Eine andere Geschichte....
#1
Mezu hatte nicht allzuviel Geduld mit der Truhe, die Aliyaze te Temara hinterlassen hatte.
Nachdem sie sich ihren Versuchen, das Schloss zu knacken, vehement verweigerte, forderte Mezu kurzerhand eine Axt, um den Deckel zu zerschmettern.
Schliesslich tat diesen Dienst Darashis Großschwert. Das Schloss zersplitterte, Holzspähne flogen in alle Richtungen - und zum Vorschein kam: Papier.

Mezu war enttäuscht. Keine Juwelen, kein Gold... nichts. Nur Papier, Papier, Papier. Wertlos.
Aber Darashi, Aaron und Alysha hielten Mezu davon ab, die eng beschriebenen Seiten achtlos in der ehemaligen Botschaft zu verstreuen. 

Eine der Schriften entpuppte sich als Aliyazes Testament, ein anderes als eine Historie der "Bewahrer", augenscheinlich eine Gilde von Schriftgelehrten, und wieder andere als alte Reiseberichte, aus Schwarzmarsch und Himmelsrand, Cyrodiil und Elsweyr. Auch ein Brief war dabei, der im Namen eines ihr wohl bekannten Deserteurs darum bat, wegen seiner Verdienste Gnade walten zu lassen. 

Das einzig interessante war die mehrfache Erwähnung Vulkhelwachts, welches Aliyaze te Temara offensichtlich viel öfter besucht hatte, als die anderen gewusst hatten. Und der Name, der daneben gekriztelt worden war: "Corrin". Den stichpunktartigen Notizen war zu entnehmen, dass die Bewahrer von großem Interesse für die kranke Altmer gewesen waren, und dass Corrin zu beobachten oder zu treffen war.

Schließlich, nach einigem Hin und Her, verpflichtete man einen Magier namens Naurthulid, ein Portal nach Vulkhelwacht zu wirken, damit man diesen Corrin suchen konnte. Tatsächlich fand er sich in Gesellschaft von Nelos Denum und einem Bosmer namens Jarvintus, die ihn offensichtlich ebenfalls suchten. 
Corrin, soviel schien Mezu bald sicher, war ein Faer Eryn - aber einer, den sie noch nie gesehen hatte. Ausserdem gehörte er wohl zu den Bewahrern, von denen Mezu bald den Eindruck hatte, sie seien so etwas wie Schreiber und Wortklauber - irgendetwas für Mezu nicht sonderlich interessantes jedenfalls.


Aber sie konnten mit Corrin nicht offen sprechen, denn ihre Suche und ihre Anreise hatten Aufmerksamkeit erregt. Sowohl der Magier als auch der neugierige Bosmer hatten die Faer Eryn nicht allein gelassen, und so mussten sie sich grösstenteils auf Worthülsen und versteckte Andeutungen zurückziehen, was insbesondere Mezu überhaupt nicht gelegen kam.
Es dauerte nicht lange, bis sie sich mit einer Schale Süssmilch zurück zog und darüber nachdachte, die Fremden bewusstlos zu schlagen, nur, damit sie endlich die Chance bekam, sich mit Corrin unter vier Augen zu unterhalten.
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#2
Schliesslich luden sie Corrin in das sichere Haus nach Mistral ein, um sich mit ihm in Ruhe zu unterhalten. Doch auch dort war ihnen keine unbehinderte Unterhaltung vergönnt, denn Veyar, den alle lange nicht gesehen hatten, kam durch die Tür.
Freudestrahlend begrüssten alle den gelehrten Altmer, doch er selbst schien traurig und wie zerschlagen zu sein. Schliesslich liess er sich überreden, die ganze Geschichte, die ihm auf dem Gemüt lastete, zu erzählen:
Linaris hatte Veyar gebeten, ihm bei einer heiklen Operation zu helfen.
Einer seiner Söhne hatte Probleme mit Kopfgeldjägern und einem Blutfluch - und er wollte ihm helfen, ohne dass er davon erfuhr. Denn dieser Krieger wusste nicht, dass Linaris sein Vater war, und hielt ihn seiner Vergangenheit wegen für seinen schlimmsten Feind.
Doch mit Veyars Hilfe gelang es, ihn zu heilen.
Allerdings verband ihn eine tiefe Freundschaft mit Nelos, Linaris' anderem Sohn, und Linaris versuchte wohl, diese beiden durch mehrere Intrigen zu entzweien. Eine davon sorgte dafür, dass das Dominion den Standort von Nelos Batallion herausfand, und bei dem folgenden Angriff wurde er getötet.
Linaris füllte einen Seelenstein mit Nelos' Seele und brachte ihn in ein Taschenuniversum von Kalthafen, wo er mit drei Dremora einen schrecklichen Handel abschloss, der Nelos wieder belebte.
Aufgrund eines falsch zugestellten Briefes erhielt Linaris' Kriegersohn aber all diese Informationen, woraufhin er Linaris und Nelos aufsuchte und Linaris erstach und mit Nelos floh.
Anuriel, die als Botin und Helfende ebenfalls vor Ort war, verlor fast den Verstand, als die widerlichen Dremora ihr anboten, für Veyars Leben Linaris wieder herzustellen.
Schliesslich übertölpelte Veyar Anuriel und floh mit ihr auf magische Weise von dem verrufenen Ort.

