollte in Vergessenheit geraten und zerfallen... verschwinden vom Antlitz Nirns, so wie auch ich... und doch stand er noch immer unverändert hier... und ich kehrte zurück...

Das Tosen des Feuers in Sturm und ungeheurer Wut, drang bereits im nächsten Augenblick nur allzu lebendig in meine Erinnerung. Längst waren die Spuren jener Nacht vom Stein entfernt, aber die Steine hatten es gesehen, hatten die Hitze und den Sturm gespürt, die Worte vernommen und das Blut wie ein ewiges Geheimnis in sich verschlossen...

Mein Blick streifte die gekreuzten Schwerter aus Ebenerz, welche ich einst dekorativ hinter dem daedrischen Schild an der Wand angebracht hatte... Eines davon hatte mich in jener Nacht verletzt... Es hatte mich an meine eigene Sterblichkeit erinnert, gerade in jenem Moment, als ich dachte über Jedem und Allem zu stehen... Hätte er es nur niemals benutzt! Dieser verdammte Narr!

In einem Anflug von Ärger vertrieb ich die in mir aufgestiegene Wut und die dazugehörigen Schatten meiner Vergangenheit und verbannte sie aus meinem Bewusstsein. Sie waren mir zu nichts nütze! Mein Schicksal zu ändern... das Schicksal des kleinen Jungen in Lumpen zu ändern... Ich war mir nicht sicher ob ich dafür bereit war den Preis zu zahlen... Er erschien mir zu hoch. Würde er doch die Liebe Anuriels und die Freundschaft Veyars kosten...

Wofür ich jedoch bereit war, war der Seelenstein, der strahlend blau in der bronzenen, filigranen Halterung im Bücherregal stand. Obwohl es die Augen nicht sehen konnten, erkannte ich den Kampf der in ihm tobte. Der Widerwille, voller Trotz und doch zu schwach um sich mir ernsthaft zu widersetzen. Wie im Leben, so im Tode...

Ich löste die magischen Fallen die den Stein umgaben auf und nahm ihn an mich. Bedächtig schlossen sich meine Finger um ihn. Er war mein Besitz! Tat ich damit Unrecht? Es war schwer zu sagen, was Recht und Unrecht ist... Ich wusste nur, dass ich es tun musste. Es ließ mir keine Ruhe mehr... es war die Geißel meiner Seele, die mir Nachts den Schlaf raubte und mein Herz in Zweifel stürzte... Ich hatte endlich einen Weg gefunden...

Niemand würde es bemerken... Niemand würde es wissen... Vorerst... Eines Tages würde ich Anuriel davon erzählen. Sie würde es verstehen. Denn sie verstand Dinge, die bei den meisten Anderen nur Unverständnis und Widerstand auslösten. Sie jedoch besaß die Gabe über einfache Dinge hinaus zu blicken. Zumindest manchmal...

Ich zwang mich zur Konzentration und vertrieb das Lächeln, sowie meine Gedanken an sie. Als mein Innerstes wieder im Einklang war, schloss ich die Augen und rief in mir jenen Ort in Erinnerung, dessen Kälte den rein physikalischen Begriff bei Weitem übersteigt... Als er sich vor meinem inneren Auge manifestierte, blinzelte ich ein letztes Mal in die schwindende Welt um mich herum.
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