Einige Tage später kehrte Veyar mit Ammeron, seinem Vater, zurück, um nach Linaris' Leiche zu suchen. Doch obwohl Anuriel felsenfest versprochen hatte, nicht auf eigene Faust nach Linaris' sterblichen Überresten zu suchen, war sie bei Veyars Ankunft erneut verschwunden.
Auch von Linaris' Gebeinen war keine Spur mehr zu finden, und Linaris' Söhne waren auf freiem Fuss.

Und nun?
Für Mezu war die Antwort erschreckend eindeutig: Sie hatten Verräter in ihren Reihen. Vielleicht war Linaris tot; allerdings hatte er schon früher bewiesen, dass er nur schwer umzubringen war. Anuriel hatte ihm dabei geholfen, für seinen Sohn einen Pakt mit den Daedra einzugehen und dann auch noch ihr Versprechen an Veyar gebrochen.
Alle beide hatten also entgegen ihrem Schwur als Faer Eryn gehandelt. Oder etwa nicht?
Wenn man es so betrachtete, war dann nicht auch die Weitergabe der Lampe an Meridia ein furchtbarer Fehler gewesen? Waren sie alle Eidbrecher?

Mezu knurrte, als ihr die Konsequenzen klar wurden. Kaum ein Faer Eryn wusste soviel und war schon so lange dabei wie Linaris. Sie würden ihre sicheren Häuser aufgeben müssen, die Dokumente verstecken müssen.
Und dann mussten sie Anuriel finden; und Linaris, ob er nun tot oder lebendig war.
Und Nelos und sein Halbbruder? Nun, das war ein anderes Problem - sofern sie nichts über die Faer Eryn wussten.

Mezu seufzte, als sie über die mondlichtbeschienene Fläche des kleinen Sees vor dem sicheren Haus in Mistral starrte. Das war ein herber Schlag; sie würden von nun an viel vorsichtiger sein müssen.

Corrin, der Bewahrer, wartete ruhig und besonnen ab, bevor er wieder das Wort erhob. So oder so sei ein geheimes und für andere unzugängliches Versteck deutlich besser für die Faer Eryn, erklärte er.
In der derzeitigen Situation konnte Mezu dagegen wohl kaum etwas einwenden. Mürrisch packte sie Aliyazes inzwischen schon leicht verknittertes Pergament und stopfte es in ihren Beutel. Es würde viel, viel Arbeit geben.
...ist doch natürrlich, oderr? Diese heisst Dolch, weil es das ist, was sie ist. Ja?
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#3
Die Faer Eryn trafen sich als nächstes ausserhalb der ehemaligen Botschaft und sicherten ihre Wege, damit ihnen niemand folgen konnte.
In dem kleinen Kabuff oberhalb der lokalen Taverne drängten sie sich zusammen, um die nächsten Schritte zu besprechen.
Talisiera würde sich nach Morrowind aufmachen, um mehr über Linaris' Verleib zu erfahren und vor allem, um Anuríel zu finden und ihr Trost und Hilfe anzubieten.
Die anderen würden, als Schauspielertruppe verkleidet, all ihre Unterlagen aus der Botschaft an Bord der "stummen Maid" bringen und dann nach Auridon abreisen. Dort hatte die Diebesgilde ihnen ein Versteck bereit gestellt; als Gegenleistung für die Mitnahme diverser, sicherlich zolltechnisch nicht einwandfreier Güter.

Die Faer Eryn diskutierten, fanden aber keine bessere Lösung.
Dann war es an Corrin, zu sprechen.
Er stellte die Bewahrer als eine große und weit verzweigte Organisation vor, die es zum Ziel hatten, Wissen zu bewahren, Geschäfts- und Geschichtsvorfälle zu bezeugen und die Wahrheit zu verkünden, wo immer nötig.
Ausserdem erzählte er, dass es die traditionelle Arbeit der Bewahrer war, die Geister des Waldes zu schützen - und sie zu benachrichtigen, wann immer die Dinge irgendwo aus dem Ruder liefen.
Die Faer Eryn reagierten sehr interessiert.
Corrin sagte, die Faer Eryn hierzulande hätten keine Struktur, handelten sprunghaft und bräuchten dringend einen Ausbilder; vermutlich deswegen habe ihn Frau te Temara kontaktieren wollen und hergebeten.
Er erzählte auch, dass es noch viele andere Konklaven der Faer Eryn gab, Corrin selbst wollte an die einhundert Faer Eryn kennen.
Mezu musste sich erstmal setzen. Das bedeutete, dass sie nicht alleine waren; nie gewesen waren...!
Es bedeutete, irgendwann würde sie andere Faer Eryn kennen lernen. Und andere Bewahrer. Und Nachrichten erhalten, Wissen teilen können - vielleicht sogar gemeinsam, koordiniert zuschlagen....! Mezu grinste. Was für eine Vielzahl an Möglichkeiten...!
Dann aber wurde das Treffen von der Debatte überschattet, was man Elkantars wegen unternehmen sollte; anscheinend war er spurlos verschwunden und das seit mehreren Wochen.
Mezu legte die Ohren an. So viele Verschwundene... und wenn es doch einen Verräter in ihren Reihen gab...?
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#4
Nachdem alles gepackt, beschlossen und besprochen war, verabschiedeten die Faer Eryn Talisiera, die mit einem Linienschiff nach Steinfälle auslief, um die Ermittlungen im Fall Linaris und Anuriel aufzunehmen.

Die übriggebliebenen Mitglieder streunten noch einmal durch die verlassene ehemalige Maormer-botschaft um sich zu verabschieden; vor allem auch vom Andenken an Aliyaze te Temara, die ihr Leben für die Faer Eryn gegeben hatte.
Dabei fiel Gaijus Bellentor ein Päckchen auf, dass in einem der Bücherregale platziert worden war. Es war wie ein Geschenk verpackt und eine Karte hing daran, die in geheimnisvollen krakeligen Buchstaben beschriftet war. Finder konnte sie schliesslich entziffern, es war ein alter ayledischer Dialekt.

"Vielen Dank für euer Geschenk. Anbei die Verpackung zurück, in der hoffnung, dass sie nicht mehr benötigt wird."

Mezu schwante schon gleich Übles, als sie das las, und das Auspacken ließ ihren Magen sich in altvertrauter Art und Weise verkrampfen. In dem Päckchen, gut mit Holzwolle gepolstert, fand sich die magische Laterne. Leer, ohne die Seele von Aliyaze - und ohne den Schattenmann.
Meridia musste den Atronarchen der Dunkelheit freigesetzt haben. Aber wozu? Wo? Mit welchem Zweck?
Mezu konnte sich leicht gleich mehrere Katastrophen ausmalen, die der Schattenmann verursachen konnte - aber nichts, aber auch gar nichts Gutes darin erkennen.

Es half alles nichts; die Schiffsglocke der "Stummen Maid" läutete auffordernd, und die Faer Eryn nahmen die Laterne notgedrungen mit an Bord. Als Gauklertruppe getarnt würden sie die zweiwöchige Überfahrt nach Auridon hinter sich bringen und dann dort ein neues Versteck beziehen, dass Mezu über irgendwelche zwielichtigen Kontakte besorgt hatte.

Schon kurz nach Beginn der Reise fiel den Faer Eryn eine kleine, hartnäckige Regenwolke auf, die am westlichen Horizont sichtbar war - und im Verlauf der nächsten Tage beständig grösser und grösser wurde. Schliesslich, etwa vier Tage vor Himmelswacht, die ferne Küste war am östlichen Horizont schon zu erahnen, traf sie die Sturmfront, die sich aus der kleinen Regenwolke entwickelt hatte, mit voller Wucht.
Doch der Sturm, der folgte, war keines natürlichen Ursprungs: innerhalb kürzester Zeit entwickelte er sich zu einem regelrechten Orkan. Der Hauptmast ächzte unter der Last der abgetakelten Segel; Hagel schlug auf die Planken und Wasser tropfte von der Decke. Jedermann an Bord, selbst eingefleischten Seemännern, war speiübel; und alle Laternen waren gelöscht worden, um Feuer zu vermeiden.
Die Faer Eryn lagen stöhnend in ihren Kojen und beteten darum, dass der Sturm bald nachlassen möge, doch Mezu sah da wenig Hoffnung. Irgendetwas - oder -jemand - hatte ihnen diesen unnatürlichen Sturm hinterhergehetzt und versuchte, die "Stumme Maid" zu versenken.
Schiff und Mannschaft kämpften wacker, doch wieviel Chance hatten sie gegen den Herrn der Lügen und der Gewalt? Denn das Molag Bal hinter dieser Sache steckte, war für Mezu selbstverständlich.
Und die Laterne, die vermaledeite Laterne, hatte sie für ihn auffindbar gemacht, irgendwie. Oder nicht?

In dem Schwanken, Ächzen und Stöhnen fiel es Mezu schwer, einen klaren Gedanken zu fassen. Übertrieb sie? Zwischen dem Donnergrollen, dem wie Gewehrfeuer trommelnden Hagel und dem Brechen der Wellen war es leicht, sich höhnisches Gelächter vorzustellen.

Gaijus überlegte, dass die Faer Eryn schon einmal von einem unnatürlichen Sturm heimgesucht waren, damals, als sie in Kalthafen zu der Kathedrale Meridias aufgebrochen waren. Nur der heilige Ort hatte sie vor der Gewalt und der tödlichen Kälte zu schützen vermocht. Doch hier hatten sie keine Priester, keine Schamenen und keinen heiligen Ort.
Gaijus baute in dem schwankenden, muffigen und feuchten Raum seinen Reisealtar auf und versuchte, mit einem Gebet und einem Opferfeuer die Gewalt des Sturms zu besänftigen. Mezu kippte kurzerhand den Nachttopf darüber aus - Feuer war nicht ohne Grund auf dem schwankenden Schiff verboten.
Eine Sekunde später, als der Geruch warmen Urins durch den ohnehin schon überfüllten, feuchten und schwankenden Raum zog, bereute sie ihre Handlung zutiefst. Doch Gaijus liess sich nicht beirren und entzündete erneut ein paar qualmende Holzspähne, um zu den Göttern zu beten.
Mezu fluchte still vor sich hin. Was für eine Reise!
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#5
Ein Beobachter im Hafen
 
Die Wellentänzer war schon kaum mehr am Horizont zu sehen, als Talisiera beobachtete wie ihre Gefährten sich Richtung Hafen aufmachten.
 
Wie erwartet hatte es keine Komplikationen gegeben. Ihr Gepäck war nie an Bord gewesen und so stellte es kein Problem dar, die Passage nicht zu nutzen.
Es war einfach zu wichtig keinerlei Hinweise zu Hinterlassen, selbst bei ihren Bekannten nicht.


Wie Talisiera sie so auf der Straße gen Hafen musterte, wurde ihr bewusst, dass sie diese Chaoten wieder erwartend sogar etwas vermissen würde, immerhin waren sie ja auf ihre Art recht unterhaltsam. Sie aber hatte eine Mission abgenommen und da konnte sie keine Anfänger gebrauchen, die ihr eventuell sogar noch mehr Probleme einbringen würden. Ihr Blick blieb noch einmal an ihnen haften. „Mögent Ihr Erfolg bei euren Unterfangen und Glück auf euren Wegen haben.“ ging es ihr durch den Kopf.  
 
Dann drehte sie sich um und ging. Es wurde Zeit sich zum Treffpunkt aufzumachen. Ihr Kontakt würde dort dann das Portal öffnen. Das Abenteuer würde erneut beginnen, der Pfad der Schatten lag wieder vor ihr…
nach all den Jahren würde sie nach Hause zurückkehren.
"Das Schiff ist sicherer wenn es im Hafen liegt ... 
...doch dafür werden Schiffe nicht gebaut."
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#6
3 Tage und Nächte währte der verrückte Sturm, der ganz sicher nicht natürlichen Ursprungs war. Immerhin konzentrierte sich der Mittelpunkt genau auf das Schiff.
Drei Tage und Nächte ohne Schlaf, ohne warmes Essen, ohne Feuer... jeder an Bord hatte schon mindestens einmal den Ozean mit dem Inhalt seines Magens bekannt gemacht, und selbst die erprobtesten Seeleute beteten lauthals zu den Aedra, sie mögen doch ihr Leben verschonen.
Zwei Seeleute waren bereits über Bord gespült worden, als ihre Sicherungsleinen rissen.
In der Not drängten sich die Passagiere der "Stummen Maid" in der kleinen, noch halbwegs trockenen Kabine zusammen, und schlossen schnell Notfreundschaften mit ihren Mitreisenden.

Gaijus opferte sein Blut Stendarr und betete lauthals, in der Hoffnung, damit ihre Situation verbessern zu können, doch der Gott schien ihm so fern zu sein wie selten zuvor.
Schreie und Hohngelächter schwangen in den grausamen Winden mit, Mezu meinte, das Gackern von Zwielichtschwingen zu hören und das Kreischen von Skampen.
Und das seltsame, lilafarbene Wetterleuchten in den Wolken machte den Eindruck perfekt, gleich wolle einer der schrecklichen daedrischen Anker Molag Bals auf das Schiff fallen.
Und dann bildeten die Wolken tatsächlich einen konzentrischen Wirbel um die angeschlagene "Stumme Maid", die schon den halben Hauptmast und den Fockmast verloren hatte - sie folgten damit den Wellen, die ebenfalls einen gigantischen Strudel formten und das Schiff mit sich auf den Grund des Meeres zu reissen drohte.
Gajius kämpfte sich bis zum Steuerrad vor und übernahm das Ruder, um das Schiff aus der sicheren Verderbnis noch zu retten. Auch Finder kämpfte sich über das kränkende, schlingernde Deck.
Doch es sah nicht so aus, als würden die zwei Freunde den rohen Naturgewalten rings um sich herum ihr Leben abtrotzen können.
Nein, dieser Sturm diente einzig und allein Molag Bals Zwecken, und die Faer Eryn wussten auch, warum er hier tobte: Die magische Laterne hatte sie auffindbar gemacht, angreifbar.

Es war keine Heldentat, es war vermutlich nicht einmal Vorsatz: Mezu nahm das in weiches Leder verschnürte Päckchen mit der Laterne an sich, dann rannte sie in Richtung der Reling, fort von dem Strudel. Todesmutig sprang sie ins eiskalte, schwarze Wasser.
Ohne ein weiteres Wort, ohne Abschied war die fleckige Khajiit einfach verschwunden, mitgerissen von der tödlichen Strömung und dem heulenden Wind.
Die Faer Eryn standen wie betäubt. Ihre mit so viel Mühe errungene Waffe, ihr Werkzeug gegen den Schattenmann - und Mezu! einfach fort.

Im Schock erkannten sie erst nach einigen Stunden, dass Mezus Todessprung offensichtlich tatsächlich irgendetwas bewirkt hatte. Gaijus erbrachte eine heldenhafte Leistung am Steuer des Schiffes und konnte es aus dem Strudel drehen - vor allem auch deswegen, weil er langsam in sich zusammenfiel, sobald sich die drehenden Wolken nun auf einen anderen Punkt konzentrierten und das sturmgeschüttelte, lecke Schiff nach und nach freigaben.
Nach weiteren anderthalb Tagen im Orkan lief die "Stumme Maid" auf Sand. Nur noch sechs Seeleute waren am Leben, jedes Stück Segeltuch war zerfetzt, der Hauptmast vom Blitz der Länge nach gespalten.

Völlig erledigt taumelten die Faer Eryn und ihre Gefährten an Land. Wo waren sie? Würden sie hier je wieder fort kommen?
Nach Corrins Anweisungen handelten bald alle gemeinsam: Gaijus und Chakto bemühten sich, aus dem Schiff alles zu bergen, was den Schiffbrüchigen weiterhelfen konnte; Medikamten, Karten, Seile, Werkzeug, Wasser, Proviant.
Finder und Thyr machten sich daran, das Land zu erkunden, um herauszufinden, wo sie sich in etwa befanden. Grillen zirpten in der Abenddämmerung, exotische Vögel riefen, und hinter den Klippen wartete ein feuchter, verschlungener Urwald auf Entdeckung : offensichtlich waren sie am Strand eines Dschungel-gebietes gestrandet.
Die überlebenden Seeleute stellten ein Zelt auf und versammelten sich um ein Treibholzfeuer. Die einzige gerettete Flasche medizinischer Gin wurde an die Überlebenden verteilt, und trotz der zahlreichen Toten war die Stimmung beinahe ausgelassen: Sie hatten überlebt.
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#7
Die anhaltenden Regenfälle der folgenden Nacht und des nächsten Morgens senkten die Laune der Schiffbrüchigen erheblich. 
Trotz all ihrer Versuche, Feuer, Nahrung, Wasser und Holz zur Reparatur des Schiffes zu beschaffen, kamen sie nicht recht voran: Auf der kleinen Insel wuchsen zumeist nur drahtige Büsche, die weder das Feuer lang unterhalten konnten noch irgendetwas zur Reparatur des Schiffes beitragen konnten. 
Außer Sardinen und ein paar Krebsen sowie einer verdächtig aussehenden Schlange konnte selbst der geduldige Aaron kein Essen beschaffen, und die Insel, auf der sie gestrandet waren, verfügte nicht über eine Quelle.
Nach einer halb durchwachten und durchzitterten Nacht am Strand beschlossen die Reisenden daher, gemeinsam zum Festland über zu setzen. 
Dort konnte man sich Hilfe und Wasser erhoffen, Holz und Nahrungsmittel.

Und tatsächlich - die Durchquerung des schmalen Priels, der Festland und Insel trennte, war bei Ebbe leicht zu bewerkstelligen. Doch das Festland wirkte nicht gerade einladend: Hohe Klippen versperrten die Sicht auf den Wald. Nur das wilde Konzert seiner Bewohner war zu hören....
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#8
Es dauerte eine Weile, die steilen Klippen über dem Strand zu bezwingen, hinter denen die - immer noch ein wenig seltsamen - Urwaldgeräusche erklangen. Die Gefährten kamen an der Behausung einer Nereide vorbei, die einen ihrer Schiffsgefährten gefangen hatte.
Doch ohne Waffen, von dem Sturm und dem Mangel an Essen geschwächt, waren sie derart entmutigt, dass sie keine Möglichkeit sahen, dem armen Menschen zu helfen.
Es dauerte, bis sie die Klippen überwunden hatten. Dann fanden sie sich in einem urtümlichen Dschungel wieder. 
Damit schienen die Berechnungen von Gaijus Bellentor bestätigt - sie waren auf einer der kleinen Inseln vor Malabal Tor gestrandet. Nun hatten sie das Festland erreicht, doch Malabal Tor war ein wildes, unwegsames Dschungelgebiet, in dem es viele Gefahren und nur wenige kleine Dörfer der Bosmer gab - abgesehen von den Städten Silvenar und Velynhafen, die beide etwa eine Woche Fußweg von ihrer derzeitigen Position entfernt sein mussten.
Würden die geschwächten Schiffskameraden dennoch irgendwie Hilfe und Nahrung besorgen können?

Tatsächlich fanden die Gefährten bald heraus, dass sie sich nicht weit entfernt von dem Dorf Vulkwasten befanden - und zwar dadurch, dass sie auf einem schmalen Dschungelpfad auf Breanha Dhú trafen, eine bosmerische Waldläuferin. Diese schien zunächst jedoch nicht sonderlich freundlich, sondern wollte die Schiffbrüchigen im Gegenteil gar nicht ins Dorf lassen. Auf ihrer Insel bei ihrem aufgelaufenen Schiff seien sie sicherer, beschied sie ihnen grob.

Doch die Aussicht auf Essen, frisches Wasser und Hilfe ließ die Gefährten nicht aufgeben, und als Corrín sich als Bewahrer vorstellte, schien Breanha nichts mehr dagegen zu haben, die Notleidenden nach Vulkwasten hineinzulassen, denn sie selbst war auch eine Bewahrerin aus Velynhafen. Als sie begriff, dass die Fremden seit Tagen nur Schiffszwieback gegessen hatten, führte sie sie in ein Haus in dem Dorf und bot ihnen Wasser und Essen an. Doch zuvor warnte sie sie eindringlich, denn nicht ohne Grund hatte sie sie von Vulkwasten fern halten wollen:
In dem Dorf war irgendetwas verdammt seltsam. Die wenigen Bewohner saßen oder standen apathisch herum. All ihre Handlungen schienen sich alle 10 Minuten zu wiederholen. Selbst die Mammuts, die die Bosmer als Haustiere hielten, bewegten sich nur in trägen Kreisen vor und zurück. Nach und nach offenbarte sich den Gefährten die ganze Seltsamkeit des Ortes und der Umgebung: Alle 10 Minuten wiederholten sich exakt dieselben Bedingungen. Alle 10 Minuten fiel ein kleiner, kalter Regenschauer. Alle 10 Minuten wiederholten sich die Geräusche des Dschungels. Und alle 10 Minuten nickten die Bosmer am See einander zu - ohne dann wieder etwas anderes zu tun als zuvor.

Breanha berichtete, dass vor zwei Tagen - zu dem Zeitpunkt, als die "Stumme Maid" aufgelaufen war - ein heftiges Gewitter über Malabal Tor niedergangen war. Sie befand sich gerade auf dem Waldweg von Velynhafen nach Silvenar, als ein mächtiger Blitz das ganze Gebiet erst in grelles Licht tauchte und dann so etwas wie eine dunkle Wolke sich von Süden nach Norden über den ganzen Dschungel verteilte. Sie war nur knapp an ihr selbst vorbei gezogen.
Und seitdem - Breanha konnte es schwören - war nichts mehr so wie zuvor. Da Vulkwasten in der Nähe lag, wollte sie dort Unterschlupf vor dem noch immer andauernden Gewitter suchen - und fand diese seltsamen Zustände vor. 
Seitdem hatte sie das Phänomen genauer untersucht, und auch die Schiffskameraden stellten ihre eigenen Überlegungen an, in dem sie die Gegebenheiten vor Ort mit verschiedenen Experimenten austesteten.
Ein einmal gegrabenes Loch, ein aufgehobener Zweig, ein eingeschenktes Glas Jagga - schien sich nicht in dem 10-Minuten-Rhythmus zu verändern, der die gesamte Gegend erfasst hatte. Die Gesetze der Physik schienen also weiterhin gültig zu sein. Doch alle Dinge, die in Ruhe gelassen wurden: ein angeschnittenes Stück Fleisch, eine umgeknickte Pflanze - oder einer der Bewohner von Vulkwasten - versuchte stets, den Zustand wieder her zu stellen, den er zu diesem gewissen Zeitpunkt gehabt hatte. Vermutlich zu dem Zeitpunkt, an dem der Blitz eingeschlagen war. 

Breanha berichtete, dass das Essen aus Vulkwasten zu regelmäßigen - 10-minütigen - Magenbeschwerden führte - woraufhin die Gefährten es nicht mehr antasteten. Ebenso erzählte sie, dass sie nur sehr schlecht geschlafen hatte. Besorgt berieten sich die Gefährten untereinander. Da Breanha dazu neigte, sich ständig vor und zurück zu wiegen, befürchteten sie, dass ein längerer Aufentalt in dem verfluchten Gebiet sie nach und nach genauso in den apatischen, sich wiederholenden Zustand fallen lassen würde, den auch die anderen Bewohner des Dorfes inne hatten.
Aber was sollten sie tun? Sie hatten noch etwas Schiffszwieback, der jedoch kaum für die nächsten zwei, drei Tage reichen würde. Velynhafen und Silvenar waren mindestens eine Woche entfernt - und niemand garantierte ihnen, dass dieser seltsame Zauber dort nicht vorhanden war. Konnten sie ihren Kameraden von der "Stummen Maid" noch helfen? Konnten sie Vulkwasten und Malabal Tor helfen?
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#9
Die Schiffbrüchigen hatten ihre liebe Not damit, zu verstehen, was hier vor sich ging. Zumal auch Breanha, ihre ortskundige Führerin, von demselben Zauber oder Fluch betroffen schien und hin und wieder Worte von sich gab, die keiner verstehen konnte. Vermutlich deswegen, weil sie das vor Ort befindliche Essen zu sich genommen hatte.
Das machte ihre Situation natürlich nicht besser: Mit dem streng rationierten Schiffszwieback und Regenwasser allein würde unsere Helden kaum wieder zu alten Kräften zurückfinden.

Schliesslich aber kamen die Gefährten darauf: Die Einheimischen sprachen rückwärts.
Aber sie schienen es nicht zu merken und ihre Fragen zu verstehen. Über die Ursache der merkwürdigen Zeitverdrehung aber konnten sie genauso wenig sagen wie Breanha.
Sie berichtete erneut über die vermutete Ursache, diese schwarze Wolke, doch woher sie gekommen war, darüber vermochte sie nichts zu sagen. Von Süden. Hm.

Die Gefährten bewaffneten sich und gingen erst einmal daran, den von der Nereide am Strand gefangenen Schiffskameraden zu retten. Da die Männer fürchteten, dass sie ihre berüchtigten Verführungszauber gegen sie richten würde, gingen die drei anwesenden Frauen, Ro'anhra, Shayariel und Breanha allein auf die gefährliche Klettertour die Felsen hinunter und bis zur Höhle der Wasserfrau.
Ro'anhra war eine geübte Kriegerin, die, durch die Pfeile von Shayariel und Breanha unterstützt, schnell kurzen Prozess mit der Bedrohung machte. Den weitaus grössten Teil der Zeit benötigte es, den bewusstlosen und erschöpften Ausguck über die Felsen nach Vulkwasten zu transportieren. Dort liessen sie ihn gut versorgt in einer der Hütten erst einmal seine tiefe Erschöpfung kurieren.

Währenddessen waren die Männer nicht untätig gewesen. Indoriel hielt ein Ritual ab, um daedrische Einflüsse im Dorf erkennen zu können - und wurde prompt fündig. In der Taverne des Ortes fand sich ein Gegenstand aus einem seltsam lilafarbenen Material, das offensichtlich einen schwachen daedrischen Zauber enthielt.
Äusserst vorsichtig prüften die Helden, ob er der Verursacher des Zeitfluchs sein könnte.
Allerdings stellten sie bald fest, dass der sichergestellte Gegenstand ein aus Horn geschnitzter Kamm war. Er bewirkte nicht mehr und nicht weniger, als dass bei demjenigen, der sich damit kämmte, die Haare seidiger und länger wirkten.
Enttäuscht standen die Gefährten in der Taverne. Alle 10 Minuten ging in dem verfluchten Dorf ein Gewitterregen nieder. Sie konnten weder essen noch trinken, obwohl sie umgeben waren von trinkenden und feiernden Bosmer, und die Vorratskammern um sie herum gut gefüllt waren mit gut abgehangenem Fleisch und frisch gebrautem Jagga.
Und die Hinweise, um dieses Problem zu lösen, hielten sich sehr in Grenzen.
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#10
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Mezu erwachte mit einem Ruck, die Hand schon am Dolch. Noch schlaftrunken, schaute siesich einen Moment lang um. Über ihr zogen die Möwen ihre Kreise unter ein paar fernen Wolkenschäfchen, und das Schiff schaukelte nur sachte auf der ruhigen See.
Mezu kringelte sich wieder in die Rolle Tau hinein, die sie als Schlafnest benutzte. Wie schön war es, wieder unter freiem Himmel zu schlafen!

Zwei oder drei Tage später war die Überfahrt der vermeintlichen Gauklertruppe nach Himmelswacht beendet. Am Kai kümmerte sich Gaijus und Finder um das Verladen ihrer zahlreichen Gepäckstücke und fanden einen Unterschlupf in einer gut beleumundeten Taverne in Hafennähe.
Nachdem sie alles eingelagert hatten, machte sich Mezu auf, um die Diebesgilde zu kontaktieren. Sie übergab ihrem Kontaktmann die Marke, die ihm Zugang zum Lagerraum verschaffen würde, und schüttelte noch einmal die Hände mit ihm.
Die Diebesgilde erhält die Ware, und die Faer Eryn erhalten ein sicheres Haus - das war Mezus Deal mit diesen Leuten gewesen. Nun war die Gilde noch ihren Teil schuldig, aber Mezu zweifelte nicht daran, dass sie zu ihrem Wort stehen würden. Zunächst mal mussten sie ihre Kisten und Säcke ja aus der Taverne herausbekommen, und Mezu hatte nicht vor, das Haus unbewacht zu lassen.
Ausserdem kannte sie zuviele Namen und Gesichter, als dass die Gilde einfach hoffen konnte, sie würde keinen Ärger machen, wenn man dieses Geschäft nicht ehrenhaft abschloss.
Mezu schlug fröhlich mit dem Schwanz, während sie wie immer sicherstellte, dass ihr niemand zu der Taverne zurück folgte. Zwar war das eigentlich sinnlos - schliesslich konnte die Gilde eine, zwei Stunden später jemanden schicken, und Mezu würde es nicht wissen - aber alte Gewohnheiten ließen sich nun mal nur schwer ablegen.

Als sie sich wieder der Taverne näherte, in der ihre Freunde lagerten, freute sie sich auf Wein und Essen. Sogar ein Bad - naja, zumindest eine gründliche Wäsche - würde sie nehmen, nach all dem Salzwasser und dem rauhen Wind. Und dann waren da noch diese beiden interessanten Besucher, die sie an den Kais aufgesammelt hatten. Eine Khajiit namens Sashaa - die Mezu dem ersten Geruchseindruck nach sehr in Ordnung zu sein schien - und dieser Soldat Lucius, der Gaijus zu kennen schien.
Beide würden eine Menge Spass bringen, dachte sie sich. Sie hoffte nur, dass Gaijus ein wenig zu alter Ordnung und Disziplin zurückfand; schon zwei Mal hatte er sich Lucius gegenüber kräftig verplappert. Vielleicht war ja sein Vertrauen in dieses Rundohr gerechtfertigt... andererseits.... vielleicht auch nicht. Gaijus, soviel war für Mezu nunmal sicher, neigte sehr dazu, die Dinge falsch einzuschätzen. Wie oft hatte er allein an diesem Abend dröhnend gelacht und gezwinkert - wenn er sich doch eigentlich hätte still und unauffällig verhalten sollen?
Vielleicht war das eine Menschen-Eigenart? Dann wäre Lucius eher eine Last...
Dennoch freute sich Mezu darauf, einen anderen Menschen ausser Gaijus kennen zu lernen. Schliesslich waren sie so etwas wie eine Rarität.
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